Bürgerschaft

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Erklärung zum Begriff Bürgerschaft

Der Begriff der Bürgerschaft verfügt über unterschiedliche Bedeutungen.

Staatsbürgerschaft

Die Staatsbürgerschaft leitet sich aus der Staatsangehörigkeit beinhaltenden Rechte und Pflichten einer natürlichen Person ab. Der Staat, dem sie angehört, spielt dabei die ausschlaggebende Rolle für die Frage der Staatsangehörigkeit. Sie beschreibt die rechtliche Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft von Bürgern eines Staates, welche unabhängig von der eigenen Nationalität sein kann. Geregelt werden der Erwerb und der Verlust der Staatsbürgerschaft durch den Staat.

Grundsätzlich wird in Deutschland die Staatsbürgerschaft durch die Geburt und in Abhängigkeit von der Staatsbürgerschaft der Eltern erworben oder auch mittels Einbürgerung und ist eine individuelle Ausprägung des staatskonstitutiven Elements Staatsvolk. Ein Staatsvolk existiert nach der „drei-Elemente-Lehre“, neben einem Staatsgebiet, einer Staatsgewalt und einem Staatsvolk. Die Staatsangehörigkeit begründet spezielle Rechte als Schutz- und Abwehrrechte gegen den Staat, wie beispielsweise Reisefreiheit oder das Auslieferungsverbot.

Die durch die Staatsbürgerschaft begründeten Rechtsverhältnisse zwischen Staat und Bürger wirken über das Hoheitsgebiet hinaus und werden auch von anderen Staaten anerkannt. Weiterhin wird die Staatsbürgerschaft in einem auf die Person individuell ausgestelltem Dokument, beispielsweise ein Reisepass festgehalten. Die Staatsangehörigkeit kann durch verschiedene Vorgänge erworben werden. Beim Erwerb der Abstammung erwirbt das Kind bei Geburt die Staatsbürgerschaft der Eltern, unabhängig von dem Land in dem es geboren ist (Abstammungsprinzip).

Nach dem Geburtsortprinzip erhält jede Person, die im Staatsgebiet geboren wurde, die jeweilige Staatsbürgerschaft. Bei der Einbürgerung wird die Staatsbürgerschaft durch einen Exekutivakt verliehen. Dabei richtet man sich auf die Freiwilligkeit oder den Wunsch einer Person, Staatsbürger zu werden.

Bürgerschaft als Vertretungsorgan

Die Bürgerschaft kann ebenso als Vertretungsorgan agieren. Bürgerschaft ist hierbei der Begriff des Stadtrates in Hansestädten. Damit ist eine Bürgerschaft ein Parlament aus gewählten Stadtvertretern. In der Hansestadt Hamburg und der Hansestadt Bremen ist die Bürgerschaft ebenso das Landesparlament der beiden Städte. Allerdings sind die Bezeichnung und die Funktionen des Vorsitzenden einer Bürgerschaft von Stadt zu Stadt verschieden. Der Begriff der Bürgerschaft für den Stadtrat ist lediglich in folgenden Hansestädten gängig:

Historische Bezeichnung der Ständeordnung

Weiterhin steht die Bürgerschaft für den Begriff der Ständeordnung. Das Ständemodell war ein gesellschaftliches Modell zur Ordnung von „sozialen Klassen“. Stände stellen gesellschaftliche Gruppen dar, welche anhand rechtlicher Standards wie beispielsweise Vorrechte oder Benachteiligungen voneinander abgespalten sind. Herrschend war die Drei-Stände-Ordnung. Dabei umfasste der erste Stand die Gruppe sämtlicher Geistlicher, d.h. Angehörige der hohen Geistlichkeit, sowie des Lehrstandes.

Der zweite Stand setze sich aus den Mitgliedern des Adels zusammen. Gemeint ist sowohl der niedere, als auch der Hochadel und dem Landadel. Der dritte und letzte Stand erfasste die Bauern. Darüber hinaus war eine weitere Untergliederung der drei genannten Hauptstände geläufig. Hierbei hing die individuelle Position des Einzelnen von unterschiedlichen Aspekten ab: Die Art des Broterwerbs unterteilte in Berufs- oder Bauernstände. Der Kaiser oder der König standen an der Spitze, nach ihnen die Fürsten; bei den Geistlichen der Papst und nach ihm die Bischöfe.

Der dritte Stand bestand überwiegend aus Menschen, die keine oder sehr geringe Herrschaftsrechte besaßen. Im Unterschied zum demokratischen Staat heutzutage waren nicht alle Menschen in der Ständeordnung zur politischen Mitwirkung befugt, lediglich diejenigen, die Leistungen erbrachten oder bestimmte Privilegien besaßen. Ein Wechsel zwischen den Ständen war grundsätzlich nicht unmöglich, wurde in der Praxis jedoch sehr selten durchgeführt, wobei Verdienst und Reichtum einen sehr geringen Einfluss auf die Zugehörigkeit eines Standes hatten. Ein Bürger, der mit der Tätigkeit eines Kaufmannes an viel Geld gekommen war, konnte so deutlich wohlhabender sein als ein armer Adeliger. Den Ständen waren diverse Verpflichtungen zugeteilt. So musste der erste Stand für das Seelenheil zu sorgen, der zweite Stand war dazu verpflichtet, den Klerus und das Volk gegen Feinde zu verteidigen. Der dritte Stand war für die Arbeit verantwortlich.

Bürgerliche Gesellschaft

Ferner steht der Begriff der Bürgerschaft für einen historischen Gesellschaftsbegriff. Dieser geht auf Cicero bei Kant im „Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre“ zurück (lat. societas civilis). Der Begriff steht für eine Gesellschaftsform, welche durch das Bürgertum gekennzeichnet worden ist und die Gesellschaft des 17. Jahrhunderts bis hin zum beginnenden 19. Jahrhundert prägt. In Georg Wilhelm Friedrich Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ wird die bürgerliche Gesellschaft als das System der Bedürfnisse aufgefasst und nimmt in der Abgrenzung vom Staat eine essenzielle Relevanz ein. Nach Marx wiederum wurde der Ausdruck ein Synonym für die kapitalistische Gesellschaft. In den beiden vergangenen Jahrzehnten wurde in Deutschland die societas civilis als  Bürgerschaft bzw. Bürgergesellschaft wieder belebt.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 11.04.2017 12:57
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 11.04.2017 12:57


 
 

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