Dies ist eine Diskussion zu Wenn Menschen schwärmen innerhalb des Forums Nachrichten: Wissenschaft
![]() |
| | LinkBack | Themen-Optionen | Ansicht |
| |||
| Wenn Menschen schwärmen In einem Schwarm flitzen hunderte von Fischen blitzschnell durchs Wasser, ohne dass sie aneinanderstoßen. Alle scheinen zu wissen, wo es langgeht. Nähert sich ein Feind, ändern alle schlagartig die Richtung, und zwar absolut gleichzeitig. Das faszinierende Schauspiel sieht so aus, als seien alle Fische Teil eines gemeinsamen Körpers, als seien sie zentral gesteuert. Wie funktioniert diese Choreografie? Prof. Jens Krause beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit dem Scharmverhalten von Fischen - zunächst an der University of Leeds in England, seit dem 1. April 2009. als Leiter der Abteilung Biologie und Ökologie der Fische am IGB mit einer W3-Professur an der Humboldt-Universität. Bei der scheinbar einfachen Frage, wie viele Individuen in einem Schwarm die Richtung vorgeben, stieß er an die Grenze der Fisch-Experimente. Eigentlich lässt sich mit Fisch-Schwärmen gut experimentieren, denn die Bedingungen im Aquarium sind sehr übersichtlich. Bienen- oder Vogel-Schwärme sind viel schwieriger zu beobachten. Allerdings war es nicht möglich, einzelne Fische so zu trainieren, dass sie auf ein bestimmtes Ziel zusteuern, ohne dabei komplett vom typischen Schwarmverhalten abzuweichen. Jens Krause brauchte also intelligentere Wesen für seine Experimente. So kam ihm die Idee, es mit seinen Erstsemestern zu versuchen. Computersimulationen hatten gezeigt, dass zwischen fünf und zehn Prozent einer Gruppe eine bestimmte Richtung vorgeben müssen, damit die ganze Gruppe folgt. Zunächst konnte Krause seine Versuche mit nur relativ wenigen Personen durchführen. Doch dann kam ein Anruf der Sendung "Quarks & Co" des WDR mit dem Angebot, eine Menschenmenge für das Experiment zu organisieren. So wanderten in Köln 200 Menschen durch eine Halle. Es zeigte sich, dass tatsächlich etwa zehn Personen, also fünf Prozent, ausreichten, um die Menge zu führen. Die Anweisung an alle lautete dabei: Gehen Sie in einer normalen Geschwindigkeit und bleiben Sie in der Gruppe. Die "Führer" hatten die zusätzliche Anweisung, einen bestimmten Punkt anzusteuern. Bemerkenswert ist dabei, dass die übrigen Teilnehmer nicht wussten, dass einige Menschen zusätzliche Informationen hatten. Sie folgten also den Führern, ohne zu wissen, dass es überhaupt welche gab. Jens Krause erinnert sich: "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal über das Verhalten von Menschen forschen würde. Schließlich ist dieses sehr komplex. Es zeigte sich jedoch, dass zur Erforschung des Massenverhaltens keine individuellen Daten nötig sind." Durch seine Übertragung auf menschliches Verhalten entstand großes öffentliches Interesse an Krauses Forschungen. Erstaunt war er über die vielen Anwendungsmöglichkeiten. So meldete sich beispielsweise die Polizei bei ihm mit der Frage, wie man bei Demonstrationen eine kleine gewaltbereite Gruppe kontrollieren könne, die ansonsten die ganze Menge manipuliert. Architekten nutzen seine Ergebnisse zur Planung von Fußballstadien und U-Bahn-Stationen. Experimente sollten zeigen, wie Gebäude oder Plätze im Notfall schnell evakuiert werden können. Es erwies sich, dass informierte Individuen in der Mitte und am Rand eine Menge recht effektiv leiten können. Historiker können aus dem Schwarmverhalten Erkenntnisse über den Verlauf von Schlachten ableiten. Dennoch stehen die Fische weiterhin im Mittelpunkt von Krauses Interesse. Da sich ein Führer-Fisch nicht so gut trainieren lässt wie ein Mensch, verwendet Krause einen Roboterfisch. "Auch hier spielen die Zahlenverhältnisse eine Rolle. Wir haben den Robofisch einen Weg schwimmen lassen, auf dem sich ein Räuber befand, obwohl es auch einen sicheren Weg gab. Ein einzelner Fisch folgt dem Robofisch auf dem gefährlichen Weg, ein Schwarm nimmt hingegen den sicheren Weg." Auch die scheinbare Gleichzeitigkeit aller Fische kann Krause erklären: Mit Hochgeschwindigkeitskameras wird deutlich, dass einige Fische zuerst die Richtung wechseln, und die anderen erst ganz kurz danach - für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar - folgen. Kontakt: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Prof. Jens Krause Tel.: (030) 64181-610, j.krause@igb-berlin.de Nadja Neumann (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) Tel.: (030) 64181-631, nadja.neumann@igb-berlin.de Weitere Informationen: - http://www.igb-berlin.de Quelle: idw |
![]() |
| Lesezeichen |
| Themen-Optionen | |
| Ansicht | |
| |
Ähnliche Themen | ||
| Thema | Forum | Letzter Beitrag |
| Experiment: Viel Ähnlichkeit besteht zwischen Menschen-Mengen und Fisch-Schwärmen | Nachrichten: Arbeitsrecht | 21.09.2009 00:45 |
| Umfeldbezogene Technologien für ältere Menschen - SMS, wenn die Herdplatte glüht | Nachrichten: Wissenschaft | 02.02.2009 16:00 |
| Die Faszination von Schwärmen und Magnetschlangen | Nachrichten: Wissenschaft | 06.10.2008 10:00 |
| Wenn Mäuse an Menschen-Seuchen erkranken | Nachrichten: Wissenschaft | 01.06.2007 12:00 |
| Wenn junge Menschen kriminell werden | Nachrichten: Wissenschaft | 24.01.2006 16:00 |
© 2003-2011 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.
Sitemap | Kontakt | Datenschutz | AGB | Impressum
Suche: Rechtsanwalt | Steuerberater | Übersetzer
Rechtsanwalt Berlin | Rechtsanwalt Hamburg | Rechtsanwalt München | Rechtsanwalt Köln | Rechtsanwalt Frankfurt
Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch), Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
"Wiki" powered by VaultWiki v2.5.7, © 2008-2012, Cracked Egg Studios