Ärztepfusch

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Erklärung zum Begriff Ärztepfusch

Ärztepfusch“ bedeutet, dass ein Arzt Behandlungsfehler begangen hat. Bei der Behandlung eines Patienten wurden somit nicht die anerkannten Regeln der Ärzteschaft eingehalten.

Rechtlich ist dies oftmals nur sehr schwer nachzuweisen. Offensichtlich wird das Unglück beispielsweise nach einer Operation, wenn es einem Patienten lange Zeit nicht besser geht oder sich Gesundheitszustand, sogar noch deutlich verschlechtert.

Begründete Vorwürfe
Experten reden von der kaum sichtbaren Spitze eines Eisberges, die Schlichtungsstelle der Ärzte gibt zu, dass ein Viertel der Vorwürfe durchaus begründet sei. Doch der Weg, eventuell eine Entschädigung für einen erlittenen Ärztepfusch zu erhalten, erweist sich als äußerst schwierig. Verklagt man einen Mediziner, ziehen sich die Verfahren in aller Regel über viele Jahre hin. Häufig ist die Beweislage oder auch die entsprechenden Gutachten schwammig und müssten, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen, ergänzt werden. Doch ist auch nicht jede Komplikation nach einer Operation als Ärztepfusch zu werten. Man geht von etwa 170 000 Behandlungsfehlern jährlich aus.

Was tun bei Ärztepfusch?

Fühlt man sich als Opfer eines unfähigen Arztes, ist es richtig, zuerst einmal die Krankenkasse zu informieren. Sollte sich die Anschuldigung als stichhaltig erweisen, beauftragen die Versicherer in Verdachtsfällen den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Der wird dann ein kostenloses Gutachten erstellen. Fast 15.000 Fälle prüfte der MDK in 2013.

Bereits bei der mangelnden Aufklärung im Vorfeld beginnt Ärztepfusch

Der Patient hat ein gesetzlich geregeltes Selbstbestimmungsrecht, auch darf er jederzeit seine Akte einsehen. Der Pfusch der Ärzte beginnt bereits vor dem Eingriff oder dem medizinischen Prozedere: Es fehlt die richtige, wahrheitsgemäße, verständliche Aufklärung. Die meisten Fälle von Ärztepfusch, die ans Tageslicht kommen, ereignen sich in Kliniken, obwohl diese laut eigener Angaben stets sehr ökonomisch und qualitätsbewusst arbeiten. Hier geht es um Infektionen durch mangelnde Hygiene oder den vergessenen Handschuh bei der OP. In den Krankenhäusern sterben mehr Menschen durch Behandlungsfehler als im Straßenverkehr. Gefordert wird von allen Seiten eine „offene Fehlerkultur“. Die Entwicklung von Krankenhäusern zu kleinen, mehr oder minder selbstständigen „Universitätskliniken“ - die alles anbieten, sieht man eher kritisch.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 21.10.2015 07:45
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 21.10.2015 07:45


 
 

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