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Kriminalstatistik des BKA fehlerhaft

Dies ist eine Diskussion zu Kriminalstatistik des BKA fehlerhaft innerhalb des Forums Recht, Politik und Gesellschaft

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Alt 21.09.2009, 19:11
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Kriminalstatistik des BKA fehlerhaft

Statistiken bedient man sich gerne, wenn man mit Fakten punkten will. Das tun auch die Medien, unter anderem mit den Statistiken des BKA. Millionen Nachrichtenleser/-hörer/-gucker glauben den Meldungen. Schließlich passt es gut ins Bild, dass zum Beispiel die Kriminalität auf Deutschlands Straßen immer mehr zunimmt. Man kann sich also mit etwas Fantasie gut vorstellen, welchen Schaden und welchen Fehlglauben falsche oder fehlinterpretierte Statistiken verursachen können - oder wie manche Interessengruppen sich dies zu eigen machen.

Es ist also recht brisant, wenn das BKA eine Kriminalstatistik veröffentlicht, die zumindest statistisch nicht korrekt ist. Wie erwartet haben sich die Medien dran aufgehangen. Letztlich fließen die durch die Medien vermittelten "Erkenntnisse" auch in die Wahlentscheidung der Wähler ein. Diesen Punkt sollte man besonders beachten, da in den letzten Jahren gerne mal die Rechte des Bürgers beschnitten und neue Sicherheitsgesetze verabschiedet wurden.

Ich zitiere mal aus einem hochinteressanten und Blogbeitrag, der übrigens frei von Verschwörungstheorien ist:

Zitat:
Als das BKA im Frühsommer die polizeiliche Kriminalstatistik für 2008 veröffentlichte, wurde zunächst fast ausschließlich über eine Zahl berichtet: Die Gewalt auf öffentlichen Straßen , Wegen und Plätzen sei um 9,1 % gegenüber 2007 gestiegen. (Fast) alle Medien berichteten darüber mit dem Tenor: Immer brutaler geht es zu auf deutschen Straßen. Der Chef der Polizeigewerkschaft forderte mit Bezug auf diese Zahl mehr Polizeistreifen.
Zitat:
Die Gesamt-Hellfeldzahl der Delikte, aber auch die Zahl der registrierten Gewaltdelikte ist im Jahr 2008 gegenüber 2007 rückläufig. Ebenso fast alle anderen Zahlen in der Statistik.

Nur die eine Zahl, nämlich (gef. und schw.) Körperverletzungen auf Straßen, Wegen oder Plätzen sollte demgegenüber – und zwar erheblich – gestiegen sein? Dies widersprach meiner kriminologischen Intuition. Es passt einfach nicht zusammen. Leider war noch nicht die Gesamtstatistik veröffentlicht worden, sondern nur ein Vorab-Bericht.
Zitat:
Da die Statistik des BKA zusammengesetzt ist aus den zuvor veröffentlichten Statistiken der LKA der Bundesländer kann man aber nachprüfen, woher die Zahlen stammen. Bei der Prüfung ergab sich für mich Erstaunliches. Einige Bundesländer hatten eine gravierende Steigerung von bis zu weit über 100 % verzeichnet, in anderen war die Zahl sogar gefallen. Dies konnte nur mit einer fehlerhaften Erfassung oder Berechnung erklärt werden.
Zitat:
Wie ging es weiter? Ich schilderte den verantwortlichen Statistikern des BKA meine Vermutung und sie wurde bestätigt: Die Kategorie wird für 2008 erstmals (mit Einführung der neuen sechsstelligen Straftatenschlüssel) überhaupt ermittelt. Da aber – aufgrund wessen Anweisung auch immer – unbedingt eine Vergleichszahl für 2007 vorgelegt werden sollte, hat jedes LKA seine eigene Vergleichszahl herangezogen, dabei entstand offensichtlich Chaos: Z,.B. in Ba-Wü ergab sich eine Steigerung um 225 %, in Meck-Pomm 191 % - d.h. die in diesen beiden Ländern angeblich zusätzlich gezählten Delikte sind fast allein für die bundesweite Steigerung verantwortlich. In Brandenburg verringerte sich die Zahl hingegen um 26 %.: Heraus kamen erstaunliche Abweichungen und eine statistisch absolut unzulässig berechnete Gesamt-Steigerungsrate von über 9 %.
Auf meine Nachfrage, ob dies denn redlicherweise überhaupt veröffentlicht werden dürfe, antwortete der freundliche BKA-Statistiker, man werde selbstverständlich in die endgültige Fassung (die ja zum Zeitpunkt meines Telefongesprächs noch nicht fertig war) einen ähnlichen Hinweis wie in NRW aufnehmen.
Aber: In der nunmehr veröffentlichten Langfassung der PKS 2008 fehlt der Hinweis auf die fehlerhafte, unzuverlässige Steigerungsrate. Angeblich seien im Jahr 2007 ca. 66000 Körperverletzungen auf Straßen Wegen und Plätzen gezählt worden, im Jahr 2008 aber fast 73000, daraus errechnet sich die Steigerung von 9,1 %. Die erste Zahl – so muss ich nach meinen Recherchen feststellen – ist eine Phantasiezahl. Es ist im Gegenteil sehr wahrscheinlich, dass auch die Körperverletzungen, ebenso wie alle andern Delikte der Straßenkriminalität und das gesamte Hellfeld im Jahr 2008 rückläufig waren.
Beim Zitieren habe ich gemerkt, dass fast alles relevant ist. Bitte lest den Text daher im Original nach: http://blog.beck.de/2009/09/20/zur-g...tische-debatte

Mich würde mal interessieren, wie ihr darüber denkt. Über das BKA, die Medien, die Politik. Jeder bedient sich dieser Zahlen, doch sie sind falsch. Wie hoch schätzt ihr die Gefahr oder den Schaden ein?
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Alt 21.09.2009, 19:41
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AW: Kriminalstatistik des BKA fehlerhaft

Übrigens ein ähnliches Spiel mit dem Verfassungsschutzbericht. Da sind es allerdings allein die Medien schuld, die zu blöd sind den Bericht korrekt zu interpretieren.
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