Aufwand

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Aufwand

1. Allgemeines

In der täglichen betrieblichen Praxis werden die Begriffe Kosten und Aufwand in der Umgangssprache oft gleichwertig verwendet. Da in den Verwaltungen der Unternehmen jedoch nicht nur Kaufleute, sondern auch Techniker arbeiten, ist es um so wichtiger, dass von allen Beteiligten bestimmte Begriffe des Rechnungswesens einheitlich benutzt werden. Ebenso wichtig ist darüber hinaus, dass unter dieser einheitlichen Begriffsdefinition auch alle Beteiligten dasselbe verstehen. Einer dieser Begriffe ist dabei der Aufwand, der vom Begriff der Kosten streng zu trennen ist.

2. Begriffsbestimmung

Mit Aufwand wird der gesamte Werteverzehr innerhalb eines Unternehmens bezeichnet. Dabei ist dieser Werteverzehr (oder auch: Güterverbrauch) immer gleichzeitig auch mit einer finanziellen Ausgabe verbunden. Der Zeitpunkt der Ausgabe und der Zeitpunkt des tatsächlichen Güterverbrauchs im Unternehmen müssen dabei jedoch nicht zwangsläufig in derselben Zeitperiode (Geschäftsjahr) erfolgen.

Jeder Vorgang innerhalb des Unternehmens, der eine Ausgabe oder eine Verbindlichkeit darstellt, ist also für das Unternehmen Aufwand. Dabei ist es vom Grundsatz her erst einmal vollkommen unerheblich, ob dieser Vorgang einen betrieblichen oder einen außerbetrieblichen Charakter hat.

Der Begriff Aufwand ist gegenüber dem Begriff Kosten übergeordnet, also wesentlich weiter gefasst. Er umfasst den betrieblichen Werteverzehr, der einerseits mit dem Begriff Kosten bezeichnet wird und andererseits den außerbetrieblichen Werteverzehr, der mit dem Begriff neutraler Aufwand bezeichnet wird.

Die Begriffe Aufwendungen und Kosten stimmen zwar in bestimmten Bereichen überein, sind aber keinesfalls identisch. Der Teil der Aufwendungen, der den Kosten entspricht, nennt man Zweckaufwendungen oder betrieblicher Aufwand. Die Kosten, die ebenfalls Aufwendungen sind, bezeichnet man als Grundkosten. In der Finanzbuchhaltung werden dagegen die Kosten, die nicht gleichzeitig Aufwand sind, und in der Kosten- und Leistungsrechnung die Aufwendungen, die nicht gleichzeitig Kosten sind, gesondert behandelt. Diese Aufwands- bzw. Kostenbestandteile werden einerseits als neutrale Aufwendungen und andererseits als kalkulatorische Kosten bezeichnet. Die folgende Abbildung zeigt Ihnen die Zusammenhänge zwischen der Finanzbuchhaltung sowie der Kosten- und Leistungsrechnung auf.

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Finanzbuchhaltung sowie der Kosten- und Leistungsrechnung

Schematische Darstellung, Aufwand: Schnittmenge aus KoRe und FiBu

Aus dem Schaubild ergibt sich, dass die Begriffe Zweckaufwand (= Betrieblicher Aufwand) und Grundkosten identisch sind. Die neutralen Aufwendungen dagegen sind keine Kosten, während die Zusatzkosten (auch kalkulatorische Kosten genannt) kein Aufwand sind.

Wenden wir uns nun den Aufwandsbegriffen des Schaubildes zu: Beim neutralen Aufwand unterscheidet man in:

  • betriebsfremder Aufwand

  • periodenfremder Aufwand

  • außerordentlicher Aufwand

3. Betrieblicher Aufwand

Der betriebliche Aufwand (= Grundkosten), deren Konten in der Kontenklasse 4 des GKR zu finden sind, umfassen insbesondere

  • den Materialaufwand, wie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe,

  • den Personalaufwand, wie Löhne, Gehälter, Soziale Abgaben und sonstige gesetzliche, tarifliche oder freiwillige Personalaufwendungen,

  • den Instandhaltungsaufwand,

  • die Steuern und Abgaben,

  • die Verwaltungskosten, wie Büro- und Raumkosten, Mieten, Werbe- und Finanzkosten, etc.,

  • die Abschreibungen.

4. Zusatzkosten

Daneben gibt es noch Kosten, die zwar in der Kostenrechnung (und damit auch in der Kalkulation) angesetzt werden, die aber keinerlei Aufwand darstellen, da sie nicht zu einer Ausgabe führen. Da diese Kosten zusätzlich zu den betrieblichen Aufwand kalkuliert werden, heißen sie Zusatzkosten oder auch kalkulatorische Kosten. Die wichtigsten in der täglichen betrieblichen Praxis vorkommenden Zusatzkostenarten sind:

  • kalkulatorische Zinsen,

  • kalkulatorische Abschreibungen,

  • kalkulatorische Wagnisse,

  • kalkulatorischer Unternehmerlohn.

Einigen der zuvor genannten Arten stehen - allerdings in anderer Höhe - Aufwendungen in der Finanzbuchhaltung gegenüber. Anderen Arten wiederum fehlt der Gegenpart in der Finanzbuchführung. Dies hat in der betriebswirtschaftlichen Theorie dazu geführt, dass die Zusatzkosten noch einmal in zwei Gruppen unterteilt wurden.

4.1 Anderskosten

Hierbei stehen in der Bilanz nur anders ermittelte Aufwendungen.

Beispiel Abschreibungen:

In der Bilanz stehen nur die Abschreibungen von den Anschaffungs- oder Herstellkosten, in der Kostenrechnung jedoch von den Wiederbeschaffungskosten. Bei den Abschreibungen sind weitere Unterschiede möglich, z. B.: unterschiedliche Nutzungsdauer, Abschreibung über die bilanzielle Nutzungsdauer hinaus.

4.2 (eigentliche) Zusatzkosten

Diesen kalkulatorischen Kosten stehen in der Bilanz keine vergleichbaren Aufwendungen gegenüber.

Beispiel:

Unternehmerlohn bei der Personengesellschaft, Eigenkapitalverzinsung

5. Behandlung beim Jahresabschluss

Um den Erfolg eines Unternehmens zu ermitteln, werden in der Gewinn- und Verlustrechnung Aufwand und Ertrag einander gegenübergestellt. Als Aufwand bezeichnet man den Geldwert aller Güter und Leistungen, die im Unternehmen vor allem für die Produktion ge- bzw. verbraucht werden. Darunter fallen eingesetztes Material (Rohstoffe und Vorerzeugnisse), Personalkosten (Löhne, Gehälter, Sozialaufwand) und Abschreibungen, aber auch Posten wie Steuern, andere öffentliche Abgaben und Zahlungen für Zinsen, Mieten, Pachten und Versicherungsbeiträge, usw.

6. Zu beachtende Vorschriften

In § 252 HGB finden sich die allgemeinen Bewertungsgrundsätze. In Absatz 1 Nr. 5 heißt es:

" Bei der Bewertung der im Jahresabschluss ausgewiesenen Vermögensgegenstände und Schulden gilt insbesondere Folgendes:
Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahrs sind unabhängig von den Zeitpunkten der entsprechenden Zahlungen im Jahresabschluss zu berücksichtigen."

Darber hinaus ist bei der Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung der § 275 HGB zu beachten.




© steuerlex24.de


Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.


Nachrichten zu Aufwand


Entscheidungen zum Begriff Aufwand

  • BildOVG-NORDRHEIN-WESTFALEN, 19.02.2008, 15 A 2568/05
    Eine Vergaberechtswidrigkeit schließt nicht als solche die Beitragsfähigkeit von Aufwand eines Straßenausbaus aus, sondern nur insoweit, als sie zu einem erhöhten Aufwand geführt hat.
  • BildVG-GIESSEN, 23.04.2013, 8 K 1171/12.GI
    Kosten für die Abrechnung eines externen (Rechtsanwalts) Büros zählen nicht zum beitragsfähigen Aufwand.
  • BildVG-OSNABRUECK, 22.08.2002, 2 A 177/01
    Die Ermittlung eines Fahrzeugführers im Ausland erfordert nicht denselben Aufwand, der im Inland notwendig ist
  • BildVG-GELSENKIRCHEN, 06.05.2009, 13 K 1880/07
    Die Kosten der Entsorgung von teerhaltigem, mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verseuchten alten Oberbaus einer Fahrbahn sind regelmäßig beitragsfähiger Aufwand.
  • BildBGH, 29.11.2007, V ZB 179/06
    Soweit der Zeitaufwand des Verwalters darin seinen Grund findet, dass der Verwalter das verwaltete Objekt beschädigt hat, handelt es sich bei dem Aufwand nicht um im Sinne von § 19 Abs. 1 ZwVwV erforderlichen Aufwand.
  • BildOLG-FRANKFURT, 22.08.2000, 20 W 288/00
    Die Vorschriften der Kostenordnung verstoßen nicht gegen Europäisches Gemeinschaftsrecht, auch wenn sie den tatsächlichen Aufwand möglicherweise übersteigen.
  • BildVG-AUGSBURG, 19.03.2013, Au 1 K 12.1077
    Beitrag für die gemeindliche Entwässerungseinrichtung; Verteilung des Herstellungsaufwands (Schmutz- und Niederschlagswasser); Rechnungperiodenkalkulation; Anpassung des Finanzierungssystems; beitragsfähiger Aufwand
  • BildVG-GELSENKIRCHEN, 12.07.2007, 2 L 297/07
    Grundlage der Besteuerung von Geldspielgeräten ist der finanzielle Aufwand des Spielers. Daraus folgt, dass Unterschiede im maßgeblichen Aufwand auch zu Unterschieden in der Höhe der Steuer führen müssen. Im Rahmen einer summarischen Prüfung ist ein rechtfertigender Grund dafür, den Aufwand, der eine bestimmte Grenze übersteigt,...
  • BildOLG-KOELN, 12.06.2007, 2 W 41/07
    Der Streitwert einer Vollstreckungsabwehrklage gegen eine Rechnungslegungsverpflichtung ist nach dem mit der der Rechnungslegung verbundenen zeitlichen und finanziellen Aufwand zu bemessen.
  • BildOLG-MUENCHEN, 28.11.2005, 2 Ws 1194/05
    Der mit der eigentlichen Leistung des Sachverständigen verbundene Aufwand für die Fertigung einer Gutachtenkopie, die für die Handakten bestimmt ist, wird mit dem Honorar abgegolten.

Aktuelle Forenbeiträge

  • Beträge einer Gemeinschaftskasse mahnfähig /einklagbar? (25.06.2013, 15:15)
    Guten Tag liebe Forumsgemeinde, folgende Frage beschäftigt mich: Eine Gruppe von Personen, die ein gemeinsames Hobby teilt, beschließt für gemeinsame Anschaffungen eine Kasse einzurichten. Um dem Aufwand einer Vereinsgründung zu entgehen, wird mündlich verabredet, einen gewissen monatlichen Betrag zu entrichten. Jedem Mitglied der...
  • Kann eine Anzeige wegen Diebstahl zurückgezogen werden? (19.06.2013, 22:22)
    Person P erbricht sich in einem Taxi, da er ziemlich betrunken ist. Es kommt zum Streit: Taxifahrer T verlangt von P 100 Euro für die Reinigung, die P nicht zahlen will; P bietet seine Personalien an, die T wiederum nicht genügen. Irgendwie schafft es T an das Handy von P zu gelangen und will damit fortfahren; P versucht sich noch ins...
  • Händer und Hersteller erkennen Fehlern nicht an (19.06.2013, 20:04)
    Hallo liebe Juras, wie soll sich eurer Ansicht nach der Kunde in diesem fiktiven Fall verhalten: Vorgeschichte Der Kunde hat über einen Versandhändler einen professionellen Akkuschrauber für 300€ eines Typs gekauft, mit dem er schon intensiv gearbeitet hat. Er weiss genau, was das Gerät leistet und wo die Grenzen sind. Beim gekauften...

Kommentar schreiben

12 - N;e un =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Aufwand – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Aufbewahrungsfristen und -pflichten
    Inhaltsübersicht 1. Aufbewahrungspflichten 2. Aufbewahrungsfristen 2.1 Fristen 2.2 Unterlagen 2.2.1 Buchungsbelege 2.2.2 Handels- und Geschäftsbriefe 2.2.3 Bank- und...
  • Aufgabenbereiche des Controllings - Internationale Steuerplanung
    Inhaltsübersicht 1. Überblick 2. Einzelne Aufgabenbereiche des Controllings im Rahmen der Steuerplanung 2.1 Koordination der Informationsversorgung 2.2 Koordination des Steuerplanungsprozesses...
  • Aufmerksamkeiten
    Aufmerksamkeiten sind steuerfreie Sachzuwendungen, wie die Überlassung von Getränken und Genussmitteln zum Verzehr im Betrieb (nicht begünstigt ist die Überlassung außerhalb des Betriebes) oder Sachgeschenke (Blumen, Bücher) des Arbeitgebers im...
  • Aufrechnung - Rechnung
    Für die gelten bezüglich der Aufrechnung von Forderungen ebenfalls besondere Regelungen und Voraussetzungen abweichend von den Regeln zur "normalen" Buchführung. Voraussetzungen der Aufrechnung sind im Einzelnen:...
  • Aufteilungsverbot
    Gemäß § 12 Nr. 1 Satz 1 EStG dürfen die für den Haushalt des Steuerpflichtigen und für den Unterhalt seiner Familienangehörigen aufgewendeten Beträge bei der Einkommensermittlung nicht abgezogen werden. Dazu gehören nach § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG...
  • Aufwendungen
    Aufwendungen ist ein Begriff insbesondere aus dem allgemeinen Zivilrecht, dem Rechnungswesen im Rahmen des Handelsrechts und dem Steuerrecht. Entsprechend hat dieser Begriff auch unterschiedliche Bedeutungen.   I.  Im...
  • Aufzeichnung des Warenein- und -ausgangs - GoB
    Inhaltsübersicht 1. Aufzeichnung des Wareneingangs (§ 143 AO) 1.1 Personenkreis 1.2 Gegenstand der Aufzeichnungen 1.3 Inhalt der Aufzeichnungen 2. Aufzeichnung des Warenausgangs (§...
  • Außenprüfung
    Die Außenprüfung ist eine – von der Finanzbehörde im Außendienst vorzunehmende – Gesamtüberprüfung steuerlich relevanter Sachverhalte. Die Außenprüfung dient der Ermittlung, Prüfung und Beurteilung der Verhältnisse eines Steuerpflichtigen um...
  • Außergewöhnliche Belastungen - Steuererklärung
    Persönliche finanzielle Ausgaben bleiben normalerweise bei der Steuererklärung unberücksichtigt. Doch es gibt Ausnahmen, welche als „außergewöhnliche Belastungen“ bezeichnet werden. Diese können sich steuermindernd auswirken. Bei den...
  • Außerordentlicher Aufwand
    Unter außerordentlichem Aufwand werden alle Geschäftsvorgänge zusammengefasst, die - wie bei den außerordentlichen Erträgen - zwar ebenfalls durch den Unternehmenszweck verursacht wurden, die jedoch für den normalen betrieblichen Ablauf des...

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Steuerrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.