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Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Dies ist eine Diskussion zu Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt innerhalb des Forums Reiserecht

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  #1 (permalink)  
Alt 31.01.2008, 21:22
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Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Mal angenommen man bucht einen Flug innereuropäisch(unter 1500km) bei einer europäischen Fluglinie. Der Flug wird (was man erst nach Nachfragen am Informationsschalter erfährt, da weder per Lautsprecher noch per Anzeige der gestrichene Flug vermeldet wird) kurz vor dem Start annuliert. Nach 2-maliger schriftlicher Nachfrage wird die Annulierung damit begründet, es habe ein unvorhersehbarer Defekt am Druckventil bestanden, der weder in der vorgegebenen Zeit repariert werden konnte noch eine Ersatzmaschine zur Verfügung gestanden habe. Der Flug sollte vom Heimatflughafen der Fluggesellschaft starten.
Es wird eine Ersatzmaschine (einer anderen Fluggesellschaft) zur Verfügung gestellt.Der Ankunftszeitpunkt ist 90 Minuten nach dem des geplanten Fluges. Die Fluggesellschaft weigert sich jedoch den Betrag von 125 (oder 250???)€ zu überweisen mit der Begründung es liege ein unvorhersehbarer Flugsicherheitsmangel vor. Mit Recht?
Vielen Dank im Voraus für Antworten.
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  #2 (permalink)  
Alt 01.02.2008, 00:21
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AW: Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Für mich ganz klar: nicht der liebe Gott ist schuld am annullierten Flug, also liegt auch keine höhere Gewalt vor. Technische Produkte unterliegen nun mal einem gewissen Verschleiß und es ist Aufgabe der Fluggesellschaft dafür zu sorgen, dass Reparaturen nicht zur Annullierung von Flügen führen. Und passiert das doch einmal, dann gibt es Ausgleichzahlungen für den Passagier.

Der Fluge wurde umgebucht auf eine andere Gesellschaft und die Verspätung betrug nicht mehr als 2 Stunden. Also gibt's eine 50% Kürzung auf die 250 Euro macht 125 Euro.

meint

Christof
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  #3 (permalink)  
Alt 01.02.2008, 12:48
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AW: Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Das Problem liegt in der Definition "nicht vorhersehbaren Defekt". Die einen Richter neigen zur Ansicht, jeder Defekt sei vorhersehbar (früher oder später...), Andererseits sagt die Fluggastverordnung ausdrücklich, dass bei Vorliegen von Sicherheitsmängel keine Entschädigung zu leisten ist.

Soweit dieser Punkt.

Wo ich ein wenig den Kopf schüttle: nun landet man 90 Minuten später als geplant und will dafür eine Entschädigung? Gut, auf der einen Seite steht eine "Verordnung", auf der anderen Seite steht, dass die Fluglinie sich ja offensichtlich bemüht hat, einen baldmöglichen Flug zu organisieren.

So, nun wäre noch zu hinterfragen, was hat denn der Flug überhaupt gekostet?

Wie dem auch sei, die EU Kommission hat schon erkannt, dass die Fluggastverordnung verbessert gehört. Ob man dann allerdings für 50 Euro Flüge 250 Euro an Entschädigung erhalten wird, ist eine andere Frage.

Gruß
Peter
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  #4 (permalink)  
Alt 01.02.2008, 16:00
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AW: Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Also der Flug kostet ca 110 €. Und die Entschädigung beträgt wohl 125 € (aber eben gerade wegen der nur geringen Verspätung,sonst wären es 250 €!!!).Ich frage mich außerdem,ob ein solcher Defekt wirklich unvorhersehbar war, da bei diesem Mashinentyp scheinbar häufiger technische Probleme solcher Art auftreten und doch dafür gesorgt werden muss eine (der sicherlich ausreichend zur Verfügung stehenden) Ersatzmaschine einzusetzen??? Gruß Stephan
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  #5 (permalink)  
Alt 02.02.2008, 10:55
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AW: Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Entweder wurde ein Flug annulliert, dann steht einem die jeweils entsprechend der Entfernung gestaffelte Entschädigung zu oder der Flug war nur verspätet, dann steht einem gar nichts zu.

In diesem Fall hieß es aber, dass eine Ersatzmaschine einer anderen Linie zum Einsatz kam. Somit Entschädigungszahlungspfichtig.

Ich frage mich halt, warum man bei einem Flug von rund € 110.-- eine Entschädigung von € 250.-- haben will, jetzt abgesehen davon, dass es gesetzlich so geregelt ist?

Selbst wenn ein Maschinentyp anfälliger für Defekte wäre, streitet man eben noch, ob ein Defekt vorhersehbar ist oder nicht. Denn folgt man dem einen Teil der Richter, so gäbe es überhaupt keine nicht vorhersehbare Defekte, weil jeder Defekt quasi irgendwann einmal auftauchen kann und daher vorhersehbar. So ist aber sicherlich die Verordnung nicht zu interpretieren.

Bleibt also noch die Frage, warum eine Fluglinie bei Flugpreisen von € 100.-- auch noch Ersatzmaschinen herumstehen haben sollte? Jede Maschine, die nicht fliegt, kostet Geld - viel Geld. Also ist es das Bestreben einer jeder Fluglinie Maschinen in der Luft zu haben! Was erwartet sich ein Passagier in einem Zeitalter, wo man ab € 9.-- quer durch Europa fliegen kann?

Somit bleibt nüchtern: es scheint eine Annullierung vorzuliegen, die Fluggesellschaft muss die Entschädigungszahlung leisten, wenn sie nicht beweisen kann, dass der Defekt nicht vorhersehbar war. Die Ansprüche werden notfalls mittels Anwalt durchzusetzen sein.

meint
Peter
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Alt 02.02.2008, 17:45
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AW: Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Nicht jede kurzfristige Annulierung eine Fluges führt zu Ansprüchen nach der EU Verordnung:

(3) Ein ausführendes Luftfahrtunternehmen ist nicht verpflichtet, Ausgleichszahlungen gemäß Artikel 7 zu leisten, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären.

Einigen sich Passagier und Fluglinie nicht, wie der technische Defekt zu werten ist, und ob alle zumutbaren Maßnahmen seitens der Fluggesellschaft ergriffen wurden, ist es notwenig sich an eine Schiedsinstanz zu wenden.

Nur nebenbei - egal welche Ursache - hat man bei Verspätungen (gemeint sind solche ab 2 Stunden) und Annullierungen immer Anspruch auf die Unterstützungsleistungen nach EU-Verordnung, also Verpflegung, Übernachtung, Telefonate führen.

Es spielt keine Rolle, ob das Ticket 0,01,- Euro gekostet hat oder 1000,- Euro. Es hätte durchaus die Möglichkeit gegeben, in der EU-Verordnung die Höhe der Entschädigung an den Ticketpreis zu koppeln. Das ist aber nicht gemacht worden. Immer wieder scheiden sich die Geister, ob es "in Ordnung" ist bei Billigflügen die gleichen Rechte zu haben wie bei teuren. Ich meine ja. Wenn ich auf einer Bananenschale ausrutsche und mich verletze, spielt es für die Höhe des Schmerzensgeldes doch auch keine Rolle, ob das beim Discounter passiert ist oder im Foyer eines Luxushotels.

Die Ausgleichszahlung ist nämlich keine Entschädigung für einen materiellen Schaden, sondern soll Ausgleich sein für Frust, Äger, Unannehmlichkeiten usw.. Ich meine, dass diese "Missempfindungen" nicht vom Ticketpreis abhängen und die Höhe der Ausgleichszahlungen deshalb auch nicht an diesen gekoppelt sein sollten.

Ich habe erlebt, dass Fluggesellschaften auch bei Billigtickets und bei zumindest fraglichen Ansprüchen die Ausgleichszahlung auf nachträgliche Anfrage (nicht am Schalter) geleistet haben. Hier kommt es zum einen auf den Ton an, wie man fordert und natürlich auf die Fluggesellschaft selbst.

meint

Christof
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Geändert von Christof (04.02.2008 um 11:18 Uhr).
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Alt 04.02.2008, 10:40
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AW: Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Ich möchte hier mal kurz klarstellen, dass ich nicht einseitig auf Seiten von Fluggesellschaften stehe. Aber ich fand die Einführung der Fluggastverordnung in dieser Form nicht in Ordnung und ich bin auch nicht damit einverstanden, dass man sofort nach Entschädigungszahlungen fragt.

Verspätungen hat es früher auch gegeben und ich denke mal, 90 Minuten im Vergleich zum Leben sind ja wohl sehr sehr sehr wenig Zeit, die man verliert.

Ein weiterer Grund, weshalb ich dazu neige, alle Forderungen aus der Fluggastverordnung zu hinterfragen: vor etlichen Jahren startete eine Lauda air von Bangkok. In der Luft fuhren die Schubumkehrklappen bei vollem Tempo aus und brachte die Maschine zum Absturz. Wäre dieser Defekt am Boden noch entdeckt worden, wären heute noch über 200 Menschen am Leben. Aber möglicherweise würden diese jetzt an einem möglichen Defekt zweifeln und eine Ausgleichszahlung verlangen.

Keine Frage, gesetzliche Vorgaben sind zu erfüllen. Grobe Verspätungen können Termine über den Haufen werfen. Aber man sollte beim Fliegen auch eine gewisse Toleranzzeit einbauen.

Wir haben andererorts schon öfters darüber debattiert, ob € 100.-- oder € 1.000 Flugpreis auch unterschiedliche Ansprüche auslösen können, dürfen, müssen oder nicht. Der Vergleich mit Schmerzensgeld finde ich, trifft hier nicht ganz zu. Schmerz ist wohl etwas, was als ein Wert definitiert wird.

Zwei Stunden Verspätung mit der gebuchten Flugnummer muss vom Kunden entschädigungslos hingenommen werden. Es gibt dabei auch keine Getränkepflicht. 90 Minuten verspätete Landung mit einer anderen Flugnummer ist den Buchstaben der Verordnung nach aber eine Annullierung des Originalfluges und daher entschädigungspfichtig.

Alleine aus dieser Gegenüberstellung finde ich die Verordnung in dieser Form widersinnig.

Meint
Peter
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  #8 (permalink)  
Alt 04.02.2008, 12:02
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AW: Eu-Verordnung 261/2004- verweigerte Ausgleichszahlung bei technischem Defekt

Fast alle Unternehmen, hier Fluggesellschaften, wollen nicht nur Gewinn erwirtschaften, sie wollen ihn maximieren. Und das geht zu Lasten der Mitarbeiter und der Kunden. Mir fallen hier ein: Personalabbau, längere Arbeitszeiten, knapp kalkulierte Umsteigezeiten, Einsparungen bei der Wartung bis hin zum gesetzlichen Limit, Praxis der Überbuchungen, Fliegen mit alten betagten Flugzeugen, Einschränkungen beim Service usw.

Da halte ich es deshalb umgekehrt für legitim, auch wenn man nur ein Billigticket gekauft hat, seine Rechte in Anspruch zu nehmen und bei beschriebener Annullierung und Verspätung die Ausgleichszahlung zu fordern.
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