Was ist der LL.M.?

Dr.jur. (Promotion) & LL.M.

LL.M.Der Begriff LL.M. ist ein postgradueller Titel, der im Rahmen der Fortbildung erworben werden kann. Ausgeschrieben bedeutet LL.M.  „Master of Laws“ und kennzeichnet die Teilnahme an einem juristischen Aufbaustudiengang. Man nennt ihn in Praktikerkreisen auch „Heckspoiler“, weil man ihn als Jurist hinter seinem Nachnamen im offiziellen Schriftverkehr trägt. Gerade in Großkanzleien ist der Titel LL.M. weit verbreitet, verspricht er doch seinen Trägern ein durchschnittlich 10.000 Euro höheres Jahresgehalt, als ohne diese Fortbildung. Zudem kann die LL.M.-Fortbildung auch die Einstellungsentscheidungen in Kanzleien positiv beeinflussen, da das Aufbaustudium seinen Träger von den Mitbewerbern abhebt. Doch an welche Voraussetzungen ist der Erwerb des LL.M.-Titels überhaupt gebunden? Generell besitzt jeder Jurist mit abgeschlossenem Studium (Erstes oder Zweites Staatsexamen) die Qualifikation, um an einem Aufbaustudiengang zum Erwerb des „Master of Laws“ teilzunehmen. Selbst ein schlechtes Staatsexamen ist in dieser Hinsicht oft kein Hinderungsgrund. Es gibt aber auch LL.M.-Studiengänge, die mindestens ein „Befriedigend“ im ersten oder zweiten Staatsexamen erwarten. Das Aufbaustudium kann ein durchschnittliches Examen aufwerten. An einigen Universitäten werden zwar bestimmte Mindestnoten vorausgesetzt, wer diese nicht vorweisen kann, sucht sich dann einfach eine andere Fortbildungsstätte. Der LL.M.-Titel kann im sogar schon vor dem Ersten Staatsexamen erworben werden.

Reputation des LL.M.-Titels

In Deutschland hat sich der LL.M. innerhalb weniger Jahre als anerkannter Titel durchsetzen können und ist in dieser Zeit zur beliebtesten Weiterqualifikationen für Rechtsanwälte avanciert. Vor allem ein, in den USA oder im englischsprachigen Ausland (Großbritannien etc.) erworbener, LL.M.-Titel ist oft das entscheidende Qualifikationsmerkmal für den Eintritt in eine Großkanzlei. Dies beruht auf der Tatsache, dass der LL.M. als Qualitätsmerkmal für verhandlungssichere Englischkenntnisse angesehen wird. Wer seinen LL.M.-Abschluss in Deutschland machen möchte, sollte sich ein Programm auswählen, das gezielt berufliche Interessenschwerpunkte vertieft. Dies kann im Rahmen von Bewerbungen den entscheidenden Einstellungsvorteil gegenüber Mitbewerbern ausmachen.

LL.M. nach dem Ersten oder Zweiten Staatsexamen?

Die Weiterqualifikation zum „Master of Laws“ muss nicht unbedingt erst nach dem Zweiten Staatsexamen erfolgen. Es ist möglich, den Titel schon nach dem Abschluss des Ersten Staatsexamens zu erwerben. Hierbei sollte allerdings beachtet werden, dass die Zulassungsvoraussetzungen oft höher sind, als nach dem bestandenen Zweiten Staatsexamen. Die meisten LL.M.-Titel werden derzeit direkt nach dem Zweiten Staatsexamen erworben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Juristen gehen davon aus, dass die frühzeitige Weiterbildung Vorteile während des Referendariates mit sich bringt, schließlich befindet man sich dann in einer besseren Ausgangsposition, um potentielle Arbeitgeber von den eigenen Qualitäten zu überzeugen. Vor allem bei Großkanzleien sind Bewerber mit weiterführenden Qualifikationen klar im Vorteil. Oftmals wird der LL.M.-Titel aber auch aus ganz pragmatischen Motiven direkt nach dem Ersten Staatsexamen erworben. Die Zeit zwischen bestandenem Examen und Referendariat kann so sinnvoll zur Weiterbildung genutzt und mit einem Auslandsaufenthalt versüßt werden. Es sprechen aber auch viele Gründe dafür, erst nach dem Zweiten Staatsexamen mit der Weiterbildung zu beginnen. Denn schließlich ist das juristische Hintergrundwissen dann noch weiter ausgeprägt und mehr Prüfungssicherheit vorhanden. Zudem kann man nach dem Zweiten Staatsexamen besser die berufliche Schwerpunktsetzung hinsichtlich bestimmter Rechtsgebiete einschätzen und sich dann zielgerichtet mit dem LL.M. weiterbilden. Wird der LL.M. schon nach dem Ersten Staatsexamen in einer Phase erworben, in der die berufliche Orientierung noch nicht ganz ausgeprägt ist, kann man sich durch den Erwerb eines solchen Titels schon von vornherein auf ein bestimmtes Rechtsgebiet limitieren. Dies ist natürlich besonders ärgerlich, wenn man nach dem Referendariat feststellt, dass die eigentlichen Interessenschwerpunkte in anderen Rechtsgebieten liegen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass nach dem Zweiten Staatsexamen Aufbaustudiengänge wie der „Master of Laws“ unter bestimmten Bedingungen mit Stipendien gefördert werden können. Generell sollte jeder von vornherein abwägen, wann der beste Zeitpunkt zum Erwerb des LL.M. ist. Behalten Sie jedoch immer im Hinterkopf, dass der Titel im Idealfall Ihre berufliche Schwerpunktsetzung unterstreichen sollte.

LL.M. vor dem Ersten Staatsexamen

Es ist möglich, den LL.M.-Titel sogar schon vor dem Ersten und Zweiten Staatsexamen zu erhalten. An deutschen Universitäten ist in den meisten Fällen eine Bewerbung nach dem Bestehen des  Ersten Staatsexamens möglich. An einigen deutschen Universitäten wird als Zulassungsvoraussetzung zum Studium lediglich ein Bachelor-Abschluss benötigt. Wesentlich einfacher ist es hingegen, ein LL.M.-Studium im Ausland auch ohne vorheriges deutsches Staatsexamen zu erhalten. In englischsprachigen Ländern (z.B. USA, Großbritannien oder Irland) ist das Jurastudium anders aufgebaut als in Deutschland. Nach dreijährigem Studium der Rechtswissenschaften erhalten Studenten dort den LLB-Abschluss (Bachelor of Law). Dieser erste akademische Abschluss berechtigt den Absolventen zwar noch nicht zur Anwaltszulassung, allerdings sind damit dort die Zulassungsvoraussetzungen für ein LL.M.-Aufbaustudium erfüllt. Da das Staatsexamen in der ausländischen Juristenausbildung nicht existent ist, wird für deutsche Jura-Studenten als Zulassungsvoraussetzung lediglich ein Transcript benötigt und kein Nachweis über das Erste Staatsexamen. Ein Transcript ist eine Auflistung der besuchten Vorlesungen, Seminare, AGs und Veranstaltungen in Verbindung mit einer Aufstellung aller erfolgreich bestandenen Klausuren inklusive Benotung. Dieses Transcript ist dann von der Hochschule zu beglaubigen und kann  zur Bewerbung für ein LL.M.-Studium an einer ausländischen Universität genutzt werden. Vor der Bewerbung sollten die Zulasssungsvoraussetzungen der angestrebten Universität immer genau studiert werden, die meisten renommierten Universitäten akzeptieren ein reines Transcript nicht und fordern ein abgeschlossenes Erstes Staatsexamen.

Arten des LL.M.-Studiums

Insgesamt gibt es drei verschiedene Arten, ein LL.M. Studium zu absolvieren. Es empfiehlt sich, das Studium den eigenen persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Unterschieden werden können Vollzeit-, Teilzeit- und Fernstudium. Jedes dieser drei Studienarten bietet bestimmte Vor- und Nachteile. Das Vollzeitstudium besitzt den Vorteil, dass der Aufbaustudiengang innerhalb kürzester Zeit (etwa einem Jahr) erfolgreich absolviert werden kann und vor allem bei Auslandsstudien schnell sprachliche Lernfortschritte gemacht werden können. Nachteilig sind natürlich die hohen Studiengebühren für das Vollzeitstudium. Teilzeitstudiengänge sind für empfehlenswert, wenn der LL.M.-Titel neben der eigentlichen Berufstätigkeit erworben werden soll. Der Vorteil liegt hierbei ganz klar in der zeitlichen Flexibilität, den geringeren Kosten für Studiengebühren und Verteilung der Stofffülle über einen längeren Zeitraum. Allerdings dauert ein Teilzeitstudium auch etwa zwischen 1,5 - 2 Jahren. Wer sich für ein Fernstudium entscheidet, wählt die Flexibilität. Ein LL.M.-Programm kann im Fernstudium sowohl in Voll- als auch in Teilzeit absolviert werden.  Auch ausländische LL.M.-Programme können per Fernstudium absolviert werden. Daher sind Fernstudien recht kostengünstig. Nachteilig ist allerdings, dass gerade bei ausländischen Programmen der Lerneffekt im Hinblick auf die sprachliche Kompetenzentwicklung in den Hintergrund gerät, da kein täglicher persönlicher Kontakt mit den Teilnehmern besteht.

Kriterien zur Auswahl des „Master of Laws“-Aufbaustudiums

In der Fülle der LL.M.-Angebote ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Deshalb sollte man sich von vornherein nach einem Programm umsehen, welches mit den eigenen Vorstellungen nach beruflicher Weiterqualifikation konform ist. Sie sollten sich daher immer die Frage stellen: „Welche beruflichen Ziele möchte ich mit der LL.M.-Weiterbildung erreichen?“ Sobald Ihnen die Antwort bekannt ist, gilt es das geeignete Programm auszuwählen. Erst dann sollten Sie sich nach weiteren Kriterien erkundigen. Dazu gehören unter anderem die Kursinhalte, Studienmodalitäten, Studiengebühren, Studienland, Studienort und Universität.



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