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36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Dies ist eine Diskussion zu 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave? innerhalb des Forums Sozialrecht

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Alt 04.09.2011, 23:46
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36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Hallo ihr Füchse,

hier mal wieder ein fiktiver Fall aus Absurdistan, obwohl es mir eigentlich um eine grundsätzliche Frage geht. Doch die zum Schluss.

Mal angenommen X (52, mehrere Fremdsprachen, Handelskammerabschluss und 4 Semster Uni)arbeitet sozialversicherungspflichtig im Dienstleistungsbereich im Stehen, und weil der Job sehr anstrengend und stressig mit sehr viel Kundenverkehr und Kassenverantwortung ist, nur vier Tage die Woche, so dass das Job-center monatlich 36,- Euro dazu gibt. Nach ca. 6 Wochen flattert X nun ein Brief des Job-Centers ins Haus, mit dem X nun wirklich nie gerechnet hätte.

Text: " Sie unternehmen alles um Ihr Beschäftigungsverhältnis zu erhalten und auszubauen. Die Einkommensnachweise senden Sie umgehend das Jobcenter (das Wörtchen "an" wurde schon mal vergessen).

Darauf würde X am Liebsten antworten: Was glauben Sie eigentlich? Ich renne seit drei Tagen mit einem grippalen Infekt zur Arbeit, um sie nicht zu verlieren, da ich ja noch in der Probezeit bin, obwohl mich die Chefin und Kolleginnen schon seit Mai 2008 als 400,- Euro Kraft kennen.

Weiterhin kann X nicht glauben, dass, Zitat " Halten Sie sich innerhalb des zeit- und ortsnahen Bereiches auf, muss sichergestellt sein, dass Sie persönlich an jedem Werktag an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt unter der von Ihnen benannten Anschrift durch Briefpost erreichbar sind. Sie sind verpflichtet, Änderungen.....unverzüglich mitzuteilen und bei einer Ortsabwesenheit...vorab die Zustimmung des persönlichen Ansprechpartners einzuholen."

Hä, sind die noch ganz dicht? X arbeitet und bekommt lediglich 36,- Euro dazu.

Werden denn an Wohngeldempfänger dieselben harten Bandagen gelegt? Immerhin sind diese auch hilfbedürftig und erhalten Gelder aus der Staatskasse.

Könnte es sein, dass Deutschland ganz bewusst (kein Mindestlohn, dafür aber Aufstockung, deren Bedingungen doch stark an Feudalherrschaft erinnern) ängstliche Sklaven heranzüchtet, die, obwohl sie arbeiten, behandelt werden, als wenn sie es nicht täten? Ist das noch mit dem GG vereinbar?

Liebe Grüße aus Berlin,

toelpel21
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Alt 05.09.2011, 07:26
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Zitat:
Zitat von toelpel21 Beitrag anzeigen
Hä, sind die noch ganz dicht? X arbeitet und bekommt lediglich 36,- Euro dazu.
X könnte ja auf die 36 Euro verzichten und wäre dann den ganzen Ärger los.

Zitat:
Ist das noch mit dem GG vereinbar?
Man kann darüber streiten, ich meine aber: ja. Empfänger von staatlichen Leistungen müssen sich verpflichten, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um aus der Hilfsbedürftigkeit herauszukommen. Dazu gehört auch, Jobangebote annehmen zu können.

Nur wenige werden sagen, das sei ungerecht für "voll-Hartz-Empfänger". Was macht man aber mit denen, die nur Teilbeträge erhalten? Welche Grenze soll man setzen? 100 Euro? 10 Euro? 20 cent?

OT: Eigentlich schade, dass jemand mit höherer Qualifikation "stehend im Dienstleistungsbereich" unter Hartz-Niveau arbeitet. Das kann man auch teilweise dem Staat anlasten, aber das ist ein anderes Thema.
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  #3 (permalink)  
Alt 05.09.2011, 08:06
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Für die Zeit nach dem grippalen Infekt im Büro etwas Lesestoff:

"§ 2 Grundsatz des Forderns
(1) Erwerbsfähige Leistungsberechtigte und die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen müssen alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit ausschöpfen."

Wie von Humungus erwähnt, gibt es bei gewissen Ge- und Verboten keine quantitativen Einschränkungen. Wozu auch? "Betreten der Baustelle verboten" heißt ja auch nicht "Diese Vorschrift greift nach einMeterfünzig hinter dem Zaun!"!

Bei einer ungenehmigten Ortsabwesenheit fällt im Modellfall aber lediglich einEuroNochwas weg pro Tag Abwesenheit, bei einem Voll-Empfänger mit Mehrbedarfen können es 25,- sein und mehr. Insofern gibt es doch mildernde Umstände bei weniger ALG II, mehr oder weniger.

Gruß aus Berlin, Gerd

PS. Zum Thema Bedingungen für Leistungen: Wenn es am Rummel heißt, "Jeder Erwachsene über 40, der seinen Opa mitbringt, kriegt eine Riesenrostbratwurst gratis!", und ich komme hin mit Opa und lamentiere, "Ich werde aber in 36 Tagen 40! Warum kriege ich keine Riesenrostbratwurst?",

dann muss ich mich halt fragen, ob haltloses Lamentieren bei anderen Menschen gut ankommt. Vom Rechtlichen mal abgesehen, da nützt es eh nischt ...
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Geändert von Gerd aus Berlin (05.09.2011 um 08:06 Uhr). Grund: Tippfehler
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  #4 (permalink)  
Alt 05.09.2011, 14:55
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Hallo Gerd,

Danke für die ausführliche Antwort.

Trotzdem bleibt etwas im Unklaren, denn:

Wenn ein Wohngeldempfänger tagelang ortsabwesend ist, der ja auch bedürftig ist und somit Leistungen erhält, um überleben zu können, muss er sich dann auch vorab die Zustimmung des zuständigen Sachbearbeiters beim Wohnungsamt einholen?

Falls nicht, wäre dies doch eine Ungleichbehandlung von Hilfsbedürftigen. Da könnte X doch überlegen, ob er statt der 36,- Euro vom Job-Center nicht lieber Wohngeld beantragt, denn bei einem Einkommen von netto 877,- Euro und einer zukünftigen Warmmiete von 390,- Euro (Ja X wagt es, sich eine eigene Wohnung zu mieten in einem anderen Zuständigkeitsbereich)müsste es dort doch auch einen Zuschuss geben.

X quält immer noch die Frage: Wenn der Staat einen Mindestlohn verhindert, so dass immer mehr Menschen durch das Job-Center aufstocken müssen, diese Menschen aber dann andererseits durch irrwitzige Vorschriften drangsaliert und in ihrer persönlichen Freiheit beschnitten werden, obwohl sie den Moralvorstellungen dieser Gesellschaft genügen, geht das nicht etwas zu weit und greift die Würde eines arbeitenden Menschen an???


Liebe Grüße, demnächst statt aus einem Zimmer in Friedenau aus einer Wohnung in 13347

toelpel21
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Alt 06.09.2011, 14:06
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Hart und bitter ist nicht nur das Brot der frühen Jahre oder das Gnadenbrot, sondern auch das aufstockende Brot per ALG II. Falls man die international vergleichsweise moderaten Bedingungen dafür als hart und bitter empfindet ...

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für Arme gibt es nunmal nicht, und auch keine Ausnahme von den Bedingungen für ALG II unter einer gewissen Summe. Sowas gab es mal für Leute ab 58, also ohne Vermittlungschancen gleich ohne Vermittlungsbemühungen, aber das wurde wieder abgeschafft.

So lange also eine Firma B möglicherweise für eine Arbeit, für die Firma A so wenig bezahlt, dass das JobCenter 35,- Euro aufstockt, 35,- Euro mehr zahlt, muss man sich eben um Arbeit bemühen, so bei Firma B. Alles andere würde keine Zustimmung finden, nirgendwo, außer in esoterischen Zirkeln.

Gruß aus Berlin, Gerd
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Alt 10.09.2011, 18:11
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Ich hab da was Schnuckeliges aus meinem JobCenter des Misstrauens, passend zur Ortsabwesenheit und aufstockendem ALGII-Bezug:

Klick

Ja, es mag sich hier nicht um Vollzeit handeln, aber... immer nützlich zu wissen, wie ich finde

Dopamin
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Alt 11.09.2011, 13:28
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Vielen Dank Dopamin,

das ist ja mal wieder ein starkes Stück. Leider muss man sich aber wohl trotz Arbeit, im fiktiven Fall ja nur 28 Stunden die Woche, beim Job-Center die Urlaubsgenehmigung holen. Das Job Center fordert sogar die Krankmeldung ein, die der Arbeitnehmer aber an den Arbeitgeber zu entrichten hat. Vielleicht werden hier einfach nur irgendwelche Textbausteinchen unsinnig zusammengeführt, vielleicht ist aber alles noch viel schlimmer. Denn wird nicht immer wieder betont, dass Arbeit sich lohnen müsse, und dass es besser sei, aufzustocken als gar nicht zu arbeiten? Ist es aber dann nicht, wenn der Aufstocker genauso schlecht behandelt wird wie der, der gemütlich zu Hause bleibt. Diese Politik erinnert an Feudalherrschaft: Einerseits werden Mindestlöhne verhindert, so dass Millionen aufstocken müssen, andererseits werden diese Arbeitnehmer dann als Dank so behandelt, als wären sie arbeitsscheu. Ich
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Alt 11.09.2011, 17:49
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Über den Irrsinn der Jobpolitik kann man lange diskutieren, insbesondere über 1-Euro-Jobs und über Jobs, die so schlecht bezahlt sind, dass man Sozialleistungen braucht. Ist aber OT.

*Beutel reich*
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Alt 11.09.2011, 20:46
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Jo, sorry, da sind die Pferde mit mir durchgegangen. Kommt nicht wieder vor.
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  #10 (permalink)  
Alt 12.09.2011, 00:53
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AW: 36,.- Euro Aufstockung und immer noch Sklave?

Nich kleinkriegen lassen: Amtsschimmel - die sind halt soooo...

Übrigens sollte man die Wohngeld-Option mal vom Wohngeldamt prüfen lassen - ich habe keine Beträge im Kopf, aber wenn der Bedarf nicht ARG unterdeckt ist, kann man statt ALGII-Aufstockung auch Wohngeld beantragen und ist die *zensiert*-Bande los.

Ich kann vieles entspannter sehen - mit Chefs die hinter mir stehen und wenns grad nottut (was bisher nur einmal heftich vorkam) das Amt rotieren lassen...

Was solls, der nächste Ärger ist vorprogrammiert, wo ich juristische Unterstützung herbekomme weiss ich, leider hakts grad an der medizinischen um den GAU zu vermeiden, aber auch das sehe ich grad eher locker: Wat mutt, dat mutt - wie man hier gern zu sagen pflegt. Wers braucht solls bekommen, gut, hilft mir persönlich nu nich weiter wenns ganz dumm kommt, aber nun denn, das JobCenter ist glücklich und zufrieden, dass wieder einer mehr dort wohnt wo er hingehört (in einem Stadtteil mit eh schon hoher Quote an ALGII-Beziehern weit weg vom bisherigen sozialen Umfeld). Dass dieser bisherige Aufstocker mit Perspektive dann u.U. am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit ins SGB XII abgeschioben wird - uns doch egal! WAS interessiert das das JobCenter? Raus aus der Statistik ist das einzige was zählt - und wenn Du Dich umschaust, gibt doch viele die das genauso sehen. Soll das faule Pack endlich lernen was Arbeit ist...

Sorry, hätte hier wohl rausbleiben sollen, bin grad vom Job zurück...

Wie gesagt, echauffieren lohnt nicht, sollen se sehen was se am Ende davon haben - da wird bei durchschnittlich begabten Menschen irgendwann Al Kaida das kleinste unserer Probleme werden... Nicht, dass ich das so toll finden würde, aber nachvollziehen könnte ich das durchaus.

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