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Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement (BEM)

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Erklärung zum Begriff Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement (BEM)

Unabhängig von der Betriebsgröße sind alle Arbeitgeber in jenen Fällen gemäß § 84 Abs. 2 SGB IX zum sogenannten „Wiedereingliederungsmanagement“ verpflichtet, in denen der Arbeitnehmer innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen hintereinander (oder wiederholt aufgrund derselben Erkrankung) arbeitsunfähig ist. Dieses betriebliche Wiedereingliederungsmanagement (BEM) gehört zu den Fürsorgepflichten eines Arbeitgebers und ist bei sämtlichen erkrankten Mitarbeitern anzuwenden, einschließlich der Beamten.

Das BEM an sich ist ein recht komplexes Verfahren, welches sämtliche Leistungen, Aktivitäten und Maßnahmen umfasst, die für eine individuelle Wiedereingliederung in einen Betrieb erforderlich sind.

Sinn und Zweck des BEM

Das BEM dient in erster Linie dem Zweck, Beschäftigte nach längerer Krankheit wieder in den Arbeitsprozess einzubinden. Um dies zu ermöglichen, muss individuell geklärt werden, wie

  • die Arbeitsunfähigkeit des Beschäftigten möglichst zu überwinden ist und somit dessen Fehlzeiten zu verringern sind,
  • einer erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen ist und
  • wie der Arbeitsplatz für den erkrankten Arbeitnehmer langfristig  zu erhalten ist.

So ist es auch Sinn des BEM, den erkrankten Mitarbeiter stufenweise wieder an die volle Arbeitsbelastung an seinem Arbeitsplatz heranzuführen. Sollte dies aus gesundheitlichen Gründen nicht komplett möglich sein, wird ein anderer Arbeitsplatz innerhalb des Betriebes gesucht, dessen Tätigkeiten der Eignung des Beschäftigten entsprechen. Diese Wiedereingliederung ist gemäß § 74 SGB V eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen beziehungsweise gemäß § 28 SGB IX aller Rehabilitationsträger.

Durchführung eines BEM

Wenn ein Beschäftigter die Voraussetzungen für ein BEM erfüllt (sechs Wochen im Jahr hintereinander oder wiederholt aufgrund derselben Erkrankung arbeitsunfähig), ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihm ein solches Wiedereingliederungsmanagement anzubieten. Dies hat in schriftlicher Form zu erfolgen. Der Arbeitnehmer ist allerdings nicht dazu verpflichtet, dieses Angebot anzunehmen. Sollte er dies aber wollen, muss er seine Einwilligung zu dieser Maßnahme schriftlich geben. Dabei ist zu beachten, dass der Beschäftigte nicht nur das Ob und Wie des BEM bestimmen darf, sondern seine Einwilligung hierzu jederzeit zurückziehen kann. Der Personalrat eines Betriebs ha Anspruch darauf, über das Schreiben an den betroffenen Beschäftigten in Kenntnis gesetzt zu werden – dessen Antwort hingegen muss ihm nur in jenen Fällen mitgeteilt werden, in denen die Beschäftigten dem BEM zugestimmt haben [BVerwG, 23.06.2010, 6 P 8.09].

Die Überwachung, ob der Arbeitgeber auch tatsächlich seiner Pflicht zur Durchführung eines BEM nachkommt, obliegt dem Betriebsrat [BArbG, 07.02.2012, 1 ABR 46/10].

Es gibt diverse Möglichkeiten für Hilfsangebote, die im BEM eingesetzt werden können. eine gesetzliche Vorgabe hierfür besteht nicht; vielmehr muss im individuellen Fall geklärt werden, welche Maßnahmen für den betroffenen Beschäftigten am geeignetsten seien. Klarheit bringt in der Regel ein Präventionsgespräch, welches sich beispielsweise mit folgenden Fragen beschäftigen könnte:

  • Bestehen beim betroffenen Beschäftigten Leistungseinschränkungen?
  • Bestehen innerbetriebliche Hilfsangebote?
  • Bestehen Zusammenhänge zwischen der Erkrankung und dem Arbeitsplatz? Falls ja, wie kann der Arbeitsplatz umgestaltet werden?
  • Welche Stärken beziehungsweise Qualifikationen weist der betroffene Beschäftige vor? Gegebenenfalls für welchen anderen Arbeitsplatz wäre er somit geeignet?
  • Welche Wünsche beziehungsweise Ziele verfolgt der betroffene Beschäftigte?

 

An diesem Gespräch sollten neben dem Betroffenen selbst sowohl betriebsinterne Verantwortliche als auch externe Partner sein. Die internen sind beispielsweise

  • Betriebsarzt
  • Frauenbeauftragte
  • Personalrat
  • Betriebsrat
  • Schwerbehindertenvertretung

Externe Partner für das BEM können sein:

Maßnahmen des BEM

Die Maßnahmen eines betrieblichen Wiedereingliederungsmanagements sind individuell mit dem und auf den jeweiligen Beschäftigen abzustimmen. Beispiele für ein BEM sind:

  • Arbeitsmedizinische Beratung
  • Arbeitsplatzanalysen
  • Arbeitsplatzbezogene Gesundheitsberatung
  • Barrierefreie Gestaltung des Arbeitsplatzes
  • Belastungserprobung
  • Bereitstellung von technischen Arbeitshilfen
  • Berufliche Rehabilitation (Umschulung)
  • Eingliederung schwerbehinderter Arbeitnehmer nach Umschulung oder Arbeitslosigkeit
  • Externe individuelle Beratung
  • Individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes
  • Interne individuelle Beratung
  • Medizinische Rehabilitation (Kur, Reha)
  • Stufenweise Wiedereingliederung
  • Verbesserung des betrieblichen Gesundheitsschutzes
  • Wechseln des Arbeitsplatzes

Dies sind jedoch nur eine kleine Auswahl der Vielzahl an Möglichkeiten für Maßnahmen, die ergriffen werden können, um einem Beschäftigten die Wiedereingliederung in den Betrieb zu ermöglichen.




Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Juraforumadmin, 20.04.2015 13:27


 
 

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