Ältere Arbeitnehmer ab 55

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Erklärung zum Begriff Ältere Arbeitnehmer ab 55

Der Begriff „ältere Arbeitnehmer“ ist weder juristisch noch wissenschaftlich definiert, sondern dient lediglich der Bezeichnung jener Beschäftigte, die ein bestimmtes Lebensalter bereits überschritten haben. In der Regel liegt dieses bei 55 Jahren; allerdings werden in Einzelfällen auch bereits Personen ab 40 Jahren als „ältere Arbeitnehmer“ bezeichnet.

Ältere Menschen haben es meistens schwerer, nach Verlust ihres Arbeitsplatzes auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Dies liegt zum einen daran, dass viele Arbeitgeber diese Befürchtung haben, dass mit zunehmendem Alter auch die Anzahl der Krankheitstage steigt, und sie somit von einer Einstellung absehen. Zum anderen sind Arbeitnehmer, welche auf eine hohe Anzahl von Berufsjahren zurückblicken können, meistens teuer, da deren Berufserfahrung honoriert werden soll: ein Berufsanfänger verdient grundsätzlich weniger für die Verrichtung derselben Tätigkeiten wie ein berufserfahrener Kollege. Eine derartige Behandlung ist sehr schade, zumal gerade diese über viele Vorteile verfügen.

Vorteile

Wenn es um Berufs- beziehungsweise Lebenserfahrung geht, haben ältere Beschäftgte ihren jüngeren Kollegen einiges voraus. Auch in puncto Sozialkompetenz und allgemeinem Verhalten (Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein etc.) können sie vielerorts eine besondere Vorbildfunktion für jüngere Menschen darstellen. Insbesondere aber ihre jahrzehntelange Berufserfahrung macht sie zu geschätzten Mitarbeitern. Viele Kniffe und Tricks haben sich Arbeiter im Laufe ihres Berufslebens angeeignet, und können dadurch nicht nur effektiver arbeiten, sondern ihre Erfahrungswerte auch an jüngere Kollegen weitergeben. Eine derartige Wissensweitergabe von Generation zu Generation ist für Unternehmen von unschätzbarem Wert.

Noch ein weiterer Aspekt macht ältere Arbeiter zu wichtigen Mitgliedern eines Unternehmens: kundenorientierte Betriebe haben – aufgrund der hohen Anzahl Bürger – eine hohe Anzahl Kunden. Diese Zielgruppe kennt niemand so gut wie ältere Arbeitnehmer – gehören sie dieser doch selbst an und können sich somit in deren Wünsche und Bedürfnisse gut hineinversetzen.

Nachteile

Aufgrund der höheren Anzahl der Lebensjahre kann es passieren, dass ein älterer Arbeitnehmer häufiger krank ist als ein jüngerer Kollege.

Viel schlimmer sind hingegen die Ergebnisse, die eine Studie der Engagement Index Deutschland 2012 ergab, welche von der Unternehmensberatung Gallup vorgestellt wurde: demzufolge haben über 80 % der über 55 keine oder nur eine sehr geringe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Als Grund hierfür wird angegeben, dass sie sich nicht nur ausgebrannt und demotiviert fühlen, sondern vor allem vernachlässigt. Vernachlässigt insofern, als dass sich der Fokus auf junge Arbeiter und deren Förderung richtet.  So haben viele Ältere das Gefühl, sie beziehungsweise ihre Erfahrungswerte würden nicht benötigt werden – insbesondre deswegen, weil immer mehr IT und Technik an den Arbeitsstätten gefragt werden würde. Dies sind Gebiete, in denen vieler Arbeitnehmer der älteren Generation nicht mit ihren jüngeren Kollegen mithakten können.

Schutzrechte - Kündigung im Arbeitsrecht

Ein genereller Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz (KschG) besteht für Arbeitnehmer nicht; im Gegensatz zu Schwerbehinderten, Schwangeren oder Arbeitnehmer in Elternzeit gehören sie keiner besonders schützenswerten Gruppe an. Dementsprechend müssen sich auch Arbeitnehmer den im Betrieb geltenden Regeln fügen – auch, wenn es um Kündigungen geht.

Ausnahmen bestehen allerdings bei Tarifverträgen, die Kündigungen von Arbeitnehmern, welche das 55. Lebensjahr vollendet haben, zwar nicht grundsätzlich verbieten, aber zumindest erschweren. Beispielsweise sieht der Tarifvertrag für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst vor, dass Beschäftigte ab 55, welche mindestens 20 Jahre dort tätig sind, nicht aufgrund von verminderter Leistung gekündigt werden dürfen. Auch Fragen zur Altersteilzeit und zum Sozialplan spielen bei einer Kündigung des Arbeitsnehmers eine Rolle.

Doch auch, wenn es keinen gesetzlichen Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer gibt, so müssen diese doch vor den gefürchteten Massenentlassungen weniger Angst haben als jüngere Kollegen. Bei derartigen Entlassungen muss der Arbeitgeber immer eine Sozialauswahl treffen, durch die er sich zunächst von jüngeren Arbeitnehmern trennen wird. Ein Garant hierfür ist das Lebensalter allerdings nicht – auch andere Kriterien spielen bei der Entscheidungsfindung eine Rolle: Dauer der Betriebszugehörigkeit, Grad der Behinderung, Unterhaltspflichten. Auch ist hierbei zu beachten, dass es jüngere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt viel einfacher haben als ältere, wodurch sich ergibt, dass einem Arbeitnehmer, welcher kaum noch Chancen auf eine neue Anstellung hat, nicht gekündigt werden darf [LArbG Köln, 18.02.2011, 4 Sa 1122/10].

Bei betriebsbedingten Kündigungen stehen den Arbeitnehmern in der Regel Abfindungszahlungen zu, welche sich mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit erhöhen. Je länger ein Arbeitnehmer also in einem Unternehmen beschäftigt gewesen ist, desto höher fällt seine Abfindung aus – bis zu 18 Monatsgehältern darf diese ausmachen. Dies ist allerdings erst nach einer mindestens 20-jährigen Betriebszugehörigkeit der Fall. Eine derartige Differenzierung der Abfindungshöhe ist zulässig, auch wenn dies für manch einen jüngeren Arbeitnehmer unverständlich erscheinen mag [BArbG, 26.05.2009, 1 AZR 198/08].




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 03.03.2015 09:44


 
 

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