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Sportrecht Teil 2: Interview mit dem Präsidenten der ISLA Herrn Dr. Fritzweiler

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Alt 08.08.2007, 09:37
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Sportrecht Teil 2: Interview mit dem Präsidenten der ISLA Herrn Dr. Fritzweiler

Herr Dr. Jochen Fritzweiler ist nicht nur Rechtsanwalt u. a. für Sportrecht, er ist darüber hinaus auch Präsident der International Sports Lawyer Association (ISLA), der Vereinigung europäischer Sportrechtsanwälte.

Als Sportrechtler der ersten Stunde erklärt er im Interview, wie das Sportrecht in Deutschland geboren wurde und wie man sich im Sportrecht etablieren kann.

Interview mit Dr. Jochen Fritzweiler, Rechtsanwalt für Sportrecht und Präsident der International Sports Lawyer Association


Dr. Jochen Fritzweiler, Präsident der ISLA


Herr Dr. Fritzweiler, an welchem Fall arbeiten Sie gerade?
Unter anderem an dem Fall eines 25-jährigen marokkanischen Fußballers, der in Hamburg aufgewachsen ist und nun einen Vertrag mit einem Fußballklub im Iran hat. Der Verein zahlt jedoch kein Geld, weil die Sponsorengelder nicht eingegangen sind.

Heißt das für Sie, dass Sie bei iranischen Gerichten klagen und auftreten müssen?
Nein, zum Glück muss ich nicht im Iran klagen. Für diese Fälle gibt es die Disziplinarkommission der – häufig kritisierten - FIFA, die für sämtliche Rechtsfragen im Bereich des Fußballs zuständig ist. Die Kommission kann entsprechende Maßnahmen zur Lösung des Streits treffen, bis hin zum Ausschluss des Vereins. Man kann ja viel auf die FIFA schimpfen, aber sie ist letztlich ein unentbehrliches und äußerst wichtiges Instrument im internationalen Fußball.

Wie kann man sich als Jurist im Sportrecht profilieren?
Mit einer Dissertation. Dadurch hat man intensiven Kontakt zum Professor und über diesen wiederum zu anderen Professoren, Einrichtungen und Verbänden. So erhält man Zutritt zum Sportrecht, hält Vorträge und Seminare und veröffentlicht in Fachzeitschriften.

Gibt es denn spezielle Ausbildungsmöglichkeiten für Juristen im Sportrecht?
Es gibt zurzeit noch nicht viele juristische Ausbildungen im Sportrecht. Die Fernuniversität Hagen bietet seit Kurzem eine Weiterbildung im Sportrecht an und einige ausländische Einrichtungen haben Programme in Sports Law eingeführt. Gerade im Postgraduate-Bereich gibt es aber noch großen Nachholbedarf. Wenn man sieht, wie viel Geld im Profisport bewegt wird, dann ist ein LL.M-Angebot im Sportrecht überfällig.

Wie sind Sie selbst denn zum Thema Sportrecht gekommen?
Durch meine Liebe zum aktiven Sport. Ich war in den 60 und 70 Jahren lange Skilehrer und mache das zeitweise immer noch. Durch das Befassen mit Skiunfällen habe ich den ersten Kontakt zum Sportrecht hergestellt (Dr. Fritzweiler vertritt übrigens den Deutschen Skilehrerverband, Anm. d.Red.) und dann 1978 zum Thema „Haftung bei Sportunfällen“ promoviert.. Kurz danach gründete sich der Konstanzer Arbeitskreis für Sportrecht, dessen regelmäßige Treffen für mich neben dem Anwaltsalltag wie eine juristische Delikatesse waren. Damals war das ja noch ein überschaubarer Kreis mit 30 Leuten. Wir haben viel diskutiert und im Rahmen einer Schriftenreihe Bände mit unseren Ergebnissen veröffentlicht. Wir haben das deutsche Sportrecht mit entwickelt, das war spannend und hat letztlich den Ausschlag für meine juristische Spezialisierung gegeben.

Wenn Sie jetzt noch einmal im Sportrecht promovieren müssten, welches Thema hätte Ihre Arbeit?
Es ist zwar schon sehr viel geschrieben worden, aber Einzelthemen der Vermarktung, des Medienrechts, des Europarechts und der Sportwetten sind immer noch interessant. Auch Doping ist weiterhin ein Thema, dank dem „Fall Ulrich“ und der Diskussionen um ein Anti-Doping-Gesetz, das ich übrigens absolut begrüßen würde. Wie auch in anderen Rechtsgebieten sind die Professoren auch im Sportrecht findig. Sie werden schon noch ein Thema für eine Dissertation finden.

Sie sind neben Ihrer Tätigkeit als Rechtsanwalt auch Präsident der International Sport Lawyers Association - ISLA. Was ist die ISLA und was genau bringt Ihre Funktion mit sich?
Die ISLA ist eine nach Schweizer Recht gegründete weltweite Vereinigung internationaler, vornehmlich europäischer Sportrechtsanwälte mit Sitz in Zürich. Wir arbeiten auf internationaler Ebene zusammen und haben ein bis zwei Mal im Jahr eine Tagung. Über unsere Webseite können die Anwälte miteinander kommunizieren. Stellen Sie sich z.B. vor, ein Anwalt in Istanbul vertritt einen Basketballer, der mit einer A-Dopingprobe positiv getestet war nun zur B-Probe nach Barcelona/Spanien musste. Der Rechtsanwalt bittet um Hilfe, weil er einen spanischen Sportrechtsanwalt benötigt
Die ISLA wird ihm behilflich sein.
Ich als Präsident bin vergleichbar mit jedem Vorsitzenden eines Vereins, der federführend und leitend tätig ist; z.B. bereite ich die Tagungen vor wie etwa demnächst „Sports & Law“ in Berlin und koordiniere verschiedene Aktionen.

Welchen Anteil hat das Sportrecht an Ihrer täglichen Arbeit als Rechtsanwalt?
Hier in der Kanzlei arbeiten wir mit 2 bis 3 Rechtsanwälten. Ein Drittel meiner Tätigkeit sind ganz „normale“ übliche Anwaltsgeschäfte. Von Sportrecht allein können nur die wenigsten Rechtsanwälte existieren. Im Sportrecht berate ich Verbände und Sportler mit den entsprechenden Streitigkeiten. Einen großen Teil meiner sportrechtlichen Tätigkeit nimmt daneben publizistische Tätigkeit ein. Ich bin Schriftleiter (Chefredakteur) der zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift „Sport und Recht“ (SpuRt). In dieser Funktion gilt es, aktuelle Themen aus dem Sportrechtsbereich zu finden, Autoren zu akquirieren, Rechtsprechung darzustellen und eventuell selbst Beiträge zu schreiben.

Müssen bzw. dürfen Sie eigentlich jedes Wochenende in den Sportarenen Deutschlands verbringen?
Nein. Zwar bin ich gerne einmal im Stadion, insbesondere natürlich bei SV Wacker Burghausen (2. Liga), aber aus beruflichen Gründen ist ein Besuch der Sportarenen nicht erforderlich. In unserer medialen Welt erfährt man vieles durch die Medien. Ich war zwar z.B. bei der Handball-WM und Fußball-WM, jedoch eher aus privatem Interesse. Allerdings werden die Tagungen der ISLA, wenn möglich, immer an eine Sportveranstaltung gekoppelt.

Spezialisten im Arztrecht sprechen- der Legende nach - potentielle Mandanten in Krankenhäusern an.. Bieten denn Sportarenen nicht auch gute Akquisemöglichkeiten?
Nein. Zum einen ist es nicht wirklich seriös, einen Sportler oder seinen Manager nach dem Motto „Hey, haben Sie ein sportrechtliches Problem, ich bin Ihr Mann“ anzusprechen. Auf der anderen Seite läuft das große Geschäft im Sport über die Sponsoren. Diese werden meist von großen Kanzleien betreut, die dann sportrechtliche Fragen mitbearbeiten. Natürlich haben wir Anwälte oder auch Professoren, persönliche Kontakte zu den Verbänden und bekommen Aufträge
Jedenfalls ist ein „Kaltaquise“ im Stadion ist nicht wirklich realistisch.

Im Sportrecht stehen Verbandsrecht und das staatliche Recht nebeneinander und nicht immer ist klar, welches Recht Anwendung findet. Macht dies die anwaltliche Tätigkeit im Sportrecht zu einer komplizierten Tätigkeit?
Ja. Das Sportrecht ist eine ganz besondere Materie, weil zum Teil staatliches und zum Teil Verbandsrecht zur Anwendung kommen, häufig auch beides zur gleichen Zeit, also eine Art Zwei-Säulen-Theorie gilt. Die Sportverbände besitzen weitreichende Autonomie, auch im Rahmen der Regelungen ihrer Strukturen und der Schiedsgerichtsbarkeit. Es ist eben ein Spezialgebiet ! Gerade für „Anfänger“ im Sportrecht ist es häufig schwierig, die rechtlichen Zusammenhänge im Sport bzw. der Sportverbandsorganisation mit der dazugehörigen Rechtsprechung zu kennen.

Stimmt es, dass Sportrecht an deutschen Universitäten eher ein Aschenputtel-Dasein führt?
Nein. Zwar gibt es wenige Lehrstühle für Sportrecht – z.B. die Universitäten in Bayreuth, Erlangen und Gießen. Aber an vielen Universität bieten Professoren Vorlesungen und Seminare zum Sportrecht an. Wenn ein Student oder ein Referendar während seiner juristischen Ausbildung die Augen aufmacht, dann stößt er bei der Lektüre ganz sicher auf diese Unis und Professoren, z.B. auch über die sportlichen Beiträge in der erwähnten Zeitschrift „SpuRt“ (Sport- und Recht).

Warum gibt es so wenige Institute für Sportrecht an deutschen Universitäten?
Weil das Sportrecht kein abgrenzbares Rechtsgebiet, sondern ein Querschnitt durch verschiedenste Bereiche des Rechts ist. Im Sportrecht können sich Fragen aus dem Medienrecht, Arbeitsrecht, allgemeinen Zivilrecht, Wirtschaftsrecht, Strafrecht, dem öffentlichen Recht und Europarecht stellen. Es ist sehr schwierig, die Facetten des Sportrechts in einen Rahmen zu fassen.

Welche sportrechtlichen Einrichtungen gibt es in Deutschland?
Da ist zunächst der seit 1980 bestehende Konstanzer Arbeitskreis für Sportrecht zu nennen. Hier treffen sich Professoren, Anwälte und Richter zweimal im Jahr zu Tagungen und diskutieren über besondere sportrechtliche Fragestellungen. Auch die ISLA trifft sich regelmäßig ebenso die Arbeitsgemeinschaft Sportrecht im DAV.

Wie sehen Sie in Zukunft die Chancen für Einzelkämpfer im Bereich des Sportrechts?
Hier kommt es auf den Einzelfall und die Eigeninitiative eines jeden Jurastudenten und Juristen an! Aufgrund der rechtlichen Bandbreite des Sportrechts und der ungeheuren Summen, die heutzutage im Sport umgesetzt werden, werden die großen Fälle im Sportrecht von den großen Kanzleien betreut. Mittlere Kanzleien haben in erster Linie Sportler und Sportvereine als Mandanten. Die 1. Liga stellen jedoch die Großkanzleien dar, sie vertreten große Vermarktungsagenturen wie IMG, Sportfive etc. und beraten die großen Unternehmen, die sich im Sportbereich engagieren. Als Einzelunternehmer ist man in diesem Sektor nicht wettbewerbsfähig, es sei denn, man hat exzellente Kontakte zu Verbänden und Sponsoren.

Und wie sehen Sie allgemein die Perspektiven für Juristen im Bereich des Sportrechts?
Insgesamt ist das Sportrecht eine spannende und auch zukunftsträchtige Rechtsmaterie, die Juristen vielfältige Arbeitsfelder eröffnet. Abgesehen vom Beruf des Rechtsanwalts sitzen auch an den Schaltstellen der Sportverbände immer häufiger Juristen, der Sport wird weiter vermarktet, Vereine in GmbH umgewandelt und viel Geld umgesetzt werden. Schnelle, weitreichende Entscheidungen von Fachleuten mit sportlichen Kenntnissen werden auch in Zukunft gefragt sein. Das Beratungsfeld für den im Sportrecht tätigen Juristen ist also mehr als vielfältig, die Entwicklung noch lange nicht abzusehen. Es lohnt sich also, ins Sportrecht einzusteigen.

Das Interview führte Karsten Schneidewindt


Nächste Woche lesen Sie:

Teil 3: Interview mit Julia Feldhoff-Mohr, Associate bei Beiten Burkhard Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und Spezialistin im Sportrecht



Übersicht:

Teil 1: Interview mit dem FC Bayern Justiziar Herrn Dr. Gerlinger
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