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Firmentarifvertrag

Lexikon

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Erklärung zum Begriff Firmentarifvertrag

Der Firmentarifvertrag wird zwischen einem einzelnen Arbeitgeber und der zuständigen Gewerkschaft speziell für das Unternehmen des Arbeitgebers abgeschlossen.

I. Welchen Inhalt hat der Firmentarifvertrag?

Der Firmentarifvertrag regelt alle Arbeitsbedingungen wie auch die Einkommensbedingungen eines Unternehmens. Er besteht aus einem schuldrechtlichen Teil und aus einem normativen Teil.

Im schuldrechtlichen Teil eines Firmentarifvertrages sind alle Rechte und Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer geregelt. Im normativen Teil findet man die Regelungen über betriebliche und betriebsverfassungsrechtliche Angelegenheiten sowie alle wesentlichen Details zum Inhalt der Arbeitsverträge und die Richtlinien zu deren Abschluss oder Beendigung.

II. Warum werden Firmentarifverträge abgeschlossen

Der Abschluss von Firmentarifverträgen ist häufig in sehr großen Unternehmen oder in Unternehmen vorzufinden, in denen der Arbeitgeber keinem Verband angehört. Hier können spezielle Regelungen getroffen werden, die nur für das Unternehmen Gültigkeit haben und die in einem flächendeckenden Tarifvertrag nicht zu finden sind. Ein Firmentarifvertrag wird sehr oft vor dem Hintergrund der Kostensenkung abgeschlossen. Generell gilt der Firmentarifvertrag für eine bestimmte Laufzeit, die im Vertrag genau definiert ist. Das Unternehmen hat aber auch die Möglichkeit, den Firmentarifvertrag zu kündigen.

Der Firmentarifvertrag kann jedoch auch die Regelung des flächendeckenden Tarifvertrages übernehmen. Dann bezeichnet man ihn als Anerkennungstarifvertrag.

III. Die Zugehörigkeit zu einem Verband schließt den Abschluss eines Firmentarifvertrages nicht aus

Gehört ein Arbeitgeber einem Verband an, so kann er trotzdem für sein Unternehmen einen Firmentarifvertrag abschließen. Dieser hat auch Vorrang gegenüber dem flächendeckenden Tarifvertrag, den der entsprechende Arbeitgeberverband mit der Gewerkschaft abgeschlossen hat. Dies ist auch dann der Fall, wenn der Firmenvertrag zu Lasten der Arbeitnehmer bestimmte Regelungen verdrängt. [BAG, 4.4.2001, AZR 237/00]

Im Jahre 1990 betrug die Zahl der Firmentarifverträge noch rund 2.550. Diese ist in den letzten Jahren auf mehr als das doppelte angestiegen. Im Jahre 2003 waren es bereits 7.450 Unternehmen, die einen eigenen Firmentarifvertrag abgeschlossen hatten.

IV. Die Vorteile und Nachteiles eines Firmentarifvertrages

Der Vorteil eines Firmentarifvertrages liegt darin, dass er im Gegensatz zum flächendeckenden Tarifvertag auf die speziellen Bedingungen und Erfordernisse des jeweiligen Betriebes abgestimmt werden kann. Nachteilig ist es, dass das Unternehmen selbst für die Kosten der Aushandlung des Tarifvertrages aufkommen muss.

Auch fehlt es dem Betrieb an einem Schutz und der finanziellen Unterstützung des Arbeitgeberverbandes, sollte es zu einem Arbeitskampf kommen. In so einer Situation kann das sehr unangenehme Folgen für den Betrieb haben.




 
Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

Tarifvertragsrecht, Firmentarifvertrag Vorteile

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Entscheidungen zum Begriff Firmentarifvertrag

  • LAG-BADEN-WUERTTEMBERG, 27.09.2010, 4 TaBV 2/10
    Gehen im Falle der Verschmelzung durch Aufnahme die Arbeitsverhältnisse der Arbeitnehmer des aufgenommenen Unternehmens gemäß § 324 UmwG in Verbindung mit § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB auf das aufnehmende Unternehmen über, so findet ein für die Arbeitnehmer des aufnehmenden Unternehmens geltender Firmentarifvertrag auch auf die übernommenen...
  • BAG, 09.12.1999, 6 AZR 299/98
    Leitsätze: 1. Ein mit der Gewerkschaft ÖTV im Jahr 1982 abgeschlossener Firmentarifvertrag, dessen Geltungsbereich sich auf "die Arbeitnehmer" des Unternehmens erstreckt, gilt seit dem 3. Oktober 1990 mangels anderweitiger tariflicher Bestimmung auch für Arbeitnehmer, die in Betriebsstätten des Arbeitgebers im Beitrittsgebiet...
  • LAG-BADEN-WUERTTEMBERG, 21.12.2010, 6 Sa 90/10
    1. Ein Firmentarifvertrag gilt auch bei Umwandlung durch Ausgliederung auf einen bestehenden Rechtsträger kollektiv-rechtlich fort, wenn der aufnehmende Rechtsträger keine Arbeitnehmer beschäftigt. 2. Eine große dynamische Bezugnahmeklausel (Tarifwechselklausel) ist AGB-rechtlich wirksam.
  • VG-HANNOVER, 29.04.2008, 2 A 3265/07
    1. Die variable Sonderzahlung nach dem Firmentarifvertrag für die Arbeitnehmer der DB ... GmbH ist keine Besoldung. Sie kann in sinngemäßer Anwendung auch Beamten gezahlt werden.2. Als anderweitiger Bezug kann diese Leistung grds. auf die Besoldung angerechnet werden.3. Soweit die Anrechnungsrichtlinien des BEV Zahlungen, die zur...
  • LAG-MUENCHEN, 15.05.2007, 6 TaBV 41/07
    Bei einem Firmentarifvertrag verbietet die aus seinem schuldrechtlichen Teil folgende Durchführungspflicht i. V. m. der Tarifhoheit in seinem Zuständigkeitsbereich auch den Abschluss nachteilig abweichender Individualvereinbarungen (zwei Stunden unbezahlte Mehrarbeit).

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