Unfallberichterstattung jederzeit zulässig?

Dieses Thema "Unfallberichterstattung jederzeit zulässig? - Medienrecht und Presserecht" im Forum "Medienrecht und Presserecht" wurde erstellt von requiem, 12. April 2012.

  1. requiem

    requiem Neues Mitglied 12.04.2012, 11:48

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    Unfallberichterstattung jederzeit zulässig?

    Hallo,

    im Rahmen von Einsätzen von Polizei und Rettungsdienst ist es (leider) weit verbreitet, dass bei "spektakulären" Einsätzen wie zB schweren Verkehrsunfällen Presseagenturen sehr zügig vor Ort sind und auch sehr penetrant mit der Kamera "drauf halten".

    Mal angenommen, jemand, der am Einsatz als Einsatzkraft beteiligt ist (und kein besonderes interesse am Identitätsschutz besteht wie zB bei Mitgliedern von Sondereinsatzkommandos), sagen wir mal als Notarzt oder Rettungsassistent, Feuerwehrmann o.ä. ist auf den Bildern zu sehen: Hat dieser das Recht, der Presseagentur die Verwertung und verbreitung der Aufnahmen,a uf denen er zu sehen ist, zu untersagen?

    Wie wäre es darüberhinaus zB, wenn bei einem Unfall jemand schwer verletzt wurde und sich als Patient auch aufgrund der schwere der verletzungen nicht selbst gegen eine Öffentlichmachung wehren kann und zB die Rettungsdienstleitung oder der Notarzt eine Verwertung der Bilder (bereits vor Ort) untersagt im Sinne des patientenschutzes?

    Darüberhinaus, sind Einsatzkräfte vor Ort befugt, solche Filmaufnahmen direkt vor Ort zu unterbinden, wenn nicht unmittelbare Gefahren (Explosionsgefahr zB) eine Räumung des Gebietes erforderlich machen?

    Danke für Antworten!
  2. TomRohwer

    TomRohwer V.I.P. 17.04.2012, 00:51

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    AW: Unfallberichterstattung jederzeit zulässig?

    Das ist ihre Aufgabe.

    Nein.

    Bei einem "Ereignis der Zeitgeschichte" (und das ist ein solcher Unfall, insbesondere ein schwerer) entfällt das "Recht am eigenen Bild" (-> §22,23 KUG).

    Gegen das Fotografiert werden gibt es keinen Abwehranspruch, gegen die Veröffentlichung kann in sehr engen Grenzen geltend gemacht werden, daß die Einschränkungen des "Recht am eigenen Bild" in §23 KUG wiederum eingeschränkt werden, wenn durch das Veröffentlichen der Aufnahme ein "berechtigtes Interesse" des Abgebildeten beeinträchtigt wird. Das ist aber nicht automatisch der Fall, nur weil er als Unfallopfer abgebildet wird. Es ist immer eine Abwägung zwischen den Persönlichkeitsrechten einerseits und dem Grundrecht auf freie Berichterstattung andererseits vorzunehmen.

    Die Polizei kann auf Grundlage des Polizeirechts "Platzverweise" aussprechen, wenn jemand die Rettungsarbeiten behindert. Gleichzeitig ist die Polizei aber auch gesetzlich verpflichtet, die Arbeit der Medienvertreter zu unterstützen. Sie muß hier abwägen, wenn die Rettungsarbeiten behindert werden, geht das, nur weil man nicht möchte daß Aufnahmen gemacht werden geht es nicht.

    Andere Rettungskräfte haben dieses Recht nicht, sie können sich höchstens auf einen "rechtfertigenden Notstand" berufen (§34 StGB), wenn sie in einer solchen Situation an sich rechtswidrige Handlungen (Nötigung z.B.) vornehmen.

    Generell haben sowohl Polizei als auch Feuerwehr, THW usw. usf. Pressesprecher, die bei größeren Einsätzen so schnell wie möglich am Einsatzort sind und als Ansprechpartner für Medienvertreter zur Verfügung stehen und sowohl aufgrund ihres Wissens über die Einsatznotwendigkeiten als auch in Absprache mit der Einsatzleitung den Nedienvertretern vor Ort ihre Arbeit ermöglichen respektive erleichtern.

    Das Bundesverwaltungsgericht hat gerade entschieden, daß sich Polizeibeamte im Einsatz, auch solche von Sondereinsatzkommandos, fotografieren lassen müssen.

    ____________________________________________

    Ich zitiere der Einfachheit halber mal kurz mich selber aus einem anderen Forum:

    Darf der Einsatzleiter Journalisten untersagen, die Beamten bei ihrer Arbeit zu fotografieren oder zu filmen? In Schwäbisch Hall wurde das versucht, als ein Sondereinsatzkommando einen mutmaßlichen Schwerverbrecher zum Augenarzt eskortierte. Das an Ort und Stelle ausgesprochene Fotografierverbot für einen Pressefotografen war rechtswidrig, befand heute das Bundesverwaltungsgericht.

    Der Düsseldorfer Strafverteidiger Udo Vetter berichtet in seinem "Lawblog" darüber:

    "Über den Einzelfall hinaus stellt das Bundesverwaltungsgericht ganz wichtige Punkte klar. Polizisten sind laut der Entscheidung keine Privatpersonen, und an der Information über Polizeieinsätze besteht ein öffentliches Interesse:

    Der Einsatz von Polizeibeamten, namentlich ein Einsatz von Kräften des Spezialeinsatzkommandos stellt im Sinne der einschlägigen Bestimmung des Kunsturhebergesetzes ein zeitgeschichtliches Ereignis dar, von dem Bilder auch ohne Einwilligung der abgelichteten Personen veröffentlicht werden dürfen.

    Es bedarf also keiner Erlaubnis, wenn Journalisten Polizisten im Dienst fotografieren wollen. Ebenso wenig können Polizisten den Aufnahmen wirksam widersprechen. Diese Bilder dürfen dann auch veröffentlicht werden."


    Und weiter:

    "Eine Einschränkung gilt nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts, wenn die Bilder zur 'Enttarnung' von Spezialkräften führen können. Aber auch hier sei ein Fotografierverbot nur das letzte Mittel. Die Polizei muss vielmehr vorrangig auf die Presse einwirken, dass Gesichter 'gefährdeter' Beamter gepixelt werden.

    Im entschiedenen Fall gab es, so das Gericht, ausreichend Gelegenheit für die Polizeiführung, ein verantwortungsvolles Verhalten der Presse sicherzustellen.

    Die Wertung des Gerichts, dass Polizeieinsätze zeitgeschichtliche Ereignisse sind, wird auch Auswirkungen auf Fotografierverbote gegenüber Menschen haben, die keinen Presseausweis besitzen. Auch wenn diese sich – vielleicht – nicht auf die Pressefreiheit berufen können, so gelten die Freiheiten des Kunsturheberrechtsgesetzes doch für jedermann. Das Urteil wird es deshalb auf jeden Fall allen Zeugen von Polizeieinsätzen leichter machen, sich gegen ein Fotografierverbot zu wehren."

    .....................

    In einer Pressemitteilung des BVerwG heißt es:

    "Fotografierverbot von Polizeibeamten des Spezialeinsatzkommandos rechtswidrig

    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute entschieden, dass ein von der Polizei gegenüber Mitarbeitern einer Zeitung ausgesprochenes Verbot rechtswidrig war, Polizeibeamte des Spezialeinsatzkommandos während eines Einsatzes zu fotografieren.

    Beamte des Spezialeinsatzkommandos der Polizei waren beauftragt, den der gewerbsmäßigen Geldwäsche beschuldigten mutmaßlichen Sicherheitschef einer russischen Gruppierung organisierter Kriminalität aus der Untersuchungshaft bei einer Augenarztpraxis in der Schwäbisch Haller Fußgängerzone vorzuführen. Der Einsatz wurde von zwei Journalisten, darunter einem Fotoreporter, bemerkt. Nachdem dieser sich anschickte, Bilder von den Dienstfahrzeugen und den eingesetzten Beamten anzufertigen, forderte der Einsatzleiter ihn auf, das Fotografieren zu unterlassen. Der Journalist unterließ es daraufhin, Bilder anzufertigen. Die Polizei rechtfertigte das Verbot unter anderem damit: Die eingesetzten Beamten des Spezialeinsatzkommandos hätten durch die Veröffentlichung der angefertigten Fotografien in der Zeitung der Klägerin enttarnt werden können. Dadurch hätte ihre künftige Einsetzbarkeit im Spezialeinsatzkommando beeinträchtigt und sie selbst hätten persönlich durch Racheakte gefährdet werden können. Das Verwaltungsgericht Stuttgart wies die Klage des Zeitungsverlags ab, für den die Journalisten tätig sind. Auf die Berufung des Verlags stellte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim fest, dass das Vorgehen des Einsatzleiters rechtswidrig war. Der Verwaltungsgerichtshof hat dabei unter anderem angenommen: Die Gefahr einer unzulässigen Veröffentlichung der angefertigten Fotografien habe nicht bestanden, weil mangels gegenteiliger konkreter Anhaltspunkte von einer Vermutung rechtstreuen Verhaltens der Presse und damit davon auszugehen sei, dass sie keine Porträtaufnahmen der eingesetzten Beamten und im Übrigen nur Fotografien veröffentlichen werde, auf denen die Beamten insbesondere durch Verpixelung ihrer Gesichter unkenntlich gemacht seien.

    Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revision des beklagten Landes zurückgewiesen. Die Polizei durfte nicht schon das Anfertigen der Fotografien untersagen. Der Einsatz von Polizeibeamten, namentlich ein Einsatz von Kräften des Spezialeinsatzkommandos stellt im Sinne der einschlägigen Bestimmung des Kunsturhebergesetzes ein zeitgeschichtliches Ereignis dar, von dem Bilder auch ohne Einwilligung der abgelichteten Personen veröffentlicht werden dürfen. Ein berechtigtes Interesse der eingesetzten Beamten kann dem entgegenstehen, wenn die Bilder ohne den erforderlichen Schutz gegen eine Enttarnung der Beamten veröffentlicht werden. Zur Abwendung dieser Gefahr bedarf es aber regelmäßig keines Verbots der Anfertigung von Fotografien, wenn zwischen der Anfertigung der Fotografien und ihrer Veröffentlichung hinreichend Zeit besteht, den Standpunkt der Polizei auf andere, die Pressefreiheit stärker wahrende Weise durchzusetzen. Eine solche Lage war hier nach den Feststellungen des Verwaltungsgerichtshofs gegeben."

    Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 28. März 2012, Aktenzeichen 6 C 12.11

    Ein mehr als erfreuliches Urteil, im Sinne der Pressefreiheit wie auch der Bildberichterstattung und der Fotografen. Sobald das Urteil im Volltext veröffentlicht ist, poste ich einen Link.

    (Am Rande angemerkt: kluge SEK-Polizeibeamte tragen seit Jahren schon Skimasken oder ähnliche "Maskierungen", wenn sie in der Öffentlichkeit tätig werden und wissen, daß mit Pressefotografen und Youtube-Handy-Videos zu rechnen ist...)
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