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Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Dies ist eine Diskussion zu Hygienekatastrophe im Krankenhaus innerhalb des Forums Recht, Politik und Gesellschaft

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  #1 (permalink)  
Alt 09.07.2010, 10:16
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Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Wegen mangelnde Hygiene wurden nun zwei Krankenhäuser beinahe komplett dicht gemacht, der Oberbürgermeister erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/...niken-1.972122

Was mich nur wundert: warum sind die anderen Krankenhäuser noch offen? Es ist ein offenes Geheimnis, dass Krankenhäuser Hygienekatastrophen sind, Hygienepläne nicht eingehalten werden sofern überhaupt vorhanden, Ärzte kein Hygieneverständnis haben und das Putzpersonal nicht entsprechend instruiert wird.

Wer einen KH-Arzt findet, der sich zwischen zwei Patienten die Hände wäscht und desinfiziert, der kann sich glücklich schätzen. Denn die Regel ist das nicht. Erschreckenderweise sind es - neben der KH-Leitung - gerade die Ärzte, die hauptverantwortlich für hygienische Missstände sind.

Gar nicht selten: ein Patient wird mit einer Lappalie (gebrochener Arm o.ä.) eingeliefert und fängt sich während des KH-Aufenthaltes einen multiresistenten Keim an und wird dadurch herzkrank und dauerhaft auf Medikamente angewiesen sein. Ich mutmaße mal, dass die Verantwortlichen in über 80% der Fälle nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Unter anderem auch, weil die eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Sprich, die Verantwortlichen werden von ihren Kollegen auch noch gedeckt. Die KH-Leitung versucht natürlich sowieso solche Vorfälle zu vertuschen.

Mal abgesehen davon, dass diese Zustände unhaltbar sind, sollte man auch mal über die Kosten nachdenken, die so entstehen. Vielleicht sollte man mal den richtigen Leuten ordentlich in den Hintern treten!
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Alt 09.07.2010, 10:40
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Zitat:
Zitat von 2much Beitrag anzeigen
Wegen mangelnde Hygiene wurden nun zwei Krankenhäuser beinahe komplett dicht gemacht, der Oberbürgermeister erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Geschädigt wurde wohl keiner. Ich würde gerne wissen, was da faul ist, ich habe das Gefühl, der Zentralsteri ist hin und hat auch die Siebe hingerichtet.

Zitat:
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Krankenhäuser Hygienekatastrophen sind, Hygienepläne nicht eingehalten werden sofern überhaupt vorhanden, Ärzte kein Hygieneverständnis haben und das Putzpersonal nicht entsprechend instruiert wird.
Na, wenn Du alles besser weißt: willkommen als Kollege!

Zitat:
Wer einen KH-Arzt findet, der sich zwischen zwei Patienten die Hände wäscht und desinfiziert, der kann sich glücklich schätzen. Denn die Regel ist das nicht
Richtig. Und wenn Du von Hygiene wirklich Ahnung hättest, wüsstest Du auch, warum: das Desinfizieren nach einer Berührung ist Pflicht, das Waschen nur, wenn Verschmutzungen zu erwarten sind.
Zitat:
Erschreckenderweise sind es - neben der KH-Leitung - gerade die Ärzte, die hauptverantwortlich für hygienische Missstände sind.
Bring doch mal ein paar seriöse Quellen dazu.

Dass es Mängel gibt, ist klar, aber derart verallgemeinernd muss man es nicht darstellen.

Zitat:
Vielleicht sollte man mal den richtigen Leuten ordentlich in den Hintern treten!
Genau. Vielleicht bist Du der richtige Mann dafür. Ich mach Dir einen Vorschlag: arbeite mal einige Jahre im Krankenhaus, dann verstehst Du, warum manches nicht einfach ist - und warum heutzutage ein QM-Zertifikat wichtiger ist als gute Arbeit.
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Alt 09.07.2010, 11:15
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Zitat:
Zitat von Humungus Beitrag anzeigen
Geschädigt wurde wohl keiner. Ich würde gerne wissen, was da faul ist, ich habe das Gefühl, der Zentralsteri ist hin und hat auch die Siebe hingerichtet.
M.W. muss die Sterilisation dokumentiert werden.
Zitat:
Na, wenn Du alles besser weißt: willkommen als Kollege!
Haben wir ein Hygieneproblem in deutschen KH oder nicht? Gibt es Multiresistenzen (s.g. Krankenhauskeime) oder nicht?

Ich kenne bzw kannte persönlich Opfer. Es dauerte in einem Fall ca. 6 Jahre bis das KH zugegeben hat verantwortlich zu sein. Und das vor allem, weil keiner was sagen wollte. Der Korpsgeist scheint da ebenso vorhanden zu sein wie auch bei der Polizei. Ich sage keinesfalls, dass alle Ärzte so sind, ebensowenig wie alle Polizisten so sind.
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Alt 09.07.2010, 11:27
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

das ist doch nur die eine seite der hygiene-medallie.
ich hatte das zweifelhafte glück, in den letzten jahren mehrere krankenhausaufenthalte in verschiedenen häusern zu überleben bzw als besucher von "patientenkollegen" solche örtlichkeiten aufzusuchen.

was mir aufgefallen ist:
in keinem der häuser wurde jemals eine türklinke abgewischt geschweige denn desinfiziert (weder klo- noch zimmertür !)
...und das stets auf der chirurgischen abt.

spender mit hand-desinfektionslösungen hängen jetzt überall rum (die firma ist wegen dem profit zu beneiden)- aber die nutzung durch patienten ist minimal - da kommt es auf die paar anderen keime auch nicht mehr an
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Codex Hammurap(b)i (1728-1686 v.Chr.) § 218:
Wenn ein Arzt einem Menschen eine schwere Wunde mit dem Bronzemesser beibringt und den Tod des Menschen herbeiführt,… so soll man ihm (dem Arzt) die Hand abschneiden.
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  #5 (permalink)  
Alt 09.07.2010, 15:02
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Zitat:
Zitat von 2much Beitrag anzeigen
M.W. muss die Sterilisation dokumentiert werden.
Wer weiß, was da schiefgelaufen ist...die Siebe kriegen einen Farbindikator, und regelmäßig werden Sporentests gemacht. Große Steris haben eine Selbstkontrolle.

Aber ich weiß bisher nicht einmal genau, was los ist. Komischerweise brauchen die komplett neue Siebe. Das kommt nicht durch einen Hygienemangel, denn dann könnte man den Steri reparieren (oder die Siebe zu einem anderen Haus fahren) und die Sachen einfach neu sterilisieren. Die Siebe scheinen aber zerstört zu sein. Das kann im Rahmen eines Steriprozesses kaum passieren, nur, wenn zuviel alkalische Reinigungslösung genommen wurde und die Instrumentenoberflächen quasi verbrannt sind.
Zitat:
Haben wir ein Hygieneproblem in deutschen KH oder nicht? Gibt es Multiresistenzen (s.g. Krankenhauskeime) oder nicht?
Natürlich gibt es Hygienemängel. Natürlich gibt es MRSA, insbesondere auf Intensivstationen. Am ersten kann man etwas machen (meist sind beispielsweise Chefärzte per definitionem steril...), beim zweiten nicht unbedingt. MRSA und Konsorten entwickeln sich zwangsläufig an Stellen mit hohem Keim- und Antibiotikaaufkommen. Schlicht, weil diese Stellen survival-camps der Evolution sind. Ganz könnte man das Problem nur lösen, wenn man jeden Patienten einzeln hermetisch einschließt und nur durch reserviertes Personal behandeln lässt.

Zitat:
Ich kenne bzw kannte persönlich Opfer. Es dauerte in einem Fall ca. 6 Jahre bis das KH zugegeben hat verantwortlich zu sein. Und das vor allem, weil keiner was sagen wollte. Der Korpsgeist scheint da ebenso vorhanden zu sein wie auch bei der Polizei. Ich sage keinesfalls, dass alle Ärzte so sind, ebensowenig wie alle Polizisten so sind.
In erster Linie darf weder ein Arzt noch ein Krankenhaus aussagen, weil sonst die Berufshaftpflicht die Leistung verweigert! Das ist auch der Grund, warum sich ein Arzt nie zu einem Kunstfehlerprozess äußert, der gerade läuft. Er sollte sich wenigstens nachher entschuldigen, das stimmt.

Korpsgeist ist natürlich vorhanden, und Fehler werden vertuscht. Das hängt mit vielen Dingen zusammen, auch beispielsweise damit, dass die Bevölkerung auf Kunstfehler absolut allergisch reagiert und das Krankenhaus abstraft. Bei allen Seiten muss ein Umdenkungsprozess stattfinden, damit offen über Mängel geredet werden kann.

Zitat:
Zitat von hera
spender mit hand-desinfektionslösungen hängen jetzt überall rum (die firma ist wegen dem profit zu beneiden)- aber die nutzung durch patienten ist minimal
Die waschen sich nicht einmal nach dem Sch... die Hände, wie willst Du die dann zur Benutzung von Desinfektionsmittel bringen?

Das Abwischen von Türklinken ist nur dann regelmäßig indiziert, wenn Kontakt mit infektiösem Material besteht. Oder willst Du jedes Mal, wenn jemand zur Tür reinkommt, nach ihm wischen?

Also: Klinkenreinigung bei der normalen Raumreinigung.

PS:
Zitat:
Zitat von http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/tz-hygiene-skandal-klinikum-bogenhausen-833878.html
Nach Informationen der tz muss es bei der Zusammenstellung dieser Siebe zu Fehlern und Verwechslungen gekommen sein. Über Mängel an der Sterilität der Instrumente, also an deren unmittelbarer Hygiene, ist bislang nichts bekannt. So sprach ein Klinikarzt gegenüber der tz auch eher von einem Organisations- denn von einem Hygiene-Skandal. Allerdings will jemand auch beschädigte Verpackungen gesehen haben.
Es ist also nicht klar (wenigstens nach außen hin), was da genau passiert ist. Die Aussagen widersprechen sich kräftig.

PPS:
Zitat:
Zitat von http://www.br-online.de/aktuell/regionalnews-muenchen-kliniken-ID1278609702927.xml
Ein externes Gutachten bescheinigte hygienische Mängel bei der sogenannten Sterilgutaufbereitung. Außerdem habe es fehlerhafte Chargen gegeben, sagte Hep Monatzeder (Bündnis 90/Grüne), Aufsichtsratsvorsitzender der Klinikum München GmbH und dritter Bürgermeister. Dabei räumte er gegenüber dem BR auch eine mangelhafte Schulung des Laborpersonals ein.

In den zusammengestellten OP-Sätzen fehlte mal ein Skalpell, mal die Schere. Vor allem aber habe das OP-Besteck nicht immer die vorgeschriebenen Reinigungsstufen durchlaufen. "Es gibt Standards, die zum Teil nicht eingehalten wurden"
So, jetzt wird es klarer. Wahrscheinlich menschliches Versagen in vielen Fällen, die klassische Fehlerkette, die zu Katastrophen führt. Offensichtlich hat aber noch irgendjemand die Reißleine gezogen.
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  #6 (permalink)  
Alt 09.07.2010, 18:29
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Zitat:
Zitat von Humungus Beitrag anzeigen
Die waschen sich nicht einmal nach dem Sch... die Hände, wie willst Du die dann zur Benutzung von Desinfektionsmittel bringen?


Zitat:
Das Abwischen von Türklinken ist nur dann regelmäßig indiziert, wenn Kontakt mit infektiösem Material besteht. Oder willst Du jedes Mal, wenn jemand zur Tür reinkommt, nach ihm wischen?
Es empfehlen sich Türklinken aus Metall (Kupfer), weil die Keime regelrecht killen sollen. http://www.google.com/url?sa=t&sourc...wqrEkb_lI3ncOA

Zitat:
Zitat von Humungus Beitrag anzeigen
PPS: So, jetzt wird es klarer. Wahrscheinlich menschliches Versagen in vielen Fällen, die klassische Fehlerkette, die zu Katastrophen führt. Offensichtlich hat aber noch irgendjemand die Reißleine gezogen.
Menschliches Versagen kommt natürlich häufig vor. Umso wichtiger sind Hygienepläne, deren Kontrolle und vielleicht ein Hygienebeauftragter. Beim Putzpersonal sollte man vielleicht auch nicht gerade die billigste Variante wählen. Zumindest sollten die Deutsch (wahlweise auch Englisch) verstehen und gewissenhaft arbeiten.
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  #7 (permalink)  
Alt 09.07.2010, 19:05
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Kupfer würde ich nicht gerade empfehlen, weil das oxydiert, und im Klinikbereich sind eine ganze Menge Aldehyde (Bodenreinigung) und Alkohole (Desinfektion) unterwegs. Edelstahl oder Ähnliches geht auch.

Aber prinzipiell ist das Material egal, wenn alle die Hygieneregeln einhalten. Hier im Beispiel München scheinen die im Steri massiv geschlampt zu haben.

Hygienepläne, einen -beauftragten und das ganze Gedöns haben alle. Aber das ist wertlos, weil so mancher Hygienebeauftragter (ich habe es selber erlebt) nach der Pfeife des Chefarztes tanzt, oder nach der des Verwaltungschefs. Das Wichtigste (und da hilft kein Plan und kein Beauftragter) ist eine gute Ausbildung, vernünftige Bezahlung, vernünftige Arbeitszeiten, keine Überlastung und: Nachdenken des Personals. Und wers nicht rafft fliegt. Ganz einfach.

Gilt auch für die Putzfrauen, klar.
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  #8 (permalink)  
Alt 09.07.2010, 21:06
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

@humi:
ich wollte (dir) nahe bringen, dass ich oder meine leidensgenossen NIE eine putzfrau oder sonstige person beim putzen einer klinke gesehen habe !!!!

kupferklinken wären nicht schlecht, es gibt banden, die sich auf das klauen von gullideckeln spezialisiert haben, - kupfertürklinken aus krankenhäusern wären mit sicherheit auch ein lohnendes geschäft
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  #9 (permalink)  
Alt 09.07.2010, 21:26
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AW: Hygienekatastrophe im Krankenhaus

Zitat:
Zitat von hera Beitrag anzeigen
ich wollte (dir) nahe bringen, dass ich oder meine leidensgenossen NIE eine putzfrau oder sonstige person beim putzen einer klinke gesehen habe !!!!
Hm. Entweder wird da geschlampt, oder Ihr habt so viel gequakt, dass Ihr nix gesehen habt.

Zitat:
kupfertürklinken aus krankenhäusern wären mit sicherheit auch ein lohnendes geschäft
Du glaubst gar nicht, was alles aus Krankenhäusern gestohlen wird. Ein Klinikum, in dem ich war, schaffte jährlich einige tausend Scheren an, von Schreibmaterial ganz zu schweigen. Anwohner versorgten sich paketeweise mit Klopapier. War ein Großklinikum, da hätte einer einen großen Karton in den Gang stellen und drunter wohnen können, hötte nie jemand gemerkt.
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  #10 (permalink)  
Alt 09.07.2010, 22:52
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Zitat:
Zitat von Humungus Beitrag anzeigen
Das Wichtigste (und da hilft kein Plan und kein Beauftragter) ist eine gute Ausbildung, vernünftige Bezahlung, vernünftige Arbeitszeiten, keine Überlastung und: Nachdenken des Personals. Und wers nicht rafft fliegt. Ganz einfach.

Gilt auch für die Putzfrauen, klar.
Da gebe ich dir vollumfänglich recht! Das sollte natürlich längst so sein, aber tatsächlich ist es Zukunftsmusik. Und die wird es angesichts leerer Kassen wohl auch bleiben.
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