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Killerspiele - Ein Problem der Gesellschaft?

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Alt 11.03.2007, 18:21
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Killerspiele - Ein Problem der Gesellschaft?

Nicht erst seit den Vorfällen an der Geschwister Scholl Schule in Emsdetten wird eine medial aufgeheizte Diskussion über ein Verbot von Killerspielen geführt. Vor allem in der Politik herrscht Uneinigkeit, wie das Problem der Killerspiele gelöst werden könnte. Manche Politiker sehen es als unerlässlich an, den Jugendschutz schnellstmöglich zu verschärfen.

Im fortgeschrittenen Verlauf dieser Debatte kritisierte Innenminister Günther Beckstein (CSU) das von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und ihrem nordrhein-westfälischen Kollegen Armin Laschet (beide CDU) vorgeschlagene Programm zur Verschärfung des Jugendschutzes als unzureichend. Schliesslich legte Mitte Februar 2007 die bayrische Landesregierung dem Bundesrat einen Gesetzesvorschlag vor und startete eine Initiative zum Verbot von Killerspielen. Unterstützt wird die CSU von der niedersächsischen Landesregierung. Beide wollen ein generelles Herstellungs- und Verbreitungsverbot für virtuelle Killerspiele in Deutschland erreichen.

Nicht nur im Bundesrat, welcher verfassungsrechtliche Bedenken äussert, sondern auch in der Wissenschaft stösst diese Vorgehensweise auf große Bedenken. So konnte wissenschaftlich noch nicht belegt werden, ob ein Zusammenhang zwischen Computerspielen und Gewalttaten besteht. Fernab aller wissenschaftlichen und verfassungsrechtlichen Einwände gibt es einen weiteren Aspekt, der ein generelles gesellschaftliches Problem aufwirft. Ob sich diese Problematik durch ein Verbot von Killerspielen auflöst, ist äusserst unwahrscheinlich. Doch stellt es sich wirklich als so einfach heraus, die Wurzel der Gewalt ausnahmslos in Killerspielen zu suchen?

Richtig ist, dass Killerspiele die Aggressivität und die Hemmschwelle gewalttätig zu werden, förden können, aber selten die alleinige Ursache darstellen. Eine weltweite Community spielt täglich Computerspiele, die gemeinhin als Killerspiele bezeichnet werden. Es gibt mehrere Arten solcher Spiele. In manchen kommt es schlicht und ergreifend auf das Töten anderer virtueller Gegner an. Bei anderen Spielen stehen eher strategische Kriegsführung und Teamfähigkeit im Vordergrund. Wo genau diese Grenzziehung zu einem Killerspiel liegt, ist äusserst schwierig zu sagen. Zunächst steht bei einem sogenannten Killerspiel die Gewalt im Vordergrund. Wird der Gewaltbegriff jedoch weiter gefasst, könnte auch ein Sportspiel z.B. Boxen oder Karate als Killerspiel bezeichnet werden, weil in diesem vergleichbar brutale Gewalt gegen einen virtuellen Gegner ausgeübt werden kann. Müssten derartige Spiele verboten werden, wäre es bei konsequenter Einhaltung und Weiterführung eines Verbots nur äussert schwer nachvollziehbar, wenn es noch frei empfangbare Boxübertragungen im Fernsehen geben würde. Filme und Sportereignisse im Fernsehen zeigen daher im Einzelfall ähnlich signifikante Gewaltdarbietungen, wie sie in Computerspielen anzutreffen sind. In welcher Form Gewaltdarstellungen toleriert werden können, ist daher keineswegs einfach zu bestimmen.

Die interessante Frage bleibt aber, ob Gewaltcomputerspiele einen jungen Schüler zum Amokläufer werden lassen? Befindet sich der Täter in solcher Ausweglosigkeit und gesellschaftliche Ausgrenzung, dass er zu so einer Tat fähig ist? Diese von den Tätern in Emsdetten oder Erfurt empfundene gesellschaftliche Ausgrenzung findet sich auch in anderen Bereichen, als in Schulen wieder. Was treibt junge Mütter dazu, ihre Kinder verhungern oder verwahrlosen zu lassen. Warum nimmt die Fremdenfeindlichkeit in manchen Gegenden zu? Sicherlich gibt es bei jedem Lebensweg individuelle Ursachen, aber in erster Linie ist es die Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation und die Perspektivlosigkeit. Wie kommt es zu dieser Unzufriedenheit? Ist es emotionale Kälte, Gleichgültigkeit im Elternhaus oder ein falscher Freundeskreis? Ist es schulischer Misserfolg? Sehen diese Menschen keine Zukunft mehr?

Tatort Schule:

Kürzlich wurde seitens der UN das deutsche Bildungssystem vernichtend kritisiert, da eine frühzeitige Aufteilung in das dreigliedrige Schulsystem Kinder aus ärmeren Familien diskriminiere. Das dreigliedrige Schulsystem wurde in erster Linie erschaffen, um Schüler in Leistungsstufen einzuordnen und diese gesondert voneinander zu unterrichten und zu fördern. Das Leistungsniveau der Schulen in diesem System divergiert sehr stark. Wenn eine Lehrkraft einem Grundschüler entgegnet, dass er auf der Hauptschule lande, wird dieses oftmals von den Kindern als Diffamierung wahrgenommen. Durch Äusserungen dieser Art, werden Schulkinder schon äusserst früh in ihrer Entwicklung mit Schulformen konfrontiert. Besonders leistungsschwächere Kinder brauchen Gespräche, Vorschläge und Zukunftsaussichten. Auch hier müssen Eltern und Lehrer zwingend kooperieren, wie dem betroffenen Schüler geholfen werden kann. Warum wird es heutzutage von vielen Schülern als schlimm empfunden, zur Hauptschule zu gehen? Laut UN-Studie wird die Leistungsentwicklung benachteiligter Kinder durch eine verfrühte Einordnung in ein dreigliedrige Schulsystem negativ beeinflusst. In der jetzigen, durch eine angespannte Arbeitsmarktsituation geprägten Gesellschaft wird einem Jugendlichen mit Hauptschulabschluss kaum eine Chance in der Berufswelt eingeräumt. Werden die Hauptschüler gesellschaftlich als Verlierer abstempelt? Das einige Schulen Problemschulen sind, ist keineswegs von der Hand zu weisen. Auffällig ist aber, dass viele Schulen in dieser Situation allein gelassen werden. Für Schulpsychologen und Sozialpädagogen fehlen oftmals die finanziellen Mittel und auch bei den Schülern ist an manchen Schulen eine erschreckende Gleichgültigkeit festzustellen. Der schlechte Ruf der heutigen Hauptschule wird durch Medienberichte über Gewalt und kulturelle Konflikte in diesen Schulen untermauert.

In diesem Punkt zeigt sich wieder deutlich, dass Bildung ein wichtiger Baustein einer gesunden Gesellschaft darstellt, der ideell äusserst schwer mit Geld aufgewogen werden kann. Haben leistungsschwächere Schüler in Deutschland eine berufliche Zukunft? Die Gegenfrage lautet, ob sie es nicht auch verdient haben, von der Arbeitswelt berücksichtigt und schulisch gefördert zu werden? Dieses soll keineswegs den Eindruck erwecken, dass sich schulische Leistung nicht bezahlt machen soll, aber keinem Jugendlichen mit Hauptschulabschluss soll das Gefühl vermittelt werden, keine Chance in der Berufswelt zu haben. An einer Hamburger Hauptschule wurde im Herbst 2006 eine Umfrage unter Schülern durchgeführt. Befragten die Interviewer Schüler nach deren beruflicher Zukunft, zuckten viele mit den Schultern oder äusserten, dass sie mit Hauptschulabschluss sowieso keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. Dieses Phänomen findet sich allerdings auch an Realschulen oder Gymnasien wieder. Viele haben Angst zu scheitern und besitzen nicht die Kraft oder die Stärke etwas erreichen zu wollen, weil sie ihre Lage als perspektivlos empfinden.

Führt ein Verbot von Killerspielen zu einem Umdenken?

Natürlich ist es verfassungsrechtlich diskussionswürdig, wie sich ein generelles Verbot von Killerspielen mit der Kunstfreiheit für Computerspiele vereinbaren lässt. Die Kunst-, Publikations- und Informationsfreiheit (auch in Form von Computerspielen) sind wichtige und vom Grundgesetz zu schützende Güter. Selbst wenn der Druck auf die Politik, tätig zu werden immer größer wird, bleibt das existierende und grundlegende Problem bestehen und verschwindet keineswegs durch ein Verbot. Die Frage, ob und wie Amokläufe wie in Erfurt oder Emsdetten zukünftig verhindert werden können, lässt sich nicht einfach beantworten. Sollten auch verfassungs- oder wissenschaftliche Bedenken gegen ein Verbot von Killerspielen sprechen.

In erster Linie geht es doch darum, dass wir merken, wenn jemand verzweifelt und einsam ist. Manchmal sollten Eltern mehr Interesse zeigen, was hinter den verschlossenen Türen des Kinderzimmers für Spiele gespielt werden. Auch Lehrer müssen sich die Frage stellen, ob nicht in ihren Klassen verzweifelte Schüler sitzen, die Hilfe benötigen und ob Strafen für diese Schüler in dieser Lebenssituation wirklich angebracht sind. Möglich wäre doch auch, dass kein Killerspiel, sondern vielleicht ein Schulverweis und anschliessende Einsamkeit der Auslöser für den Amoklauf eines Schülers sein können. Warum wurden diese Schüler von ihrem Umfeld in Not und Verzweiflung alleine gelassen.

Das Gefährliche an einem Killerspielverbot ist, dass die Probematik auf einen Punkt verlagert wird, der die komplette Last der umfassenderen Situation gar nicht alleine tragen kann. Die schwerwiegenden Probleme werden durch ein Killerspielverbot allenfalls weniger beachtet. Mit einem starren Blick auf das Spielverbot wird das Wesentliche fahrlässig außer Acht gelassen und es wird in dieser Form schwer, die vorhandenen gesellschaftlichen Missstände abzustellen.

Autor: Jörg Schrelle, Hamburg (11.03.2007)
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Alt 26.03.2007, 18:35
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AW: Killerspiele - Ein Problem der Gesellschaft?

Ein Verbot dieser Spiele wäre lächerlich - da über haupt nicht erfolgreich durchführbar und diese Spiele von den eigentlichen Ursachen für Gewalt nicht verantwortlich gemacht werden können; der Autor hat das schon sehr ausführlich und gut beschrieben.
Ich selber spiele auch ab und an gerne mal einen Ego-Shooter, gerne mit viel Blut.
Zur Not kann man viele zensierte Spiele mit einem Bloodpatch (kleine Datei, die das Spiel blutiger macht) entsprechend "aufpeppen". Oder gleich unzensierte Auslandsversionen aus dem Netz runterladen. Und damit spreche ich noch nicht mal von Raubkopien, die sich Jugendliche schon jetzt massenhaft aus dem Internet beziehen. Internationale Bezahlungssysteme und Umsonst-Spiele lassen den Zugang legal ohne Probleme zu.
Wobei ich hier hier ein Spiel erwähnen möchte, welches die Absurdität eines Verbots sehr deutlich macht:
"Americas Army", ein "Killerspiel", wo man zum Soldaten ausgebildet wird und anschließend die Waffen schultert und los geht das fröhliche Gemetzel. Grafisch sehr professionell gemacht und legal kostenlos aus dem Internet zu beziehen.
Und wer ist der Hersteller? Man mag es kaum glauben, aber es ist die US-Regierung höchstpersönlich, die dieses Umsonst-Spiel vertreibt, um jungen Männern den Krieg schmackhaft zu machen.
Was sollte dann die arme Frau Merkel tun? Einen Brief an Mr. Bush schreiben?
"Dear Mr. President,
leider muss ich Ihnen mitteilen, dass von Deutschland aus der Zugriff auf öffentliche Regierungsseiten der USA im Internet verboten ist, weil Sie dort unerträglich gewaltverherrlichende Spiele anbieten."

Also - ein Verbot solcher Spiele wäre schlicht und einfach sinnlos.

Wenn ein Politiker das fordert, dann beweisst er nur seine erschreckende Inkompetenz.
Erhöhte Gewaltbereitschaft entsteht durch missratene Sozialisation, oder wenn eine deutsche Richterin das Verprügeln von Frauen legitimiert, wenn man ein Moslem ist.

Für mich haben solche Spiele - auch wenn sie grafisch sehr gut sind - nur den Charakter von
Splatter-Comics, es sind schließlich dort nur Pixel, auf die ich ziele.
Als Kind habe ich gerne Tom und Jerry geguckt, herrlich satirisch übersetzt durch Itchy und Scratchy bei den Simpsons.
Und was ist aus mir geworden? Ein Kriegsdienstverweigerer.
Und wenn mal eine Statistik erscheint, dass die meisten Moorhuhn-Spieler (zu denen ich nicht gehöre) Eier aus Legebatterien kaufen, dann hätten wir ja folgerichtig den Beweis, dass solche Spieler auch keine Hemmungen haben, das Quälen von realen (!) Lebewesen aktiv zu unterstützen.
Und wenn ich nur an die ganzen Hororfilme denke ... ich schaue sogar schon bei einer Fussballübertragung weg, wenn ein sehr übles Foul noch mal wiederholt wird.
Womit wir auch schon bei dem Aspekt Sport und Gewalt sind, treffend erwähnt vom Autor durch das Erwähnen des Boxens, was meiner Meinung nach kein Sport ist.
Ich konnte mir die Blutorgie nicht anschauen, als vor nicht all zu langer Zeit ein Kampf im Ersten übertragen wurde, wo der Boxer noch einige Runden lang mit doppelt gebrochenem Kiefer und entgleisten Gesichtszügen und nur noch Blut spuckend durchgehalten hatte.
Auf der anderen Seite habe ich für meine Xbox ein Boxspiel, wo in der Anleitung schon beschrieben wird, mit welchen Schlägen man besser Platzwunden verursacht etc., später im Kampf sehr spektakulär und grafisch realitätsnah. In Zeitlupe spritzt das Blut quer über den Bildschirm, und dazu gibt es ein knackendes Geräusch, als wenn dem Gegner gerade das Genick gebrochen wird. Sehr brutales Spiel.
Und, nun haltet euch fest, das Spiel hat die Empfehlung und die Altersfreigabe ab 6 Jahren.
Es ist ja nur Sport ... da fällt mir echt nichts mehr ein.
Diese Doppelmoral ist das wirkliche Übel, ähnlich wenn im TV beim Sport "Keine Macht den Drogen" proklamiert wird, aber bei der Übertragung an jeder möglichen Stelle für Alkohol geworben wird.

Also, Spieler von "Killerspielen" sind keine Monster, und erwachsenen Menschen sollte schon freigestellt sein, ob sie solche Spiele spielen oder nicht.
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Alt 11.04.2007, 14:50
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AW: Killerspiele - Ein Problem der Gesellschaft?

Zuerst zu dem Spiel "Americas Army", dieses Spiel ist KEIN Killerspiel. Americas Army ist eher ein Werbe- und Lockmittel um junge Menschen dazu zu bringen dem US Militär beizutreten.

Killerspiele selbst tragen vielleicht zu einen minimalen Anteil von Amokläufen und Gewalt bei. Es hat eher was mit dem Sozialen Umfeld der Person zu tun. Denn fast alle die Amokgelaufen sind haben einst Gewalt von ihren Eltern erfahren, wurden Gehänselt, abgewiesen, hatten keine bzw. nur wenige Freunde usw. sie haben sich mehr und mehr zurückgezogen. Das Internet und das Fernsehen bieten ja genug Gewalt. In Killerspielen verarbeiten sie ihre wut und leben ihre kranken Fantasien aus, was eigentlich dazu führt das nur wenige durchdrehen und in der Realität irgendwelche makaberen Sachen anstellen.
Ich bin der Meinung das wenn Killerspiele in Deutschland verboten werden sich eigentlich nichts ändern wird. Aus folgenden Gründen, der jenige der Killerspiele will bekommt sie auch im Ausland, auch wenn sie verboten werden es gibt immer welche die neben der kappe sind.

Falls Rechtschreibfehler vorhanden sein sollten dann möchte ich mich zunächst dafür entschuldigen und darauf hinweisen das ich ein US Bürger deutscher Abstammung bin, aber nie eine Deutsche Schulische Ausbildung genossen habe.
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