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DIE SPORTRECHTLERIN - Julia Feldhoff-Mohr von Beiten Burkhardt

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Alt 15.08.2007, 09:43
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DIE SPORTRECHTLERIN - Julia Feldhoff-Mohr von Beiten Burkhardt

Julia Feldhoff-Mohr ist Associate bei Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und bildet gemeinsam mit Dr. Dirk-Reiner Martens - der u. a. Schiedsrichter am Court of Arbitration of Sports (CAS) in Lausanne ist - eines der renommiertesten Sportsrechts-Duos der Republik.

Im Interview beschreibt Julia Feldhoff-Mohr ihren "eigenen Weg" zum Sportrecht und woran sie gerade arbeitet. Außerdem klärt sie die Frage, ob sie sich als Frau als Exot im Sportrecht fühlt ...

Interview mit Julia Feldhoff-Mohr, Associate bei Beiten Burkhard Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und Spezialistin im Sportrecht


Rechtsanwältin Julia Feldhoff-Mohr

Frau Feldhoff-Mohr, entschuldigen Sie die nicht ganz klischeefreie Frage, aber sind Sie als Frau ein Exot im Sportrecht?
Sicherlich sind Frauen im Sportrecht noch in der Minderheit. Aber letztlich ist es nicht anders als in der Welt der Großkanzleien insgesamt. Insofern fühle ich mich im Sportrecht nicht als Exot. Im Gegenteil, ich habe eher das Gefühl in dem begrenzten Kreis der Sportrechtler wird die Tätigkeit von Frauen eher "sportlich" betrachtet, d.h. als nichts Besonderes.

Sie bilden mit Herrn Dr. Martens eines der bekanntesten „Sportrechts-Teams“ in Deutschland. Woran arbeiten Sie gerade?
Wir beschäftigen uns derzeit zum Beispiel mit der Überarbeitung von Doping-Regularien des Internationalen Kanu Verbandes (ICF) und zweier nationaler Sportverbände. Zudem beraten wir die BOC 2009 GmbH - die Gesellschaft, die die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin 2009 organisiert – beim Abschluss ihrer Marketingverträge. Unser Dauermandant, die FIBA (International Basketball Association, Anm.d.Red.), die Herr Martens seit über 20 Jahren berät, stellt in der Regel täglich kleinere Anfragen aus den Bereichen Transfers, Doping, Vertragsabschlüsse usw. Gerade letzte Woche haben wir für einen anderen Mandanten die Verhandlungen eines Sponsoringvertrages mit einem Fußball-Zweitligisten abschließen können.

Haben Sie selbst eine „Sportvergangenheit“?
Ich habe selbst keinen Leistungssport betrieben, war aber begeisterte Springreiterin, habe auch sehr viel Tennis gespielt und fahre seit meiner Kindheit Ski. Der Profisportler in der Familie war mein Vater, daher war Sport bei uns immer ein großes Thema. Er hat beim VfL Gummersbach gespielt, war Handball-Nationalspieler und Olympiateilnehmer in München 1972.

Dann werden Sie bei der Handball-WM in Deutschland mitgefiebert haben?
Sehr sogar. Ich war mit meinen Eltern während der WM am Arlberg Skifahren. Von der Piste ging es dann direkt vor den Fernseher. Wir haben aus den Spielen der deutschen Mannschaft ein richtiges Fest gemacht, vor allem beim Wahnsinnshalbfinale gegen Frankreich. Mit zwei Karten für das Finale in der Kölnarena sind meine Eltern dann gerne aus dem Urlaub abgereist.

Wie kamen Sie zum Sportrecht?
Nach der Schule stand ich vor der Entscheidung: (Sport-) Journalismus oder Jura? Es wurde dann Jura mit dem Ziel, Sport und Journalismus in meine Ausbildung so häufig einzubauen, wie es geht. Als ich ein Thema für ein Seminar im Arbeitsrecht auswählen musste, habe ich ein sportrechtliches Thema vorgeschlagen, das in Bezug zu einem Profisportler stand. Nach dem Ersten Examen habe ich die Wartezeit auf das Referendariat für Prakika genutzt: Zunächst war ich im Hauptstadtbüro des SPIEGEL, danach beim Vorsitzenden des Sportrechtsausschusses im Bundestag. Im Referendariat habe ich eine Kommunikationsagentur gefunden, die im Sportbereich tätig ist und einen Juristen beschäftigt. Die Wahlstation habe ich im Brüsseler Büro des DSB und NOK (EU-Büro des Deutschen Sports) und beim ZDF verbracht.
Nach dem zweiten Examen habe ich kurz überlegt, mich bei Verbänden zu bewerben, habe mich dann aber für die Großkanzlei entschieden. Mir war es sehr wichtig einen erfahrenen Sportrechtler als Mentor zu haben, bei dem ich lernen kann.

Ihr Kollege (und Mentor) Herr Dr. Martens ist Schiedsrichter am Court of Arbitration for Sport in Lausanne. Inwiefern sind Sie in diese Tätigkeit eingebunden?
Die Vorsitzenden eines Schiedsgerichts beim CAS arbeiten häufig mit so genannten ad hoc-clerks zusammen. Das sind meist Associates wie ich. Diese ad-hoc clerks sind bei den Hearings dabei und unterstützen den Vorsitzenden bei dem Entwurf der Urteile.

Wie wird man als Rechtsanwalt Schiedsrichter am Court of Arbitration for Sport (CAS) in Lausanne?
Man kann sich ganz normal bewerben, benötigt eine gewisse Nähe zum Sport und auch zur Schiedsgerichtsbarkeit an sich. Weiterhin sollte man eine der „Amtssprachen“ des CAS beherrschen. Im Ergebnis entscheidet der International Council of Arbitration for Sports (ICAS), wer Schiedsrichter am CAS wird.

CAS-Richter sein ist das eine, als Schiedsrichter von den Parteien ausgewählt zu werden, etwas anderes? Nach welchen Kriterien entscheiden die Parteien bei der Auswahl?
Nach meiner Einschätzung zählen gerade im Rahmen der Schiedsgerichtsbarkeit besonders die Erfahrung und der Name, den man sich in der der Sportrechtsbranche insgesamt und in der Sportschiedsgerichtsbarkeit im Speziellen erarbeitet hat. Wer – wie Herr Martens - einen internationalen Verband als Rechtsanwalt betreut, der ist präsent bei den wichtigen Konferenzen, nimmt an Seminaren teil und wird in der Branche wahrgenommen. Zusätzlich ist es sicher von Vorteil, wenn man in einer internationalen Institution tätig ist, sei es in einer Kanzlei oder anderswo. Es versteht sich von selbst, dass letztlich die Qualität der Arbeit, insbesondere die in vorhergehenden CAS-Verfahren entscheidet, wie gefragt man als CAS-Richter ist.

Ist die Tätigkeit als CAS-Richter lukrativ?
In finanzieller Hinsicht ist die Antwort eindeutig: Nein! Die „Stundenlöhne“ beim CAS sind im Vergleich zu den gängigen einer Großkanzlei eher niedrig, reich wird man als Schiedsrichter beim CAS nicht. Als CAS-Richter zu arbeiten hat aber sicher „mittelbare Vorteile“. Wer in der Branche als Anwalt tätig sein möchte, steigert durch eine regelmäßige Tätigkeit beim CAS sicher seine Reputation. Es ergeben sich Kontakte, aus denen sich bestenfalls Mandate ergeben.

Besteht nicht die Gefahr, dass es zu Interessenskollisionen kommt, wenn man als CAS-Richter und als Rechtsanwalt im Sportrecht tätig ist?
Wenn Sie auf ein Problem hinsichtlich der Neutralität der Richter abzielen, sehe ich diesen Konflikt nicht, soweit es sich um völlig unabhängige Verfahren handelt. Beispiel: Warum sollte der Schiedsrichter in einem Transferverfahren zwischen zwei asiatischen Fußballklubs nicht Parteivertreter eines brasilianischen Verbandes wegen eines Dopingvergehens sein? Das „Problem“ kann natürlich sein - wie oben bereits angesprochen -, dass die Gruppe der Sportrechtler im Vergleich zu anderen Rechtsgebieten eher klein ist, aber gerade die Rechtsanwälte die größte Erfahrung in diesem Bereich haben. Sie sind also prädestiniert für die Tätigkeit als Schiedsrichter beim CAS.

Ein Blick in die Regularien für CAS-Verfahren erweckt den Eindruck, dass der CAS-Schiedsichter in der Verfahrensgestaltung, vor allem in zeitlicher Hinsicht, große Freiheiten besitzt? Stimmt das?
Das ist richtig, die Flexibilität des CAS-Verfahrens macht seinen Reiz aus. Der Vorsitzende Schiedsrichter kann Fristen festlegen, er kann bestimmen, wann das Hearing stattfinden oder welcher Zeuge gehört werden soll. Aber diese Flexibilität hat auch ihre Grenzen: z.B. gibt es zeitliche Vorgaben für die Dauer eines Verfahren vor dem CAS. Grundsätzlich sollen zwischen Beginn des Verfahrens und der Entscheidung nicht mehr als 6 Monate liegen.

Die CAS-Schiedsrichter werden häufig für ihre Entscheidungen in Sportrechtsfällen kritisiert. Vor allem bei Entscheidungen im Rahmen von Olympischen Spielen wird der Vorwurf laut, die Entscheidungen würden nicht dem Geist des Sports entsprechen. Tut zu viel Recht dem Sport nicht gut?
Vielen Dank für diese Frage! Denn hier steht der CAS zu Unrecht in der Kritik. Die CAS-Schiedsrichter entscheiden allein aufgrund der von den Sportverbänden vorgegebenen Regelwerke, sie bilden das „Gesetz“ auf dessen Grundlage die Richter entscheiden müssen. Es ist nicht etwa so, dass die Skiläuferin Evi Sachenbacher bei Olympia in Turin 2004 für das erste Rennen suspendiert wurde, weil die Richter des ad-hoc-Gerichts eine Laune auslebten. Vielmehr gab es eindeutige Richtwerte, die die Richter ihrer Entscheidung zugrunde legen mussten. Jeder Fall kennt klare Vorgaben, an die sich die Richter des CAS zu halten haben und die den Richtern kaum Entscheidungsspielraum lassen.

Als gefragte Sportrechtlerin wird man doch bestimmt schnell zur Lehrkraft, muss Vorträge halten.
Ja, das ist richtig, z.B. werde ich nächste Woche im Rahmen des FIFA-Master-Studienganges eine Vorlesung in Neuchâtel halten. Ich bin selbst überrascht, wie schnell diese Entwicklung geht. In meinen zweieinhalb Berufsjahren habe ich tatsächlich bereits einige sehr interessante Verfahren betreut und dabei das Sportrecht intensiv kennengelernt, so dass ich Einiges davon weitergeben kann. Das liegt in meinem Fall sicher daran, dass ich außergewöhnlich viel, zu 100%, mit sportrechtsbezogenen Mandaten beschäftigt bin und in Herrn Dr. Martens einen besonders erfahrenen Mentor habe.

Welchen Tipp würden Sie Studenten und Referendaren geben, die sich im Sportrecht etablieren wollen?
Es gibt aus meiner Sicht keinen „Idealweg“. Sicher ist es wichtig, mit den Strukturen des Sports vertraut zu sein. Was heißt das? Verbandsaufbau kennen, welche Rechtsprobleme tauchen im Sport auf? Was ist Sportrecht überhaupt? Aus meiner Sicht sollte man versuchen, neben den juristischen Kenntnissen auch wirtschaftliche Aspekte in die Ausbildung mit einfließen zu lassen. Ich halte z.B. einen MBA für sehr sinnvoll. Gekoppelt mit einer stringenten juristischen Ausbildung und durch den Lebenslauf dokumentierte Erfahrungen im Sport(recht) ist man dann für eine Tätigkeit im Bereich des Sportrechts gut gewappnet.

Können sich Studenten und Referendare gezielt bei Ihnen bewerben, um im Sportrecht ausgebildet zu werden?
Das geht natürlich. Wir können Studenten und Referendare sehr gut einbinden. Natürlich sitzt man als Referendar nicht mit dem Profisportler am Tisch und spricht Verträge durch, aber ich bin sicher, dass man bei uns viel Interessantes mitnehmen kann. Der Bewerber kann sich auf dem ganz normalen Weg an die Kanzlei wenden oder die Bewerbung direkt an Herrn Dr. Martens oder an mich richten.

Lässt Ihnen die Tätigkeit in einer Großkanzlei eigentlich noch Zeit zum Sporttreiben?
Natürlich habe ich nicht so viel Zeit zum Sporttreiben wie ich es mir wünschen würde. Aber das nehme ich für diesen spannenden Job gerne in Kauf. Seit ich in München bin nutze ich aber gerade die Wochenenden, um vor allem Ski und Mountainbike zu fahren. Hier spielt München seine geographischen Vorteile aus, das muss ich auch als Rheinländerin zugeben.

Auf welches zukünftige Sportereignis freuen Sie sich besonders?
Wahrscheinlich möchten Sie jetzt so etwas wie Peking 2008 hören, aber ehrlich gesagt, freue ich mich riesig auf mein Tennismatch am Wochenende und die Mountainbike-Tour, die wir geplant haben.

Gibt es einen Sportler, der Ihnen imponiert?
Mich haben die Persönlichkeit und die Erfolge von André Agassi begeistert. Er war am Anfang ein Freak, musste mit persönlichen und sportlichen Rückschlägen fertig werden, hat es dann aber doch wieder zurück an die Weltspitze geschafft. Das imponiert mir.

Das Interview führte Karsten Schneidewindt


Nächste Woche lesen Sie:
  • Ausbildungsangebote für Juristen im Sportrecht (national, international)
  • Literatur und Informationsquellen Sportrecht (national, international)
  • Kanzleien, Einrichtungen und Organisationen im Sportrecht (national, international)


Übersicht der bisher erschienen Interviews:
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