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Die Zukunft der Demokratie und des Internets

Dies ist eine Diskussion zu Die Zukunft der Demokratie und des Internets innerhalb des Forums Recht, Politik und Gesellschaft

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  #1 (permalink)  
Alt 18.12.2010, 15:22
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Die Zukunft der Demokratie und des Internets

Die Akte Wikileaks zeigt sehr deutlich, dass demokratische Regierungen auf demokratische Werte und Errungenschaften schei*en, wenn ihre eigenen unter Verschluss gehaltenen Untaten an die Öffentlichkeit geraten oder zu geraten drohen.

Die zunehmende Vernetzung einzelner Menschen zu mehr oder weniger zusammenhängenden Konglomeraten hat letztlich die Existenz von Wikileaks ermöglicht. Aber Wikileaks ist nur ein Meilenstein.

Gerade Informationen über Kriegshandlungen sollen nicht den Wähler erreichen. Leider gibt es ja schon seit Jahren keine unabhängige Kriegsberichterstattung mehr und auch vorher schon haben u.a. auch Amerikaner und Israelis "aus Versehen" auf Journalisten geschossen.

Wikileaks ist sozusagen ein Garant für unsere demokratischen Werte, wie z.B. der Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit - wenn diese Entwicklung nicht vielleicht gestoppt wird. Der Souverän, das Volk, hat ein Recht darauf zu erfahren, was gespielt wird.

Die Frage ist nur, welchen Einfluss diese Entwicklungen langfristig auf die Politik haben. Reichen Kontrollmechanismen à la Wikileaks und öffentlicher Protest aus oder darf man sich langsam von der Stellvertreter-Demokratie verabschieden? Mehr direkte Demokratie wird schon jetzt allenthalben gefordert. Doch gerade wenn der Bürger selbst entscheiden soll, muss er umfassend informiert sein.
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Demokratie ist, wenn man sich aussuchen kann, wer einen verarscht. (Hagen Rether)

Geändert von 2much (18.12.2010 um 19:12 Uhr).
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  #2 (permalink)  
Alt 18.12.2010, 17:15
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AW: Die Zukunft der Demokratie und des Internets

Nee Du, so ganz mag ich Deinen Glauben an die Internet-User-Gemeinde als Retter der Welt nicht teilen. Wikileaks ist nicht schlecht, wichtiger wäre es aber eher, dass es solche auszugrabenden Geheimnisse gar nicht erst gibt.
Informationen über die diversen Kriege gibt es auch so genug. Aber so wirklich stört es doch auch nicht viele, dass unter den "leider unvermeidlichen Kollateralschäden" auch mal ein paar Journalisten oder sonstige Einwohner "zivilisierter" Länder sind. Weder hier noch hinterm Teich.

Es gab da mal ein Land, da sind die Leute in großen Scharen jeden Montagabend nach Feierabend um den Block gezogen und haben "Wir sind das Volk" gerufen. Nicht wenige davon haben geglaubt, dass jetzt unter anderem dadurch die Welt in Ordnung kommt. Man hat ihnen dann aber bald beigebracht "Wir sind ein Volk" zu rufen, dann wurden Wahlplakate mit der Losung "Freiheit, Einheit, Wohlstand" aufgestellt und bald darauf wurde die Partei gewählt, die am deutlichsten "D-Mark für alle" versprach und dann sogar auch bald "Kohl für alle" realisierte. Außerdem wurde dafür gesorgt, dass ARD nicht mehr mit Außer Raum Dresden zu übersetzen ist. Seit dem ziehen die Menschen nicht mehr um den Block, obwohl eine ganze Menge von Ihnen jetzt viel mehr Zeit dazu haben.

Zitat:
Zitat von 2much Beitrag anzeigen
Doch gerade wenn der Bürger selbst entscheiden soll, muss er umfassend informiert sein.
würde ich mal abbwandeln wollen, denn der Bürger soll ja gar nicht, das stört bloß (Waldschlösschenbrücke Dresden, Stuttgart 21,...)
"Doch gerade wenn der Bürger selbst entscheiden will, muss er sich umfassend informieren." Da könnte eher ein Schuh draus werden. Aber will er denn? Welche Medien werden hierzulande am häufigsten konsumiert? Wieviele kennen Stefanie zu Guttenberg, Anne Will, Katja Kipping oder Kristina Schröder? Alles mindestens durchschnittlich gut aussehende Frauen, kannst ja mal eine Umrage starten.
Ich meine, er will nicht und da helfen weder Wiki- noch Openleaks. Den wahren Weg kenne ich aber auch noch nicht, deshalb werde ich Dich mal (noch) nicht von Deinem schubsen.

Damit's nicht ganz so traurig wird, noch ein Spruch aus der Kiste:
Optimisten haben keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die ein Pessimist erleben kann.
__________________
Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!
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  #3 (permalink)  
Alt 18.12.2010, 19:03
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AW: Die Zukunft der Demokratie und des Internets

Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Nee Du, so ganz mag ich Deinen Glauben an die Internet-User-Gemeinde als Retter der Welt nicht teilen.
Sag ich ja gar nicht. Es könnte sich auch so entwickeln, dass man den Zugang zum Internet derart einschränkt, dass es für die Herrschenden keine Gefahr mehr ist.

Zitat:
Wikileaks ist nicht schlecht, wichtiger wäre es aber eher, dass es solche auszugrabenden Geheimnisse gar nicht erst gibt.
Unzweifelhaft.

Zitat:
Informationen über die diversen Kriege gibt es auch so genug. Aber so wirklich stört es doch auch nicht viele, dass unter den "leider unvermeidlichen Kollateralschäden" auch mal ein paar Journalisten oder sonstige Einwohner "zivilisierter" Länder sind. Weder hier noch hinterm Teich.
Da widerspreche ich. Es gibt eben nicht genug Informationen aus Kriegsgebieten. Zwar dürfen Journalisten mit den Amis eine "geführte Tour" machen und haben auch alle Annehmlichkeiten, aber was auch immer der schreibt, er muss es vorher vom General absegnen lassen! Das ist klare Zensur.

Zitat:
würde ich mal abbwandeln wollen, denn der Bürger soll ja gar nicht, das stört bloß (Waldschlösschenbrücke Dresden, Stuttgart 21,...)
Meine Rede.

Zitat:
"Doch gerade wenn der Bürger selbst entscheiden will, muss er sich umfassend informieren." Da könnte eher ein Schuh draus werden. Aber will er denn? Welche Medien werden hierzulande am häufigsten konsumiert? Wieviele kennen Stefanie zu Guttenberg, Anne Will, Katja Kipping oder Kristina Schröder? Alles mindestens durchschnittlich gut aussehende Frauen, kannst ja mal eine Umrage starten.
Also gerade die Guttenberg kennt ja jeder RTL2-Zuschauer und BILD-Leser. Diese Klientel ist natürlich zahlenmäßig schon eine Hausnummer. Aber ein Großteil von denen geht auch nicht zur Wahl.
Zitat:
Ich meine, er will nicht und da helfen weder Wiki- noch Openleaks. Den wahren Weg kenne ich aber auch noch nicht, deshalb werde ich Dich mal (noch) nicht von Deinem schubsen.
Der gemeine Bürger ist weder besonders intelligent noch besonders politisch interessiert. Das führt ja auch zu dem Kuriosum, dass Wikileaks in der deutschen Öffentlichkeit erst mit "Teflon-Merkel" und ähnlichem Tratsch bekannt wurde - obwohl vorher z.B. durch Wikileaks bekannt wurde, dass ein amerikanischer Hubschrauber im Irak mehrere Zivilisten erschoss.

Die Diskussion sollte auch gewiss keine Lobhudelei auf die Internetgemeinde werden (wer immer das sein soll), sondern natürlich auch mögliche nachteilige Wirkungen aufzeigen.
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  #4 (permalink)  
Alt 18.12.2010, 19:55
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AW: Die Zukunft der Demokratie und des Internets

Zitat:
Zitat von 2much Beitrag anzeigen
Sag ich ja gar nicht. Es könnte sich auch so entwickeln, dass man den Zugang zum Internet derart einschränkt, dass es für die Herrschenden keine Gefahr mehr ist.
hm, das hab ich jetzt schon zum zweiten mal irgenwo hier gelesen. kannst du mal erklären, wie oder wodurch das gehen können sollte? meinst du technisch oder über gesetze?

ich kanns mir nicht vorstellen. was aber auch heißen könnte, dass ich keine ahnung hab... ich weiß halt nicht...
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  #5 (permalink)  
Alt 18.12.2010, 20:19
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Zitat:
Zitat von zeiten Beitrag anzeigen
hm, das hab ich jetzt schon zum zweiten mal irgenwo hier gelesen. kannst du mal erklären, wie oder wodurch das gehen können sollte? meinst du technisch oder über gesetze?
Sowohl als auch. Man kann Server abschalten, DNS-Server manipulieren, drakonische Strafen verhängen und vieles mehr. In China googelt es sich z.B. nicht so frei wie noch hier.
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  #6 (permalink)  
Alt 19.12.2010, 00:04
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Zitat:
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Zitat:
Zitat von 2much Beitrag anzeigen
Sag ich ja gar nicht. Es könnte sich auch so entwickeln, dass man den Zugang zum Internet derart einschränkt, dass es für die Herrschenden keine Gefahr mehr ist.
hm, das hab ich jetzt schon zum zweiten mal irgenwo hier gelesen. kannst du mal erklären, wie oder wodurch das gehen können sollte? meinst du technisch oder über gesetze?

ich kanns mir nicht vorstellen. was aber auch heißen könnte, dass ich keine ahnung hab... ich weiß halt nicht...
... hab ich jetzt gar nicht gelesen

Der Möglichkeiten gibt es mindestens genug. Die Überwachung und Sperre wird aber niemals lückenlos sein, aber man kann Dir den Zugriff auf alle Sachen schon heftig versauen.
Ist aber viel zu viel Stress und gar nicht nötig, das werden die Chinesen auch noch begreifen. Vielleicht wissen sie das ja auch schon, können aber so einen plötzlichen Sinneswandel nicht offen zugeben, das regt nur die Menschen zu sehr auf und dann müsste man wieder himmlischen Frieden machen.



Das Netz war und ist nie der Hort der Freiheit und Information, genau wie es die sonstigen Medien nie waren oder sein werden, es ist wie diese ein Geschäft. Die Informationen, die Du bekommen kannst, hat jemand mit Absicht da irgendwohin gestellt.
Glücklicherweise(?) halten sich aber da viele Interessen die Waage, so dass man sich in den verbleibenden Nischen noch ziemlich frei fühlen kann und solche Helden wie wir tapfer weiter über die Rettung der Welt palavern dürfen.

Solange Frau zu Guttenberg bei der Straßenumfrage bekannter ist als die andern drei vorhin erwähnten zusammen addiert, besteht keinerlei Grund, die Informationsfreiheit gegenüber dem Volk überhaupt einzuschränken. Man könnte sogar einmal im Jahr in jeder deutschen Beamtenstube Tag der offenen Tür mit Zugang zu allen Informationen machen, das würde nichts ändern. Es ist aber ganz lustig, immer mal mit Terrorgefahr und Verbotsankündigungen auf den Busch zu klopfen und dann mal zu kucken, wer darunter vorgesprungen kommt und schreit. Auch eine Form von "Brot und Spiele"
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  #7 (permalink)  
Alt 19.12.2010, 06:06
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Zitat:
Zitat von motzmecker Beitrag anzeigen
Ist aber viel zu viel Stress und gar nicht nötig, das werden die Chinesen auch noch begreifen. Vielleicht wissen sie das ja auch schon, können aber so einen plötzlichen Sinneswandel nicht offen zugeben, das regt nur die Menschen zu sehr auf und dann müsste man wieder himmlischen Frieden machen.
Schon richtig. Mit der richtigen "Propaganda" kann man dem Volk alles verkaufen. Deshalb wurden ja die Presse- und die Meinungsfreiheit ins Leben gerufen. In der heutigen Zeit kommt den Informationen noch mehr Bedeutung zu, da die Möglichkeiten der Einflussnahme und Manipulation sich sehr geändert haben. Parteiengeklüngel in der Chefredaktion einer Zeitung reicht eben allein nicht mehr aus.

Zitat:
Das Netz war und ist nie der Hort der Freiheit und Information, genau wie es die sonstigen Medien nie waren oder sein werden, es ist wie diese ein Geschäft. Die Informationen, die Du bekommen kannst, hat jemand mit Absicht da irgendwohin gestellt.
Natürlich ist es auch ein Geschäft, aber die Urheber sind wesentlich zahlreicher als bei Printmedien, die Nutzer und auch Organisationen wesentlich besser vernetzt. Wir reden heute von Informationsfreiheit, die auf der anderen Seite wieder eingeschränkt werden soll. Es gilt doch gerade heute die Schranken fest zu legen, die das Internet vielleicht haben sollte. Es macht schon einen Unterschied, ob man in China oder Kuba im Internet surft oder in Deutschland. Die Frage ist nur: entwickeln wir uns in Richtung China oder umgekehrt?

Zitat:
Solange Frau zu Guttenberg bei der Straßenumfrage bekannter ist als die andern drei vorhin erwähnten zusammen addiert, besteht keinerlei Grund, die Informationsfreiheit gegenüber dem Volk überhaupt einzuschränken.
Auch richtig, unbestritten. Der Einfluss der Springer-Presse ist in der Vergangenheit auch nicht zu leugnen gewesen. Aber bei denjenigen Menschen, die sich eben nicht nur mit BILD und RTL2 "informieren", sondern im Internet, ist die Wahrscheinlichkeit ungleich größer, auch mal auf Kritik zu stoßen. Auch Foren wie dieses hier tragen durchaus dazu bei die Menschen besser zu informieren. Denn es ermöglicht den schnellen Austausch von mehr oder weniger relevanten Informationen. Per Copy und Paste sind schnell Texte und Links eingefügt oder auch Orte auf einer Landkarte angezeigt, früher war das alles ungleich komplizierter.

Lass mich die Frage umformulieren: "Welchen Einfluss wird die zunehmende Vernetzung langfristig auf Gesellschaft und Politik haben?"

Zitat:
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Es ist aber ganz lustig, immer mal mit Terrorgefahr und Verbotsankündigungen auf den Busch zu klopfen und dann mal zu kucken, wer darunter vorgesprungen kommt und schreit. Auch eine Form von "Brot und Spiele"
Du meinst also, dass niemand die Verbote ernsthaft durchsetzen will? Da bin ich anderer Meinung. Wie sehr die öffentliche Meinung für das Gelingen von Gesetzesverschärfungen entscheidend ist, dürfte doch klar sein. Und wenn die Herrschenden die Bürger nicht mit entscheiden lassen wollen, dann machen sie es eben klammheimlich. Es werden also nicht nur Informationen manipuliert, sondern auch unterdrückt. Manchmal auch erfolgreich, wie z.B. lange Zeit bei dem S21-Projekt.

Man darf auch nicht vergessen, dass die junge Generation anders ist. Etwaige Einflüssse auf die Gesellschaft und Politik sind zwar dann durch den Generationenwechsel bedingt, diese wird aber ja auch durch die moderne Technik geprägt.
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  #8 (permalink)  
Alt 19.12.2010, 13:38
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Oh au weia, da hab ich mir ja 'ne Suppe eingebrockt. Da muss ich wohl mal zum Löffel greifen, vielleicht schaffe ich den Kübel ja doch.

Zitat:
Zitat von 2much Beitrag anzeigen
Du meinst also, dass niemand die Verbote ernsthaft durchsetzen will? Da bin ich anderer Meinung.
Da hast Du sicherlich auch recht. Die Meldung, dass namhafte US-Repräsentanten die Todesstrafe für Julian Assange (und das nicht wegen der Anklage wegen Vergewaltigung) fordern, ist sicher nicht völlig frei aus den Fingern gesogen. Die Gesetze sind aber nicht der alleinige Maßstab. Im Moment ist es mehr oder weniger verboten, Deine Wohnung zu verwanzen, Dir den "Bundestrojaner" auf den Rechner zu packen oder dich sonst irgendie auszuspionieren. Wenn das aber doch jemand für nötig hält, so dass er sich die notwendigen Dinge beschafft und Leute dafür abstellt, glaubst Du, dass ihn so ein paar Paragraphen dann ernsthaft hindern? Ich nicht.

Wenn man einen Übeltäter braucht, der Schuld am Elend der Welt sein und deshalb der Welt vermittels entsprechender Kampagne zum Frass vorgeworfen werden soll, muss der nicht wirklich was ausgefressen haben. Das ist dem Mob egal. Wenn Du zufällig dran sein solltest, wird es so kommen, ganz egal ob Du nun wirklich ein terrorverdächtiger Wikileaks-Aktivist bist oder nicht mal weißt, dass Internet nichts mit netten Indern zu tun hat. Das kriegt man dann schon gesteuert. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda soll mal seinen Leuten so sinngemäß erklärt haben: "Wer eine Behauptung beweist, beweist damit nur, dass er es nötig hat, diese zu beweisen ..." Er hat sein Wissen ziemlich lange erfolgreich anwenden können.

Zitat:
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Und wenn die Herrschenden die Bürger nicht mit entscheiden lassen wollen, dann machen sie es eben klammheimlich. Es werden also nicht nur Informationen manipuliert, sondern auch unterdrückt. Manchmal auch erfolgreich, wie z.B. lange Zeit bei dem S21-Projekt.
Ganz richtig weiß ich nicht, was da bei S21 wirklich läuft, aber so geheim war der Plan nun auch wieder nicht. Bevor ich im Jahre 1999 den Großraum Stuttgart voläufig endgültig verlassen habe, hab ich mir im Stuttgarter Hauptbahnhof das Modell von diesem Projekt schon paar mal angeschaut.
Über das von mir erwähnte Bauwerk Waldschlösschenbrücke weiß ich aber zufällig etwas mehr. An diese Stelle hat man schon vor etwa 90 Jahren eine Brücke geplant und begonnen, das Straßennetz entsprechend auszulegen. Nach 1945 geriet der Plan so mehr oder weniger in Vergessenheit, ab 1990 (Stadt und Land wurden christlich-demokratisch regiert) wurde dann wieder ernsthaft begonnen, diese wirklich bauen zu wollen und alle Welt war in Aufbruchstimmung, friedlich und guter Dinge. Architekturwettbewerb, weil das Ding für die große Weltstadt ja auch was hermachen soll, eines der imposantesten Projekte hat gewonnen.
Mit Bekanntgabe der Kosten begannen erste öffentliche Unmutsäußerungen, noch mehr kam hinzu, als endgültig klar wurde, dass bisher ruhige Wohngegenden künftig an Hauptverkehrsadern liegen werden, die allgemeine Stimmung kippte. Trotzdem wurde das Projekt von Stadt und Freistaat weiter geschoben.
Bei den nächsten Kommunalwahlen siegten die Parteien (Grüne, PDS, SPD), die klar gegen den Bau Stellung genommen haben, das Projekt wurde weitestgehend gestoppt. Ich glaub, es war vor allem die FDP, die dann als Vorhut aller Autofahrer einen Bürgerentscheid durchsetzte, der dann wunderbarerweise wieder zu Gunsten der Brücke ausging.
Danach haben die aktiven Gegner noch einmal alle Register gezogen. Die Entdeckung der kleinen Hufeisennase führte zu einigen Verzögerungen, bis gerichtlich festgelegt wurde, dass diese hinreichende Überlebenschancen hat, wenn von 22.00 bis 6.00 Uhr auf der Brücke Tempo 30 gilt.
Das Weltkulturerbe war die das letzte As im Ärmel der Brückengegner, ist aber vom Land (immer noch CDU-regiert) mit Verweis auf rechtsgültige Beschlüsse und Verträge abgeschmettert worden. Bei Baubeginn hat es auch noch ein paar spektakuläre Baumschützer-Polizei-Aktionen gegeben, mittlerweile gibt es nur noch ein kleines Häufchen, die da immer mal an der Baustelle vorbeilaufen und Protestschilder aufstellen, das kratzt aber keinen.
Nicht all zu lange vorher ist es mit dem Baubeginn der Autobahn Dresden-Prag auch ähnlich gelaufen. Da traut sich jetzt auch keiner mehr zu sagen, dass er dagegen war oder gar noch ist.
Ich bin überzeugt, dass beide Projekte wieder tief in der Schublade verschwunden wären, wenn es wenigstens einmal so eine Wir-sind-das-Volk-Demo mit 50000 einheimischen Teilnehmern gegen diese Pläne gegeben hätte. So ist eher mit der verbreiteten Sichtweise zu rechnen: "Klar, dass einigen weh tut, mir aber nicht. Ich hab auch meine Probleme und da muss ich auch alleine durch und es muss ja auch irgendwie weitergehen. Ich versteh dich ja, aber ich war's ja nicht ... Da kann man eben nichts machen"

Zitat:
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Man darf auch nicht vergessen, dass die junge Generation anders ist.
Ist ja nun wirklich eine völlig neue Erkenntnis, ich erlaube mir zu zitieren (ohne die unmittelbare Quelle auf Authentizität überprüft zu haben):
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Sokrates - (um 469 vChr - 399 vChr)

Zitat:
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Etwaige Einflüssse auf die Gesellschaft und Politik sind zwar dann durch den Generationenwechsel bedingt, diese wird aber ja auch durch die moderne Technik geprägt.
Es gab da früher Mopeds, Kofferradios und Kassettenrecorder, später Game-Boys und Tamagochis, jetzt Handy und Internet. Früher gab's aber auch kein warmes Wasser aus dem Wasserhahn, keinen Fernseher und das Bier gab's auch nur glasweise in der Kneipe. Ja, die Welt ändert sich.

Zitat:
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Lass mich die Frage umformulieren: "Welchen Einfluss wird die zunehmende Vernetzung langfristig auf Gesellschaft und Politik haben?"
Hmmm, also ich denke, dass einige Zweige und Kommunikationsformen (Medien) an Einfluss verliern werden. Der Einzelne wird sich weiter vereinzeln, weil er ja zu Hause vor seinem Computer hockt und mit völlig fremden Menschen kommuniziert, um Lösungen für die Rettung der Welt zu finden, anstatt gemeinsam mit den Menschen in seiner Umgebung zu überlegen, was ihnen nützt und der restlichen Welt nicht schadet sowie dann auch Wege zu finden, dies durchzusetzen.
Die staatlichen und öffentlichen Einrichtungen werden anonymisiert und dadurch für den "kleinen Mann" immer undurchschauberer und unangreifbarer.
Die Verbreitung des Internets geschieht parallel zu einer Unterwanderung und Zurückdrängung des auf seine geografischen Grenzen und durch seine Gesetzlichkeit beschränkten bürgerlichen Staates durch (ich nenn' das mal so) das transnationale Business, das an wenig bis keine Gesetze gebunden ist, mit der Tendenz, dass irgendwann Coca-Cola, Sony, Daimler-Benz (oder Toyota),Samsung und die Bank of China einen Weltaufsichtsrat bilden, der UNO und nationalen Regierungen Weisungen gibt. Vielleicht werden die Staaten auch irgendwann privatisiert, so dass dann ein ferner Nachfolger des Herrn Wulff nicht mehr Bundespräsident sondern Aufsichtsratsvorsitzender heißt....

Muss nicht sein, ist aber mal so die Richtung, in die ich alles laufen sehe, solange keiner effektiv dagegen bockt. Den Spruch vom Optimisten und Pessimisten wiederhole ich jetz nicht noch mal.
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Geändert von motzmecker (19.12.2010 um 18:32 Uhr).
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  #9 (permalink)  
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Ist ja nun wirklich eine völlig neue Erkenntnis, ich erlaube mir zu zitieren (ohne die unmittelbare Quelle auf Authentizität überprüft zu haben):
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.
Sokrates - (um 469 vChr - 399 vChr)
Die Erkenntnis ist natürlich nicht neu. Es ist aber doch auch unzweifelhaft, dass verschiedene Neuerungen (vor allem "Lebenserleichterungen") ihren jeweils bestimmten Einfluss hatten. So ermöglichten fließendes Wasser und Abflüsse in den Städten sicherlich mehr Hygiene, die wiederum dazu führte, dass sich die gesundheitliche Situation des Volkes verbessert hat, weil die Menschen eben nicht mehr auf die Straße gesch*ssen haben.

Der Einfluss der modernen Massenmedien ist sicherlich auch nicht zu leugnen und schon Hitler hatte das erkannt. Es ist völlig klar, dass derjenige, der die Medien kontrolliert (oder auch nur manipuliert) - und damit die Informationsquellen für Abertausende - auch die Köpfe zu einem Großteil kontrolliert. Und trotz Pressefreiheit ist der Einfluss gewisser Gruppen sicherlich nicht zu leugnen.

Die Situation heute ist völlig anders als noch vor ein paar Jahrhunderten. Heute haben wir sehr viele Informationen, wo der Leser erst einmal "filtern" muss, was er sich überhaupt rein ziehen möchte. So kann man sich zu bevorstehenden Wahlen auch bewusst gar nicht oder nur aus bestimmten Quellen informieren. Neu ist aber vor allem auch, dass der kleine Bürger selbst eine große Menschenmenge informieren kann. Ob nun mit seinem Weblog oder seiner Webseite oder auch auf Angeboten Dritter, wie z.B. sozialen Netzwerken oder Foren. Das führt dazu, dass wir noch mehr Informationen haben, aus denen wir auswählen müssen. Es führt einerseits auch dazu, dass fundierte Kritik zu gewissen Dingen leichter zu finden ist, andererseits aber auch dazu, dass viel Mist veröffentlicht wird (z.B. "Germanische Medizin"). Es tobt ein regelrechter "Infokrieg", auch wenn viele Menschen das so noch gar nicht wahr genommen haben.

Zurück zur jungen Generation. Im Gegensatz zu der Generation, aus der z.B. die Grünen hervorgingen, hat die neue Generation eine andere Protestkultur. Böse Zungen behaupten, die neue Generation hätte gar keine Protestkultur. Das sich das Blatt schnell auch mal wenden kann, hat kürzlich erst die Einführung der Studiengebühren in England gezeigt. Wenn man bedenkt, das dieser Generation im allgemeinen vorgeworfen wird nur vor dem Computer zu hocken, ist das schon relativ beachtlich.

Hier erzählt ein 15-jähriger mal ein paar Worte zu der jungen Generation:
http://www.youtube.com/watch?v=-U_gHUiL4P8

Zitat:
Hmmm, also ich denke, dass einige Zweige und Kommunikationsformen (Medien) an Einfluss verliern werden.
Wandeln werden sie sich auf jeden Fall. Auch wenn es den konventionellen Massenmedien nicht passt, sie betreiben heute selbst Weblogs und stehen zum Teil sogar im Wettbewerb zu (ursprünglich) Einzelpersonen und deren Weblogs. Das trifft sicher nicht auf jeden Blog zu, aber z.B. auf Netzpolitik, um nur eins zu nennen.

Zitat:
Der Einzelne wird sich weiter vereinzeln, weil er ja zu Hause vor seinem Computer hockt und mit völlig fremden Menschen kommuniziert, um Lösungen für die Rettung der Welt zu finden, anstatt gemeinsam mit den Menschen in seiner Umgebung zu überlegen, was ihnen nützt und der restlichen Welt nicht schadet sowie dann auch Wege zu finden, dies durchzusetzen.
Sowas soll vorkommen, ist aber sicherlich nicht die Regel. Sofern es sich um geistig gesunde Menschen handelt, verlieren diese auch nicht den Bezug zum real life. Ich rede hier nicht nur von der "Internetgemeinde" oder ein paar Freaks! Habe ich schon versucht deutlich zu machen. Bedenke bitte, dass heute viele Menschen z.B. mal über das Internet gedatet haben, aber bis auf Surfen, Farmville und Facebook keinerlei Bezug zum Computer haben. Es sind nicht alle Killerspiele spielende Nerds mit Sonnenallergie. Auch sind die technischen Skills unter Jugendlichen weit weniger verbreitet als allgemein angenommen. Von den vielen Möglichkeiten die das Netz bietet sind es nur wenige Dinge, die einen wirklichen Einfluss haben (gehabt haben / haben werden). Das Spannende daran ist: es ist kaum vorherzusehen, im Nachhinein aber eine logische Konsequenz! Nicht umsonst ist Facebook-Chef Zuckerberg TIME's person of the year. Und nicht zu vergessen, dass die wirkliche person of the year Julian Assange heißt. Und auch die Google Gründer hätten vom Cover grinsen können.
__________________
Demokratie ist, wenn man sich aussuchen kann, wer einen verarscht. (Hagen Rether)
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  #10 (permalink)  
Alt 19.12.2010, 19:07
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AW: Die Zukunft der Demokratie und des Internets

Über die Jugend von heute können wir uns sicher am leichtesten einigen. Die ist eben anders als "damals zu unserer Zeit", nicht schlechter, aber wahrscheinlich auch nicht wesentlich besser.

Das Netz betreffend denke ich, dass der Wandel von bedrucktem Papier und programmgemäß ausgesrahltem Rundfunk zu individuell anwählbaren Informationsquellen eben die Wege der Informationsbeschaffung ändert, aber wesentlich mehr wichtige und richtige Informationen bekommt man damit auch nicht.
Die allgemeinen Trends, die ich genannt habe, sind so ähnlich schon sichtbar im Gange und da gehört auch das Spiel zwischen Wikileaks und Gegnern dazu. Da kann man versuchen, mitzuspielen oder nur zu kucken. So lange man sich aber auf die von irgend jemand zugeführten Informationen - egal aus welchem Medium - verlässt, ist man eher der Ball als einer der Spielführer.
Das Netz als solches ändert nichts. Es ist nur ein Werkzeug, was auch zum Ändern genutzt werden kann. Julian Assange und andere mehr oder weniger edlen Ritter haben ihre Erfolge, auch weil sie das System gar nicht wirklich angreifen, sondern weil sie einigen Akteuren helfen, ihren Konkurrenten in die Suppe zu spucken.
Trotzdem ist es bis zum endgültigen Untergang der Welt noch ziemlich weit.
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Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!
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