Erklärung

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Erklärung zum Begriff Erklärung

Eine Erklärung ist ein kommunikativer Akt, mit dem man Aufschluss in einer unklaren Lage zu geben versucht. Der Begriff hat zwei verschiedene Bedeutungen: Im ersten Fall bedeutet "Erklärung" die Beschreibung eines Phänomens, die Erläuterung eines Sachverhaltes. Im zweiten Fall bedeutet "Erklärung" die Nennung der Ursachen eines Phänomens.

Gegenüber den Begriffen Aussage, Behauptung und Beweis ist der der Erklärung weniger eindeutig definierbar:

  • Der Begriff Aussage richtet die Perspektive auf den Inhalt, den Aussagegehalt eines jeweiligen Satzes.
  • Der Begriff Behauptung nimmt stärker den Sprecher in den Blick, der ein Interesse daran hat, eine bestimmte Aussage zu machen – man kann darum etwa von einer mutwilligen, voreiligen, begründeten, irreführenden oder hypothetischen Behauptung sprechen. Bei Behauptungen stellt sich die Frage, welchen Wert der Sprecher ihnen als angeblich wahren Aussagen beigemessen haben will.
  • Ein Beweis sollte so kurz wie möglich, präzise und zwingend sein – es ist gut möglich, dass der zwingende Beweis dabei eine ausführliche Erklärung benötigt, um verständlich zu werden.

Mit dem Begriff Erklärung rückt die Perspektive dagegen auf den Adressaten.

Eine Erklärung „überzeugt“, sie „leuchtet ein“, sie kann auch „nicht zufriedenstellend“, oder „enttäuschend“ ausfallen. Der Adressat kann eine Erklärungen als Entschuldigung eines Verhaltens, das er als verletzend empfand, „annehmen“, oder für sich zu dem Ergebnis kommen, dass er sich mit ihr „nicht abfinden“ wird, auf eine aufrichtigere, ehrlichere Erklärung hoffen wird. Man spricht von einer „kindgerechten Erklärung“, wenn man die Erklärung auf das Verständnisvermögen eines Kindes ausrichtet. Man gibt einem Phänomen eine „natürliche Erklärung“, wenn im Raum naturwissenschaftlich erfassbarer Vorgänge bleibt. Man kann, das charakterisiert die Ausrichtung des Wortes auf den Adressaten, von einer „einfühlsamen Erklärung“ sprechen - nicht aber von einer „einfühlsamen Behauptung“, oder einem „einfühlsamen Beweis“. Die Definition des Wortes ist schwierig, da mit der Zufriedenheit des Adressaten ein sich der Definition entziehender Faktor im Spiel ist.

Man erklärte sich bis in das 18. Jahrhundert hinein Feuer als eine Verbrennung von Phlogiston, einem Stoff, der in brennbarer Materie vorhanden sein sollte und beim Brand aufgezehrt würde. Unsere heutige Erklärung geht dagegen von einer Reaktion mit in der Atmosphäre befindlichem Sauerstoff aus.

Der Außenamtssprecher legte eine Erklärung des Außenministeriums vor, nach der man von den in Frage stehenden Vorgängen nichts gewusst haben soll – die Erklärung wurde von der Opposition als unbefriedigend zurückgewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Erklärung in der Wissenschaft

In der Wissenschaftstheorie wurde der Begriff der "wissenschaftlichen Erklärung" tiefgehend von C.G.Hempel und P.Oppenheim abgehandelt[1]. Auf ihre 1948 veröffentlichten Arbeiten geht das heute vorherrschende Hempel-Oppenheim Modell (HO Modell) der wissenschaftlichen Erklärung zurück. Obwohl im Laufe der Zeit einige mehr oder weniger berechtigte Einwände gegen dieses Modell vorgebracht wurden, existiert bis heute kein allgemein akzeptiertes alternatives Modell der wissenschaftliches Erklärung, welches weniger Einwänden ausgesetzt wäre.

Zentral für eine wissenschaftliche Erklärung sind demnach Gesetze oder gesetzesartige Aussagen. Ein Begriff alleine kann zum Beispiel keine wissenschaftliche Erklärung sein. Gemäß dem HO-Modell müssen zwei Klassen von empirisch gehaltvollen Aussagen für eine Erklärung verwendet werden. Das sind zum einen die Randbedingungen (auch Antecedensbedingungen genannt), welche vor oder gleichzeitig mit dem zu erklärenden Phänomen gegeben sind, und Gesetzeshypothesen. Beide Aussagenklassen zusammen werden Explanans genannt. Eine wissenschaftliche Erklärung besteht dann aus der logischen Ableitung der das Phänomen beschreibenden Tatsachenbehauptung ( = Explanandum) aus dem Explanans. Wichtig ist hier anzumerken, dass die Gesetzesausagen nicht notwendig deterministische Gesetze beschreiben müssen, sondern auch statistische Gesetze umfassen können. Je nachdem werden die Erklärungen deduktiv-nomologisch oder statistisch-induktiv genannt.

Wichtig ist die Äquivalenz in der logischen Struktur von Erklärungen gemäß dem HO-Modell und wissenschaftlichen Prognosen, welches im Satz von der strukturellen Identität von Erklärung und Voraussage ausgedrückt wird. Gefundene Erklärungen, welche dem HO-Modell entsprechen, können deswegen im Prinzip also immer auch zu Prognosen von zukünftigen Ereignissen verwendet werden. Dies ist eine wichtige Motivation für die Annahme des HO-Modells, da damit ein wichtiger Zweck (wenn auch nicht der Einzige) der Tätigkeit empirischer Wissenschaften erfüllt ist. Dies ist auch ein wichtiges Merkmal das wissenschaftliche Erklärungen von dem unterscheidet, was beispielsweise im nichtwissenschaftlichen Alltag oft als Erklärung bezeichnet wird. Nicht alles was im Alltag als Erklärung bezeichnet wird, kann benutzt werden, um Prognosen aufzustellen. Demzufolge wird in der Wissenschaft auch zwischen reiner Beschreibung eines Phänomens und seiner Erklärung unterschieden, im alltäglichen Sprachgebrauch wird diese Unterscheidung meist nicht gemacht.

Kausale Erklärung

Die logische Struktur der kausalen Erklärung wurde von Karl Popper in seiner Schrift Logik der Forschung[2] beschrieben und die kausale Erklärung gilt heute weithin als die wissenschaftliche Erklärungsart schlechthin. Wichtig ist dabei hervorzuheben, dass danach der Begriff "kausal" sich nur auf eine logische Ableitung bezieht, und zwar auf die logische Ableitung des den zu erklärenden Vorgang beschreibenden Satzes aus Gesetzmässigkeiten und Anfangsbedingungen. Die kausale Erklärung entspricht damit direkt dem HO-Modell.

Wegen der Bedeutung der kausalen Erklärung und des HO-Modells stellt sich die Frage der Zurückführbarkeit anderer in der Wissenschaftstheorie diskutierter Erklärungsarten auf das HO-Modell. Von Interesse ist dabei besonders die Frage, welche Bedeutung Gesetzeshypothesen in anderen Erklärungsarten einnehmen.

Dispositionelle Erklärung

Von einer dispositionellen Erklärung spricht man, wenn das Verhalten eines Objektes unter Zuhilfenahme einer Disposition erklärt wird, welche diesem Objekt zugeschrieben wird. Der Unterschied zu der kausalen Erklärung äussert sich dadurch, dass im Gegensatz zur kausalen Erklärung, in der allgemeine Gesetze Verwendung finden, in denen kein individuelles Objekt vorkommt, in der dispositionellen Erklärung gesetzesartige Aussagen verwendet werden, in denen ein bestimmtes individuelles Objekt erwähnt wird. Die dispositionelle Erklärung spielt auch eine wichtige Rolle in der Erklärung menschlichen Handelns, wenn dieses beispielsweise durch den Charakter der handelnden Person erklärt werden soll.

Genetische Erklärung

Von einer genetischen Erklärung spricht man, wenn die Erklärung einer Tatsache aus mehreren Stufen besteht, welche sich zu einer Erklärungskette zusammenfassen lassen, deren Endglied die zu erklärende Tatsache bildet. Beispiel für eine (kausal-)genetische Erklärung ist eine n-stufige Erklärungskette in dem das Antecedens der n-ten Stufe mit dem Explanandum der (n-1)-ten Stufe identisch ist (jede einzelne Stufe entspricht hier dem HO-Modell). Im allgemeinen ist die Struktur von genetischen Erklärungen aber komplizierter, da gewöhnlich das Antecedens späterer Stufen neben dem Explanandum der vorhergehenden Stufe noch zusätzliche Antecedensbedingungen enthält. Die genetischen Erklärung lässt sich unterteilen in historisch-genetische und systematisch-genetische Erklärungen, wobei die kausal-genetische ein Spezialfall der letzteren ist.

Intensionale Erklärung

Es ist oft aus den Reihen der Hermeneutiker argumentiert worden, dass in den empirischen Wissenschaften, welche menschliches Handeln mit zum Inhalt ihrer Betrachtungen haben (etwa Soziologie, Geschichtswissenschaften), andere Erklärungsweisen zum Zuge kommen als in den Naturwissenschaften. Begründet wird diese Ansicht, dass man es hier mit singulären unwiederholbaren Ereignissen zu tun habe, anders als in den Naturwissenschaft, wo das "Allgemeine" erklärt werden solle. Weiter sei in diesen Bereichen anstatt einer Erklärung mit kausalen Gesetzen auch eine Erklärung mit Motiven, Intentionen, Zielen, Wollen, usw. möglich, welche teleologischen Charakter habe.

Diese Ansicht wird stark kritisiert und abgelehnt, besonders aus den Reihen der Analytischen Philosophie. Hier wird argumentiert, dass auch in den Naturwissenschaften singuläre nichtwiederholbare Ereignisse betrachtet und erklärt werden, etwa bestimmte einzigartige Ereignisse innerhalb unseres Sonnensystems. Umgekehrt haben auch Erklärungen in den Humanwissenschaften immer eine allgemeine Komponente, da kein individuelles Einzelereignis wirklich vollständig beschrieben werden könne, und somit eine logische Unterscheidung der Erklärungsweisen in den beiden Wissenschaftsbereichen auf dieser Basis unmöglich sei. Auch eine Erklärung über Motive, Intentionen usw. ist gemäß dieser Kritik bestenfalls auf einer "harmlosen Weise" teleologisch, welche mit einer kausalen Erklärung aus Motiven verträglich sei. Das Motiv sei bereits vor Zielerreichung in einer Person vorhanden, und bestimme kausal unter anderem über die Handlung der Person das Ereignis der Zielerreichung, keinesfalls kann eine Handlung durch ein in der Zukunft liegendes Zielerreichungs-Ereignis an sich bestimmt werden, wie es der "mystischen" Teleologie entspräche. Dass in den Humanwissenschaft oft keine Gesetze in Erklärungen verwendet werden, sei ein Irrtum, der darauf beruhe, dass diese oft nicht explizit genannt, sondern nur implizit vorausgesetzt werden.

Die Sonderstellung der Humanwissenschaften wird auch mit dem Argument begründet, dass in diesem Bereich eine besondere Methode zur Verfügung stehen würde; die Methode des Verstehens. Diese beruht auf der Annahme, dass die seelischen Vorgänge in anderen Personen hinreichend ähnlich zu den eigenen sind. Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, wo die Ereignisse nur "von aussen" zugänglich sind, könne man deswegen in den Humanwissenschaften durch den inneren Zugang zur eigenen Seelenwelt Analogieschlüsse ziehen, welche erklärende Motive zu Handlungen anderer Personen liefern. Vertreten wurde diese Ansicht von einer Anzahl bedeutender Persönlichkeiten wie beispielsweise Max Weber. Kritisiert wird hier, dass uns im Alltag selbst bei Personen, welche im gleichen kulturellen und sozialen Umfeld leben, oft Irrtümer bei der Beurteilung der Motive unterlaufen. Deswegen ist diese Methode bestenfalls eine heuristische Methode zur Auffindung von Hypothesen, deren Richtigkeit dadurch keinesfalls bewiesen sei, so dass auch diese Methode keine argumentative Erklärung für einen Sachverhalt liefere. Ein solcherart gewonnenen Hypothese müsse wie in den Naturwissenschaften durch empirische Daten überprüft werden.

Neben diesen Auseinandersetzungen gibt es aber auch Annäherungen. Georg Henrik von Wright [3] hat ein formal präzisiertes intentionalistisches Erklärungsschema (IE) entwickelt, welches eine Modifizierung des Praktischen Syllogismus darstellt und in dem er ein Gegenmodell zum kausalen HO-Modell im Bereich der Humanwissenschaften sieht. Zwar wurde von Tuomelas gezeigt[4], dass dieses IE-Schmea nur dann zu einer argumentativen Erklärung führt, wenn unter die Prämissen ein empirisches Gesetz bestimmter Art (Ducasse-Satz) aufgenommen wird, womit es unter dem kausalen HO-Modell subsumierbar ist. Jedoch kann G.H. Von Wrights Shema auch als nichtargumentative Erklärung interpretiert werden [5]. D. h. man erweitert den Begriff "Erklärung" dergestalt, dass man neben erklärenden Argumenten in Form einer logischen Ableitung des zu erklärenden Ereignisses aus den Prämissen auch intentionalistische Tiefenanalysen zulässt. Diese fragen etwa nach dem Motiv der handelnden Personen, aber haben nicht zum Ziel, das aus der Handlung resultierende Ereignis logisch herzuleiten. Beispielsweise wäre in den Geschichtwissenschaften dann ein und dasselbe Ereignis parallel auf zwei Weisen zu erklären; nach dem kausalen HO-Modell und nach dem intentionalistischen Erklärungsschema.

Abweichungen vom idealen Modell

Die wissenschaftliche Erklärung ist ein ideales Modell das in der Praxis nicht erreicht werden kann. So müssten etwa zur totalen Erklärung eines physikalischen Phänomens, das heißt einer Erklärung die nichts unerklärt lässt und das zu erklärende Phänomen in allen Einzelheiten erklärt, genaugenommen der gesamte Zustand des Universums zu einem bestimmten Zeitpunkt als Randbedingung bekannt sein (und selbst erklärt sein), was unmöglich ist. Auch die abgeschwächte Form der abgeschlossenen Erklärung, welche nur die erste Bedingung erfüllt, dass nichts unerklärt bleibt, ist nicht möglich. Einige Antecedensbedingungen müssen immer unerklärt bleiben; eine Forderung nach Erklärung aller Antecedensbedingungen führt in einen unendlichen Regress.

In der Praxis gibt es deswegen nur unvollkommene Erklärungen, was nicht heißt dass ihre Annahme nicht zu begründen wäre. Unvollkommene Erklärungen können durch Erfahrungsdaten gut überprüft sein und auf diese weise eine gute Bestätigung erfahren. Bei den unvollkommene Erklärungen können mehrere Arten unterschieden werden. So gibt es die ungenauen Erklärungen, wenn die in einer Erklärung verwendeten Begriffe vage oder mehrdeutig sind. Von einer rudimentären Erklärung spricht man, wenn die Antecedensbedingungen nur unvollständig bekannt sind und die notwendigen Gesetze nicht explizit erwähnt werden, sondern stillschweigend vorausgesetzt werden. Bei einer partiellen Erklärung reicht das Explanans nicht aus, um das Explanandum in all seinen Aspekten zu erklären. Bei einer Erklärungsskizze ist das Explanans nur in einem vagen Umriss, sowie mehr oder weniger undeutlichen Hinweisen darauf, wie die Skizze zu einer Erklärung vervollständigt werden könnte, vorhanden.

Analogiemodelle

Analogiemodelle sind eine stark abgeschwächte moderne Variante der heute als unhaltbar angesehenen, aber früher oft vertretenen Ansicht, dass eine wissenschaftliche Erklärung auch allein durch Zurückführung auf Bekanntes und Vertrautes bzw. Analogien gegeben werden kann. Diese veraltete Ansicht wird heute einerseits wegen ihrer Subjektivität (was "Vertraut" ist wechselt von Individuum zu Individuum) nicht mehr vertreten, andererseits ist es das Selbstverständnis heutiger Wissenschaft, gerade auch das scheinbar Bekannten und Vertauten Infrage zustellen. Auch die moderne Variante liefert keine eigenständige Erklärung. Die Problematik dabei ist, dass die im Analogiemodell vorausgesetzte Isomorphie zwischen zwei verschiedenen Bereichen erst tatsächlich akzeptiert werden kann, wenn die Gesetze beider Bereiche bekannt sind; also im Nachhinein. Sind diese Gesetze aber bekannt, so kann auch eine kausale Erklärung gemäß dem HO-Modell gegeben werden, und es braucht das Analogiemodell nicht mehr.

Literatur

  • W.Stegmüller: Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie. Band I (Wissenschaftliche Erklärung und Begründung.) Springer Verlag.
  • Wissenschaftstheorie: Schwemmer, Oswald: Erklärung, in: Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, 2. Aufl. [2005], S. 381 - 387 (mit 2 Spalten Lit.Verzeichnis)

Quellen

  1. Hempel, Oppenheim, Studies in the Logic of Explanation. Philosophy of Science 15 (1948), 135-75; reproduziert in Hempel, Aspects of Scientific Explantion.
  2. K.R. Popper Logik der Forschung.
  3. G.H. Von Wright Expalantion and Understanding. London (1971)
  4. R. Tuomelas Human sction and its explanation Dordrecht (1977)
  5. W.Stegmüller Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie. Wissenschaftliche Erklärung und Begründung. Studienausgabe Band I, Teil c, Anhang 7. Springer Verlag.


Wiktionary: Erklärung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen



Mitwirkende/Autoren:
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Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Wikipedia, 01.06.2013 00:00


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