2. Juristische Staatsexamen - Die mündliche Prüfung mit Aktenvortrag

Rechtsreferendariat

Die mündliche Prüfung - Aktenvortrag

Die mündliche Prüfung bildet im 2. juristischen Staatsexamen den Abschluss. Hier bietet sich nochmals die Gelegenheit, die Endnote zu verbessern. Die mündliche Prüfung beginnt mit der Austeilung der Kurzakte für den Aktenvortrag. Je nach Bundesland hat der Referendar nun eine bestimmte Zeit zur Verfügung, um sich in die Akte einzuarbeiten und wird dann anschließend zum Aktenvortrag vor der Prüfungskommission hereingebeten. Daraufhin soll wie es immer so schön heißt in „freier Rede“ und möglichst ohne Blick auf die Notizen der Aktenvortrag und das Ergebnis präsentiert werden. Die Bearbeitung der Akte erfolgt analog zu den Falllösungen in den Klausuren.

Der Aufbau des Aktenvortrages im 2. juristischen Staatsexamen

Mündliche Prüfung, 2. Jur. StaatsexamenAuch wenn sich der gewünschte Aufbau des Aktenvortrages von Bundesland zu Bundesland in geringem Maße unterscheiden kann, sieht er in den meisten Fällen folgendermaßen aus:

  • Einleitung (kurze Darstellung der beteiligten Parteien und des Streitgegenstands)
  • Schilderung des Sachverhalts
  • Entscheidungsvorschlag
  • Rechtliche Würdigung des Falls
Vorbereitung auf den Aktenvortrag in der mündlichen Prüfung

Durch den Aktenvortrag sollen Sie vor der Prüfungskommission den Beweis antreten, dass Sie nach kurzer Vorbereitungszeit (eine Stunde)  in der Lage sind, einen juristischen Sachverhalt zu erfassen und adäquat wiederzugeben. Sie sollten unbedingt vor der Prüfung mehrmals vor Publikum den Aktenvortrag unter Prüfungsbedingungen eingeübt haben. Auch wenn Sie in der Arbeitsgemeinschaft einen Pflichtaktenvortrag halten müssen, so ist dies meist zu wenig Übung, um wirklich überzeugend und sicher aufzutreten. Daher sollten Sie jede Gelegenheit nutzen, einen Aktenvortrag unter Prüfungsbedingungen durchzuführen. Dabei kann auch eine private Arbeitsgemeinschaft dienlich sein. Bitten Sie Ihr Publikum, konstruktive Kritik zu üben, schließlich wollen Sie bestimmte Fehler in der Prüfung vermeiden. Dabei ist Ihnen keineswegs mit einem „Du hast alles super gut gemacht.“ geholfen. Fragen Sie Ihr Publikum nach Verbesserungsvorschlägen für Ihren Aktenvortrag und Sie wissen später genau, worauf Sie bei der eigentlichen Prüfung achten müssen. Falsche Rücksichtnahme ist hier unangebracht.

Die schlimmsten Fehler in der mündlichen Prüfung vermeiden

Falls es Ihnen möglich ist, sollten Sie Ihre Aktenvortragsübungen mit einem Camcorder aufnehmen, so kann die ganze Szene später noch einmal genau analysiert werden. Während des Aktenvortrages sollten Sie darauf achten, dass Ihre Körpersprache offen und freundlich wirkt. Verschränkte Arme und nervöses Zappeln sind dabei Tabu. Auch der Blickkontakt zur Prüfungskommission sollte aufrechterhalten werden, stieren Sie nicht die ganze Zeit auf den Boden oder auf Ihre Notizen. In Prüfungssituationen neigen viele Menschen dazu, schnell und undeutlich zu sprechen. Achten Sie auf eine angemessen laute Stimme und passen Sie Ihr Sprechtempo entsprechend an. Behalten Sie während des Aktenvortrags auch die Zeit im Auge und beenden Sie den Vortrag nach 9-10 Minuten. Empfehlenswert ist es auch, einmal einer mündlichen Prüfung als Zuschauer beizuwohnen, um sich einen Eindruck von der Prüfungssituation zu verschaffen und Ängste vor der unbekannten Situation abzubauen.

Prüfungsprotokolle als Vorbereitung auf die mündliche Prüfung

Bei der Vorbereitung auf die eigentliche mündliche Prüfung nach dem Aktenvortrag ist es empfehlenswert, die Prüfungsprotokolle der Prüfer zu organisieren. Die Prüfungsprotokolle sind entweder im Repetitorium, bei den jeweiligen Personalräten der Rechtsreferendare oder über private Anbieter (meist Rechtsanwaltskanzleien) zu beziehen.

Hier finden Sie Anbieter von Prüfungsprotokollen

In den Prüfungsprotokollen finden Sie Kommentare ehemaliger Prüflinge zu den jeweiligen Prüfern. Dadurch können Sie ungefähr einschätzen, welche Themenbereiche bestimmte Prüfer in ihren mündlichen Prüfungen gerne behandeln. Die genannten Themenbereiche und Präferenzen des Prüfers sollten dann eigenständig eingeübt werden.

Mündliche Prüfung – Prüfungsgespräch

Nach dem Aktenvortrag beginnt für den Referendar der letzte Teil der mündlichen Prüfung. Dieser Teil besteht aus einem Prüfungsgespräch. In der Regel sitzen der Prüfungskommission mehrere Referendare gegenüber, die nun den Prüfern Frage und Antwort stehen. Die Prüfung besteht jedoch nicht nur aus Fragen und Antworten, sondern ist vielmehr ein Gespräch mit einer gewissen Eigendynamik. Meist beginnt das Gespräch mit einer kleinen Aufwärmphase in der einige einfache Fragen gestellt werden.

Danach geht es jedoch ans Eingemachte. Meist schildert die Prüfungskommission einen Fall und die Prüflinge sollen sich dazu unter bestimmten Fragestellungen äußern. Meist wird nur ein Fall in der mündlichen behandelt, der allen Referendaren ausreichend Gelegenheit bietet, diesen zu lösen. Nachdem das Prüfungsgespräch beendet ist,  werden nach einer kurzer Wartezeit die Prüfungsergebnisse den Prüflingen mitgeteilt.

Weitere Informationen zum Aktenvortrag im Zivilrecht von KAISER



zurück



Kommentar schreiben

36 + Vie/ r =

Bisherige Kommentare (0)

(Keine Kommentare vorhanden)
endostock — Fotolia.com

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.