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Ungeteilte Erbengemeinschaft

Lexikon | 1 Kommentar

Erklärung zum Begriff Ungeteilte Erbengemeinschaft

Als ungeteilte Erbengemeinschaft werden alle Erben eines Erblassers bezeichnet. Die ungeteilte Erbengemeinschaft verliert ihre Wirkung mit Beginn einer Erbauseinandersetzung. Es muss jedoch nicht zu einer Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft kommen. Vielmehr besteht auch die Möglichkeit, dass die Erbschaft gemeinsam durch die Erben fortgeführt werden kann. Dies ist sogar zwingend notwendig, sofern der Erblasser eine Auseinandersetzung ausgeschlossen hat. Ferner müssen auch bestimmte Voraussetzungen vorliegen, um eine Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft fortführen zu können. Unter Umständen können dann die Beschränkungen der Gesamthandsgemeinschaft zum Tragen kommen.

Die ungeteilte Erbengemeinschaft – eine Gesamthandsgemeinschaft

Die ungeteilte Erbengemeinschaft zählt zu den fünf Gesamthandformen. Zu den Gesamthandformen zählen die OHG, GK, eheliche Gütergemeinschaft, BGB-Gesellschaft und die ungeteilte Erbengemeinschaft. Der Begriff „Gesamthandsgemeinschaft“ bezeichnet eine Personengruppe, die über keine eigene Rechtspersönlichkeit verfügt. In dieser Gemeinschaft steht das gemeinsame Vermögen jedem Gesamthänder in vollem Umfang zu. Jedoch kann kein einzelner der Gesamthänder über seinen „Anteil“ verfügen. Eine Verfügung ist nur in Einheit mit allen Gesamthändern möglich.

Verwaltung einer ungeteilten Erbengemeinschaft

Alle Erben haben ein gemeinschaftliches Anrecht auf die Verwaltung des Erbes § 2038 Abs. 1 Satz 1 BGB. Entsprechend liegt es auch in der Pflicht jedes Miterben, Maßnahmen zu ergreifen, um die Verwaltung durchführen zu können. Dabei ist der Begriff Verwaltung keiner gesetzlichen Definition unterlegen. Generell müssen die Handlungen jedoch der Nutzung, Erhaltung und auch der Mehrung des eigentlichen Nachlasses dienen. In der ungeteilten Erbengemeinschaft sind auch alle Erben für entsprechende Verfügungen verantwortlich und können diese nur gemeinsam beschließen § 2040 Abs. 1 BGB.

Auflösung der ungeteilten Erbengemeinschaft

Mit dem Tod des Erblassers treten alle hinterlassenen Erben in eine gemeinschaftliche oder ungeteilte Erbengemeinschaft ein. Somit hat jeder einzelne Anspruch auf das Erbe und wird, bei Wohneigentum oder Immobilien, auch Eigentümer. Jedoch sind auch die anderen Erben Miteigentümer. Die Erben verfügen ungeteilt über den Nachlass und müssen diesen entsprechend verwalten. Ziel der Erbengemeinschaft ist jedoch die Auflösung.  Diese kann von jedem Erben zu jedem Zeitpunkt und ohne Angabe eines wichtigen Grundes verlangt werden. Mit der Auflösung der Erbengemeinschaft verpflichten sich die Erben entsprechende Maßnahmen zur Verwaltung des Nachlasses einzuleiten und dabei ordnungsgemäß mitzuwirken. Jeder Erbe hat das Recht auf die Nachlassgegenstände und deren Gebrauch. Dies gilt dann auch für Schulden. In einem solchen Fall muss jeder Erbe, einen gleichen Anteil der Schulden übernehmen und diesen ausgleichen. Bei Streitigkeiten hat jeder Miterbe die Möglichkeit, eine Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft zu verlangen. In einem solchen Fall wird der Nachlass dann durch das Gericht geregelt. Dies ist jedoch nur dann möglich, sofern der Erblasser in seiner letztwilligen Verfügung nichts anderes verfasst hat. 




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

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Entscheidungen zum Begriff Ungeteilte Erbengemeinschaft

  • VG-BRAUNSCHWEIG, 23.03.2006, 3 A 32/06
    Miterbenanteile an Wohngrundstücken oder Wohnungen, welche nicht die Kriterien eines "selbst bewohnten kleinen Hausgrundstücks" erfüllen, fallen nicht unter die Härteklausel des § 29 Abs. 3 BAföG (hier: ungeteilte Erbengemeinschaft dreier Geschwister an vermieteten Eigentumswohnungen).
  • HESSISCHER-VGH, 31.05.2011, 5 B 1358/10
    Eine ungeteilte Erbengemeinschaft ist kein handlungsfähiges Rechtssubjekt, sondern eine gesamthänderisch verbundene Personenmehrheit. Ihre Mitglieder sind auf Grund der Miteigentümerstellung an einem Grundstück nebeneinander in voller Höhe als Gesamtschuldner (abwasser-) beitragspflichtig (§ 11 Abs. 7 HessKAG).Zur Vertretungsbefugnis...
  • OLG-KOBLENZ, 11.07.2005, 12 U 647/04
    Die Erfüllung einer Nachlassforderung tritt nur ein, wenn der Schuldner an die noch ungeteilte Erbengemeinschaft leistet, nicht wenn er seine Leistung nur an einen Miterben erbringt. Eine Ausnahme kommt nach Treu und Glauben in Betracht, wenn das Erfordernis der Leistung an die Erbengemeinschaft purer Formalismut wäre, weil die...
  • VGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 16.09.2013, 2 S 889/13
    1. Im Hinblick auf die Bezeichnung des Abgabenschuldners gelten die allgemeinen Regeln der Auslegung von Verwaltungsakten. 2. Bei der Prozessführungsbefugnis handelt es sich um eine Prozessvoraussetzung, die in jeder Lage des Verfahrens von Amts wegen zu prüfen ist.

Aktuelle Forenbeiträge

  • Nutzungsrechte in Erbengemeinschaft (09.08.2010, 22:46)
    Servus, Fallbeispiel: A und B bilden eine ungeteilte Erbengemeinschaft 1/2 zu 1/2. Nachlass ist ein KFZ und Sonstiges. Die Verwaltung ist gemeinschaftlich, die Verfügung ist gemeinschftlich. A meldet das KFZ ab ohne Zustimmung des B, da er den Versicherungsvertrag dessen Begünstigter er ist nutzen will mit den...

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40 - Zw_.ei =

Bisherige Kommentare zum Begriff (1)

hereditasNet  (29.05.2016 18:01 Uhr):
Ein Tip für Miterben: die Auseinandersetzung kann schnell mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Als ausstiegsinteressierter Miterbe kann man auch darüber nachdenken, seinen Erbteil zu verkaufen. Bei Interesse gibt es hier mehr Infos: https://www.hereditas.net/verkauf-erbteil/



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