Dies ist eine Diskussion zu Märtyrerin im Präsidentensessel: Forscher untersuchen die Karrieren asiatischer Spitzenpolitikerinnen innerhalb des Forums Nachrichten: Wissenschaft
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| Märtyrerin im Präsidentensessel: Forscher untersuchen die Karrieren asiatischer Spitzenpolitikerinnen Eine Gemeinsamkeit der untersuchten asiatischen Politikerinnen ist ihre Herkunft. Sie stammen alle aus politisch einflussreichen Familien und gelangen mit Hilfe ihrer dynastischen Netzwerke in ein politisches Spitzenamt. In den meisten Fällen gab es genug männliche Verwandte und Anwärter, die das Amt hätten übernehmen können. Der Vorteil, den die Frauen bieten, liegt meist in der Tatsache begründet, dass sie gegen ein diktatorisches Regime antraten und dabei über eine höhere Überzeugungskraft verfügten, als ihre männlichen Konkurrenten. Nach dem - oft gewaltsamen - Tod des Ehemanns oder Vaters entwickeln sich die Frauen im ersten Karriereschritt vom Opfer zur Symbolfigur einer politischen Bewegung. Sie profitieren dabei von der Rolle einer Märtyrerin: einerseits verkörpern sie das Märtyrertum ihrer politischen Vorgänger; andererseits hatten sie selbst unter den Repressionen des Regimes zu leiden. Aufgrund dieser Rolle, so haben die Wissenschaftler herausgefunden, erhöht sich die gesellschaftliche Akzeptanz der Frauen. In der zweiten Stufe steigen die Frauen zur Anführerin einer Partei oder einer Oppositionsbewegung auf wie Aung San Suu Kyi, die nach dem Wahlsieg ihrer Partei zum Symbol der Opposition in Burma avancierte. In den meisten Fällen geht die Entwicklung weiter. Die Frauen schlagen im dritten Schritt schließlich den Weg einer Karrierepolitikerin ein und werden als Regierungsoberhaupt ihres Landes gewählt. Diese Ereignisse vollziehen sich in Zeiten des politischen Umbruchs, wenn die Wähler einen neuen Hoffnungsträger bzw. eine Hoffnungsträgerin verlangen. Als letzte Karrierestufe sehen die Wissenschaftler dann das Ausscheiden aus dem Amt und das Leben nach der Politik. Dies trifft beispielsweise auf Megawati Sukarnoputri und Chandrika Kumaratunga zu, die in den letzten beiden Jahren aus dem Amt schieden. Im Rahmen ihrer Studie betrachteten die Forscher die Lebenswege von Sheikh Hasina Wajed und Begum Khaleda Zia (Bangladesch), Aung San Suu Kyi (Burma), Sonia Gandhi und Indira Gandhi (Indien), Megawati Sukarnoputri (Indonesien), Tanaka Makiko (Japan), Wan Azizah Wan Ismail (Malaysia), Benazir Bhutto (Pakistan), Corazon C. Aquino und Gloria Macapagal-Arroyo (Philippinen), Park Geun Hye (Südkorea) und Sirimavo Bandaranaike und Chandrika Kumaratunga (Sri Lanka). Die Forscher haben dafür sechs der Frauen persönlich interviewt, mit Angehörigen und politischen Weggefährten gesprochen und außerdem Befragungen zur Wahrnehmung der Politikerinnen durchgeführt. Überraschend, so sagen die Wissenschaftler, sei das Auftreten des Phänomens der politischen Führerinnen in kulturell, systemisch und entwicklungsperspektivisch äußerst verschiedenen Gesellschaften. In islamisch geprägten, autoritären Entwicklungsländern wie Pakistan sind Frauen ebenso in Spitzenpositionen wie in konfuzianisch geprägten, demokratischen Industriestaaten wie Japan und Südkorea zu finden. Die Gesellschaften in der Region gelten als patriarchal und paternalistisch; eine Veränderung der Geschlechterverhältnisse im Zuge des sozialen und politischen Wandels vollzieht sich augenscheinlich nur marginal. Die bisherigen Resultate der Studie wurden in dem Buch: "Frauen an der Macht: Dynastien und politische Führerinnen in Asien" von Claudia Derichs und Mark R. Thompson veröffentlicht. Eine internationale Abschlussveröffentlichung wird dieses Jahr folgen. Weitere Informationen für die Medien: Ricarda Gerlach Institut für Politische Wissenschaft Tel.: 09131/85-24774 ragerlac@phil.uni-erlangen.de Quelle: idw |
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