Dienstag, 1. September 2009, 10:00

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Fukushima und das Moratorium

Dies ist eine Diskussion zu Fukushima und das Moratorium innerhalb des Forums Recht, Politik und Gesellschaft

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Alt 15.03.2011, 15:26
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Fukushima und das Moratorium

Nein, das ist kein Märchen. Wer Fukushima für die böse Hexe hält, der braucht hier nicht weiter lesen.

Die jüngsten Ereignisse in Japan haben uns Menschen wieder einmal deutlich gezeigt, welche Risiken die Kernkraft birgt - insbesondere, wenn dazu noch Naturkatastrophen kommen. Nun kann man sich in Deutschland freilich zurück lehnen und ruhigen Gewissens behaupten, dass hier weder die Gefahr eines solchen Bebens noch die eines Tsunami besteht. Alte AKW haben wir aber auch. Und die Politiker werden ja sonst nicht müde uns die ach so hohe Terrorgefahr vor Augen zu halten - zumindest wenn es um die Einschränkung von Bürgerrechten geht. Im Hinblick auf AKW scheint es Terrorismus aber gar nicht zu geben! Irgendwas passt da doch nicht zusammen.

Die andere Sache ist: die Laufzeitverlängerung ist erst wenige Monate alt! Das Risiko ist aber natürlich dasselbe geblieben. Schließlich sinkt ja auch nicht die Gefahr Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, nur weil der Nachbar einen Unfall gebaut hat. Es ist also nur der Druck der Öffentlichkeit, der die Regierung zum (vorgeblichen) Umdenken zwingt.

Wie glaubwürdig ist diese Regierung noch? In etwa so wie Guttenberg?
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Alt 15.03.2011, 19:20
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AW: Fukushima und das Moratorium

Bin kein Freund von Kernkraftwerken, aber:

In der selben Tagesschau, die von der ersten Fukushima-Explosion berichtete, gab es auch die Nachricht, dass in Deutschland zwei namentlich erwähnenswerte Persönlichkeiten und zwei namenlose Personen getötet wurden, als ein vermutlich unter Drogen stehender Autofahrer eine Fußgängergruppe über den Haufen fuhr. Anzahl der Verletzen nicht erwähnenswert.
Öffentliche Schlussfolgerung?
Verbot des Autoverkehrs in Ortschaften, Geschwindigkeitsbegrenzung 10km/h, Einstelleung der Autoproduktion, Ablösung der autofreundlichen Regierung .... ?

Nix, kein Mucks, obwohl bei weitem nicht der erste schlimme Fall. Warum jetzt die Atomkraftwerke? Ach ja, der Strom kommt ja aus der Steckdose.

Und einen Zusammenhang mit Barbie-Ken äh Karl-Theodor kann ich schon gar nicht herstellen.
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Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!
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  #3 (permalink)  
Alt 15.03.2011, 19:40
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AW: Fukushima und das Moratorium

Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
In der selben Tagesschau, die von der ersten Fukushima-Explosion berichtete, gab es auch die Nachricht, dass in Deutschland zwei namentlich erwähnenswerte Persönlichkeiten und zwei namenlose Personen getötet wurden, als ein vermutlich unter Drogen stehender Autofahrer eine Fußgängergruppe über den Haufen fuhr. Anzahl der Verletzen nicht erwähnenswert.
Der BILD-Artikel war noch viel besser
Zitat:
Öffentliche Schlussfolgerung?
Verbot des Autoverkehrs in Ortschaften, Geschwindigkeitsbegrenzung 10km/h, Einstelleung der Autoproduktion, Ablösung der autofreundlichen Regierung .... ?
Nee, da reicht es ja die Drogen zu verbieten

Zitat:
Nix, kein Mucks, obwohl bei weitem nicht der erste schlimme Fall. Warum jetzt die Atomkraftwerke? Ach ja, der Strom kommt ja aus der Steckdose.
Auf jeden Fall ist es sehr interessant, wie unterschiedlich Gefahren doch beurteilt werden. Einerseits neige ich zu der Ansicht, dass wir uns im Zeitalter der Sicherheit befinden: kaum ein Kind mehr ohne Fahrradhelm, (Anti-)Terror-Hype - überhaupt boomt die ganze Sicherheitsbranche enorm. Wenn man sich aber die konkreten Opferzahlen mal ansieht, dann stellt man fest, dass unheimlich viele Menschen im Haushalt verunfallen. Oder auch im Straßenverkehr. Für den Kinderfahrradhelm bedeutet das: rationale Grundlage durchaus vorhanden. Doch oft ist es auch nur der mediale Hype, der wirkt wie eine Linse, die die Realität verzerrt und dafür sorgt, dass manche Gefahren über- und manch andere wiederum unterbewertet werden.

Das nutzen skrupellose Menschen gnadenlos aus und inszenieren z.B. mit einer fragwürdigen Charity-Organisation, einer prominenten und gutaussehenden (Ex-)Ministergattin sowie besten Kontakten zu den Boulevardmedien, die die meisten Menschen erreichen, einen solchen medialen Hype. Es wird da wohl nicht unabsichtlich mit den Ängsten der Menschen gespielt, nicht ganz unabsichtlich werden da rechtliche Zusammenhänge falsch dargestellt und auch wird es kaum ein Zufall sein, dass man dieses reißerische Format gewählt hat, anstatt sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Ziel ist klar: es sollen Netzsperren durchgesetzt werden.

Andererseits sind sich die Bürger vieler Gefahren scheinbar nicht bewusst. Kaum einer verschlüsselt seine Mails, nur wenige ihre Festplatten, Backups von wichtigen Daten macht auch längst noch nicht jeder. Wer sichert schon sein Eigenheim gegen Einbruch ab? Sicherheitsvorschriften werden in der Regel auch nur beachtet, wenn sie kontrolliert werden.

Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Und einen Zusammenhang mit Barbie-Ken äh Karl-Theodor kann ich schon gar nicht herstellen.
Der einzige Zusammenhang neben dem oben aufgezeigten ist die (möglicherweise) ebenso wie bei Guttenberg verloren gegangene Glaubwürdigkeit der Regierung. Wie schon gesagt, die Laufzeitverlängerung wurde erst vor wenigen Monaten durchgedrückt! Und nun passiert irgendwo was, die Medien berichten, die Menschen kriegen mitunter Angst, die Opposition und Kernkraftgegner sagen sinngemäß "Seht ihr!? Das hat man davon! Wir waren ja schon immer dagegen!" und die Regierung wiederum zweifelt an ihrer erst kurze Zeit zurück liegenden Entscheidung und rudert ein Stück zurück. Die Gefahrenlage für Deutschland hat sich in den letzten Monaten jedenfalls nicht verändert.

Es gibt also im Prinzip keinen Grund die Sicherheitslage der AKW in D neu zu bewerten, sofern man denn beim letzten Mal nicht geschummelt hat.

Angesichts der unterschiedlichen Bewertungen verschiedener Gefahrenlagen muss doch durchaus die Frage erlaubt sein, ob bei der Gefahrenlage in Deutschland - sowohl in Hinsicht auf einen Terrorangriff als auch auf die Sicherheit der AKW - überhaupt eine Daseinsberechtigung für Kernkraft existiert. Es muss ja nicht mal ein Flugzeug sein, welches da reinfliegt, es könnte ja auch längst schon ein studierter Ingenieur und Islamist da an den Hebeln sitzen und darauf warten "aktiviert" zu werden. Ich hoffe sehr, dass die da genau hingucken, wen die da einstellen. Auch die Gefahr eines Cyberangriffs ist seit Tuxnet nicht mehr völlig auszuschließen. Gerade jetzt wo z.B. Gaddafi unberechenbar ist, kann man nur hoffen, dass er über solche Mittel nicht verfügt. Aber spätestens seit Bush würde ich mich nicht mehr darauf verlassen, dass Nationen, die zu so einem Cyberangriff fähig wären, dies nicht tun würden.
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Geändert von 2much (15.03.2011 um 20:12 Uhr).
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  #4 (permalink)  
Alt 15.03.2011, 20:06
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AW: Fukushima und das Moratorium

Zitat:
Zitat von 2much Beitrag anzeigen
Die Gefahrenlage für Deutschland hat sich in den letzten Monaten jedenfalls nicht verändert.
stimmt, aber sie is grade neu ins bewußtsein der menschen gerückt.

was das mit glaubwürdigkeit zu tun hat, is mir nich klar... ehrlich gesagt, fänd ich es schon mehr als fragwürdig, wenn angesichts neuer entwicklungen (furchbarer katastrofen!) keine neuen überlegungen angestellt würden, ganz egal, ob man grad eben erst ne andere entscheidung gefällt hat.

und wenn sich ne regierung, an der (vermutliche ich mal) mehrheit der bevölkerung orientiert, find ich da auch nichts dran auszusetzen.

wenn deine nabarskinder grad zu waisen geworden sind, weil vati und mutti die neue yamaha ausprbiert haben, wäre es wohl eher ein armutszeichen wenn du nicht die risiken deines eigenen motorradfahrens neu überdenken würdest. menschen sind emotionale wesen. wir sind betroffen, wenn unsere nachbar stirbt. da ändert sich der erfahrungshorizont.

gefahren sind für uns menschen generell erst mal abstrakt. jedenfalls solang sie nur teoretisch irgendwo auf dem papier stehen. theorie lässt sich relativ leicht ausblenden. wenn man sie dann aber am eigenen leib oder dem des nachbarn erfährt, kriegt man nen anderen erfahrungshorizont. und da is gut alte entscheidungen neu zu überdenken.

tschernobyl war und ist immer noch eine katastrofe. da kann man ja noch schön reden, dass die russen halt rumgeschlampt haben und sowas würde in d ja nie passieren.... japan is aber was das betrifft ne ganz andere nummer.

woher wollen wir so genau wissen, ob wir nicht doch mal von nem kleinen beben heimgesucht werden...? die natur ist nicht berechenbar, der mensch ist nicht berechenbar, fehler passieren überall, warum grad in nem akw nicht???

der luftraum im nem bestimmten umkreis von akws wird sehr streng überwacht. da wird sofort abgeschossen, sobald ein flugzeug in die nähe kommt.... wie zuverlässig das allerdings ist....?

mir is deutlich lieber, mich nicht drauf verlassen zu müssen.

@motzi
jaja, der strom kommt aus der steckdose... mit dieser argumentation, hast du ja schon gar keine andere wahl mehr, als vor der katastrofe die augen zu verschließen. menschen sind zu höchstleistungen fähig, wenn ihnen nix andere übrig bleibt. in punkto kernenergie wär es mir nur recht wenn uns der ausstieg dazu zwingt.

autofreie innenstädte wird die zukunft sicher auch bringen. spätestens dann, wenn das öl zu ende is. so lang wird das nicht mehr dauern. ich vermute unsere enkel werden sich fragen, wieso wir nicht schon 50 jahre früher darauf gekommen sind, dass es ohne autos deutlich angenehmer und kompfortabler ist.

im übrigen halt ich den vergleich zwischen autounfällen und supergaus für unpassend. durch autos kommen im jahr ichweißnich wieviel menschen und tiere ums leben. ein supergau zerstört lebensräume auf eine unermesslich lange zeit. und es ist nicht ersichtlich, wie sich ein solcher unfall auswirkt. auch was in tschernobyl heute läuft oder was dort in 200 jahren laufen könnte, das wissen wir nicht. die gefahr ist nicht durch einen sarkophark gebannt, nicht auf lange sicht. und das kann bedeuten dass in 100 jahren dort weitere unkontrollierte spaltungen passieren und dann vielleicht das ausmass der katastrofe um ein vielfaches noch größer ist. das ist kein kalkulierbares risiko, wie das, was wir beim autofahren annehmen. da is klar, es kostet jährlich xxxx menschen das leben. das ist schlimm, aber verglichen mit den risiken der kernenergie, die niemand abschätzen kann, is es peanuts.
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  #5 (permalink)  
Alt 15.03.2011, 20:13
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AW: Fukushima und das Moratorium

Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Bin kein Freund von Kernkraftwerken, aber:

In der selben Tagesschau, die von der ersten Fukushima-Explosion berichtete, gab es auch die Nachricht, dass in Deutschland zwei namentlich erwähnenswerte Persönlichkeiten und zwei namenlose Personen getötet wurden, als ein vermutlich unter Drogen stehender Autofahrer eine Fußgängergruppe über den Haufen fuhr. Anzahl der Verletzen nicht erwähnenswert.
Öffentliche Schlussfolgerung?
Verbot des Autoverkehrs in Ortschaften, Geschwindigkeitsbegrenzung 10km/h, Einstelleung der Autoproduktion, Ablösung der autofreundlichen Regierung .... ?

Nix, kein Mucks, obwohl bei weitem nicht der erste schlimme Fall. Warum jetzt die Atomkraftwerke? Ach ja, der Strom kommt ja aus der Steckdose.

Und einen Zusammenhang mit Barbie-Ken äh Karl-Theodor kann ich schon gar nicht herstellen.
Das ist alles eine Frage der Sozialadäquanz. Was die Gesellschaft als sozialadäquant ansieht ist einem ständigen Wandel unterworfen, wozu Erkenntnisse dieser Art nicht unerheblich beitragen. Die Sozialadäquanz von Atomstrom ist aufgrund der jüngsten Ereignisse in Frage gestellt, da er offensichtlich das gemeingefährliche Risiko einer globalen Katastrophe in sich birgt. Das ist mit den abstrakten Gefahren des Straßenverkehrs in keinsterweise vergleichbar. Der Gesetzgeber trägt den Risiken des Straßenverkehrs auch dadurch Rechnung, indem er jedem Kraftfahrer die Pflicht auferlegt, sein Fahrzeug zu versichern. Demnach ist jede Schädigung von Leib und Leben zumindest finanziell abgesichert. Ich glaube nicht, dass Japan oder die Betreiber von Fukushima für die nicht absehbaren Schäden, die durch die Freisetzung von Kernenergie entstehen haften. Warum denn auch?
Die Ursachen von Krebs und Fehlgeburten sind so mannigfaltig, dass es schon an einer Zurechnung fehlt. Ich halte es zumindest nicht für einen Zufall, dass Kinder, die im Umkreis von Atomkraftwerken aufwachsen häufiger an Leukämie erkranken als andernorts. Verantwortlich ist dafür jedenfalls niemand.
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  #6 (permalink)  
Alt 15.03.2011, 22:26
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AW: Fukushima und das Moratorium

Hi,

man muss nicht erst das, vielleicht unwahrscheinliche, Ereignis eines Terroranschlags annehmen. Einige Kernkraftwerke liegen direkt in der Einflugschneise großer Flughäfen und bekanntlich sind Start und Landung die gefährlichsten Phasen eines Fluges. Kein Deutsches AKW ist für einen Absturz eines Verkehrsflugzeuges ausgelegt.

Auch andere Unfälle wären denkbar. Viele Anlagen liegen direkt an großen Flüssen, aus denen sie auch ihr Kühlwasser beziehen. Die Havarie eines Binnenschiffes, möglicherweise eines Gefahrgutfrachters könnte hier ebenfalls Auswirkungen auf das Kraftwerk haben.

Sicherlich sind derartige Szenarien recht unwahrscheinlich, aber keineswegs ausgeschlossen!
Auch bin ich geneigt, den Verantwortlichen zu glauben, dass sehr viel für die Sicherheit getan wird.
In Anbetracht der gigantischen, langanhaltenden Folgen halte ich den weiteren Betrieb dieser Anlagen jedoch für absolut unverantwortlich, auch wenn nur ein geringes Risiko bestehen mag.

Die derzeitige Kehrtwende der gelb-schwarzen Koalition ist in meinen Augen nur Wahlkampfpropaganda.

Zum Thema Strom aus der Steckdose: Die bisherigen Laufzeiten erstreckten sich ohnehin bis 2022. Ein Ausbau der erneuerbaren Energien wäre bis dahin höchstwahrscheinlich in ausreichendem Maß möglich. Eine Verlängerung der Laufzeiten, zum jetzigen Zeitpunkt, bremst diese Entwicklung unnötig aus.

Nun kommt vielleicht noch jemand mit dem Argument, dass Atomstrom ja so schön billig ist? Nunja, wenn man alle Kosten mit einrechnet, also auch die Endlagerung (wo eigentlich?) und Pflege des Mülls für die Nächsten Jahrhunderte. Dann erkennt man ziemlich schnell, dass es sich um die teuerste Energie überhaupt handelt. Selbst wenn alles gut geht.
Nagut... in einigen hundert Jahren... wen interessiert das? Nach mir die Sintflut .

Für Technikinteressierte: http://www.physikblog.eu/


lg
Carsten

PS: In welchen Farben wird eigentlich das Warnsymbol für Radioaktivität dargestellt?
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PS: wer sChreipfehler vindet , darff sie pehalten!

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  #7 (permalink)  
Alt 15.03.2011, 23:10
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AW: Fukushima und das Moratorium

Ich weiß nicht, wo und wie weit die Glaubwürdigkeit einer (deutschen Regierung) jemals gegeben war. Frau Angela M. hat mich aber diesbezüglich eher weniger enttäuscht als ihre beiden Amtsvorgänger. Kann aber sein, dass sich inzwischen nur mein Erwartungshorizont abgesenkt hat.
Lange vor diesen dreien hat es einen deutschen Staatschef gegeben, der hat seinem Volk so sinngemäß zugerufen: "Los, wir rotten jetzt die Juden aus und erobern die Welt als Herrenrasse!". Das war anscheinend sehr glaubwürdig, jedenfalls haben ziemlich viele eifrig mitgemacht, es gab ja Arbeitsplätze.
Den möchte ich aber auch nicht wiederhaben.

Zitat:
Zitat von zeiten Beitrag anzeigen
wir sind betroffen, .... da ändert sich der erfahrungshorizont.
leider nicht nowendigerweise

Zitat:
Zitat von zeiten Beitrag anzeigen
der luftraum im nem bestimmten umkreis von akws wird sehr streng überwacht. da wird sofort abgeschossen, sobald ein flugzeug in die nähe kommt....
Sicher? Ich hab mir ja schon manchmal mangelnde Sachkenntnis nachweisen lassen, diesmal glaube ich aber zu wissen, dass Herr Schäuble ein entsprechendes Gesetz beschließen ließ, welches dann vom Verfassungsgericht kassiert wurde, weil es nicht zulässig sei, die Menschenleben an den verschiedenen Orten gegeneinander aufzuwiegen.

Zitat:
Zitat von zeiten Beitrag anzeigen
jaja, der strom kommt aus der steckdose... mit dieser argumentation, hast du ja schon gar keine andere wahl mehr, als vor der katastrofe die augen zu verschließen. menschen sind zu höchstleistungen fähig, wenn ihnen nix andere übrig bleibt. in punkto kernenergie wär es mir nur recht wenn uns der ausstieg dazu zwingt.
fähig ... Der Mensch sei sogar zum Denken und zum bewussten planmäßigen Handeln fähig, heißt es.
Ich versteh aber schon mal nicht, warum die Öko-Anti-Atom-Touris seit Jahrzehnten ausgerechnet immer nur nach Gorleben fahren. Wieso steht nie eine Blockade-Mahnwache vor einem AKW, wenn dort frische Brennelemente geliefert werden?
In Groningen in Niedersachsen gibt es eine Uran-Anreicherungsanlage, hab ich gelesen. Dazu die aktuelle Forderung, man solle dort jetzt den Export nach Asien stoppen! Hä?
Wie lange und warum war jetzt E10 Hauptinhalt des öffentlichen Interesses? Wer spricht oder schreibt noch davon?

Du handelst nur dann vernünftig, wenn man Dich dazu zwingt? Ich eher nicht. Unter entsprechendem Druck tue ich bestimmt auch Dinge, die ich sonst grundsätzlich ablehnen würde. Vielleicht würde ich mir sogar nach 11 autofreien Jahren wieder eins zulegen.

Zitat:
Zitat von zeiten Beitrag anzeigen
im übrigen halt ich den vergleich zwischen autounfällen und supergaus für unpassend.
Ich auch, will nämlich mal pingelig sein. Supergaus, also "Über Größte Anzunehmende Unfälle", kann es gar nicht geben, Autounfälle aber schon. Die unkontrollierte Kettenreaktion ist der größte anzunehmende Unfall (GAU).

Viele kleine Katastrophen können aber auch genauso schlimm sein wie eine große. Da können wir auch die Gefahren, die aus dem Automobilismus resultieren, ganz ausblenden (oder in einen neuen Thread auslagern).
Einige Sammlungen von kleinen Katastrophen sind zusammen genommen dann auch ziemlich groß (man denke nur an die diversen Kriege)

Und hinreichend viele ganz kleine kann man jeden Tag völlig ignorieren, zusammengenommen sind sie aber auch schlimm.
Wenn man sich in seiner näheren Umwelt mal umschaut, kann man mit wenig historischem Wissen schon ins Zweifeln kommen, über das, was hier seit reichlich tausend Jahen geschieht und "Entwicklung" genannt wird. Hier war mal in mindestens 250km Umkreis alles Wald. 500 Jahre nach Einmarsch der westlich-chritlichen Zivilisation wurden erste Gesetze erlassen, die den Holzeinschlag rigeros und umfassend verboten, weil der große Fürst mit den verbliebenen Beständen seiner Exportgüter noch Geld verdienen wollte. Heute freuen wir uns über die vereinzelten Rest-Naturinseln.
Aber wen schert das?
Jetzt brauchen wir halt Kohle und Öl, und das haben die Russen und Araber gefälligst zu liefern, sonst ...! Und die Kernspaltungskraftwerke als Brückentechnologie bis die Kernfusion funktioniert!

Ich halte es im übrigen für äußerst unwahrscheinlich, dass die "Erneuerbaren Energien" jemals auch nur den derzeitigen Verbrauch an nicht erneuerbaren Energiequellen decken können, und glaube auch nicht an die Kernfusion oder gar an die Unerschöpflichkeit der Erdölreserven.
Es fällt mir aber trotzdem auch noch nicht ernsthaft ein, dass ich jetzt eigentlich die Heizung abdrehen müsste.


Zitat:
Zitat von zeiten Beitrag anzeigen
das ist kein kalkulierbares risiko, wie das, was wir beim autofahren annehmen.
Welches Risiko kalkulierst Du beim zu Fuß gehen?

Zitat:
Zitat von Libera Beitrag anzeigen
Der Gesetzgeber trägt den Risiken des Straßenverkehrs auch dadurch Rechnung, indem er jedem Kraftfahrer die Pflicht auferlegt, sein Fahrzeug zu versichern. Demnach ist jede Schädigung von Leib und Leben zumindest finanziell abgesichert. Ich glaube nicht, dass Japan oder die Betreiber von Fukushima für die nicht absehbaren Schäden, die durch die Freisetzung von Kernenergie entstehen haften.
Ich bin mir sicher, dass auch die deutschen Kraftwerke entsprechend versichert sind und nehme auch an, dass für die Fukushima-Anlagen Haftpflicht-Versicherungen abgeschlossen wurden.
Ich kenne aber keinen sonstigen Nutznieser der Energieversorgung aus Kernenergie (=gemeiner Stromkunde), der bereit wäre, seinerseits die Haftung für Schäden bzw. Risiken, die sein Komfortbedürfnis verursacht, auch nur anteilig zu übernehmen.

In obigem Zitat habe ich aber noch wesentliche Zweifel an dem Wort "jede". Juristisch theoretisch mag ich es gerade noch gelten lassen.

Zitat:
Zitat von Libera Beitrag anzeigen
Ich halte es zumindest nicht für einen Zufall, dass Kinder, die im Umkreis von Atomkraftwerken aufwachsen häufiger an Leukämie erkranken als andernorts. Verantwortlich ist dafür jedenfalls niemand.
Nicht mal die Eltern, die von dem (tatsächlichen oder angeblichen) Risiko gehört haben, dort wohnen bleiben und weiter Kinder zeugen.
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  #8 (permalink)  
Alt 15.03.2011, 23:40
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AW: Fukushima und das Moratorium

Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Ich bin mir sicher, dass auch die deutschen Kraftwerke entsprechend versichert sind und nehme auch an, dass für die Fukushima-Anlagen Haftpflicht-Versicherungen abgeschlossen wurden.
Das ist natürlich Unsinn.

Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Ich kenne aber keinen sonstigen Nutznieser der Energieversorgung aus Kernenergie (=gemeiner Stromkunde), der bereit wäre, seinerseits die Haftung für Schäden bzw. Risiken, die sein Komfortbedürfnis verursacht, auch nur anteilig zu übernehmen.
Warum sollten sie auch, sie verursachen die Gefahr auch nicht.

Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Nicht mal die Eltern, die von dem (tatsächlichen oder angeblichen) Risiko gehört haben, dort wohnen bleiben und weiter Kinder zeugen.
Ich bin sicher, genau dort sind die Verantwortlichen zu suchen. Unter den Eltern leukämiekranker Kinder.
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  #9 (permalink)  
Alt 16.03.2011, 00:18
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AW: Fukushima und das Moratorium

@ motzi
wenn man deiner argumentation folgt, könnte man glauben, dass jegliches reagieren auf eine katastrofe nicht gewünscht ist, mit dem argument: bei anderen katastrofen wird ja auch nix/nicht genug getan...

es ist natürlich richtig, dass es viele andere misstände und auch katastrofen gibt. warum uns das aber hindern soll auf ein solches ereignis zu reagieren, is mir rätselhaft.

ein ganzes land is da bedroht, 100tausende von menschen und deren kinder und menschen, die noch nicht mal geboren sind. wie das ausgeht ist noch überhaupt nicht abzusehen. und du tust so, als wär das dann eben "auch egal"... bzw. bräuchte es uns ja nicht weiter stören, weil wir keine energietechnischen alternativen haben???

wenn diese katastrofe was gutes haben soll, kommen wir nicht dran vorbei, sie zunächst mal als katastrofe zur kenntniss und wahrnehmen. wenn wir auch nur einen teil der auswirkungen sehen, die das haben wird, können wir nicht gedanken- bzw. gefühllos weiter machen wie bisher. das is das einzig gute, was daraus werden kann, eben das "nicht-zur-tagesordnung-übergehen".

Zitat:
Wie lange und warum war jetzt E10 Hauptinhalt des öffentlichen Interesses?
e10 werden wir abfrühstücken, wenn wir einigermaßen absehen können, was mit japan (einem ganzen land - tausenden von menschen) werden wird... sollten wir, deiner meinung nach, teilnahmslos darüber weg sehen. wie resigniert bist du eigentlich? lässt dich das denn alles kalt?
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  #10 (permalink)  
Alt 16.03.2011, 07:48
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AW: Fukushima und das Moratorium

Was hat Hitler eigentlich damit zu tun @motzmecker?

Natürlich handelt es sich bei dem Moratorium in erster Linie um Wahlkampfpropaganda, denn die Umfragewerte der CDU gingen ja bereits nach unten.

Ich möchte mal behaupten, dass der Großteil der Bundesbürger auch nicht gut genug über AKW Bescheid wusste. Mir war z.B. gar nicht bekannt, dass man Reaktoren wie in Japan gar nicht komplett abschalten kann, sondern dass die trotzdem noch gekühlt werden müssen. Das bedeutet ja: fällt das Kühlsystem aus irgendeinem Grund völlig aus, droht bereits eine Kernschmelze. Dass das "Restrisiko" größer ist als erwartet zeigen Tschernobyl und vor allem Japan.

Im Zuge der Anti-Terror-Hysterie, die m.E. absichtlich geschürt wurde, wurden alle möglichen Gesetze erlassen bzw verschärft, manchmal blieb es auch nur beim Versuch, wie z.B. beim bereits genannten Abschuss von Zivilmaschinen bei einer Flugzeugentführung. Allein schon das zeigt die Kaltblütigkeit, mit der hier "gerechnet" wird: Zivilmaschinen will man abschießen, aber der bereits beschlossene Ausstieg aus der Kernkraft wird einfach mal eben außer Kraft gesetzt.

Und wer hätte je gedacht, dass AKW mit Windows laufen? Mal ehrlich, wer hätte denn da noch blindes Vertrauen? Und Stuxnet zeigte ja dann auch auf, dass AKW durchaus Ziel eines Cyberangriffs sein können. Auch wenn wahrscheinlich ist, dass der Angriff von den USA oder Israel mit immensem Aufwand geplant und durchgeführt wurde, so könnte auch eine andere Nation verantwortlich sein - zumindest theoretisch. Es wäre jedenfalls dumm, sich darauf zu verlassen, dass die Herrscher, Diktatoren und Despoten auf der ganzen Welt vernünftig genug seien, ein AKW nicht anzugreifen. Man denke nur an Bush, Hitler (aus der Vergangenheit) oder auch Chavez, Gaddafi (in der Gegenwart) und viele andere. Man denke nur an Israel und den seit Jahrzehnten andauernden Spannungen im Nahen Osten.
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Demokratie ist, wenn man sich aussuchen kann, wer einen verarscht. (Hagen Rether)
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