Darf AG seine AN je nach Auslastung nach Hause schicken?

Dieses Thema "Darf AG seine AN je nach Auslastung nach Hause schicken? - Arbeitsrecht" im Forum "Arbeitsrecht" wurde erstellt von Dumbo01, 12. August 2017.

  1. Dumbo01

    Dumbo01 Boardneuling 12.08.2017, 19:26

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    Darf AG seine AN je nach Auslastung nach Hause schicken?

    Also folgender Sachverhalt:
    Arbeitnehmer hat einen 40h Vertrag, die Firma führt ein PC-System ein, mit dem die Arbeitsauslastung besser geplant und gesteuert werden soll. Darf die Firma die Arbeitnehmer nun je nach Auslastung nach Hause schicken? Wenn also laut System nur Arbeit für 6h vorhanden ist, muss AN gehen! Falls mal mehr zu tun ist, muss er bleiben!

    Darf der AG so verfahren und sind ihm Grenzen gesetzt?
  2. jurfo

    jurfo V.I.P. 12.08.2017, 19:44

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    Ja, das darf er. Er muß allerdings natürlich die vollen 8 Stunden pro Tag bezahlen. Nach Hause schicken und dann das Gehalt entsprechend kürzen geht nicht.
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  3. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 12.08.2017, 19:44

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    Das Modell der flexiblen Arbeitszeit müsste vertraglich korrekt vereinbart worden sein.
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  4. Dumbo01

    Dumbo01 Boardneuling 12.08.2017, 20:31

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    Laut Vertrag sind 40h vereinbart. Grundsätzlich sind diese auf die Wochentage Mo-Fr verteilt, ihre Lage richtet sich nach der betrieblichen Einteilung. Der AG behält sich vor, Verteilung und Lage der Arbeitszeit nach billigem Ermessen näher zu bestimmen und nachträglich abweichend zu regeln.
    Bisher wurden Mo-Do 8,5h und Freitag 6h gearbeitet.
    Es ist geregelt, dass der AN 20 Minusstunden machen darf, darüber hinaus wird vom Lohn abgezogen, des weiteren sind 30 Überstunden erlaubt, darüberhinaus arbeitet man unentgeltlich ( diese Stundenregelung ist intern aber nicht vertraglich fixiert).
    Darf der AG jetzt die AN bei geringer Auslastung nach Hause schicken und die Fehlzeiten vom Stundenkonto abziehen bis der AN bei 20 Minusstunden ist? Oder darf der AN auf 40h pro Woche bestehen?
    Die Auftragslage ist nicht so schlecht, dass Kurzarbeit droht. Es ist das neue PC-System, dass die Aufträge so ...verteilt, dass teils wenig zu tun ist und am nächsten Tag wieder viel.
  5. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 12.08.2017, 21:07

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    Ja. Es wurde offenbar so vereinbart.
    Die Vereinbarung ist zwar nicht “sauber“, aber sie zu bemängeln ist ein ganz heißes Eisen.
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  6. onkelotto

    onkelotto V.I.P. 12.08.2017, 22:36

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    Nach meiner Auffassung sind es unterschiedliche Themen.

    ::1
    Wenn der AG nicht durch vertragliche Vereinbarungen oder das Gesetz eingeschränkt ist, darf es die Arbeitszeiten anpassen. Das muss er mit Augenmaß tun und rechtzeitig ankündigen - im allgemeinen wenigstens 4 Werktage vorher.

    ::2
    Wenn ein Vertrag über 40 Stunden abgeschlossen ist, schuldet der AG den entsprechenden Lohn für 40 Stunden - ungeachtet dessen ob diese geleistet werden oder nicht. Der AG wäre dann im Annahmeverzug ( Immer vorausgesetzt der AN hat seine Leistung angeboten ).

    Nun wäre zu klären was die Grundlage für dieses flexible Modell ist.
    Sollte diese Vereinbarung für den AN wirksam sein, darf der AG die Arbeitszeit entsprechend verteilen, die Grenzen dabei aber eben nicht überschreiten.
    Er darf den AN nicht umsonst arbeiten lassen (+31) und auch im Lohn keine Abzüge vornehmen (-21) . Immer vorausgesetzt es liegt nicht am AN im Sinne von: Die Sonne scheint ...ich gehe mal nicht hin.
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  7. filter

    filter V.I.P. 13.08.2017, 10:43

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    1. es wurde nicht "offenbar" so vertraglich vereinbart
    2. das Ansinnen des AG, die AN jederzeit nach belieben ohne Ankündigungsfrist kürzer oder länger arbeiten zu lassen, kann gar nicht wirksam vertraglich vereinbart werden und widerspricht § 106 GeWO

    3. nur für Dich: wenn man keine Ahnung hat, dann sollte man sich mit seiner Meinung vielleicht gelegentlich zurück halten
  8. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 13.08.2017, 11:42

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    Die Ankündigungsfrist ist aber überhaupt nicht benannt.

    Also halt die Backen still!
  9. Franky3600

    Franky3600 Senior Mitglied 13.08.2017, 12:18

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    Wenn der AN Überstunden auf seinem Zeitkonto hat, so sind erst diese "abzubummeln". Hat der AN keine Überstunden, so muss der AG, wie schon erwähnt, die vollen Stunden pro Tag zahlen.
    Der AG kann nicht verlangen, Minusstunden, die der AG zu verantworten hat, durch nachfolgende Mehrarbeit auszugleichen.
    Steht so auch im BGB.
  10. pflasterstein

    pflasterstein Senior Mitglied 13.08.2017, 15:02

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    "Es ist geregelt, dass der AN 20 Minusstunden machen darf, darüber hinaus wird vom Lohn abgezogen, des weiteren sind 30 Überstunden erlaubt, darüberhinaus arbeitet man unentgeltlich ( diese Stundenregelung ist intern aber nicht vertraglich fixiert)"
    Was genau steht da nun im Vertrag?
    Und im Vertrag steht nicht zum Schluss, dass wirksame Abreden der Schriftform bedürfen? eben dass man nicht irgendwas mal nebenbei mündlich vereinbart?
  11. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 13.08.2017, 18:10

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    Natürlich kann das vereinbart werden. Das ist der Sinn eines Zeitkontos über das auch der AG verfügen kann.

    Wäre aber zeitnah auszugleichen. Zum Beispiel im Abrechnungszeitraum.
    Weniger Geld darf es nicht geben.

    http://m.hensche.de/Minusstunden_Ar...nusstunden_LAG_Rheinland-Pfalz_3Sa493-11.html
  12. Franky3600

    Franky3600 Senior Mitglied 13.08.2017, 20:39

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  13. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 13.08.2017, 20:55

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    Ja. Das Zeitkonto ist ja gerade die Möglichkeit, durch variable Arbeitszeiten nicht sofort beim Annahmeverzug zu landen.

    Das war auch die Absicht des AG hier.
    Die Umsetzung ist......bedenklich.
  14. Soualmi

    Soualmi V.I.P. 13.08.2017, 22:19

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    Auf keinen Fall darf es dazu kommen, dass der Arbeitgeber die auf seine Veranlassung entstandenen Minusstunden vom Lohn abzieht, sobald das Arbeitszeitkonto die vereinbarte Marke unterschreitet.
  15. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 13.08.2017, 22:49

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    Er darf nicht einmal die Marke dauerhaft halten.

    Im Idealfall ist das Konto bei Abrechnung zu nullen.
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