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JuraForum.deJuraForum-WikiAAbstandsflächen - Schmalseitenprivileg 

Abstandsflächen - Schmalseitenprivileg

Lexikon

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Erklärung zum Begriff Abstandsflächen - Schmalseitenprivileg

Die Fläche vor den Außenwänden von Gebäuden, welche nicht bebaut werden dürfen, werden als „Abstandsflächen“ beziehungsweise als „Abstandflächen“ bezeichnet. Diese Abstandsflächen besitzen vor allem eine nachbarschützende Wirkung, weswegen sie auch als „Sozialabstand“ bezeichnet werden. Sie dienen dem Zweck, für ausreichend Belichtung, Belüftung und Besonnung der Räume des Nachbarn zu sorgen, wodurch der nachbarschaftliche Frieden gesichert werden soll.

Geregelt wird die Tiefe der Abstandflächen in den jeweiligen Landesbauordnungen. Demzufolge dürfen innerhalb dieser Anstandsflächen Gebäude oder Gebäudeteile errichtet werden, welche niedriger als 1 m sind; Garagen, Gewächshäuser etc. mit einer Wandhöhe bis 3 m; bauliche Anlagen, welche nicht als Gebäude definiert werden und die nicht höher als 2,50 m sind, sowie landwirtschaftliche Gewächshäuser, wenn sie einen Mindestabstand von 1 m zum Nachbarn einhalten. Dabei ist zu beachten, dass diese Gebäude untereinander keinerlei eigene Abstandsflächen benötigen. Auch ist zu beachten, dass derartige Gebäude nicht zu Wohnzwecken verwendet werden dürfen [OVerwG Rheinland-Pfalz, 30.11.2009, 8 A 10925/09.OVG].

Wie weit die Fläche vom individuellen Gebäude wegreicht, ergibt sich aus dessen Höhe, wobei Trauf- und Giebelseiten wiederum unterschiedlich betrachtet werden. Der Mindestabstand beträgt aber gemäß der Musterbauverordnung generell 3 m.

Ausnahmen zu der Tiefe der Abstandsflächen sind gestattet, wenn folgende Gegebenheiten vorliegen:

  • In überwiegend bebauten Gebieten machen das Straßenbild beziehungsweise bestimmte örtliche Verhältnisse eine Verkürzung der Tiefe der Abstandsflächen erforderlich.
  • Die Beleuchtung des Nachbargebäudes sowie der Brandschutz sind gewährleistet.
  • Es handelt sich um nachträgliche Maßnahmen zur Verbesserung der Wärmedämmung des Gebäudes.

Abstandsflächen – Schmalseitenprivileg

Des Weiteren können andere Abweichungen von den gesetzlich vorgegebenen Abstandsflächen bestehen, wenn vor zwei Außenwänden eines Gebäudes die Hälfte der ansonsten geltenden Abstandsfläche ausreichend ist. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich immer um ein freistehendes Gebäude handeln muss, dessen Seitenwände maximal 16 m lang sein dürfen und dass der Mindestabstand von 3 m dennoch einzuhalten ist. Eine derartige Ausnahme wird als „Schmalseitenprivileg“ bezeichnet. Allerdings wurde diese gesetzliche Regelung aus den meisten Landesbauordnungen sowie der Musterbauordnung herausgenommen und hat nunmehr nur noch in den wenigsten Bundesländern Gültigkeit.

Prinzipiell darf jedes Gebäude, welches oben angegebene Voraussetzungen erfüllt, da Schmalseitenprivileg auf zwei Seiten in Anspruch nehmen. Ausnahmen bestehen jedoch, wenn es sich bei dem angrenzenden Grundstück um die Grenze desselben Nachbarn handelt: in jenen Fällen darf das Schmalseitenprivileg nur einmal in Anspruch genommen werden.




 
Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

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Kommentare und Diskussion

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