Handlungsvollmacht

Lexikon | 1 Kommentar

Erklärung zum Begriff Handlungsvollmacht

Eine Handlungsvollmacht kann Mitarbeitern durch einen Kaufmann oder Prokuristen erteilt werden. Die Handlungsvollmacht stellt eine begrenzte geschäftliche Vertretungsmacht dar. Sie ist dabei stets auf das Handelsgeschäft begrenzt.

I. Bestimmung über die Handlungsvollmacht

Die Handlungsvollmacht wird in § 54 HGB (Handelsgesetzbuch) behandelt.

  •  § 54 Abs. 1 HGB: was unter eine Handlungsvollmacht fällt
  • § 53 Abs. 2 HGB: Ausnahmetatbestände
  • § 54 Abs. 3 HGB: Vertrauenstatbestand

II. Unterschied zwischen Handlungsvollmacht und Prokura

Zwischen Prokura und Handlungsvollmacht liegen einige Unterschiede. Während die Prokura nur ausdrücklich erklärt werden kann, genügt bei der Vollmacht auch eine konkludente Erteilung.
Eine Erteilung einer Prokura wird stets in das Handelsregister eingetragen, während dies für eine Vollmacht nicht nötig ist.

Wem eine Prokura erteilt wurde, der ist dazu berechtigt, alle gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäfte und Rechtshandlungen auszuführen, die für irgendein Handelsgewerbe anfallen können. Während dessen kann ein Handlungsbevollmächtigter lediglich einzelne oder bestimmte Geschäfte und Rechtshandlungen ausführen. Und auch nur solche, die bei dem Handelsgewerbe für gewöhnlich auszuführen sind.

Einer der möglichen weiteren Unterschiede ist, dass eine Prokura nicht übertragbar ist (§ 52 Abs. 2 HGB) während eine Handlungsvollmacht durchaus mit Zustimmung übertragen werden kann (§ 58 HGB).

Der Handlungsbevollmächtigte muss das Bestehen der Vollmacht durch seine Unterschrift verdeutlichen (§ 57 HGB). Gängig ist daher die Unterzeichnung mit i.V.
Wird eine Prokura unwirksam erteilt, besteht herrschende Einigkeit darüber, dass aus dem verhinderten Prokuristen ein Handlungsbevollmächtigter durch Umdeutung werden kann (§ 140 BGB).

III. Welche Handlungsvollmachtsarten gibt es?

  • Spezialhandlungsvollmacht: kann bei Bedarf nur für die Durchführung eines einzelnen Geschäfts erteilt werden, das vorher konkretisiert wurde.
  • Generalhandlunsgvollmacht: umfasst den vollständigen Betrieb genau desjenigen Handelsgewerbes, in welchem der Handlungsbevollmächtigte seine Tätigkeit ausübt. Die Vollmacht umfasst jedoch nicht sämtliche Tätigkeiten, sondern vielmehr nur diese, welche branchenüblich und gewöhnlich für den jeweiligen Geschäftszweig sind.
  • Arthandlungsvollmacht: durch sie kann der Bevollmächtigte nur eine bestimmte Art von Geschäften vornehmen, welche dem jeweiligen Handelsgewerbe zugehören muss.

IV. Grenzen des Handlungsbevollmächtigten

Es gibt bestimmte Handlungen, die von einem Handlungsbevollmächtigten nicht durchgeführt werden dürfen. Dazu zählen das Eingehen von Wechselverbindlichkeiten, das Führen von Prozessen, die Aufnahme eines Darlehens, die Übertragung seiner Vollmacht sowie das Belasten oder Verkaufen von Grundstücken.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

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Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

Flonie  (08.01.2016 09:28 Uhr):
Ich habe nur eine Frage dazu. Was darf /muss ein Handlungsbevöllmächtiger alleine entscheiden? Ich bin in einem Schiffahrtsunternehmen und soll eine Entscheidung treffen, die der Firma € 15.000 kosten würde. Sollte das nicht mit der Geschäftsleitung abgesprochen werden?



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