Impressum | Registrierung | Foren-Login
 
Disclaimer | Datenschutz | RSS-Feeds

JuraForum.deJuraForum-WikiBBetriebsrisiko 

Betriebsrisiko

Lexikon

(0)
 

Erklärung zum Begriff Betriebsrisiko

Der Begriff Betriebsrisiko wird sowohl in der der Rechtswissenschaft als auch in der Betriebswirtschaftslehre verwendet. Er bezeichnet das Risiko, dass ein Unternehmen seine Leistung aus betrieblich-technischen oder zwingenden rechtlichen Gründen nicht erfüllen kann.

Bei Unternehmen, die ihrer Natur nach mit Risiken umgehen (also vor allem Kreditinstitute und Versicherungen), umfasst das Betriebsrisiko das Risiko des eigenen Geschäftsbetriebs. Im Gegensatz dazu steht das Marktrisiko (die Marktentwicklung entspricht nicht den Erwartungen), das Zinsrisiko (die Zinsentwicklung entspricht nicht den Erwartungen) oder das Adressrisiko (einzelne Kreditnehmer werden zahlungsunfähig).

Die Lehre vom Betriebsrisiko ist anzuwenden, falls aus beiderseits unverschuldeten betrieblich-technischen oder zwingenden rechtlichen Gründen die Erbringung der Arbeitsleistung unmöglich ist und hierfür keine einzel- oder kollektivvertragliche Regelung vorliegt.

Beispiele für Betriebsrisiken sind: Arbeitsausfall wegen Energie- oder Rohstoffknappheit, das Versagen der IT oder auch ein Produktionsverbot bei Smogalarm.

I. Rechtliche Einschätzung

Für solche Arbeitsausfälle ist arbeitsrechtlich nach der sog. Sphärentheorie darauf abzustellen, wessen beherrschbarem oder jedenfalls zu verantwortendem Einflussbereich (Risikosphäre) die Störungsursache zuzurechnen ist. Hiernach trägt regelmäßig der Arbeitgeber das Betriebsrisiko, so dass der Arbeitnehmer den Anspruch auf Vergütungsfortzahlung behält.

In zwei Fällen hat der Arbeitgeber das Betriebsrisiko nicht zu tragen, mit der Folge, dass der Lohnanspruch ganz oder teilweise wegfällt:

  1. Wenn die Vergütungszahlung an die Arbeitnehmer im konkreten Fall die Existenz des Unternehmens gefährden würde.
  2. Wenn bei einem Arbeitskampf aus Paritätsgründen eine Verschiebung des Risikos zur Arbeitnehmerseite hin geboten ist, sog. Arbeitskampfrisiko.

II. Maßnahmen zur Risikoeingrenzung

Während ein Unternehmen sich mit Finanzinstrumenten wie Optionen gegen Währungs-, Markt- und Zinsrisiken absichern kann, lässt sich das Betriebsrisiko nur durch den Abschluss einer Versicherung (etwa gegen Betriebsunterbrechungen) oder individuelle Maßnahmen des betrieblichen Risikomanagements abfedern. Dazu zählen Notfallplanungen, doppelte Datensicherungen, Maßnahmen zur Unfall- und Brandverhütung usw.

Für Kreditinstitute sind derartige Maßnahmen nach den Vorgaben der Bankenaufsicht (z.B. den Forderungen von Basel II) erforderlich.




 
Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von Wikipedia, 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Wikipedia, 01.06.2013 00:00


Dieser Artikel stammt aus der Quelle Wikipedia und unterliegt der GNU FDL.

 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.

Kommentare und Diskussion

Entscheidungen zum Begriff Betriebsrisiko

  • LAG-KOELN, 26.07.2010, 5 Sa 485/10
    Das Betriebsrisiko bei einem Brand im Betrieb trägt nach § 615 Satz 3 BGB grundsätzlich der Arbeitgeber.
  • HESSISCHES-LSG, 20.08.2010, L 7 AL 165/06
    Die Einstellung der Geschäftstätigkeit einer Bank aufgrund einer bankaufsichtsrechtlichen Maßnahme stellt ein Betriebsrisiko der Bank dar. Die Bank schuldet in diesem Fall nach§ 615 Satz 3 BGB die Zahlung vereinbarter, aber wegen der erzwungenen Einstellung der Geschäftstätigkeit nicht mehr erwirtschafteter Tantiemen. Diese Ansprüche...
  • BGH, 03.06.2004, III ZR 56/03
    Stützt der von pflanzenschutzrechtlichen behördlichen Maßnahmen Betroffene seinen Entschädigungsanspruch nur auf § 32 Abs. 2 PflSchG und einen auf diese Vorschrift (sog. Härteklausel) zugeschnittenen Tatsachenvortrag, so ist das Gericht nicht berechtigt und verpflichtet, von sich aus den Blick auf einen Anspruch nach (oder analog) Abs....
  • LAG-KOELN, 04.09.2008, 7 Sa 208/08
    1. Ein Arbeitgeber, der mit seinen Arbeitnehmern die Geltung eines Regelwerks vereinbart, das unter bestimmten Voraussetzungen die ordentliche Unkündbarkeit der Arbeitsverhältnisse eintreten lässt, übernimmt freiwillig ein erhöhtes Betriebsrisiko, aus dem er nur aus zwingenden Gründen wieder entlassen werden kann. Lediglich "dringende...
  • LAG-KOELN, 05.02.2009, 7 Sa 1088/08
    1. Auf die Befristung einzelner Arbeitsvertragsbedingungen ist § 14 TzBfG nach herrschender und zutreffender Ansicht nicht anwendbar. 2. Die in einem Formulararbeitsvertrag vereinbarte Befristung einer Erhöhung der vertraglichen Arbeitszeit unterliegt jedoch einer Inhaltskontrolle nach § 307 BGB. 3. Das schützenswerte Interesse des...

  • mehr Entscheidungen anzeigen

Nachrichten zu Betriebsrisiko

  • Biogas-Kongress: Experten sehen noch ungenutztes Potenzial (04.04.2011, 10:00)
    Von sauberem Strom bis Nahwärme: technischer Fortschritt eröffnet neue MöglichkeitenStrom aus Biogas – dank neuer Verfahren wird diese Option auch für kleinere Anlagen zunehmend realistisch. Clever vernetzt mit Stadtwerken und mittelständischer Industrie hat Biogas auch noch Ausbaupotenzial als Gas- und Wärmelieferant. Durch...
  • Ausschreibung von S-Bahn-Leistungen verpflichtend (08.02.2011, 13:50)
    Der Bundesgerichtshof hat in einem vergaberechtlichen Nachprüfungsverfahren nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) den Nachprüfungsantrag eines Wettbewerbers der DB Regio NRW GmbH (DB Regio) für begründet erklärt. 2004 hatten der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und DB Regio einen Verkehrsvertrag geschlossen. Dieser...
  • Betriebsrisiko in einem witterungsabhängigen Unternehmen (10.07.2008, 14:30)
    Nach der Betriebsrisikolehre kann der Arbeitnehmer die vereinbarte Vergütung auch dann verlangen, wenn die Arbeit - im entschiedenen Fall aus witterungsbedingten Gründen - ausfällt und der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt. Zur Nachleistung der Arbeit ist der Arbeitnehmer in diesem Fall nicht verpflichtet. Er muss sich...
  • BAG: Betriebsrisiko in einem witterungsabhängigen Unternehmen (10.07.2008, 12:16)
    Nach § 615 BGB kann der Arbeitnehmer die vereinbarte Vergütung auch dann verlangen, wenn die Arbeit ausfällt und der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt. Zur Nachleistung der Arbeit ist der Arbeitnehmer nicht verpflichtet. Er muss sich jedoch anrechnen lassen, was er in dieser Zeit anderweitig verdient oder zu verdienen...
  • Schadensersatz für Radfahrer bei Sturz an voller Bushaltestelle (17.09.2005, 09:15)
    Celle (DAV). Der Betreiber eines Stadtbusses kann sich nicht auf höhere Gewalt berufen, wenn eine Radfahrerin an einer Bushaltestelle durch einen Stoß eines Wartenden stürzt und daraufhin von den Bus angefahren wird. Nach dem von den Verkehrsrechtsanwälten des Deutschen Anwaltverein (DAV) mitgeteilten Urteil des Oberlandesgerichts...

Aktuelle Forenbeiträge

  • Lohnabzüge nach Kündigung (03.07.2012, 18:21)
    AN hat laut Vertrag eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden (mit, falls erforderlich 7 Überstunden, welche nicht bezahlt werden) und ein fixes Bruttogehalt. Wegen mangelnder Auftragslage wird AN früher heim geschickt (Gastgewerbe). Als sich die Auftragslage bessert, wird der AN trotzdem nicht mehr eingeteilt und kommt nicht dazu,...

Betriebsrisiko – Weitere Begriffe im Umkreis




Sie sind gerade hier: JuraForum.deJuraForum-WikiBBetriebsrisiko 

Suche

Durchsuchen Sie hier Juraforum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2014 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.

Kanzleinews einstellen | Sitemap | RSS | Kontakt | Team | Jobs | Werbung | Presse | Datenschutz | AGB | Impressum