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Abweichung vom Kausalverlauf/error in persona/aberratio ictus

Dies ist eine Diskussion zu Abweichung vom Kausalverlauf/error in persona/aberratio ictus innerhalb des Forums Strafrecht / Strafprozeßrecht

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  #1 (permalink)  
Alt 17.12.2011, 21:00
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Abweichung vom Kausalverlauf/error in persona/aberratio ictus

Hallo zusammen, ich hoffe, ich stelle meine Frage an der richtigen Stelle im Forum, bin neu hier Ich studiere Jura seit diesem Semester und bin gerade in Strafrecht ein wenig am verzweifeln bei der Prüfung von vorsätzlichen Erfolgsdelikten

1. Wie bestimmt man, ob es sich bei dem Sachverhalt um eine Abweichung vom Kausalverlauf handelt (gilt allein das subjektiv konkret vorgenommene Ziel des Täters als Bezugspunkt?)

2. Stellen der error in persona und der aberratio ictus einen solche Abweichung vom Kausalverlauf dar?


Ich hoffe, die Frage präzise genug gestellt zu haben und freue mich, wenn mir jemand helfen kann. Viele Grüße
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  #2 (permalink)  
Alt 19.12.2011, 14:17
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AW: Abweichung vom Kausalverlauf/error in persona/aberratio ictus

Eine Abweichung vom Kausalverlauf erfolgt immer durch den Vergleich des vorgestellten Tatablaufs mit dem tatsächlich eingetretenen Kausalverlauf. Der "error in Persona" stellt zwar eine Abweichung von dem vorgestellten Kausalverlauf dar, jedoch ist dieser regelmäßig unbeachtlich: wenn A den von ihm ins Visier genommenen Menschen töten will und hält diesen für den B, obwohl es sich um C handelt,dann entspricht der Tatablauf genau den Vorstellungen des A, nur verwechselt er sein Opfer. Dies ist für die Strafbarkeit unbeachtlich, es sei denn, das tatsächlich getroffene Objekt ist nicht gleichwertig (z.B. eine menschenähnliche Puppe, dann nur versuchtes Tötungdelikt mit Sachbeschädigung).
Die "aberatio ictus" stellt dagegen eine wesentliche Abweichung des Kausalverlaufs (verglichen mit den Vorstellungen des Täters) dar, weil A hier gerade nicht den von ihm ins Visier genommenen Menschen töten will,sondern einen anderen, so dass ihm bezüglich des tatsächlichen Opfers allenfalls Fahrlässigkeit zur Last fallen kann. Hier hat die Änderung des Kausalverlaufs daher im Gegensatz zum "error in persona" Einfluss auf die Strafbarkeit.
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Alt 19.12.2011, 15:55
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AW: Abweichung vom Kausalverlauf/error in persona/aberratio ictus

Zitat:
Zitat von Backs Beitrag anzeigen
Der "error in Persona" stellt zwar eine Abweichung von dem vorgestellten Kausalverlauf dar, jedoch ist dieser regelmäßig unbeachtlich: wenn A den von ihm ins Visier genommenen Menschen töten will und hält diesen für den B, obwohl es sich um C handelt,dann entspricht der Tatablauf genau den Vorstellungen des A, nur verwechselt er sein Opfer.
Und weil der Tatablauf genau den Vorstellungen des A entspricht, ist der error in persona gerade keine Abweichung vom vorgestellten Kausalverlauf.

Zitat:
Die "aberatio ictus" stellt dagegen eine wesentliche Abweichung des Kausalverlaufs (verglichen mit den Vorstellungen des Täters) dar, weil A hier gerade nicht den von ihm ins Visier genommenen Menschen töten will
Auch das ist nicht ganz sauber. Bei der aberratio ictus will der Täter schon den töten, den er anvisiert. Aber gerade den verfehlt die Kugel und trifft dann einen anderen.

PS: ictus, m.
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  #4 (permalink)  
Alt 19.12.2011, 19:57
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AW: Abweichung vom Kausalverlauf/error in persona/aberratio ictus

Eine kleine Ergänzung:

Zitat:
Zitat von Hafish Beitrag anzeigen
Bei der aberratio ictus will der Täter schon den töten, den er anvisiert. Aber gerade den verfehlt die Kugel und trifft dann einen anderen.
Und weil das so ist, stellt der aberratio ictus auch keinen Irrtum dar; die Abweichung des Kausalverlaufs beruht nicht auf einer Fehlvorstellung des Täters, sondern ist auf einen naturgesetzlichen Umstand zurückzuführen.
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  #5 (permalink)  
Alt 20.12.2011, 17:06
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AW: Abweichung vom Kausalverlauf/error in persona/aberratio ictus

error in persona vel objecto liegt vor, wenn der Täter genau diese Person oder dieses Objekt zerstören, töten oder sonst etwas will, sich aber in der Identität des Objektes, der Person irrt.

A will B erschießen, legt sich im Wald auf die Lauer. C, der B zum Verwechseln ähnliches sieht, erscheint auf der Lichtung. A schießt, C fällt tot um. A will auf C schießen, schießt auch und trifft. A irrt lediglich dahingehend, dass er C für B hält. Am Kausalverlauf ändert dies nichts, A will die Person auf der Lichtung, wenn er auch über deren Identität irrt, erschießen und tut dies auch.

aberatio ictus ist der Fall, dass ein Täter eine Person oder eine Sache Schaden zufügen will, aber dabei eine andere Sache/Person schädigt.

A will wieder B erschießen. Diesmal erscheinen B und C auf der Lichtung. A, diesmal nicht blind, sieht genau das B rechts, C links geht. A zielt auf B, schießt, C fällt tot um. Hier hat A auf B gezielt, wollte diesen auch erschießen, hat aber, aus welchen Gründen auch immer, C getötet. Er verwechselt also im Gegensatz um error in persona nicht B und C, er trifft eben nur den falschen. Der Kausalverlauf ist anders, als er meinte, denn er dachte, er erschieße jetzt B.

Ich hoffe, ich habe das Ganze jetzt schön klar dargestellt, dass der Knoten im Kopf aufgelöst ist. Meine Definitionen sind nicht die offiziellen aus der Fachliteratur, aber ich denke, nach Lösung des Knotens wird das, was mit deren Definitionen und Aussagen gemeint ist, klar und bereitet keine Schwierigkeiten mehr. Ich wünsche für das weitere Studium viel Erfolg. Noch ein kleiner Tip: Als ich studiert habe, haben wir häufig beim Bier abends so etwas durchdiskutiert. Es hat viel geholfen - selbst einer Kommilitonin, die Romanistik studiert hat. Die war einmal auf einer Party, wo die meisten Jurastudenten waren und hat mir hinterher lachend erzählt, dass sie alle für eine Jurastudentin gehalten habe, weil sie den anderen erst einmal den Unterschied zwischen error in persona und aberatius ictus erklärt hat. Die Methode, abends einfach beim Bier über solche Fragen zu diskutieren hilft also sehr, sich so etwas zu verinnerlichen. Ich jedenfalls habe bis heute nichts vergessen, und mein 1. Semester liegt jetzt schon über 30 Jahre zurück. Wie gesagt: Viel Erfolg
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aberratio ictus, abweichung vom kausalverlauf, error in persona

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