Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

Dieses Thema "Halbes Sorgerecht bei großer Distanz - Familienrecht" im Forum "Familienrecht" wurde erstellt von Datenbock, 18. August 2012.

  1. Datenbock

    Datenbock Aktives Mitglied 18.08.2012, 11:38

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    Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Der Fall:
    Nach der Trennung eines nichtverheirateten Paares erhält der leibliche Vater des gemeinsamen Sohnes ein 14 tägiges Umgangsrecht, welches er auch regelmäßig in Anspruch nimmt. Aus berufichen Gründen wird die räumliche Distanz zum Wohnort des gemeinsamen Sohnes immer größer. Dennoch nimmt der Vater die Distanz von über 300 km regelmäßig auf sich. Die Mutter hält das alleinige Sorgerecht inne und erteilt dem Vater eine Vollmacht für entsprechend Arztbesuche etc..

    Nach mehreren Jahren beantragt der Vater nun das halbe Sorgerecht für sich mit der Begründung, dass es bei eventuell vorkommenden Arztbesuchen immer wieder zu Schwierigkeiten zwischen ihm und den behandelnden Ärzten kommt, aufgrund seines nicht vorhandenen Sorgerechts.

    Frage:
    Ist die Begründung des Vaters relevant für ein entsprechende Beurteilung der Gerichte?
    Ist die räumliche Distanz eine Begründung für die nicht-Vergabe des gemeinsamen Sorgerechtes, da dieses Recht unter anderem die Miteinscheidung in wichtigen Dingen begründet?
  2. Angelito

    Angelito V.I.P. 18.08.2012, 15:16

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Beim gemeinsamen Sorgerecht (ein halbes oder geteiltes gibt es nicht) geht es rein darum was dem Kindeswohl dient. Ich würde hier also grundsätzlich schon gute Chancen des Vaters auf das gemeinsame Sorgerecht sehen, da es keinen Grund gibt, es ihm nicht zu erteilen. Zumindest nicht aus dem geschilderten Sachverhalt
  3. Datenbock

    Datenbock Aktives Mitglied 19.08.2012, 08:44

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Erweitern wir dieses Fallkonstellation doch einmal und stellen folgenden Sachverhalt anheim:

    Während der dem Vater zugewiesenen Besuchszeiten kommt es regelmäßig dazu, dass dieser selbst sich nicht um sein Kind kümmert, sondern den, sagen wir mal 10 Jahren alten Sohn, teilweise alleine in der väterlichen Wohnung belässt oder den gemeinsamen Sohn durch Nachbarn oder Freunde betreuen lässt, da der Vater selbst seiner Arbeit nachgeht.

    Des Weiteren kommt es dazu, dass der Vater, berufl. Fernfahrer, den gemeinsamen Sohn mehrfach 1 Woche lang, in seinem LKW mitgenommen hat.

    Schlussendlich stellen wir noch anheim, dass der Vater sein Sorgerechtsanspruch mit der Begründung stellt, dass dieser sich um die gesundheitliche, schulische und gesundheitliche Entwicklung des gemeinsames Sohnes Gedanken mache.
  4. Cloakmaster

    Cloakmaster V.I.P. 19.08.2012, 09:01

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Auch wenn die Mutter derzeit das alleinige Sorgerecht hat, kann sie dem Vater nicht einfach Beuchszeiten "zuweisen", und Papa hat dann gefälligst frei zu haben und zu springen.

    Weiterhin ist Mama nicht verpflichtet, daß Kind rund um die Uhr bei sich zu haben - und Papa dementsprechend auch nicht. Trotzdem ist es natürlich nicht Sinn und Zweck des väterlichen Umgangs, den Sohn abzuholen, und dann in die Arbeit zu gehen.

    Das Mitnehmen im LKW würde ich zu Ferienzeiten als unproblematisch einstufen.
  5. Datenbock

    Datenbock Aktives Mitglied 19.08.2012, 10:46

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Mit zugewiesenen Umgangsrecht, war der vor Gericht bestimmte Umgang gemeint und nicht ein von der Mutter willkürlich festgelegter Umgang.

    Die LKW Fahrten würde ich anders beurteilen. Mehrfache 1 wöchige LKW Touren sind nicht dem Kindswohl dienlich. Da es neben mangelender Wachgelegenheiten auch keine Spiel und Freizeitmöglichkeiten, sowie kaum Möglichkeiten gibt, dass das Kind sich unter Umständen mit gleichaltrigen auseinandersetzt, kann das nicht dem Kindswohl dienen. Gegen gelegentliche, auf wenige Stunden begrenzte Fahrten ist aus meiner Sicht nichts einzuwenden. In der Form wie oben beschrieben jedoch schon.
  6. Humungus

    Humungus V.I.P. 19.08.2012, 10:50

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Kannst Du das präzisieren?

    Schätzungsweise 80 Prozent aller Kinder und 99,9 Prozent aller Jungen würden sich nach so einer Woche sehnen. Lastwagenfahren, und den Pappa fast 24 Stunden um sich herum. In meinen Augen ein optimales Mittel zur Herstellung einer engen Vater-Kind-Beziehung und Wertschätzung und Kennenlernens des Vaters und seines Berufs. Aber Zelturlaub wäre oK?
    zeiten gefällt das.
  7. Datenbock

    Datenbock Aktives Mitglied 19.08.2012, 14:29

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Die STVO habe ich wieder aus meinem Kommentar herausgenommen. Diese scheint nicht der richtige Anhaltspunkt zu sein. Dahingegen sprechen verschiedene allgemeine Betriebsordungen gegen dieses Vorgehen.

    Unabhängig davon halte ich das Argumen, dass sich eine prozentuale Anzahl an Kindern derartiges Wünschen würden für völlig daneben. Wenn wir so argumentieren könnten, können wir künftig auch allen Kindern, die sich das wünschen eine Zigarette, ein Bier oder ein FSK 18 Film erlauben.
  8. Cloakmaster

    Cloakmaster V.I.P. 19.08.2012, 14:54

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Deswegen ist eine Woche mit Papa unterwegs immer noch förderlich für die Vater-Kind-Beziehung, und damit auch dem Kindeswohle zuträglich. Waschgelegenheiten gibt es an jedem Rastplatz, und das Fehlen von "Spiel und Freizeitmöglichkeiten" sowie anderer Kinder auf dem Lkw ist ebenso kein Argument, sondern bestenfalls (negative) Stimmungsmache.

    Dies mag der Mutter zwar ein Dorn im Auge sein, da damit ihr Einfluss auf das Kind womöglich zurückgestutzt wird, ist aber familienrechtlich in keinster Weise zu beanstanden.
  9. Angelito

    Angelito V.I.P. 19.08.2012, 21:13

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    In den oben genannten Schilderungen kann ich keine juristisch relevante Kindswohlgefährdung erkennen und auch keine Grund der gegen ein gemeinsames Sorgerecht spräche.

    Evtl. kann man die große Distanz anführen, weil es hier Probleme mit Unterschriften geben könnte, aber da das bei vielen Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht funktioniert, sehe ich auch hier keinen wirklichen Grund der gegen das gemeinsame Sorgerecht spräche.

    Man muss bedenken das von der EU in den letzten drei Jahren die Väterrechte extrem gestärkt wurden, insbesondere was das Sorgerecht angeht. Dies mag nicht immer sinnvoll sein, aber es gibt der Mutter hier extrem schlechte Karten in die Hand

    Was die Woche auf dem LKW angeht sehe ich es etwas anders als alle hier im Thread. Ich würde es weder pauschal als negativ einstufen, noch als positiv, sondern ich würde gerne wissen wie es dem Kind dabei geht. Wenn der Junge Spaß hat und sich wohl fühlt und sich über die Papazeit auf dem LKW freut, dann sollte die Mutter das akzeptieren und sich für ihr Kind mitfreun, wenn es dem Jungen dabei aber schlecht geht, er sich unwohl fühlt, einsam, ihm langweilig ist, usw. dann sollte die Mutter versuchen das zu unterbinden bzw. es eben mit dem Vater besprechen. Ich würde hier aber nicht grundsätzlich sagen gut oder schlecht, sondern es wirklich davon abhängig machen, wie sich der Bub dabei fühlt. Es geht doch schließlich um das Kindeswohl und das sollte es für beide Eltern!
    Kerzenlicht gefällt das.
  10. Datenbock

    Datenbock Aktives Mitglied 20.08.2012, 14:39

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    AW: Halbes Sorgerecht bei großer Distanz

    Nicht das nun der Eindruck entsteht, ich würde zwanghaft den Fall so ändern, um um jeden Preis einen Grund gegen das gemeinsame Sorgerecht finden zu wollen. Dennoch kommen bei mir immer mehr Fragen auf. Es gibt sicherlich viele Gegebenheiten, die ein Kind in einem solchen Fall durchaus "toll" findet aber gemein hin nicht wirklich förderlich sind. Von daher die Frage, wie folgende Dinge in Punkto Umgangsrecht und vor allem Sorgerecht einzustufen sind.

    • regelmäßiges schauen von Filmen die gemäß FSK nicht dem Alter des Kindes entsprechend sind
    • das gleiche bei Computerspielen
    • häufiges "Abgeben" des Kindes während der Besuchszeit an Dritte

    Auch stelle ich mir die Frage, in wiefern ein nicht glaubhaftes Interesse des Antragstellers dazu führen kann, dass der Antrag abgelehnt wird. Sicherlich haben Väter das Recht, auch Sorgeberechtigt zu sein. Wenn jedoch der Vater von Beginn seines Antrages an keine glaubwürdigen Argumente liefert sondern der antragstellende Vater von Anfang an durch sein widersprüchliches Verhalten darauf schließen lässt, dass seine Ziele eher anderer Natur sind und eher eigene Interessen verfolgen als die des Kindes, müsste doch, entsprechende Nachweise vorausgesetzt, der Antrag abgelehnt werden.
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