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Jeder dritte Student in Jena muss fürs Studium arbeiten

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Alt 11.10.2006, 11:00
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Jeder dritte Student in Jena muss fürs Studium arbeiten

Wirtschaftsgeografen der Universität Jena legen Studie zur Finanzsituation von Studenten vor





Jena (11.10.06) Mehr als jeder dritte Student in Jena muss arbeiten, um sich sein Studium leisten zu können. Das belegt eine jetzt vorgelegte Studie von Prof. Dr. Peter Sedlacek und seinem Team von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeografie und Regionalentwicklung hat Studenten der Geografie in Jena befragt und die Ergebnisse mit einer Studie zur Erwerbstätigkeit von Geografiestudenten in Erlangen verglichen.


Nach Sedlaceks Studie gehen insgesamt 57 Prozent der befragten Jenaer Geografiestudenten einer Tätigkeit nach. Rund 36 Prozent der 2005 befragten Studenten erklären, dass ein Arbeitseinkommen überwiegend oder teilweise als Finanzierungsgrundlage des Studiums dient. In Erlangen sind es sogar knapp 50 Prozent. Fast jeder fünfte Jenaer Student finanziert sein Studium durch eine Kombination aus elterlichem Geld und eigener Arbeit. In Erlangen sind es 33 Prozent. Ausschließlich durch Arbeit finanzieren ihr Studium in Jena 6,3 Prozent der Studenten, in Erlangen 9 Prozent. Demgegenüber ist BAföG für 18,6 Prozent der Jenaer Studenten als Hauptfinanzierungsquelle deutlich wichtiger als in Erlangen, wo nur 4 Prozent ihr Studium in der Hauptsache durch Bafög oder Stipendien finanzieren.


27,1 Prozent der Studenten arbeiten regelmäßig, 29,9 Prozent unregelmäßig. Letztere gehen im Wesentlichen in der vorlesungsfreien Zeit arbeiten, dann aber meist in Vollzeit. Dagegen ist die zeitliche Belastung durch die Nebentätigkeit für die Studenten, die regelmäßig arbeiten, während der Vorlesungszeit besonders hoch. Sie wenden durchschnittlich 12,8 Stunden pro Woche oder 1,5 Arbeitstage für ihre Tätigkeit auf.


Sedlacek fand zudem heraus, dass es beim Arbeitsaufwand deutliche Unterschiede zwischen den Studenten des alten Diplom-Studienganges und den jüngeren Geografiestudenten gibt, die seit 2003/04 in Jena den modularen Studiengang des Bachelor of Science belegen. Letztere gingen deutlich seltener einer Erwerbstätigkeit nach und dann vor allem in der studienfreien Zeit. Während in den Diplomstudiengängen 28,6 Prozent der Studierenden nicht arbeiteten, war es in den Bachelor-Studiengangen fast jeder zweite. Demgegenüber arbeiteten in den Diplom-Studiengängen 46 Prozent regelmäßig, bei den Bachelor-Studiengängen nur 19,6 Prozent. Ein Grund könnte sein, dass das komprimierte und intensivere Studium keine Nebentätigkeit während des Semesters erlaubt. Zudem könnten die betreffenden Studenten stärker von ihren Eltern finanziell unterstützt werden, da sich das Studium über einen überschaubaren Zeitraum erstreckt.


Insgesamt arbeitet etwa jeder dritte Jenaer Geografiestudent über 600 Stunden im Jahr, konstatiert Sedlacek in seiner Studie. Werde berücksichtigt, dass im Bachelor-Studiengang durchschnittlich 1.500 bis 1.800 Stunden Studienzeit im Jahr zu bewältigen sind, um die erforderliche Punktzahl zu erreichen, zeige sich, dass eine "Vereinbarkeit zwischen Studium und Arbeit kaum noch zu leisten ist", erklärt der Wissenschaftler von der Universität Jena.


Die betreffenden Studenten sehen durch die Arbeit ihr Studium teilweise beeinträchtigt. Von den 123 Jenaer Studenten, die die entsprechenden Fragen beantwortet haben, geben 28 Prozent an, sie könnten Lehrveranstaltungen nur ungenügend vor- oder nachbereiten. 15 Prozent versäumen Vorlesungen oder Seminare. Jeder zehnte Student rechnet wegen der Belastung mit einer Verlängerung der Studienzeit um zwei bis drei Semester.


Demgegenüber geben sowohl in Jena als auch in Erlangen etwas mehr als die Hälfte der arbeitenden Studenten an, sie sähen keinerlei Probleme für ihr Studium. Als Gründe vermutet Sedlacek zum einen eine Fehleinschätzung der Studenten, zum anderen seien aber auch hohe Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit und Flexibilität dieses Personenkreises denkbar.


Sedlaceks Untersuchung ergibt, dass die Tätigkeit der meisten Studenten in Jena - ähnlich wie in Erlangen - nichts oder wenig mit dem Studium zu tun hat. 81 Prozent der Jenaer und 76 Prozent der Erlanger Studenten geben an, sie könnten ihre Qualifikation gar nicht oder nur schlecht einbringen. Gut oder sehr gut können dies dagegen nur 7,4 Prozent in Jena und 12 Prozent in Erlangen. In Jena handelt es sich nach Einschätzung Sedlaceks vor allem um jenen Kreis, der als Tutor oder Hilfswissenschaftler tätig ist.


Peter Sedlacek, Alexander Grimm: Studium und Arbeit. Eine Untersuchung zur Erwerbstätigkeit Jenaer Geographie-Studierender. ISSN 1862-071X.


Kontakt:
Prof. Dr. Peter Sedlacek
Institut für Geographie der Universität Jena
Löbdergraben 32
07743 Jena
Tel.: 03641 / 948831
Fax: 03641 / 948832
E-Mail: peter.sedlacek[at]uni-jena.de


Quelle: idw
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