Suchen Sie jetzt einen Anwalt:
   

JuraForum.deJuraForum-WikiFFreiheitsberaubung 

Freiheitsberaubung

Lexikon | 1 Kommentar

Erklärung zum Begriff Freiheitsberaubung

1. Objektiver Tatbestand

Der § 239 I StGB schützt die Fortbewegungsfreiheit und ist als Dauerdelikt anzusehen. Es muss also ein Eingriff vorliegen, der dazu führt, dass der Person die Möglichkeit genommen wird nach seinem Willen sich frei fortzubewegen.

Was unter Freiheit zu verstehen ist, ist nicht ganz einfach. Die Rechtsprechung stellt allein auf die Möglichkeit ab sich von einem bestimmten Ort wegzubewegen. Auch unzumutbare Alternativmöglichkeiten zum Verlassen des Ortes fallen hierunter. Somit wird das Selbstbestimmungsrecht der Person geschützt.

Dabei stellt sich häufig die Frage, ob das Opfer einen aktuellen Fortbewegungswillen besitzen muss. Nach herrschender Meinung ist auf den potenziellen Willen des Opfers abzustellen, nicht also darauf, ob das Opfer eine Ortsänderung möchte und oder ob es von der objektiven Beschränkung der Fortbewegungsmöglichkeit weiß.

Weiterhin ist umstritten, wie lange der Eingriff andauern muss um ihn vom klassischen Festhalten (Nötigung) abgrenzen zu können. Dies ist wie vieles vom konkreten Einzelfall abhängig. So können bereits wenige Minuten ausreichen. Ein Festhalten von wenigen Sekunden ist somit nicht ausreichend. Hierbei kommt es oftmals auf eine vernünftige und nicht sachfremde Begründung an.

§ 316 I StGB beschreibt zwei Handlungsalternativen, zum einen das Einsperren oder zum anderen auf andere Weise. Dabei ist das Einsperren nur ein Beispiel für die Freiheitsberaubung. Einsperren ist das Festhalten in einem umschlossenen Raum durch äußere Vorrichtungen, so dass der Betroffene objektive gehindert ist, sich vom Ort weg zu bewegen.
Beispiel: Einsperren in einem Gebäude oder Keller, Blockieren aller Ausgänge.

Auf andere Weise kann das Opfer durch jede Handlung der Freiheit beraubt sein, welche objektiv die Aufhebung der Fortbewegungsfreiheit bewirkt.

Beispiel: Wegnehmen des Rollstuhls


2. Subjektiver Tatbestand

Zur Verwirklichung des § 239 I StGB genügt bedingter Vorsatz. Der Täter muss die Fortbewegungsfreiheit völlig aufheben wollen.

3.Rechtswidrigkeit/ Schuld

Hier gelten die allgemeinen Regeln. Wichtig könnte hier § 127 StPO das Festnahmerecht, aber auch das tatbestandsausschließende Einverständnis in Form einer wirksamen Einwilligung des Verletzten sein.


§ 239 III StGB und § 239 IV StGB enthalten Erfolgsqualifikationen. Dabei ist lediglich zu beachten, dass die jeweilige Folge gem. § 18 StGB nur fahrlässig verursacht werden muss.




Erstellt von , 03.06.2010 10:06
Zuletzt editiert von webmaster, 05.09.2011 11:18


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.

Nachrichten zu Freiheitsberaubung

  • BildFreispruch gegen Richter aufgehoben- gegen Oberstaatsanwalt bestätigt (15.04.2013, 10:35)
    Das Landgericht Potsdam hat einen 45 Jahre alten Richter und einen 55 Jahre alten Oberstaatsanwalt vom Vorwurf der Rechtsbeugung in Tateinheit mit schwerer Freiheitsberaubung freigesprochen. Eine zunächst ergangene Verurteilung beider zu...
  • BildAnklage gegen die Mutter von Arzu Ö. wird zugelassen (06.02.2013, 10:15)
    Die gegen die Mutter von Arzu Ö. erhobene Anklage der Staatsanwaltschaft Detmold wird zur Hauptverhandlung zugelassen, die Hauptverhandlung gegen die Angeschuldigte hat vor dem Amtsgericht – Schöffengericht – in Detmold stattzufinden. Das hat der...

Entscheidungen zum Begriff Freiheitsberaubung

  • BildOLG-HAMM, 01.07.2004, 3 Ws 185/04
    Zur Freiheitsberaubung im Amt durch den Mitarbeiter eines Ausländeramtes.
  • BildOLG-HAMM, 28.11.2003, 4 Ss 604/03
    Zum Konkurrenzverhältnis bei Bedrohung und Freiheitsberaubung.
  • BildOLG-HAMM, 13.11.2001, 3 Ws 162/01
    Zur Freiheitsberaubung durch Unterlassen infolge Aufrechterhalten einer nach PolG nicht gerechtfertigten Ingewahrsamnahme
  • BildOLG-DRESDEN, 11.02.2000, 2 Ws 535/99
    Leitsatz: Anstiftung zur Freiheitsberaubung durch Denunziation beim NKWD 1947/48 und ihre Verjährung.
  • BildBSG, 30.11.2006, B 9a VG 4/05 R
    Eine Freiheitsberaubung ist jedenfalls dann ein tätlicher Angriff, wenn sie auch durch den Einsatz körperlicher Gewalt erfolgt.
  • BildVG-DES-SAARLANDES, 25.01.2008, 7 K 322/07
    Ein Justizvollzugsbeamter, der außerdienstlich Straftaten in Form von gefährlichen Körperverletzungen, Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung und Beleidigung gegenüber seiner Lebensgefährtin und Beleidigung gegenüber seiner Lebensgefährtin und einem behinderten Verwandten begangen hat, ist auch in Anwendung der Grundsätze der neueren...
  • BildOLG-HAMM, 24.01.2013, III-3 Ws 13/13
    1. Eine Bedrohung mit dem Tode für den Fall, dass der Bedrohte einen bestimmten, ihm von dem Drohenden zugewiesenen und eng umgrenzten räumlichen Bereich verlässt, reicht für die Verwirklichung des objektiven Tatbestandes der Freiheitsberaubung aus. 2. Kommt in den Beweggründen für eine Tat eine fundamentale Missachtung der der...
  • BildBRANDENBURGISCHES-OLG, 30.08.2012, DGH BbG 5.12
    1. Im Beschwerdeverfahren gegen einen Beschluss des Richterdienstgerichts, mit dem nach § 78 BbgRiG a.F. die vorläufige Dienstenthebung eines Richters oder eines Staatsanwaltes (§ 95 Satz 2 BbgRiG a.F.) angeordnet oder eine derartige Maßnahme wegen veränderter Umstände aufgehoben worden ist, ist § 146 Abs. 4 VwGO nicht anwendbar. Es...

Aktuelle Forenbeiträge

  • Schadenersatz nach vorsätzlicher Sachbeschädigung (30.07.2013, 14:12)
    Mal angenommen: Person A gibt für 3 weitere Personen B, C & D eine Grillparty bei sich zuhause. Die Party ansich lief ruhig ab, jedoch fingen die Probleme morgens um ca halb sechs an. Person B ist total betrunken, so sehr, dass er erstmal 1,5 Stunden auf der Toilette sitzt und immer wieder bricht. Als sich die restlichen Personen...
  • Spanisches Strafrecht unrechtmässige Verhaftung falsche Verdächtigung (19.07.2013, 11:14)
    dieses beispiel spielt sich in der EU im Auslan Spanien ab. angenommen frau x gerät in einen streit mit frau y, aufgrund eines schlichtungsversuches einer bedrohenden und beleidigenden sms, die frau y an frau z, welches eine gemeinsame freundin von frau x und y ist, geschrieben hat. dieser schlichtungsversuch findet im haus der frau z...
  • Mittäterschaft - kein Tatbeitrag (08.04.2013, 23:43)
    Hallo, ich stoße immer wieder auf folgendes Problem bei der Mittäterschaft. Zur Veranschaulichung ein kleiner Fall: "X und Y beschließen gemeinsam, den Z zu überfallen. Dabei soll X den Z mit einem Messer bedrohen, Y die Beute entgegennehmen. So geschieht es auch." Ein gemeinsamer Tatplan als erste Voraussetzung für die...
  • Hausarrest eine Freiheitsberaubung? (20.03.2013, 15:15)
    Angenommen ein Vater ordnet seinem Sohn nach einer Straftat Hausarrest an. Der Schulbesuch ist aber gestattet. Sohn = 18 Jahre alt. Stellt dies eine Freiheitsberaubung dar?
  • Darf das die Polizei ? (19.03.2013, 15:59)
    Guten Tag, Angenommen eine Person wird zu einer Allgemeinen Verkehrskontrolle angehalten und die Beamten bestehen auf einen Drogentest. Schnelltests so wie Physiopatologische Tests können ja abgelehnt werden. Da meines Wissens Polizisten Jemanden NICHT ohne Einverständnis aufs Revier mit nehmen dürfen : Gemäß den Straftatbeständen...

Kommentar schreiben

64 - Ac/ ht =

Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

becki  (25.05.2016 18:13 Uhr):
Hallo ..ich habe da mal eine Frage. ..wie ist es wenn ein 11 jähriger Junge für ca 7 Stunden im zimmer bleiben muss mit der androhung wenn er raus komme würde es verlängert werden. ..



Sie sind gerade hier: JuraForum.deJuraForum-WikiFFreiheitsberaubung 

Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Freiheitsberaubung – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Finale Handlungslehre
    Bei der "finalen Handlungslehre" handelt es sich um eine der Handlungslehren, welche im Strafrecht existieren. Gemäß dieser ist als Handlung nur jenes Verhalten anzusehen, welches bewusst auf einen Erfolg gerichtet ist. Im Anschluss an die...
  • Flucht
    Flucht ist jedes Verhalten mit dem sich der Täter der Strafverfolgung entziehen will
  • Fluchtgefahr
    Soll in Deutschland eine Untersuchungshaft gemäß § 112 Abs. 2 Nr. 2 StPO wegen Fluchtgefahr angeordnet werden, so kann dies nur geschehen, wenn die drei Voraussetzungen Fluchtgefahr, Verhältnismäßigkeit und dringender Tatverdacht erfüllt sind....
  • Folgen der Verletzung - Steuergeheimnis
    Inhaltsübersicht 1. Allgemeines 2. Unterlassungsanspruch 3. Schadenersatz 4. Strafrechtliche Folgen 5. Disziplinarrechtliche Folgen 6. Strafrechtliches Verwendungsverbot...
  • Freiberufler - Berufsverbote
    Als "Berufsverbot" wird die Anordnung einer staatlichen Stelle angesehen, durch die einer Person die Ausübung eines bestimmten Berufes untersagt wird. So werden Berufsverbote von Strafgerichten ausgesprochen, wenn der Betreffende eine Straftat...
  • Freiheitsbeschränkung
    Der Begriff Freiheitsbeschränkung umschreibt einen Eingriff in die Freiheit der Person aus Art. 2 Absatz 2 Satz 2 GG. Nach Art. 2 Absatz 2 Satz 2 GG ist die die Freiheit der Person zwar unverletzlich, nach Art. 104 Absatz 1 GG kann sie...
  • Freiheitsstrafe
    Eine Freiheitsstrafe wird als Folge auf eine rechtswidrige und schuldhafte Straftat im Rahmen des Strafgesetzbuches (StGB) verhängt. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe erfolgt als Einheitsstrafe in einer Justizvollzugsanstalt (§ 139...
  • Führerschein weg
    Der Führerscheinverlust ist für jeden Verkehrsteilnehmer ein einschneidendes Erlebnis. Ist der Führerschein nämlich erst einmal weg, dann beginnt der meist teure Kampf um die Rückerlangung der Fahrerlaubnis. Grundsätzlich kann die Fahrerlaubnis...
  • Führungsaufsicht
    Im deutschen Strafrecht wird nach § 61 StGB eine Maßregel, welche der Besserung und Sicherung dient, als Führungsaufsicht bezeichnet. Bei bestimmten Straftaten kann das Gericht gem. § 68 StGB zusätzlich zu einer Freiheitsstrafe von...
  • Führungszeugnis
    In einem Führungszeugnis werden die Vorstrafen einer Person registriert. Es wird auf grünem Spezialpapier und mit dem Bundesadler versehen auf eine Urkunde gedruckt. Wer Einsicht in sein persönliches Führungszeugnis nehmen wollte, musste dies...

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Strafrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2016 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.