Suchen Sie jetzt einen Anwalt:
   

JuraForum.deJuraForum-WikiBBiogasanlage 

Biogasanlage

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Biogasanlage

 

 

Eine Biogasanlage dient dem Zweck der Wärme-, Strom- und Düngererzeugung aus Biomasse.

Inhaltsübersicht

I. Funktionsweise einer Biogasanlage

Es werden verschiedene Rohstoffe, z.B. Bioabfall, Gülle, Klärschlamm, Fette oder Pflanzen in einen luftdicht verschlossenen Fermenter eingebracht. Dort entsteht durch anaerobe Gär- oder Fäulnisprozesse das Biogas, das je nach Ausgangsstoff aus 40-75 % Methan, 25-55 % Kohlendioxid, bis zu 10 % Wasserdampf sowie darüber hinaus aus geringen Anteilen Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Ammoniak und Schwefelwasserstoff besteht.

Derzeit wird Biogas vor allem zur dezentralen gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken genutzt (Kraft-Wärme-Kopplung). Dazu wird das Gasgemisch getrocknet(der Wasseranteil im Biogas wird reduziert), durch Einblasen einer kleinen Menge Frischluft entschwefelt und dann einem Verbrennungsmotor zugeführt, der einen Generator antreibt. Der so produzierte Strom wird ins Netz eingespeist. Die im Abgas und Motorkühlwasser enthaltene Wärme wird in Wärmeübertragern zurückgewonnen. Ein Teil der Wärme wird benötigt, die Fermenter zu beheizen. Die in Frage kommenden Bakterienstämme, die die Biomasse abbauen, arbeiten am besten in einem Temperaturbereich von entweder 37 (mesophil) oder 55 °C (thermophil). Überschüssige Wärme des Motors kann zur Beheizung von Gebäuden oder zum Trocknen der Ernte (Getreide) verwendet werden. Besonders effektiv arbeitet die Anlage, wenn die überschüssige Wärme ganzjährig genutzt wird.

In mehreren Projekten wird das Biogas inzwischen aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist. Damit werden Biogasanlagen auch an Standorten ohne Wärmeabnehmer sinnvoll. Aufbereitetes Biogas kann ebenso als Treibstoff für gasbetriebene Fahrzeuge eingesetzt werden.

Die vergorenen Rohstoffe werden als landwirtschaftliche Düngemittel verwendet. Sie sind chemisch weit weniger aggressiv als Rohgülle, die Stickstoffverfügbarkeit ist besser und der Geruch weniger intensiv.

II. Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile

Biogasanlagen sind neben Wasserkraftwerken, Solaranlagen, Biomasseheiz(-kraft-)werken und Windenergieanlagen wichtige Erzeuger von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien. Jedoch haben sie auch einige Nachteile. Hier eine Aufstellung der Vor- und Nachteile:

Die Vorteile

  • Nutzung von erneuerbaren, nachwachsenden, örtlich verfügbaren Rohstoffen
  • CO2-neutrale Energieerzeugung
  • Dezentrale Versorgung - entbehrt Überlandleitungen über große Entfernungen
  • Steuerbare Leistung - Anpassung an den Bedarf
  • Grundlastfähig / kann Regelenergie bereitstellen
  • Verbesserte Düngerqualität im Gegensatz zu Rohgülle:
  • Gereinigtes Methan kann als Treibstoff für diverse Fahrzeuge verwendet werden.

Die Nachteile

  • Hohe Kosten durch großen Investitionsaufwand
  • Bei Vergärung von proteinhaltigen Stoffen mögliche Geruchsbelästigung durch Schwefelverbindungen, Schwefelwasserstoff ist hochgiftig.
  • Methan hat einen 23-mal so hohen gewichtsbezogenen Treibhauseffekt wie Kohlendioxid; daher sind nur gasdichte Anlagen klimafreundlich.
  • Für die Ausbringung des Endsubstrates müssen genügend Flächen zur Verfügung stehen.
  • In den Wintermonaten darf keine Gülle ausgebracht werden, für diese Zeit muss die Gülle gelagert werden (das gleiche gilt aber auch für unvergorene Gülle).
  • Es muss verhindert werden, dass Gülle von Tieren, die mit Antibiotika behandelt worden sind, in zu hoher Konzentration in den Faulbehälter gelangt.
  • Der gezielte Anbau von Energiepflanzen kann ökologische Probleme nach sich ziehen (Monokulturen, intensive Landwirtschaft).

III. Weiterführende Literatur

  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR): Handreichung Biogasgewinnung und -nutzung, ISBN 3-00-014333-5
  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (StMUGV): Biogas Handbuch Bayern. München, 15. November 2004. [1]

IV. Verweise




Mitwirkende/Autoren:
,
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Wikipedia, 01.06.2013 00:00


Dieser Artikel stammt aus der Quelle Wikipedia und unterliegt der GNU FDL.

 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.

Nachrichten zu Biogasanlage

  • BildZeil: „Leistungsfähige Energiespeicher sind eine notwendige Voraussetzung für die Energiewende“ (03.05.2013, 14:10)
    SULZBACH-ROSENBERG Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Martin Zeil gab heute den Startschuss für das Centrum für Energiespeicherung in der Oberpfalz. Der Freistaat fördert die Forschung und Entwicklung von chemischen und thermischen...
  • BildBTU Cottbus erhält An-Institut (29.04.2013, 10:10)
    Das Institut für Bioenergieträger und Innovative Abfallwirtschaft (INBIA) wird An-Institut an der BTU CottbusFreitag, 3. Mai, 14 – 18 Uhr, auf dem Gelände des Klärwerkes Cottbus, Am Großen Spreewehr 6, 03044 CottbusAm Freitag, 3. Mai 2013, findet...
  • BildKurzmeldungen (02.04.2013, 12:10)
    Auch mit weniger Salz der volle Wurstgenuss +++ Algen und Krebse im Schiffstank +++ Olivenabfall mehrfach nutzenAuch mit weniger Salz der volle WurstgenussDie meisten Menschen essen zu viel Salz. Fünf bis sechs Gramm pro Tag sind vollkommen...
  • BildFachgespräch am 20. März diskutiert Technologien für die Biomethananlagen der Zukunft (15.03.2013, 12:10)
    Welche Technologien werden derzeit eingesetzt und welche haben das Potential sich in Zukunft zu etablieren? Was sind die neuesten Entwicklungen? Darüber diskutieren die Experten des vorletzten Biogas-Fachgespräches im Jahrgang 2012/2013, das am...
  • BildFachgespräch vor Ort: Praktikertag am 27. Februar in der Agrargenossenschaft Hohenroda (21.02.2013, 10:10)
    Die Organisatoren der Biogas-Fachgespräche bieten Fachleuten und interessierten Besuchern am 27. Februar 2013 die Möglichkeit, sich eine Biogasanlage vor Ort anzuschauen. Als Partner für den Praktikertag konnte die Agrargenossenschaft Hohenroda eG...

Entscheidungen zum Begriff Biogasanlage

  • BildOVG-BERLIN-BRANDENBURG, 06.04.2009, OVG 11 S 59.08
    Biogasanlage Templin; Parallelverfahren 11 S 60.08
  • BildOLG-OLDENBURG, 30.03.2006, 14 U 123/05
    Zur Inbetriebnahme einer Biogasanlage.
  • BildNIEDERSAECHSISCHES-OVG, 20.07.2007, 12 ME 210/07
    Zu den Voraussetzungen eines Nachbarschutzes gegen eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung einer Biogasanlage.
  • BildNIEDERSAECHSISCHES-OVG, 09.08.2011, 1 ME 107/11
    Zu den Voraussetzungen, unter denen die Baugenehmigungsbehörde dem Bauantragsteller für eine Biogasanlage die Vorlage von Lärm- und Geruchsgutachten abverlangen kann.
  • BildVG-STADE, 12.05.2011, 2 A 130/10
    Die Privilegierung einer Biogasanlage nach § 35 Abs. 1 Nr. 6 BauGB setzt voraus, dass die Biogasanlage einem landwirtschaftlichen Basisbetrieb organisatorisch zugeordnet ist. Sofern der Inhaber des landwirtschaftlichen Betriebes nicht zugleich Eigentümer der zu genehmigenden Anlage ist, ist diese organisatorische Zuordnung nur...
  • BildVG-STADE, 09.12.2008, 2 A 1457/07
    Der den Basisbetrieb führende Landwirt muss Mehrheitsgesellschafter des Betreibers einer Biogasanlage sein, um für diese die Privilegierungsvoraussetzungen des § 35 Abs. 1 Nr. 6 BauGB zu erfüllen.
  • BildBAYERISCHER-VGH, 22.07.2013, 1 ZB 12.1491
    Antrag auf Zulassung der Berufung durch Beigeladenen; verwaltungsgerichtliche Aufhebung einer nachbarschützenden Auflage; Biogasanlage; Höhe der Auffüllung eines Fahrsilos für Mais; Geruchsimmissionsprognosen.
  • BildBAYERISCHER-VGH, 08.11.2013, 22 CS 13.1984
    Anordnung des Sofortvollzugs einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung;Privilegierung einer Biogasanlage im Außenbereich;Energetische Nutzung von Biomasse im Rahmen eines landwirtschaftlichen Betriebs (Basisbetrieb);Räumlich-funktionaler Zusammenhang mit einem landwirtschaftlichen Betrieb;Bestimmender Einfluss des Inhabers des...
  • BildVG-WUERZBURG, 12.11.2013, W 5 S 13.877
    Nutzung von Biomasse im Rahmen eines Betriebs nach § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB Stilllegungsverfügung einer Biogasanlage im Außenbereich; Privilegierung verneint; Im Rahmen eines Betriebs; maßgeblicher Einfluss des Inhabers des Basisbetriebs
  • BildVG-GIESSEN, 22.04.2009, 8 K 510/08.GI
    Soweit eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung (hier: zur Errichtung und zum Betrieb einer Biogasanlage) wegen teilweise fehlender Unterlagen abgelehnt wird, ist die Erhebung einer Gebühr in Höhe von 65 vom Hundert des in der Verwaltungskostenordnung vorgesehenen Satzes rechtlich nicht zu beanstanden.

Kommentar schreiben

90 - A; cht =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Sie sind gerade hier: JuraForum.deJuraForum-WikiBBiogasanlage 

Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Biogasanlage – Weitere Begriffe im Umkreis

  • BilMoG - Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
    Inhaltsübersicht 1. Einleitung 2. Überblick über die rechnungslegungsrelevanten Änderungen 2.1 Ausgewählte wichtige Änderungen der Vorschriften zum Einzelabschluss 2.1.1 Größen- und...
  • BImSchG - Immissionsschutzgesetz
    1. Inkrafttreten Das BImSchG löste 1974 die bis dahin geltenden anlagenbezogenen Vorschriften der GewO ab. 2. Zweck des BimSchG Gem. § 1 I BImSchG bezweckt das BImSchG den Schutz des Menschen, der Tiere und Pflanzen des Bodens,...
  • BImSchG – Genehmigung von Anlagen
    BImSchG bezeichnet das Bundesimmissionsschutzgesetz, das speziell für den Umweltschutz oder den Schutz der Anwohner zuständig ist. Besonderes im Fokus steht hier die Wirkung auf die Umwelt, durch Verunreinigungen der Luft, Erschütterungen oder...
  • Binnenmarktinformationssystem
    Das Binnenmarktinformationssystem ("Internal Market Information System"; INI) ist eine Softwareanwendung, welche von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten entwickelt wird, damit die europäische...
  • BIO - Kennzeichnungen
    Damit Verbraucher sicher sein können, dass von ihnen gekaufte biologische Produkte auch tatscächlich den Anforderungen an den biologischen Anbau entsprechen, müssen derartige Produkte gekennzeichnet werden. Hierfür werden "Bio"- oder "Öko"-Logos...
  • Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
    Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) mit Sitz in Braunschweig und Berlin ist eine Bundesoberbehörde und Forschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und...
  • Biosphärenreservat
    Ein Schutzgebiet, welches hinsichtlich seiner Vegetationszonen repräsentativ ist oder Besonderheiten aufweist, wird als Biosphärenreservat bezeichnet. Die UNESCO weist weltweit Biosphärenreservate im Rahmen des Programms Mensch und...
  • Biotopschutz
    Als Biotopschutz bezeichnet man Maßnahmen, die dem Erhalt bzw. der Wiederherstellung von Lebensräumen der Pflanzen- oder Tiergemeinschaften (Biozönose) dienen. Der Biotopschutz soll des Weiteren dazu beitragen, die Artendiversität auch...
  • BKGG - Kindergeld
    1. Kindergeld nach dem Bundeskindergeldgesetz (BKGG) Auf Grund des JStG 1996 v. 11.10.1995 (BGBl. I S. 1250, BStBl I, S. 438) ist das Kindergeldrecht ab 1996 neu gestaltet worden. Die Kindergeld-Leistungen sind grundsätzlich in das EStG...
  • Blankounterschrift
    Eine Unterschrift, die auf ein unausgefülltes Formular oder ein leeres Blatt gesetzt wird, wird als Blankounterschrift bezeichnet. Der Besitzer dieses Papiers ist danach in der Lage, das leere Blatt oder Formular nach seinen Wünschen...

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2016 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.