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sehr private Daten als HA eingefordert

Dies ist eine Diskussion zu sehr private Daten als HA eingefordert innerhalb des Forums Schulrecht und Hochschulrecht

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Alt 04.12.2010, 18:55
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sehr private Daten als HA eingefordert

Liebe Forumer,

eine fiktive Lehrerin im Fach Lebenskunde-Ethik-Religion (LER) will im Land Brandenburg eine HA mit zwei Noten bewerten. Diese HA soll im fiktiven Fall die Anfertigung eines mind. 10seitigen Hefters sein, der folgende Angaben des 12jährigen Schülers (7. Klasse) enthalten soll:

1. Meine Familie (mit Stammbaum)
2. Meine Freizeit
3. Meine Freunde (früher und heute)
4. Wichtige Ereignisse
5. Was ist typisch an mir (Ausdruck und Charakter)
6. Lieblingsdinge (-fächer, -orte, -sendungen, -farben, -sachen, - essen)
7. Meine Vorbilder/Idole

Meine Meinung zu dem fiktiven Fall ist, dass hier die Lehrerin über die Maßen in die Persönlichkeitsrechte des Schülers eingreift und Fragen stellt - und da sie es bewertet auch alles lesen wird - die sie überhaupt nichts angehen. Zumal es hier auch nicht nur um den Schüler sondern seine Familie und Freunde geht, die im Prinzip dann auch nicht mal wissen, was alles an die Lehrerin weitergegeben wird.

Was meint ihr dazu?

Viele Grüße
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  #2 (permalink)  
Alt 04.12.2010, 21:22
V.I.P.
 
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AW: sehr private Daten als HA eingefordert

Ein 10-seitiger Hefter? Gehts der Frau noch gut? Das ist ja schon fast eine Personalakte.

Das Begehren der Lehrerin geht über eine konkrete Fragestellung (beispielsweise: "wen verehre ich?" oder "wie sehe ich mich selber") weit hinaus, und es ist nicht ersichtlich, was das mit dem Unterricht zu tun hat, außer einem Seelenstripping. Hier werden die Persönlichkeitsrechte tatsächlich verletzt. Zu Teilen solch einer Aufgabe (selbst einem Stammbaum) könnte man wohl ja sagen, aber nicht komplett.

Eltern einschalten, und die sollten im Kampfknäuel mit der Lehrerin bzw. dem Vorgesetzten sprechen.
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  #3 (permalink)  
Alt 06.12.2010, 18:17
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AW: sehr private Daten als HA eingefordert

Vielleicht ist sie eine ehemalige Stasi-Mitarbeiterin.

Kann man ja glücklich sein das der Schüler das Sparkassenbuch nicht ablichten muss.

Es fängt ja schon bei dem Stammbaum an. Es braucht bloß ein Elternteil Hartz4-Empfänger sein und schon wird das Kind abgestempelt.

Oder lass mal nur eine/n Cousin/Cousine auf die gleiche Schule gehen der/die beim Direktor bekannt ist (nicht im positiven Sinne)
Da hat man es noch schwerer - in der Art - schau an, der/die gehört auch zu dieser Familie.

Und wie will die Lehrerin das bewerten ?

Will sie wohl wissen welche Eltern reich sind und sich schöne Urlaube und Freizeitaktivitäten leisten können und welche Familien arm sind (die somit vielleicht weniger berichten können und dann etwa schlechter benotet werden ?)


MfG
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  #4 (permalink)  
Alt 14.12.2010, 21:55
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AW: sehr private Daten als HA eingefordert

Wäre es denkbar, dass der fiktive 12-jährige Schüler seinen leidgeprüften Eltern die Aufgabe nicht ganz verständlich machen konnte?
So wie bei Handwerkern, Ärzten und Anwälten muss man natürlich auch bei Lehrern immer mit der größtmöglichen Gemeinheit rechnen, aber immer gleich davon ausgehen? Vor Anwendung des Kampfknäuels versuchen, friedlich miteinander zu sprechen fände ich trotzdem noch angemessen.

Die beschriebene Aufgabenstellung gibt doch aber auch Raum für flexible Interpretation. 9 Seiten Kapitel 4 (kriegt man aus der Zeitung), dann bleibt z.B. für den Stammbaum so wenig Platz, dass die Eltern grad noch mit hinpassen, und die sollten der Schule schon bekannt sein.
>>> Geheimisverrat nahezu ausgeschlossen.

Zum Schutz der fiktiven Lehrerin könnte ich ja noch anbringen, dass sie die Schüler vielleicht nur darauf stoßen will, sich selbst mit diesen Themen mal bewusst zu beschäftigen, was eigentlich gar nicht sooo blöd sein muss. Könnte sie (wenn man sie lässt) den Eltern ja auch erklären.

Wie gewichtig sind eigentlich LER-Noten für das weitere Fortkommen? Kann man sich damit den Abschluss richtig "versauen" oder geht das mehr in Richtung Teilnahmebestätigung?
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  #5 (permalink)  
Alt 15.12.2010, 15:37
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AW: sehr private Daten als HA eingefordert

Zitat:
Zitat von Teddy81 Beitrag anzeigen
Meine Meinung zu dem fiktiven Fall ist, dass hier die Lehrerin über die Maßen in die Persönlichkeitsrechte des Schülers eingreift
Naja, die Persönlichkeitsrechte werden hier nicht verletzt, dass ist Quark. Denn Fragen nach dem Stammbaum, der eigenen Freizeitbeschäftigung wie Hobbys, der Selbsteinschätzung oder der Lieblingsfächer werden selbst in einer Bewerbung für Auszubildende oder schulischen Praktikas angegeben. Also bitte.


Allerdings darf man sich wirklich fragen, was diese HA bezwecken soll, zumal sie NICHTS mit dem eigentlichen Fach zu tun hat, also weder mit Lebenskunde, noch mit Ethik und schon garnicht mit Religion. Diese Frage sollten jedoch die Eltern der Lehrerin stellen und nicht die Schüler.
Zitat:
Zitat von Vicky-D Beitrag anzeigen
Es fängt ja schon bei dem Stammbaum an. Es braucht bloß ein Elternteil Hartz4-Empfänger sein und schon wird das Kind abgestempelt.
Haben Sie schon einmal einen Stammbaum gezeichnet? Sicherlich nicht, denn dann wüssten Sie das der Beruf bzw die gegenwärtige Beschäftigung eines Familienmitgliedes völlig irrelevant sind. Also wie bitte schön können Dritte von der Tätigkeit der Eltern Kenntnis erlangen?

Sofern es sich um eine Gymnasialklasse handelt, sind 12 Seiten die mit 2 Noten gewertet werden, völlig ok.

Gruß

Pro
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  #6 (permalink)  
Alt 15.12.2010, 16:00
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AW: sehr private Daten als HA eingefordert

Zitat:
Zitat von Pro Beitrag anzeigen
Naja, die Persönlichkeitsrechte werden hier nicht verletzt, dass ist Quark. Denn Fragen nach dem Stammbaum, der eigenen Freizeitbeschäftigung wie Hobbys, der Selbsteinschätzung oder der Lieblingsfächer werden selbst in einer Bewerbung für Auszubildende oder schulischen Praktikas angegeben.
Auch dort gilt das Recht auf informelle Selbstbestimmung. Man kann die Aussagen verweigern,hat allerdings dann schlechte Karten bei der Bewerbung.
Zitat:
Allerdings darf man sich wirklich fragen, was diese HA bezwecken soll, zumal sie NICHTS mit dem eigentlichen Fach zu tun hat, also weder mit Lebenskunde, noch mit Ethik und schon garnicht mit Religion. Diese Frage sollten jedoch die Eltern der Lehrerin stellen und nicht die Schüler.
Wenn sie diese Fragen schlüssig beantworten kann, würde ich übrigens nichts gegen das Ausfüllen haben. In reduzierter Form, es sei denn, man hat zwei Wochen Zeit.
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  #7 (permalink)  
Alt 15.12.2010, 16:09
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AW: sehr private Daten als HA eingefordert

Zitat:
Zitat von Humungus Beitrag anzeigen
hat allerdings dann schlechte Karten bei der Bewerbung.
Du Eumel.
Zitat:
Zitat von Humungus Beitrag anzeigen
Wenn sie diese Fragen schlüssig beantworten kann, würde ich übrigens nichts gegen das Ausfüllen haben. In reduzierter Form, es sei denn, man hat zwei Wochen Zeit.
Gut, ein Zeitfaktor wurde vom TE nicht angegeben. Aber eine Woche sollte genügen.

Gruß

Pro
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  #8 (permalink)  
Alt 15.12.2010, 18:35
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AW: sehr private Daten als HA eingefordert

Wenn man das Thema "Bewerbung" im Hintergrund berücksichtigt, hat die Lehrerin eher einen Orden verdient als das Kampfknäuel. Die sachlich korrekte Beantwortung der gestellten Fragen ist so gut wie nicht nachprüfbar. Also ist es doch eine interessante und später durchaus alltägliche Aufgabenstellung für den Noch-Schüler: "Wie verkaufe ich mich selbst?" Das Ergebnis soll einigermaßen elegant und glaubhaft aussehen, kann aber in Wirklichkeit völlig an den Haaren herbeigezogen sein.
Das ist Lebenskunde in Reinkultur. Lügen zu können, zählt zu den grundlegenden "sozialen Kompetenzen", die den Menschen vom Tier unterscheiden!
Ich kann nur nicht ermessen, ob die 7.Klasse dafür vielleicht noch etwas früh ist.
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  #9 (permalink)  
Alt 16.12.2010, 08:19
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Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Wenn man das Thema "Bewerbung" im Hintergrund berücksichtigt, hat die Lehrerin eher einen Orden verdient als das Kampfknäuel. Die sachlich korrekte Beantwortung der gestellten Fragen ist so gut wie nicht nachprüfbar. Also ist es doch eine interessante und später durchaus alltägliche Aufgabenstellung für den Noch-Schüler: "Wie verkaufe ich mich selbst?" Das Ergebnis soll einigermaßen elegant und glaubhaft aussehen, kann aber in Wirklichkeit völlig an den Haaren herbeigezogen sein.
Endlich mal ein Beitrag von Ihnen, welchen ich nur begrüßen kann. Sehr gut.
Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Ich kann nur nicht ermessen, ob die 7.Klasse dafür vielleicht noch etwas früh ist.
Da man mit 14 Jahren (regulär 8 Klasse) ein erstes Praktikum absolviert, denke ich, dass diese Vorbereitung angemessen ist.

Gruß

Pro
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  #10 (permalink)  
Alt 18.12.2010, 11:17
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Vielen Dank für die vielen Antworten.

In dem fiktiven Fall liegen den Eltern die Tafelabschrift schriftlich vor, wo genau diese Gliederung erscheint. Auch hat die Lehrerin in einem fiktiv stattgefunden Gespräch diese Gliederung bestätigt.
Wir gehen weiter davon aus, dass dem Elternteil bei dem Gespräch ein anderer Hefter und ein Tagebuch (das hier mal angenommen abgegeben worden sein könnte) präsentiert wurden, mit dem Hinweis, wie viel Mühe sich andere Schüler damit gemacht hätten. Das Elternteil hatte hier also die Möglichkeit andere Hefter einzusehen. Die Hefter werden wohl auch auch beim Tag der offenen Tür präsentiert, könnte die Lehrerin in dem fiktiven Gespräch bestätigt haben.

In diesem fiktiven Gespräch soll auch geäußert worden sein, dass HA in Brandenburg lt. VV Leistungsbewertung Punkt 11 nicht ohne weiteres zu bewerten sind. Daher stelle sich in dem fiktiven Fall auch die Frage nach dem Aufwand und dem Nutzen in Bezug auf eine Note.

Mal angenommen, zu dem Gespräch wäre die Lehrerin und überraschenderweise auch noch die Jahrgangsstufenleiterin Kl. 7 erschienen, die dann später noch die stellv. Direktorin geholt hat und dann letztlich sogar noch die Direktorin selbst dazu kam, dann kann sich das fiktive Elternteil doch glücklich über so viel Aufmerksamkeit schätzen?! Wobei das fiktive Elternteil sich hier nicht hat einschüchtern lassen, obwohl es vorher nichts von der regen Teilnahme des Schulpersonal wissen konnte.

Gott sei Dank ist das ja nur ein fiktiver Fall und selbstverständlich nie passiert. Man stelle sich nur mal vor, so eine Schule mit so einem rechtsunkundigen Personal gäbe es in Deutschland wirklich!
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