Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

Dieses Thema "Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten? - Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" im Forum "Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" wurde erstellt von isalu81, 16. Mai 2012.

  1. isalu81

    isalu81 Boardneuling 16.05.2012, 04:16

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    Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Hallo zusammen, bin neu hier und werde es einfach mal versuchen ... :)

    Mal angenommen Mitbewohnerin A wird von Mitbewohner B hinterrücks und mit voller Absicht mit einem Topf ca. 90°C heissem Wasser ubergossen. Mitbewohnerin A trägt zu diesem Zeitpunkt nur ein Handtuch und erleidet Verbrennungen 1.Grades und leicht darüber über mehr als 1/3 des Nacken-Schulter-Rückenbereiches, welche mehr als 1,5 Woche sichtbar und einige Wochen spürbar sind. Mitbewohnerin A ruft die Polizei und ruft Mitbewohner B zu, dass er das nun verantworten wird. Darufhin antwortet Mitbewohner Bd, er würde behaupten, er sei ausgerutscht und es wäre ein Unfall gewesen. Als Polizei und Krankenwagen eintreffen, werden alle anwesenden Personen getrennt befragt. Jedoch informiert die Polizei Mitbewohnerin A, er (Mb B) habe eben behauptet, es wäre ein Unfall gewesen, er wäre in einer Wasserlache in der Küche ausgerutscht (was definitiv eine Falschaussage ist). Tatsächlich ist eine Wasserlache vorhanden, allerdings eben von diesem Wasser, was Mitbewohnerin A übergeschüttet wurde. Der Freund von Mitbewohnerin A, welcher sich nicht in der Küche aufhielt als die Tat begangen wurde, jedoch die Aussage von Mitbewohner B lautstark vernommen hat, gab dies ebenfalls zu Protokoll. Wie hoch wären die Chancen, dass Mitbewohner B für diese Tat bestraft wird? :knast: Welches Strafmaß würde angesetzt werden? Was könnte Mitbewohnerin B im Falle einer Verfahrenseinstellung tun?

    Falls noch nicht 100%-ig richtig formuliert ... :work:
  2. Humungus

    Humungus V.I.P. 16.05.2012, 07:32

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Das wird entscheidend damit zusammenhängen, ob durch einen Fachmann (!) die genauen Verletzungen festgestellt und beschrieben wurden. Man kann sich leicht vorstellen, dass durch ein Übergießen ein anderes Verbrennungsmuster zustandekommt als durch einen Sturz.

    Heißt: ist A rechtzeitig zu einem Arzt gegangen, stehen die Chancen für eine verurteilung der B relativ hoch. Wenn nicht, kommt es darauf an, welchen Zeugenaussagen der Richter Glauben schenkt.

    Ist eine gefährliche Körperverletzung, siehe §224 StGB.
    semmel76 und JHS gefällt das.
  3. DarkRanger

    DarkRanger Junior Mitglied 16.05.2012, 10:55

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    In diesem Fall würde der Richter die Entscheidung treffen müssen wem er glaubt.

    Insbesondere die weiteren Umstände führen hier zur Glaub- oder Unglaubwürdigkeit einer Aussage. Gab es z.B. Beziehungsstreit oder ist der Täter als Aufbrausend und brutal bekannt. Was hat er mit dem Wasser gemacht von wo nach wo wollte er damit usw.

    Das wäre dann eine gefährlich Körperverletzung.
  4. isalu81

    isalu81 Boardneuling 16.05.2012, 12:36

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Ein Krankenwagen war sofort mit der Polizei zur Stelle, wo die erste Diagnose gestellt wurde. A ging am selben Tag auch nochmals in die Notaufnahme der Uniklinik und ließ sich dort untersuchen. Der behandelnde Arzt gab ihr ein Schriftstück mit, indem die Verletzung beschrieben wird. Zusätzlich war A nochmals einige Tage, da die Rötungen nicht nachließen, bei ihrem Hausarzt, welcher ebenfalls nochmal die Verbrennungen dokumentierte, sprich Maße abnahm. Zusätzlich wurden Fotos von den Verbrennungen aufgenommen, direkt am Tattag und nochmals einige Tage später.
  5. JHS

    JHS V.I.P. 16.05.2012, 13:01

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Ja, die Verletzungen an sich bestreitet B ja auch nicht. Er gibt halt an, sie unabsichtlich verursacht zu haben. In dem Fall (wenn es so wäre) würde ich nicht einmal fahrlässige KV sehen. Die "Falschaussage" von B ist als solche natürlich nicht strafbar, da er als Beschuldiger lügen darf.

    Es wird -wie Humi schon sagte- darauf ankommen, ob man beweisen kann, dass das Verbrennungsmuster nicht zu der Sturzgeschichte passen kann.
  6. isalu81

    isalu81 Boardneuling 16.05.2012, 13:13

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Kein Beziehungsstreit, da Mitbewohner. Aber gab es zwischen A und B des Öfteren Streit, was ein Mitbewohner C bestätigen würde, wobei B sehr ungehalten und aufbrausend gegenüber A war. Der Topf mit Wasser war Auslöser des Streites, B hatte mit Essig irgendwelche Dinge ausgekocht und die gesamte Hausetage in bestialischen Gestank versetzt. A klopfte bei B und forderte dazu auf, diesen Topf bitte zu entfernen. B reagierte nicht, also hat A diesen Topf selbst vor die Haustür gebracht und Fenster geöffnet. Daraufhin kam B aus dem Zimmer und wurde ungehalten, A solle diesen Topf reinholen, was sie verweigerte. B holte ihn selbst, brach einen Streit vom Zaun, trat gegen diverse Dinge in der Küche und A drehte sich um in Richtung Ausgang, um dieser Auseinandersetzung zu entgehen. Da ergriff B den Topf, welcher mittlerweile wieder auf der Arbeitsplatte stand und schüttete es ihr hinterher. Da dies nicht der erste Übergriff war, sondern A einige Wochen zuvor wegen einer Forderung in Bezug auf das gesamte WG-Leben (Unterlassung von THC-Anbau im gemeinsamen Garten), angegriffen wurde, kamen bei der Polizei auch diese Dinge zur Sprache. Auch dabei log B mehrfach die Polizei an, was durch Durchsuchungen und mithilfe eines Drogenhundes festgestellt wurde. Insofern könnte man doch davon ausgehen, dass die Glaubwürdigkeit von B angezweifelt wird. Sehe ich das richtig? B wirkt sonst immer sehr ruhig, erst bei täglichem Kontakt und Zusammenleben zeigen sich diese aufbrausenden, unberechenbaren Züge. Sonstige Straftaten liegen bisher wohl nicht vor. - Sorry, bissi lang. Hab gekürzt, wo es ging. :o
  7. isalu81

    isalu81 Boardneuling 16.05.2012, 13:18

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Wie sieht es aus mit der Tatsache, dass der Freund von A die Aussage von B ("Dann sage ich einfach, ich bin ausgerutscht.") bezeugen kann und dies bereits bei der Vernehmung vor Ort zu Protokoll gab?
  8. Humungus

    Humungus V.I.P. 16.05.2012, 14:01

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    In diesem Fall wird beurteilt werden, ob die Aussage glaubhaft ist.

    Siehst Du, wenn jemand ausrutscht und in heißes Wasser fällt, wird er sich am ehesten die Hand (wegen des Abfangreflexes) und den Oberarm verbrühen, eventuell den Rücken, aber eher tiefer gelegene Regionen. Wenn zwei Leute stehen und einer kippt dem anderen brühendheißes Wasser über den Leib, werden eher obere Regionen getroffen, eventuell gibt es (bei sehr heißen Flüssigkeiten) charakteristische Tröpfchen. Sieht also völlig anders aus. Und auch, wenn der Täter ausrutscht, sieht das Bild anders aus als wenn er absichtlich kippt, weil die Schwapprichtung ungezielter ist.

    Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Richter (und evtl. der Nebenkläger) können den Zeugen damit konfrontieren, dass seine Aussage nun gar nicht zum verletzungsbild passt und er sich überlegen soll, ob er die Wahrheit sagt. Gut möglich, dass der Zeuge dann einknickt.
  9. JHS

    JHS V.I.P. 16.05.2012, 16:07

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Humi, Du hast den SV glaub ich falsch verstanden. B will nicht behaupten, dass A ausgerutscht ist, sondern behaupten, dass er selbst (also B) mit dem Pott ausgerutscht ist und dabei A versehentlich übergossen hat, statt vorsätzlich.

    Jein! Wie schon gesagt: Beschuldigte dürfen lügen. Straflos! Natürlich sagt er nicht zur Polizei: "Kommen Sie mit meine Herren, ich führe Sie zu meiner Cannabisplantage, denn schliesslich darf man ja nicht lügen" Deswegen ist er aber nicht per se wegen aller anderen Dinge unglaubhaft. Allerdings ist halt auch klar, dass er -ebenso wie beim Cannabis- auch die Wassernummer nicht einfach so zugibt. Das weiß auch das Gericht.

    DAs ist ein Indiz für die Täterschaft des A
  10. Humungus

    Humungus V.I.P. 16.05.2012, 16:16

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    AW: Wie realistisch ist Verurteilung bei Falschaussage des Angeklagten?

    Bin ich heute ein wenig verwirrt? :rolleyes:

    Selbst dann aber kann man einen Unterschied in den Verletzungen sehen.
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