Antragsdelikt

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Erklärung zum Begriff Antragsdelikt

Antragsdelikte sind Straftaten, die grundsätzlich nur dann bestraft werden, wenn der Verletzte die Strafverfolgung beantragt. Dabei können insgesamt vier verschiedene Antragsdelikte im deutschen Rechtssystem ausdifferenziert werden:
 

  • reine Antragsdelikte (Strafverfolgung nur bei Strafantrag. Beispiel: Hausfriedensbruch)
  • Mischdelikte aus Antrags- und Offizialdelikt (können auch bei fehlendem Strafantrag verfolgt werden, jedoch nur bei öffentlichem Interesse. Beispiel: einfache vorsätzliche Körperverletzung)
  • relatives Antragsdelikt (wird nur auf Strafantrag unter bestimmten Voraussetzungen verfolgt.)
  • absolutes Antragsdelikt (sind immer antragsbedürftig)

Als Antragsdelikt wird ein Delikt bezeichnet, bei dem die Justizbehörden nur auf Antrag des Geschädigten tätig werden. Im Gegensatz dazu steht das Offizialdelikt, bei dem der Staatsanwalt tätig werden muss. Zwingende Voraussetzung für ein Antragsdelikt ist demnach ein Strafantrag. Ohne dass der Betroffene einen solchen Strafantrag stellt, dürfen die Behörden nicht tätig werden. Als bestes Beispiel dafür kann der Hausfriedensbruch § 123 StGB  genannt werden.

Im Gegensatz zum reinen Antragsdelikt sind die meisten im deutschen Justizwesen vorhandenen Delikte eine Mischung aus Antrags- und Offizialdelikt. Diese können auch dann verfolgt werden, wenn die Staatsanwaltschaft der Ansicht ist, dass ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt. Die fahrlässige Körperverletzung gemäß § 223, § 229 und § 230 StGB ist ein solcher Fall.

Relatives Antragsdelikt

Im Gegensatz zum reinen Antragsdelikt gibt es noch ein relatives Antragsdelikt. Beispielsweise ist der Diebstahl unter Angehörigen entsprechend § 47 BGB ein solches relatives Antragsdelikt.

Reine Antragdelikte

Es gibt im deutschen Strafgesetz zahlreiche Delikte, die ein reines Antragsdelikt sind.

- Pfandkehr § 289 StGB
- Fischwilderei § 293 StGB
- Vollrausch § 323a StGB
- Entziehung elektrischer Energie § 248c StGB
- Verstoß gegen Weisungen während der Führungsaufsicht § 145a StGB
- Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs § 201 Abs. 1 und 2, §§ 202, 203 und 204 StGB
- Haus- und Familiendiebstahl § 247 StGB
- Hausfriedensbruch § 123 StGB
- Begünstigung § 257 StGB
- Unbefugter Gebrauch eines Fahrzeugs § 248b StGB
 - Vereiteln der Zwangsvollstreckung § 288 StGB
- Beleidigung § 185 StGB
- Üble Nachrede § 186 StGB
- Verleumdung § 187 StGB
- Verletzung des Steuergeheimnisses § 355 StGB

Mischdelikte aus Antrags- und Offizialdelikt

Auch im deutschen Strafrecht verankert sind Delikte, die neben einem Antrag auch bei einem besonderen öffentlichen Interesse verfolgt werden können.

- Körperverletzung § 223 StGB
- fahrlässige Körperverletzung § 229 StGB
 - Nachstellung § 238 Abs. 1 StGB
 - Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen § 248a StGB
 - Entziehung Minderjähriger § 235
- Computersabotage § 303b StGB
 - Sexueller Missbrauch von Jugendlichen § 182 Abs. 3 StGB
- Sachbeschädigung § 303 StGB
 - Datenveränderung § 303a
 - Exhibitionistische Handlungen § 183 StGB
- Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs §§ 202 a und 202 b StGB
- Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr § 299 StGB

Der Strafantrag zur Eröffnung eines Strafverfahrens

Ein Strafantrag als Voraussetzung für die Eröffnung eines Strafverfahrens bei einem solchen Delikt muss innerhalb von drei Monaten bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft eingehen. Diese dreimonatige Frist beginnt nach Ablauf des Tages, an dem der Geschädigte von der Tat und insbesondere von der Person des Täters Wissen erhält. Nach Fristablauf muss die Staatsanwaltschaft automatisch das Strafverfahren einstellen. Gleiches gilt, wenn der Strafantrag zurückgezogen wird.

Hält die Staatsanwaltschaft wegen des gebotenen öffentlichen Interesses die Strafverfolgung für notwendig, kann sie von sich aus tätig werden. Wird dieses öffentliche Interesse nicht bejaht oder das Delikt von der Staatsanwaltschaft nicht weiter verfolgt, ist oftmals Privatklage möglich. Solche Vorgehensweise findet man häufig bei Ladendiebstählen. Der Geschädigte kann dann den Täter verklagen und somit eine Verurteilung anstreben. Dies kann Vorteile bei der Schadenersatzregulierung haben.

Im Allgemeinen sind Antragsdelikte jene Tatbestände, die eine nur geringe Beschwer hervorrufen. Im Verkehrsrecht sind das beispielsweise die Beleidigung § 185 StGB, unbefugter Gebrauch eines Fahrzeuges § 248b StGB, Körperverletzung § 223 StGB. Hinzu kommen noch Sachbeschädigung § 303 StGB und der Vollrausch § 323a StGB.




Mitwirkende/Autoren:
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Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Libera, 23.06.2014 07:43


 
 

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