Computerbetrug, § 263a StGB

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Computerbetrug, § 263a StGB

Allgemeines

Der Computerbetrug, § 263a StGB, zählt zu den Vermögensdelikten. Schutzgut ist das Vermögen als Ganzes in seinem Bestand. § 263a StGB wurde nachträglich im Rahmen des 2. Gesetzes zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität ins Strafgesetzbuch aufgenommen (darum das "a"). Er soll Strafbarkeitslücken, die vom Betrug, in § 263 StGB nicht erfasst werden, schliessen. Da ein Betrug immer eine Täuschungshandlung mit einem wiederum daraus resultierenden menschlichen Irrtum voraussetzt, erfasst er nicht die mißbräuchliche Benutzung von Datenverarbeitungsanlagen. Ein Computerbetrug wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Beeinflussung der Ergebnisse eines Datenverarbeitungsvorganges

Die Datenverarbeitungsvorgänge müssen automatisch ablaufen. Es werden alle Vorgänge von § 263a StGB erfasst, bei denen durch die Aufnahme von Daten und ihrer Verknüpfung durch Programme bestimmte Arbeitsergebnisse erzielt werden. Eine Beeinflussung liegt nach überwiegender Auffasung vor, wenn die Tathandlung (jede Einwirkung) für das Ergebnis der Datenverarbeitung mitursächlich ist (vgl. BGHSt 38, 120 [121]).

Durch unrichtige Gestaltung eines Programms, § 263a Abs. 1, 1. Alt. StGB

Hierbei handelt es sich um die sog. Programm-Manipulation. Programm ist jede durch Daten (oft kodierte Informationen) fixierte Arbeitsanweisung an den Computer. Durch dieses Programm wird der Computer so manipuliert, dass die Datenverarbeitung zu einem inhaltlich unrichtigen Ergebnis führt.

Beispiel: Ein Bankmitarbeiter manipuliert ein Buchungsprogramm so, dass immer ein Teil der Abbuchungen bei ihm auf dem Konto landet.

Durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, § 263a Abs. 1, 2. Alt. StGB

Man spricht bei der Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten auch von einer sog. Input-Manipulation. Der Datenbegriff entspricht dem des § 202a Abs. 2 StGB. Daten sind danach nur solche, die elektronisch, magnetisch oder sonst nicht unmittelbar wahrnehmbar gespeichert sind oder übermittelt werden. Unrichtig sind die Daten, wenn sie nicht der Wirklichkeit entsprechen; unvollständig, wenn relevante Informationen einfach weggelassen werden. Verwendung bedeutet Einbringung der Daten in den Computer (enge Auslegung) und nach einer anderen verbreiteten Aufassung sogar jede Nutzung von Daten (weite Auslegung).

Beispiel: Durch die Verwendung einer falschen Bankkarte wird Geld abgehoben

Durch unbefugte Verwendung von Daten, § 263a Abs. 1, 3. Alt. StGB

Nicht einheitlich wird das Wort "unbefugt" definiert. Nach einer sowohl in der Literatur (vgl. Tröndle/Fischer, § 263a Rdnr. 11) und Rechtsprechung (vgl. BGHSt 38, 120 [121]) vertretenen Auffassung ist das Wort "unbefugt" in Anlehnung an § 263 StGB "täuschungsgleich" auszulegen (betrugsspezifische Auslegung). Unbefugt ist daher eine Verwendung, wenn sie gegenüber einer natürlichen Person Täuschungscharakter hätte (Unjuristisch kann man es sich so vorstellen, als wenn man sozusagen fiktiv einen "kleinen Mann" im System täuschen würde).

Täuschungcharakter ist gegeben, wenn der Täter eine Verwendungsberechtigung schlüssig vorspiegelt. Zum Begriff der "Verwendung" s.o.

Beispiel: Sohn S schnappt sich ungefragt die Bankkarte der Mutter M und hebt mit der richtigen PIN, die auf einem Zettel im Schreibtisch aufgeschrieben war, am Bankautomaten Geld ab.

Durch sonstige unbefugte Einwirkung auf den Ablauf, § 263a Abs. 1, 4. Alt. StGB

Die 4. Alternative fungiert als sog. Auffangtatbestand, d.h. sie soll die durch die anderen Alternativen nicht erfassten und unter Umständen auch noch gar nicht bekannten neuen Manipulationen und Techniken abdecken. Auf Grund des Bestimmtheitsgrundsatzes (§ 103 Abs. 2 GG) ist diese Alternativ sehr eingeschränkt auszulegen.

Beispiel: Nach dem BGH (NJW 1995, 669 [670]) soll das Leerspielen eines Geldspielautomaten unter die 4. Alternative fallen, wenn der Täter sich mittels eines rechtswidrig erlangten Programms den Ablauf des Spiel berechnen konnte und dadurch den Automaten "leerspielte".

Vermögensschaden

Das beeinflusste Ergebnis muss unmittelbare vermögensschädigende Wirkung beim Opfer oder einem Dritten gehabt haben (Kausalität).

Vorsatz und Bereicherungsabsicht

Der Täter muss Vorsatz bzgl. aller Tatbestandsmerkmale haben und in Bereicherungsabsicht gehandelt haben.

Rechtswidrigkeit und Schuld

Der Täter muss auch rechtswidrig und schuldhaft handeln.

Besonders schwerer Fall u. Strafantrag

Die Regelungen über den besonders schweren Fall des Betrugs (§ 263 Abs.3) und dessen Strafantragserfordernisse (§ 263 Abs.4) sind auch beim Computerbetrug gemäß § 263a Abs. 2 StGB entsprechend anzuwenden.




Erstellt von , 04.06.2010 19:28
Zuletzt editiert von webmaster, 05.09.2011 11:18


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.



Aktuelle Forenbeiträge

  • Online "Diebstahl" (30.12.2010, 22:58)
    Nachdem ich mein Jura-Studium für 2 Semester unterbrochen habe, habe ich mich letztendlich entschieden, wieder weiterzumachen: Mal angenommen: Sachverhalt Person A gibt Person B die Login-Daten für einen Account. Person B nimmt sich die Ausrüstung von Person A. Person A zeigt Person B an. Weitere Fakten: Login-Daten an Dritte...

Kommentar schreiben

50 - Zw/e;i =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Computerbetrug, § 263a StGB – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Brandstiftung
    Brandstiftung 1. objektiver Tatbestand Die Brandstiftung ist gem. § 306 StGB ein besonderer Fall der Sachbeschädigung . Geschützt wird das fremde Eigentum . Zur Verwirklichung der Brandstiftung bedarf es eines Tatobjektes,...
  • Brett des Karneades
    Das Brett des Karneades ist ein philosophisches Gedankenexperiment, dass auf den griechischen Philosophen Karneades zurückgeht. Man stellt sich die Situation zweier Schiffbrüchiger vor, deren einzige Rettung ein umhertreibendes Brett ist,...
  • Brief- und Postgeheimnis
    Gemäß Art. 10 GG sind das Brief- sowie das Postgeheimnis unverletzlich. Die Unverletzlichkeit des Briefgeheimnisses bedeutet, dass jede schriftliche Mitteilung, welche an einen individuellen Empfänger gerichtet ist, ausschließlich von diesem...
  • BtMG
    Das einstige Opiumgesetz, ein Relikt aus der Weimarer Republik 1929, wurde inhaltlich umformuliert und umbetitelt und am 10. Januar 1972 erneut bekannt gemacht. Die Vorschriften des Gesetzes regeln die Ein- und Ausfuhr von erklärten...
  • Buße (Strafrecht)
    Im Verwaltungsrecht wird eine Buße als Sanktion gegen Verfehlungen, in der Regel Ordnungswidrigkeiten, verhängt. Dies geschieht bei Verfehlungen leichterer Art, deswegen wird das Ordnungswidrigkeitenrecht umgangssprchlich auch als "kleiner Bruder...
  • Computerkriminalität
    Straftaten, vor allem im Zusammenhang mit der Wirtschaftskriminalität, bei denen ein Computer als Tatmittel bzw. Gegenstand der strafbaren Handlungen im Vordergrund steht, werden als Computerkriminalität bezeichnet. Der Begriff wird...
  • conditio sine qua non
    Eine notwendige Bedingung, die im Strafrecht bei der Kausalität geprüft wird.
  • Datenveränderung
    Datenveränderung ist in Deutschland gemäß § 303a des Strafgesetzbuches (StGB) ein Vergehen, welches mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bestraft wird. Inhaltsverzeichnis 1 Definition 2 Wortlaut...
  • Defensiver Notstand
    Die Gefahr geht von einer Sache selbst aus, vgl. § 228 BGB
  • Delikt
    Als Delikt werden in der juristischen Fachsprache folgende Dinge bezeichnet im Zivilrecht eine unerlaubte Handlung und im Strafrecht eine Straftat (Verbrechen oder Vergehen). Die Kriminologie verwendet den Ausdruck Delikt...

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Strafrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.