Dies ist eine Diskussion zu "Kanzleibibel" - Interview mit der JUVE-Geschäftsführerin innerhalb des Forums Specials
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| "Kanzleibibel" - Interview mit der JUVE-Geschäftsführerin Frau Dr. Gerber, sind Sie eigentlich schon von den Anwälten von Juventus Turin abgemahnt worden? Immerhin ist Juve die Abkürzung des Vereins. Nein, leider reicht unser Ruf wohl nicht bis zu den italienischen Fußball-Ultras. Aber wir werden gerne von deutschen Anwälten verspottet, wenn mal wieder auf Spiegel-online Schlagzeilen wie Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Juve-Geschäftsführer oder Skandal um Juve erscheinen. Tatsächlich mussten wir uns allerdings bei der Markenanmeldung und beim Registrieren unserer Homepage mit dem Thema auseinandersetzen. Sollten wir nach Italien expandieren, würden wir die Website www.juve.it natürlich nie bekommen. Aber in Deutschland haben dafür die Juventus Turin Fanclubs keine Chance mehr auf eine Domain Wie kam es 1998 zu der Entscheidung, ein JUVE-Handbuch herauszubringen und den JUVE-Award zu etablieren? Wir haben uns hinsichtlich der Produkte zunächst an ähnlichen Publikationen in London orientiert, die dort zum damaligen Zeitpunkt teilweise bereits seit ca. 10 Jahren auf dem Markt waren. Neben dem JUVE Handbuch waren das anfangs die monatliche Zeitschrift JUVE-Rechtsmarkt und unser Nachwuchsmagazin azur. Die JUVE-Awards als Gala-Veranstaltung kam erst im Herbst 2004 dazu, nachdem wir schon drei Jahre vorher begonnen hatten, Kanzleien mit einer besonders dynamischen Entwicklung in bestimmten Fachbereichen oder Regionen in den einzelnen Kapiteln des Handbuchs besonders hervorzuheben unter dem Titel "Kanzlei des Jahres für ...". ![]() Das JUVE-Handbuch für Wirtschaftskanzleien aus 2007/2008 Was genau ist Ziel des Handbuches? Transparenz zu schaffen war von Anfang an die Hauptmotivation - eben die typische Aufgabe einer Branchenpresse. Als JUVE angefangen hat, gab es für Mandanten, Nachwuchs und die praktizierenden Anwälte kaum Informationen über Kanzleien, die nicht von diesen selbst stammten oder als Einzelmeinung über persönliche Kontakte kommuniziert wurden. Wir waren der Meinung, dass alle Marktteilnehmer im Anwaltsmarkt wie in jeder anderen Branche die Möglichkeit haben sollten, sich an neutraler Stelle zu informieren. Unsere Aufgabe ist es, bei Insidern so viele Fakten und Meinungen zu recherchieren, dass wir in der Lage sind, Entwicklungen in der Branche zu analysieren sowie Marktmeinungen und Trends abzubilden. Das erlaubt Wettbewerbern wie Mandanten, sich einen Überblick zu verschaffen, den sie sich alleine nicht würden erarbeiten können. Dadurch können sie informiertere Entscheidungen bezüglich ihrer Karriere, Geschäftsentwicklung oder ihres Mandatierungsverhaltens treffen. Welche Vorbilder gab es für ein solches Handbuch und einen solchen Award? Wie erwähnt waren die Märkte in Großbritannien (und bis zu einem gewissen Grad in den USA) unser Vorbild, da die Anwältsmärkte und eine entsprechende Branchenpresse dort etwas früher weiter entwickelt waren. In Deutschland dagegen mussten wir Anfangs echte Pionierarbeit leisten. Es gab keine deutschen Produkte an der wir uns bei der Konzeption unserer Publikationen orientiert hätten. Wie waren die ersten Erfahrungen mit den Kanzleien? Mussten sich die deutschen Kanzleien und Anwälte erst an die Weitergabe von Informationen und transparentere Strukturen sowie an Rankings gewöhnen? Da gab es alles von schroffer Ablehnung, vorsichtiger Annäherung und anderen, die Spaß daran hatten, dass da etwas Neues entstand. Einige Anwälte haben uns gerade in der Anfangszeit sehr mit Gesprächen über den Kanzleienmarkt, Strukturen und Entwicklungen unterstützt. Dafür sind wir Ihnen noch heute sehr dankbar. Das Gleiche gilt für einige fortschrittliche Inhouse-Juristen. Es gab allerdings auch viel Empörung über die Tatsache, dass wir die Arbeit der Kanzleien kritisch beleuchteten und dadurch ja auch einen gewissen öffentlicher Druck entstand. Am deutlichsten äußerte sich diese Ablehnung in einem von einer Münchner Kanzlei initiierten Prozess um die Zulässigkeit von Rankings, der erst nach 7 Jahren und den Weg über das Bundesverfassungsgericht zu unseren Gunsten entschieden wurde. Wie sichern Sie sich ab, dass die Zahlen und Werte, die Sie Ihrer Beurteilung zugrunde legen, tatsächlich stimmen? Eine möglichst große Quellenbasis, größte journalistische Sorgfalt, Spezialisierung innerhalb der Redaktion und Erfahrung durch langfristige Beziehungen sind für uns zentrale Voraussetzungen, um zu vermeiden, dass man den Objekten der Berichterstattung Unrecht tut beziehungsweise sich von ihnen benutzen lässt. Grundlage von Bewertungen sind allerdings nicht nur Zahlen, also harte Fakten, sondern auch sehr viele subjektive Äußerungen. Hier geht es nicht so sehr darum sicherzustellen, dass die Informationen korrekt sind, sondern dass sie nicht durch Dinge motiviert sind, die mit der Sache nichts zu tun haben wie beispielsweise Freundschaft oder Verwandtschaft auf der einen Seite oder Antipathie aufgrund von Wettbewerbssituationen auf der anderen. Der JUVE-Award ist nicht frei von Kritik. Vor allem die Kriterien für die Entscheidung seien zu wenig transparent, wird vorgebracht. Das ist ein harter Vorwurf, da die Transparenz unser eigenes Credo ist. Eine solche Sichtweise rührt meist von der Suche nach objektiven Kriterien her. Wir sind aber der festen Ansicht, dass man einen Beratungsmarkt nicht nur mit Zahlen und Fakten aufbereiten kann. Sollte die Kanzlei, die die meisten Anwälte eingestellt hat oder den größten Umsatzzuwachs erreichen konnte, den Preis bekommen? Das wäre ziemlich langweilig. Als Journalisten sind wir vielmehr auf der Suche nach einer Geschichte, eben der Erfolgsgeschichte des Jahres. Es geht ja auch nicht um die Besten, sondern um diejenigen Kanzleien, die in einem Jahr die dynamischste Entwicklung vorgelegt haben, d.h. sich im Verhältnis zum Gesamtmarkt, ihrer eigenen bisherigen Marktposition und ihren eigenen Ansprüchen besonders entwickelt haben. Dieser Ansatz wird zum Beispiel in der Einleitung zum JUVE Handbuch und den Seiten im Handbuch, die die Kanzleien des Jahres vorstellen, beschrieben. In der an den Awards verteilten Broschüre beschreiben wir außerdem die Praxen der Nominierten und Sieger und liefern Beispiele aus deren Arbeit im vergangenen Jahr, die entscheidend für unsere Auswahl waren. Kritiker sagen, die große Anzahl von verschiedenen Preisen mit der Nennung der ersten vier Plätze sichere, dass sich niemand übergangen fühlen muss, weil quasi jede größere Kanzlei irgendwo untergebracht werden könne. Wäre das so, müsste man den Kritikern sogar Recht geben. Tatsächlich wird aber jede Preisvergabe und jede Nominierung von den jeweils zuständigen Fachredakteuren unabhängig von Nominierungen in anderen Kapiteln intern diskutiert und in den entsprechenden Texten sorgfältig argumentiert. Im Übrigen gab es bisher in jedem Jahr Großkanzleien, die in keiner Kategorie Sieger und auch nirgends nominiert waren, was auch regelmäßig von Marktteilnehmern kommentiert wird. Einige Namen von Topkanzleien wie Shearman & Sterling, Hengeler Mueller, Baker & McKenzie, Beiten Burkhardt fallen uns in dem Zusammenhang ein. Es fällt auf, dass noch kein Unternehmen/Kanzlei den gleichen Preis zweimal hintereinander gewonnen hat? Auch das hängt damit zusammen, dass wir eben nicht die Besten auszeichnen, sondern die, die eine tolle Entwicklung hinlegen. Wer im zweiten Jahr wieder den Award gewinnen will, müsste also wirklich ganz Außergewöhnliches leisten. Ein weiteres ebenso erfolgreiches Jahr genügt da sicher nicht. Das muss man von einer "Kanzlei des Jahres" schon erwarten, dass sie sich dann auch bewährt. Mittlerweile hat sich der JUVE-Award zu der gesellschaftlichen Veranstaltung innerhalb der deutschen Kanzlei-Landschaft gemausert, Kanzleien und Unternehmen führen einen JUVE-Award in ihrem Portfolio. Gab es auch schon einmal Ärger um eine Entscheidung? Natürlich teilen nicht alle unsere Meinung über die Auswahl. Aber eine Entscheidung auch mal in einer kontroversen Diskussion zu verteidigen, gehört zu unserem Metier. Das sind wir ja auch aus regelmäßigen Diskussionen um Ranking-Platzierungen und Bewertungen im Handbuch und die Berichterstattung in JUVE Rechtsmarkt und den wöchentlichen Nachrichten gewöhnt. Wie finanziert sich JUVE eigentlich? Wie bei praktisch allen Pressepublikationen bildet das Anzeigengeschäft mit weitem Abstand die wichtigste Einnahmequelle. Abonnements und Direktverkauf kommen deutlich dahinter. Es gibt die Möglichkeit anlässlich des JUVE-Awards zu spenden. Gehen die Spendenbeiträge in vollem Umfang an die Hilfsprojekte? Ja. Wir ziehen auch keinen Bearbeitungsaufwand ab. Es ist nämlich auch uns ein echtes Anliegen, die von uns ausgewählten Organisationen zu unterstützen. Wäre es nicht auch möglich, JUVE-Awards an einzelne Rechtsanwälte aus den verschiedenen Rechts-Bereichen zu verleihen? Das würde einzelne Anwälte in den Fokus auch der nichtjuristischen Öffentlichkeit bringen. Man kann über alles nachdenken. In Holland und in Großbritannien zum Beispiel werden bei den dortigen Preisverleihungen durchaus Awards für M&A-Anwalt des Jahres, Nachwuchsanwalt des Jahres oder ähnliches vergeben. Wir haben uns bisher zwar dagegen entschieden, würden es aber für die Zukunft nicht ausschließen. Auch eine Art Award für das Lebenswerk wäre denkbar. Wäre es nicht möglich, den Anwendungsbereich des Handbuches bzw. des Awards auf die Hochschulen auszuweiten? Beurteilungen von Hochschulen, Bibliotheken, Austauschprogrammen, das wäre für Studenten, auch aus dem Ausland, sehr spannend? Es wäre sicher interessant, auch in diesem Bereich mehr Transparenz zu schaffen. Allerdings haben wir im Moment auch die Ausweitung unserer Produkte in einigen anderen Bereichen geplant. Als kleiner Verlag kann man natürlich nur wenige neue Projekte gleichzeitig angehen, wenn man die Qualität der Recherche sichern will. Denn jede Recherche in neuen Segmenten erfordert ziemlich viele zusätzliche Kapazitäten. Wir haben allerdings tatsächlich gerade begonnen, die Berichterstattung für Studenten und Referendare auszuweiten und haben im Februar 2007 erstmal die Sonderausgabe azur-Anwaltskarriere veröffentlicht. Auch für die azur-Website sind künftig noch weitere Themenbereiche geplant - in diesem Rahmen könnte man vielleicht auch die genannten Themen aufgreifen. In ihrem Redaktionsteam finden sich relativ wenige Juristen. Ist der Redakteurs-Beruf nichts für Juristen? Bei uns arbeiten derzeit vier Juristen, die anderen Redaktionskollegen sind Geisteswissenschaftler, Historiker, Politologen oder Ökonomen. Diese Mischung ist im persönlichen Umgang miteinander und im Arbeitsalltag sehr fruchtbar. Wir sehen uns als Wirtschaftsjournalisten, die sich mit einer bestimmten Branche (nämlich den Anwälten) beschäftigen und sind der Meinung, dass sich gute Journalisten in fast jedes Thema einarbeiten können müssen. Man kann also durchaus als Jurist bei uns arbeiten, muss aber keiner sein. Das Interview führte Karsten Schneidewindt; Foto: juraforum.de-archiv JUVE-Homepage: www.juve.de |
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