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Abhandenkommen

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Erklärung zum Begriff Abhandenkommen

Der Begriff des Abhandenkommens ist insbesondere ein terminus technicus aus dem Zivilrecht und er bezeichnet den unfreiwilligen Verlust des unmittelbaren Besitzes an einer Sache durch den Eigentümer. Unfreiwillig bedeutet, dass der Verlust gegen den Willen des Eigentümers erfolgt oder es an dem Willen zur Besitzaufgabe des Eigentümers fehlt.

Das Abhandenkommen ist in § 935 BGB explizit geregelt und hat vor allem Bedeutung für den gutgläubigen Erwerb von beweglichen Sachen gem. §§ 932 ff. BGB. Danach kann der spätere Erwerber einer abhandengekommenen Sache kein Eigentümer werden (mit Ausnahme bei Geld oder Wertpapieren; vgl. § 935 Absatz 2 BGB). Wann von einem „abhandengekommen“ auszugehen ist, grenzt § 935 BGB näher ein, indem er einige Beispiele erhält. So soll ein Abhandenkommen dann vorliegen, „wenn die Sache dem Eigentümer gestohlen worden, verloren gegangen oder sonst abhandengekommen war“.

Obwohl § 935 BGB ausdrücklich Bezug auf den gutgläubigen Erwerb nimmt, greifen auch andere Normen auf den § 935 BGB zurück (z.B.: §§ 799, 1006, 1007 BGB).
 

Das Abhandenkommen beim Besitzmittler
Ist – wie bereits dargelegt – der Eigentümer alleiniger unmittelbarer Besitzer, so ist hinsichtlich des Abhandenkommens auf seinen unfreiwilligen Verlust des unmittelbaren Besitzes abzustellen.
Hat der Eigentümer die Sache jedoch (freiwillig) an einen anderen ausgehändigt (bspw. wegen Leihe, Miete etc.) und wird er dadurch mittelbarer Besitzer, so kommt es allein darauf an, ob der andere – also der Besitzmittler  seinen unmittelbaren Besitz freiwillig oder unfreiwillig aufgibt.
Anders verhält es sich jedoch, wenn der Eigentümer überhaupt keinen Besitz an der Sache hat. In diesem Fall hindert der Besitzverlust des unmittelbaren Besitzers einen gutgläubigen Erwerb nämlich nicht.
 

Das Abhandenkommen beim Besitzdiener
Ist die betreffliche Sache jedoch im Gewahrsam eines Besitzdieners i.S.d. § 855 BGB – und nicht im seinem Besitz – und unterschlägt oder veräußert dieser unberechtigterweise die Sache an einen Dritten, so soll nach einer Mindermeinung ein gutgläubiger Erwerb trotz des Abhandenkommens möglich sein, sofern der Besitzdiener nach außen eine dem Besitzmittler vergleichbare Stellung hatte. Die herrschende Meinung lehnt diese Ansicht jedoch entschieden ab und argumentiert anhand des tatsächlichen Besitzes.




 
Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von JuraforumWiki-Redaktion, 04.06.2010 19:28
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 24.04.2015 11:11


 
 

§ 935 BGB, Abhandenkommen, abhanden, gekommen, abhandengekommen, unfreiwilliger Verlust, Besitzmittler. mittelbarer Besitz, Besitzdiener, gutgläubiger Erwerb

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Entscheidungen zum Begriff Abhandenkommen

  • OLG-FRANKFURT, 26.07.2006, 7 U 218/04
    Soweit die Subsidiärversicherung Risiken aus Transporten mit deckt, die aus einem Abhandenkommen herrühren, ergibt sich aus der Aufzählung der gedeckten Risiken, dass allein transporttypische Gefahren unter Versicherungsschutz gestellt werden sollen, nicht aber ein vor Transportbeginn verwirklichter und zum Abhandenkommen führender...
  • OLG-HAMM, 17.10.2003, 2 Ws 249/03
    Wenn der Angeklagte zur Begründung eines Wiedereinsetzungsgesuchs behauptet, er habe entgegen des Vermerks auf der Zustellungsurkunde, das Schriftstück nicht erhalten, müssen Einzelheiten dargelegt und glaubhaft gemacht werden, die aufgrund der konkreten Umstände ein Abhandenkommen des Schriftstücks möglich erscheinen lassen.
  • BGH, 16.06.1998, XI ZR 254/97
    BGB § 254 Abs. 1 Es begründet kein Mitverschulden am Abhandenkommen eines Schecks auf dem Postwege, wenn der Aussteller den Scheck mit einfachem Brief übermittelt. BGH, Urteil vom 16. Juni 1998 - XI ZR 254/97 - OLG Stuttgart LG Stuttgart
  • OLG-KOELN, 01.10.1997, 5 U 63/97
    Der niedergelassene Arzt haftet nicht für das Abhandenkommen von Kleidungsstücken, die von Patienten an im Rezeptionsbereich der Praxis angebrachten Garderobenhaken aufgehängt werden. Eine Haftung kommt allerdings in Betracht, wenn der Patient um sichere Verwahrung bittet und die Praxishelferin ihn daraufhin veranlaßt, das...
  • OLG-STUTTGART, 30.07.2009, 7 U 65/09
    Sind bei einer Maschinenversicherung für Schäden bei Abhandenkommen versicherter Sachen durch Diebstahl in den Versicherungsschutz auch Schäden einbezogen, die durch Unterschlagung des Mieters entstehen, so tritt ein Versicherungsfall auch dann ein, wenn sich der Mieter den Besitz an der versicherten Sache durch Betrug (§ 263 StGB)...

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    Servus! Meine Frage: Wenn A ein gemeinsames (es gehört A und B zu gleichen Teilen) Boot an einen Dritten verkauft gem 433 und auch übergibt nach 929, erwirbt dieser dann nach 932ff gutgläubig das Eigentum oder gilt das als abhandengekommen? Die Verfügung wird ja ohne den Willen des B vollzogen. Danke im Voraus!

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