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Factoring

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Erklärung zum Begriff Factoring

Als Factoring wird eine Dienstleistung im Finanzbereich beschrieben. Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab, von „factura“, was Rechnung bedeutet. Hierbei geht es um Forderungen eines Lieferanten oder eines Kreditgebers in Bezug auf den Schuldner. Fachbegrifflich wird der Lieferant auch als Kreditor bezeichnet. Im Gegensatz dazu steht der Debitor, also der Empfänger einer Leistung. In der Praxis werden Forderungen verkauft. Dadurch wird das Risiko des Nichtzahlens oder des späteren Zahlens abgewälzt auf den Factor. Die Geschäfte werden über einen Factoringvertrag geregelt. Dieser läuft über eine bestimmte Zeit und kann hier die kompletten oder nur bestimmte Forderungen beinhalten. Factoring beschränkt sich überdies auf gewerbliche Kunden. Forderungen an private Verbraucher sind kein Gegenstand des Factorings.

I. Ansprüche bei einem Factoring

Grundsätzlich sollte die Laufzeit vier beziehungsweise sechs Monate nicht überschreiten. Gleichzeitig spielt die Bonität des Empfängers eine wichtige Rolle, um das Risiko abschätzen zu können. Die Forderung darf ebenfalls nicht durch Dritte belastet sein.

II. Funktionen des Factorings

Besteht ein Vertrag mit einem Factor, muss der Lieferant nicht erst auf das Geld warten, sondern erhält es direkt vom Factor. So entstehen keine Zahlungsschwierigkeiten und der Factor muss hier in Vorleistung gehen.

Eine weitere Funktion ist die Delkrederefunktion. Das Risiko, dass ein Kunde nicht zahlen will oder kann, übernimmt der Factor. Bevor die entsprechenden Verträge ausgehandelt werden, sind Überprüfungen durchzuführen, um das Risiko und Höhe der Ausstände zu definieren. Bei Auslandsverkäufen wird das Risiko von Wechselkursschwankungen nicht übernommen.
Eine letzte Funktion des Factorings ist die Dienstleistung. Das Factoringunternehmen überprüft die Kunden eines Lieferanten und übernimmt auch nötige Mahnungen oder Inkassotätigkeiten.

III. Unterschiedliche Formen des Factoring

Unterschieden wird zwischen echtem und unechtem Factoring. Im ersten Fall trägt der Factor das Risiko, dass der Kunde nicht bezahlt, das Delkredererisiko. Beim unechten Facotring hingegen bleibt das Risiko beim Lieferanten. Ebenso wird zwischen offenen und stillem Factoring unterschieden. Im einen Fall wird über den Forderungsverkauf unterrichtet, im anderen Fall wird dies stillschweigend erledigt. Zusätzlich wird zwischen Import und Export unterschieden.

IV. Urteil zur Umsatzsteuerpflicht beim Factoring

Lange Zeit hat die Unterscheidung zwischen echtem und unechtem Factoring eine entscheidende Rolle bei der Umsatzsteuerpflicht gespielt. Durch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes ist allerdings diese Trennung aufgehoben worden. Durch diesen Wegfall gilt der Factor sowohl beim echten als auch beim unechten Factoring als Unternehmer. Damit ist er vorsteuerabzugsfähig. [EuGH, 26.6.2003, Rs. C-305/01]

V. Rechtliche Grundlage

Normalerweise werden beim Factoring Rahmenverträge verwendet. Hierbei wird die Grundlage zur Schuld im rechtlichen Sinn häufig an eine Globalzession gebunden. Wird ein Ausführungsvertrag genutzt, beinhalten diese die genauen Forderungsankäufe. Beim Verkauf einer Forderung tritt der Bereich des Verfügungsgeschäftes in Kraft nach §§ 398 ff. BGB. Für den Übergang der Forderung mit allen Nebenrechten trifft §§ 401 BGB zu. Gibt es Einwendungen des Schuldners, ist § 404 BGB maßgebend. Für die Abtretungsanzeige trifft § 409 BGB zu.
Wird das unechte Factoring verwendet, tritt hier die Gewährung eines Kredites oder eventuelle Mahnungen oder Inkassotätigkeiten in Kraft, da das Risiko der Zahlungsunfähigkeit weiterhin beim Lieferanten bleibt.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

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Nachrichten zu Factoring


Entscheidungen zum Begriff Factoring

  • BildBFH, 15.05.2012, XI R 28/10
    Kauft ein Unternehmer Honorarforderungen von Ärzten gegen ihre Patienten unter Übernahme des Ausfallrisikos (sog. echtes Factoring) gegen sofortige Zahlung des vereinbarten Kaufpreises, liegt auch dann keine steuerfreie Kreditgewährung des Unternehmers (Factors) an die Ärzte vor, wenn der Unternehmer in der zugrunde liegenden...
  • BildOLG-OLDENBURG, 28.02.2012, 13 U 67/10
    1. Zu der Befugnis eines in Deutschland ansässigen Käufers zur Aufrechnung mit Gegenforderungen gegen den slowakischen Verkäufer, wenn dessen Forderung an eine slowakische Factoring-Gesellschaft abgetreten wurde.2. Zu dem gemäß Art. 27 f. EGBGB anwendbaren Recht bei einer wechselseitigen Lieferbeziehung, in der regelmäßig...
  • BildOLG-NUERNBERG, 17.05.2005, 5 W 480/05
    Ein Unternehmen, das geschäftsmäßig zahnärztliche Honorarforderungen im Wege des echten Factoring ankauft und beitreibt, ist in der Regel ebenso wie ein Unternehmen mit eigener Rechtsabteilung in der Lage, einen Prozessbevollmächtigten am Sitz des Prozessgerichts schriftlich zu instruieren. Beauftragt ein solches Unternehmen dennoch...
  • BildBFH, 04.09.2003, V R 34/99
    1. Beim sog. echten Factoring, bei dem der Factor Forderungen eines Unternehmers (des sog. Anschlusskunden) ankauft, ohne gegen diesen bei Ausfall von Schuldnern ein Rückgriffsrecht zu haben, liegen umsatzsteuerrechtlich keine Umsätze des Anschlusskunden an den Factor, sondern Umsätze des Factors an den Anschlusskunden vor (Änderung...
  • BildBFH, 17.05.2001, V R 34/99
    Dem EuGH werden folgende Fragen zur Auslegung der Richtlinie 77/388/EWG vorgelegt: 1. Verwendet eine Factoring-Gesellschaft die von ihr bezogenen Gegenstände und Dienstleistungen auch insoweit für Zwecke ihrer Umsätze, als sie Forderungen aufkauft und das Ausfallrisiko für diese Forderungen übernimmt? 2. Handelt es sich dabei um...
  • BildOLG-KOELN, 15.01.1992, 27 U 98/91
    1. Ein Factoring-Vertrag, durch den ein Zahnarzt Ansprüche gegen seine Patienten ohne deren Einwilligung an ein Inkassounternehmen verkauft, das als gewerbliches Unternehmen in der Rechtsform der GmbH betrieben wird, ist sittenwidrig und nichtig, weil durch diesen Vertrag die ärztliche Schweigepflicht verletzt wird. (Vgl. OLG Köln...
  • BildBGH, 11.12.2013, IV ZR 46/13
    Bei der Abtretung von Rechten aus einer Kapitallebensversicherung an ein Unternehmen, das sich gescha?ftsma?ßig mit der Ku?ndigung und Ru?ckabwicklung solcher Versicherungsvertra?ge befasst, ist fu?r die Abgrenzung einer nach § 2 Abs. 2 und § 3 RDG unter Erlaubnisvorbehalt stehenden Inkassodienstleistung zum (erlaubnisfreien) echten...

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