Dienstag, 1. September 2009, 10:00

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Wahlmüdigkeit

Dies ist eine Diskussion zu Wahlmüdigkeit innerhalb des Forums Recht, Politik und Gesellschaft

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Alt 07.09.2009, 11:51
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Wahlmüdigkeit

Hallo zusammen,

mich beschäftigt derzeit die große Zahl der Nichtwähler.
Bei der letzten Wahl (Europawahl) gab es in meinem Wahlkreis nur eine Wahlbeteiligung von knapp 36%, das ist sehr wenig und das Wahlergebnis sagt dann überhaupt nix mehr über die Mehrheit der Menschen aus, sondern ist das Ergebnis einer Minderheit.

Natürlich hat die Wahlmüdigkeit Ursachen, viele sind von der Politik enttäuscht und das Nichtwählen ist somit zu einer Art Protest geworden, der aber meiner Meinung nach nichts bringt, da durchs Nichtwählen ebenso keine Veränderungen erzielt werden können.

Wie also könnte man Nichtwähler gezielt motivieren?

Was meint ihr, wäre zb. statt kostspieleriger Wahlkämpfe in jedem Kreis/Stadtteil ein "Wahlcoach" denkbar,der soviele Wähler wie möglich unterstützt "Tschakaa du schaffst es!", oder müsste man eine Wahlpflicht einführen, um dann mittels empfindlicher Bußgelder die Wahlmüden an die Urne zu peitschen, oder müsste gar die gesamte Demokratie reformiert werden????

Um Vorschläge, Ideen und kreative Lösungsansätze wäre ich sehr dankbar.
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  #2 (permalink)  
Alt 07.09.2009, 14:25
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AW: Wahlmüdigkeit

Zitat:
Zitat von elfe21
mich beschäftigt derzeit die große Zahl der Nichtwähler.
Bei der letzten Wahl (Europawahl) gab es in meinem Wahlkreis nur eine Wahlbeteiligung von knapp 36%, das ist sehr wenig und das Wahlergebnis sagt dann überhaupt nix mehr über die Mehrheit der Menschen aus, sondern ist das Ergebnis einer Minderheit.
Gut, war ja auch Europawahl. Diese ist wichtiger als weithin angenommen. Sowohl die Medien als auch die Wähler unterschätzen dagegen die Wichtigkeit der Europawahlen. Wahrscheinlich bedingt das eine das andere.

Zitat:
Natürlich hat die Wahlmüdigkeit Ursachen, viele sind von der Politik enttäuscht und das Nichtwählen ist somit zu einer Art Protest geworden, der aber meiner Meinung nach nichts bringt, da durchs Nichtwählen ebenso keine Veränderungen erzielt werden können.
Bei der Europawahl kommt erschwerend noch hinzu, dass viele Wahlberechtigte gar nicht wissen, worum es da geht. Auch wird Europa von vielen abgelehnt, zumindest was i nSachen Politik aus Brüssel kommt. Wundert mich aber nicht, da vieles sowieso über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde, so zum Beispiel die Einführung des Euro. In anderen Ländern gab es ein Referendum.

Zitat:
Wie also könnte man Nichtwähler gezielt motivieren?
Oh, das ist sehr einfach. Die Parteien müssten einfach nur sinnvolle Politik machen und ihre Wahlversprechen einhalten.

Zitat:
Was meint ihr, wäre zb. statt kostspieleriger Wahlkämpfe in jedem Kreis/Stadtteil ein "Wahlcoach" denkbar,der soviele Wähler wie möglich unterstützt "Tschakaa du schaffst es!", oder müsste man eine Wahlpflicht einführen, um dann mittels empfindlicher Bußgelder die Wahlmüden an die Urne zu peitschen, oder müsste gar die gesamte Demokratie reformiert werden????
Wozu sollte es gut sein die Wahlberechtigten zur Wahl zu zwingen? Als ob da was Gescheites bei raus käme. Zwar gibt es in anderen Ländern teilweise eine Wahlpflicht, aber so viel rosiger sieht es da auch nicht aus. Mein Vorschlag: die Stimmen der Nichtwähler mitzählen und die entsprechenden Sitze im Bundestag (zum Beispiel) unbesetzt lassen. Das spart auch Kosten.

Auch ist die Frage, wem das nutzen soll. Üblicherweise meinen ja oft große Parteien, dass sie die Nichtwähler mobilisieren müssten. Ich denke, die würden sich ins eigene Fleisch schneiden.

Dass auch junge Leute mobilisiert werden können zeigt die Piratenpartei. Unter deren Wählern sind etliche, die mangels Alternativen nie zuvor gewählt haben. Viele Wahlberechtigte, insbesondere die jüngeren, fühlen sich eben nicht von den alten Parteien vertreten.
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Alt 08.09.2009, 10:18
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AW: Wahlmüdigkeit

Zitat:
Zitat von 2much
Oh, das ist sehr einfach. Die Parteien müssten einfach nur sinnvolle Politik machen und ihre Wahlversprechen einhalten.
Naja, aber gerade das scheint nicht gerade einfach zu sei, ob sie nicht wollen, oder nicht können sei dahingestellt.

Zitat:
Zitat von 2much
Wozu sollte es gut sein die Wahlberechtigten zur Wahl zu zwingen?
Das ergibt sich ganz zwangsläufig, weil momentan die Mehrheit der Bürger von einer Minderheit regiert wird, da ja nur ein Teil der Wahlberechtigten zur Wahl geht und von diesem Teil hauptsächlich nur die Wähler der etablierten Parteien zur Wahl gehen. Somit ist der jetzige Zustand mitnichten gerecht oder demokratisch.
Diese Einsicht müsste doch jeden Nichtwähler sofort zur Wahl treiben.


Zitat:
Zitat von 2much
Als ob da was Gescheites bei raus käme. Zwar gibt es in anderen Ländern teilweise eine Wahlpflicht, aber so viel rosiger sieht es da auch nicht aus. Mein Vorschlag: die Stimmen der Nichtwähler mitzählen und die entsprechenden Sitze im Bundestag (zum Beispiel) unbesetzt lassen. Das spart auch Kosten.
Das würde aber nicht viel am jetzigen System ändern. Eine Konkordanzdemokratie wie derzeit in der Schweiz , aber mit wesentlich mehr Volksentscheiden und Mitbestimmungsrecht des Einzelnen halte ich für das sinnvollste, da dann niemand ausgeschlossen wird und jeder Bürger die Chance erhält sich mit seiner Meinung demokratisch einzubringen.
Aber wahrscheinlich hat das jetzige System zuviel Angst vor den Bürgern, als das es das zulassen könnte.

Zitat:
Zitat von 2much
Auch ist die Frage, wem das nutzen soll. Üblicherweise meinen ja oft große Parteien, dass sie die Nichtwähler mobilisieren müssten. Ich denke, die würden sich ins eigene Fleisch schneiden.
Das denke ich auch, wenn jeder Bürger seine Stimme abgeben würde, oder verpflichtet ist zu wählen, dann würde es vielleicht ganz anders in D ausschauen.


LG,
elfe
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  #4 (permalink)  
Alt 08.09.2009, 21:23
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AW: Wahlmüdigkeit

Zitat:
Zitat von elfe21
Das ergibt sich ganz zwangsläufig, weil momentan die Mehrheit der Bürger von einer Minderheit regiert wird, da ja nur ein Teil der Wahlberechtigten zur Wahl geht und von diesem Teil hauptsächlich nur die Wähler der etablierten Parteien zur Wahl gehen. Somit ist der jetzige Zustand mitnichten gerecht oder demokratisch.
Diese Einsicht müsste doch jeden Nichtwähler sofort zur Wahl treiben.
Tut es aber nicht. Und da der erklärte Nichtwillen zum Wählen auch ein Wille ist, der respektiert werden sollte, sehe ich das auch nicht als undemokratisch an. Wobei es schöner wäre, wenn die enstprechende Anzahl Sitze leer blieben.

Zitat:
Das würde aber nicht viel am jetzigen System ändern. Eine Konkordanzdemokratie wie derzeit in der Schweiz , aber mit wesentlich mehr Volksentscheiden und Mitbestimmungsrecht des Einzelnen halte ich für das sinnvollste, da dann niemand ausgeschlossen wird und jeder Bürger die Chance erhält sich mit seiner Meinung demokratisch einzubringen.
Keine Ahnung, ob dort die Wahlbeteiligung entsprechend höher ist. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie geringer ist, weil die Wähler häufiger zur Wahl gebeten werden.

SpiegelOnline berichtet:

Zitat:
Debatten ohne Aufreger, Politiker ohne Biss. Millionen Bürger gehen nicht wählen, weil sie die Vorstellung schlicht öde finden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Initiative ProDialog,
Zitat:
Nur 29 Prozent der potentiellen Nichtwähler fehlt laut eigener Angaben das Interesse an Politik. Für ein mögliches Fernbleiben von der Bundestagswahl gibt es andere Gründe, die Studie listet auf:

* 80 Prozent überzeugen Parteien und Politiker nicht.
* 71 Prozent fühlten sich vom Wahlkampf nicht angesprochen.
* 42 Prozent fühlen sich von keiner Partei angesprochen.

Die Politik mache, so fasst Projektleiter Maik Bohne von ProDialog die Ergebnisse zusammen, "einfach nicht deutlich, warum man wählen gehen sollte".

Eine These, die der Politikwissenschaftler Professor Jürgen Falter nur teilen kann. Die Anzahl von Nichtwählern hänge allerdings von mehreren Faktoren ab: "Zunächst geht es um die Bedeutsamkeit des Gremiums", sagt Falter. Deswegen sei die Wahlbeteiligung bei Europawahlen regelmäßig unter 50 Prozent und auch bei Landtagswahlen bedeutend geringer als bei Bundestagswahlen.

Der zweite Faktor betreffe die Mobilisierungskraft, die von der Politik selbst ausgehe. "Die Frage ist, wie umstritten ist eine politische Situation ist, wie sehr der Wähler sich denkt: Es kommt auf meine Stimme an", stellt Falter klar. In einer Situation, in der es nicht mehr um politische Grundsatzfragen ginge, sei das aber immer weniger der Fall.
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutsc...646377,00.html

Die Politik kann also einfach nicht überzeugen! Den Wahlkampf könnten die sich auch sparen. Da werden regelmäßig plakative Themen für den Wahlkampf auserkoren, während die eigentlichen Interessen der Wähler auf der Strecke bleiben. Ganze 42 % fühlen sich von keiner Partei angesprochen. Letzteres spricht für meine These, dass die demokratische Landschaft durchaus Zuwachs verträgt. Aber das dauert ja nicht mehr lange.
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  #5 (permalink)  
Alt 08.09.2009, 21:36
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AW: Wahlmüdigkeit

Zitat:
Zitat von BeneQ
Eventuell wäre es für die Demokratie gesund, wenn die CDU wieder ein konservativeres, die SPD ein linkeres Profil gewänne. Das würde meiner Ansicht nach eventuell wieder das Gefühl stärken, zwischen echten Alternativen zu wählen.
Tja, die Folgen haben die wohl schlecht abgeschätzt. Für die Zukunft ist der Zug aber abgefahren, denke ich. Die SPD hat sich selbst schweren Schaden zugefügt. Sie hat viele Wähler an andere Parteien, wie die Grünen, die Linke oder die Piratenpartei verloren. Und da die SPD vorher so über Lafontaine und die Linke gewettert hat, tun die sich mit einer rot-roten Koalition auch keinen Gefallen. Aber da wird die SPD nicht drum herum kommen. Andernfalls regiert eben die CDU - vermutlich mit der FDP - künftig das Land, obwohl die Opposition dann in vielen Fällen die Standpunkte hat, die dem Wählerwillen in vielen Fällen näher kommen.

"Zwischen echten Alternativen" ... Ich kenne viele Leute, die stets "das kleinere Übel" gewählt haben. Das ist sicherlich auch bedingt durch die 5%-Hürde, da der Wähler seine Stimme nicht verschenken will. Ehrlicher wäre es aber sicherlich, wenn jeder die Partei wählen würde, mit deren Wahlprogramm er die größte Übereinstimmung hat. Das ist einer dieser Effekte, die die Wahlentscheidung beeinflussen und durch die der "erklärte Wählerwillen" verzerrt wird.
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Alt 08.09.2009, 23:54
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AW: Wahlmüdigkeit

Hi...

auch wenn schwer durchsetzbar, so könnte man "Wählen" doch schlichtweg zur Pflicht erklären und den Nichtwählern ein Bußgeld auferlegen...manchaml gehts halt nicht anders.


Chris
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  #7 (permalink)  
Alt 09.09.2009, 11:22
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AW: Wahlmüdigkeit

Wie schon gesagt halte ich eine Wahlpflicht für überflüssig wie einen Kropf. Aber ich weiß sowieso nicht, warum sich so viele Leute einen Kopf über die Wahlbeteiligung machen. Nur bei den Parteien kann ich es verstehen, da die Nichtwähler für diese ja quasi Freiwild sind.

Zitat:
Für den Mannheimer Wahlforscher Dieter Roth (1992) ist eine sinkende Wahlbeteiligung eher ein Zeichen der Normalisierung in einer funktionierenden Demokratie als ein Symptom für eine Krise unseres Systems. Viel eher, so meint er, sollte man sich darüber wundern, dass es nach wie vor eine relativ hohe Wahlbeteiligung gebe, wo doch für etwa die Hälfte der Bevölkerung Politik kaum mehr eine Rolle spiele. Warum also sollten all diese Leute wählen gehen? Hohe Wahlbeteiligung bei freien Wahlen sehe er jedenfalls eher als ein Krisensymptom, eine Ansicht, die auch der österreichische Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) beim „Standard-Montagsgespräch“ nach den EU-Wahlen teilte: Die Wahlbeteiligung steige auch mit zunehmender Spannung, Kontroverse und Krise, und in dieser Hinsicht wünsche ich mir keine hohe Wahlbeteiligung. Die Höhe der Wahlbeteiligung sage jedenfalls kaum etwas über den Zustand eines politischen Systems aus, meinen manche Politikwissenschaftler mit Hinweis auf einen Blick über die eigenen staatlichen Grenzen. Noch keine Demokratie – siehe das Beispiel der Schweiz3 oder der USA – sei an zu niedriger Beteiligung gescheitert.
Quelle: http://www.politikberatung.or.at/www...eteiligung.pdf

Ach, übrigens: die Wahlbeteiligung in der Schweiz ist, wie ich erwartet habe, im Vergeich nicht besonders hoch. Hier mal die Wahlbeteiligungen im Vergleich. Ok, es sind nicht die neuesten Werte... :

Zitat:
Deutsche Wahlbeteiligung im internationalen Vergleich: Untersuchung von Niveauunterschieden bei Wahlbeteiligung in 18 westlichen
Ländern (Markus Freitag, 1996) à vier Staatengruppen mit ähnlichen Partizipationswerten für den Zeitraum 1975 bis 1993 à Bundesrepublik hat einen Platz innerhalb der zweiten Gruppierung (weitere
Länder mit durchschnittlicher Wahlbeteiligung von 80% bis 90%: Schweden,
Dänemark, Österreich, Niederlande, Neuseeland, Norwegen sowie Italien mit
allgemeiner Wahlpflicht, die bei Nichteinhaltung allerdings keine strafrechtlichen Sanktionen vorsieht)
à bessere Beteiligungsquoten lediglich Australien und Belgien mit über 90% (Inbeiden Ländern herrscht allgemeine Wahlpflicht mit Möglichkeit zur strafrechtlichen Sanktion.)
à dritte Gruppe: Wahlbeteiligungsraten von 70% bis 80% (Finnland, Großbritannien, Kanada, Irland, Japan und Frankreich) à Schlusslicht bilden USA und Schweiz, mit durchschnittlich unter 70%
Wahlbeteiligung
Quelle: http://www.melaniehaas.de/docs/Nichtwaehler.pdf
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  #8 (permalink)  
Alt 09.09.2009, 11:53
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AW: Wahlmüdigkeit

Zitat:
Zitat von BeneQ
Aus einem theoretischen und einem praktischen Grund.

1. Der theoretische: Die staatliche Gewalt leitet die Legitimation ihres Machtmonopols (insbesondere im Hinblick auf das Gewaltmonopol) daraus ab, dass sie durch das Volk gewählt wird. Wenn nur noch ein verschwindend geringer Teil der Menschen zur Wahl geht, dann wird diese Legitimation brüchig und der (demokratische) Staat damit in Frage gestellt.
Von "verschwindend gering" kann ja nun auch wieder nicht die Rede sein.

Zitat:
Zitat von BeneQ
2. Der praktische: Demokratie lebt von einem Kampf zwischen verschiedenen Meinungen und Ansichten. Wenn Menschen nicht mehr zur Wahl gehen, weil Politik sie angeblich "nicht mehr betrifft" (so ein Blödsinn!), dann zeugt das davon, dass das aktive politische Leben in einem Land eingeschlafen ist. Konfrontation zwischen Meinungen und Ansichten, und eine damit verbundene hohe Wahlbeteiligung ist für mich das Zeichen einer gesunden Demokratie, nicht die einer Krise. Denn die "Zufriedenheit", die Herr Roth in der niedrigen Wahlbeteiligung sieht, kann man genauso gut als Resignation deuten.
Wahrscheinlich kann man das als Resignation deuten. Meiner Meinung nach liegt das aber nicht daran, dass die Wähler nicht an Politik interessiert sind, sondern vor allem daran, dass man sich auf Aussagen und Wahlversprechen von Politikern nicht verlassen kann. Zudem wird oft strategische Politik gemacht: da wird dann ein Gesetzesentwurf abgeblockt, weil er vom politischen Feind stammt und nicht etwa, weil man sich irgendwo uneinig ist.
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  #9 (permalink)  
Alt 09.09.2009, 12:35
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AW: Wahlmüdigkeit

Es gibt keine Wahlmüdigkeit, lediglich das Erschlaffen eines sowieso nicht vorhandenen Interesses!

Wäre Politik so spannend, wie ehrlich ähnlich eines guten Fußballspieles, würden die Massen auch wieder angezogen und begeistert!

Leider präsentieren sich die Phrasendrescher schon nach kurzer Zeit mit hohler Luft zu ihren Aussagen und etwas Übergewicht am Körper.

Solange keiner die Massen in seinen Bann ziehen kann, welcher kämpferisch und lautstark des Volkes Stimme vertritt, bleibt es beim üblichen Postengeschachere der jeweiligen Parteien mit den üblichen Getue um nichts, bzw. um der eigenen Karriere willen!

Hier Beispiele zu nennen, erspare ich mir!

Na gut ... ein paar:

Siegmar Gabriel, das personifizierte Ministergewicht fliegt aus Umweltschutzgründen für 50 T € aus dem Mallorca-Urlaub,....

Ulla Schmidt, das personifizierte Sparwunder der Gesundheitsreform nimmt Chauffeur und Dienstwagen, wg. angeblicher 78 km,..........

Merkel, die personifizierte Trabantfahrerin lädt für X-Millionen-Kosten nach Heiligendamm zum Gipfel,....; .....

Verkehrminister Tiefensee und bekennender Trabi-Fahrer weiß, das Bahnchef Mehdorn seine Abfindung zurecht,......

Die Bundeswehr benötigt einfach Afghanistan, ...oder den Piratenschutz vor Somalia, ... die Küstenwache vor dem Libanon,.......

Koch in Hessen, der einstmals brutalste Aufklärer in eigener Sache,........

Sahra Wagenknecht (die Linke) fühlt sich im Kommunismus Brüssels sehr wohl
http://www.sueddeutsche.de/politik/938/427694/text/

u.v.m..... (alle ?)

Weshalb wollte die G. Pauli in die Politik??????....um nie mit eigenen Händen arbeiten zu müssen, aber jede Menge Pensionsansprüche anzusammeln...


Wenn wundert da es, dass Politik nur den Freude bereitet, welcher davon gut leben kann!
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  #10 (permalink)  
Alt 09.09.2009, 14:16
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AW: Wahlmüdigkeit

Mittlerweile dürfte sich der Wähler auch an die langweiligen Methoden der Parteien im Wahlkampf gewöhnt haben: die SPD macht - wie immer - irgendeinen Skandal aus und bewirft einen CDU-Politiker oder Lafontaine oder auch ein Ex-SPD-Mitglied mit Dreck. Die CDU reagiert auf ihre Weise, ebenso die anderen. Die CDU setzt im Wahlkampf eher auf Ängste der Wähler, will sonst aber eher solide rüberkommen. Die SPD muss das Angebot an neuen Arbeitsplätzen natürlich toppen und wird damit für viele unglaubwürdig. Sozial ist die SPD sowieso allenfalls noch aus Sicht eines gut verdienenden Berufstätigen mit sicherem Arbeitsplatz, aber ganz bestimmt nicht aus Sicht einer alleinerziehenden Mutter mit HartzIV. Grüne und Linke dagegen nerven viele Wähler mit ihrem Gleichberechtigungsfetisch und sozialistischen Ideen. Trotzdem für viele eine Alternative, jedenfalls können die sich ebensowenig über Verluste beklagen, wie die FDP, die sich neuerdings (etwas halbherzig) als Bürgerrechtspartei profilieren will. Das wirkt bei den Grünen dann doch zumindest etwas plausibler.

Ganz schlimm auch die Stars in den Parteien. Wer ist das eigentlich bei der SPD? Bei der CDU momentan wohl der Guttenberg, neben der Merkel, Schäuble und von der Leyen natürlich. Die Grünen haben ihre zwei Vorsitzenden, damit die geschlechtliche Neutralität gewährleistet ist: ein Mann und eine Frau. Die Linken haben vor allem ihr Zugpferd Lafontaine und auf dem zweiten Platz Gysi. Und die FDP hat eben ihren Westerwelle.
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