Dies ist eine Diskussion zu "Intermembrane space odyssey" - Ein neuer alter Weg führt Proteine in Mitochondrien innerhalb des Forums Nachrichten: Wissenschaft
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| "Intermembrane space odyssey" - Ein neuer alter Weg führt Proteine in Mitochondrien Die meisten Bakterien sind von zwei Membranen umschlossen, wobei die äußere große Poren enthält. Der zwischen den Membranen liegende Bereich, der periplasmatische Raum, enthält kein ATP, weil das kleine Molekül leicht durch die Poren nach außen entweichen könnte. "Trotzdem können auch hier Proteine ihre korrekte dreidimensionale Struktur einnehmen - dank Oxidativer Proteinfaltung", berichtet Herrmann. "Der Schlüssel dazu sind so genannte Disulfidbrücken." Diese starken chemischen Bindungen bilden sich durch Oxidation zwischen zwei Schwefelatomen von Cysteinresten, das sind bestimmte Bausteine von Proteinen. Disulfidbrücken können sich innerhalb eines Proteins oder auch zwischen zwei Proteinen ausbilden. Diese internen Verbrückungen halten Proteine stabil in ihrer dreidimensionalen Struktur, und das Einführen von Disulfidbrücken durch Oxidation kann daher genutzt werden, um Proteine selbst ohne Verbrauch von ATP aktiv zu falten. Auch in den Zellen höherer Organismen kennt man die Oxidative Proteinfaltung, und zwar im so genannten Endoplasmatischen Retikulum. In diesem Bereich der Zelle werden Proteine gebildet, die nach außen abgegeben werden, wie beispielsweise Antikörper oder Hormone. Das Einfügen von Disulfidbrücken im Endoplasmatischen Retikulum dient der Stabilisierung dieser Proteine, bevor sie die schützende Umgebung der Zelle verlassen. Bislang ging man davon aus, dass außerhalb des Endoplasmatischen Retikulums Proteine generell nicht oxidiert werden, und Disulfidbrücken normalerweise nicht vorkommen. "Wir haben nun entdeckt, dass es auch in den Mitochondrien eine Maschinerie zur Oxidativen Proteinfaltung gibt", so Herrmann. "Die Mitochondrien sind essentielle Zellbestandteile, die unter anderem für den Energiestoffwechsel der Zelle von entscheidender Bedeutung sind. Sie kommen nur in den Zellen höherer Organismen vor und stammen von Bakterien ab, die vor etwa eineinhalb bis zwei Milliarden Jahren in die Vorläufer unserer Zellen aufgenommen wurden. Verblüffenderweise haben sie die Oxidative Proteinfaltung offensichtlich im Laufe der Evolution erhalten." Die bakteriellen Ahnen der Mitochondrien haben ihren Nachfahren viele Merkmale hinterlassen. Dazu gehören auch die beiden Membranen, die die Mitochondrien umgeben. Die Komponenten zur Oxidativen Proteinfaltung finden sich zwischen diesen beiden Membranen, dem so genannten Intermembranraum. Entwicklungsgeschichtlich entspricht dieser dem periplasmatischen Raum der Bakterien. "Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Proteine in den Intermembranraum transportiert werden können", so Herrmann. "Dabei können sehr unterschiedliche Energiequellen genutzt werden, um Proteine aktiv in die Mitochondrien zu transportieren." Die verschiedenen Transportwege hat Herrmann vor kurzem in einem Übersichtsartikel für das Fachmagazin Trends in Biochemical Sciences zusammengefasst. Einer dieser Transportwege nutzt die Oxidative Proteinfaltung als treibende Kraft. Wie Herrmann und seine Mitarbeiter zeigen konnten, funktioniert dies nach einem bislang unbekannten Mechanismus: Nach ihrer Bildung außerhalb der Mitochondrien sind Proteine zunächst ungefaltet. Nur so können sie durch die proteindurchlässigen Poren der Außenmembran gelangen. Sobald sie in den Intermembranraum der Mitochondrien gelangen, werden sie durch Oxidation stabil gefaltet und ihr Rücktransport somit verhindert. Der Intermembranraum wirkt damit wie eine Falle, die Proteine durch Oxidative Faltung fängt. Hauptakteur ist der Importrezeptor Mia40 im Intermembranraum, der ein konserviertes Muster an Cysteinresten enthält. "Durch Erv1, ein Enzym im Intermembranraum, werden diese oxidiert.", so Herrmann. "Wie wir nachweisen konnten, bildet sich dadurch eine Disulfidbrücke in Mia40. Hierdurch wird die Falle gespannt. Kommt ein neu importiertes Protein in die Nähe von Mia40, klappt die Disulfidbrücke zu diesem um, so dass dieses mit Mia40 verbunden ist." In einem zweiten Schritt wird die Disulfidbrücke vollständig auf das Protein übertragen, das hierdurch stabil gefaltet wird. Die stabile Faltung verhindert, dass das Protein wieder zurück in das Zellinnere gelangen kann. "Der Mechanismus garantiert also einen gerichteten Proteintransport in den Intermembranraum", meint Herrmann. "Die Oxidation ist dabei letztlich die treibende Kraft. Dieser Weg zeigt sehr schön, wie im Laufe der Evolution die von Urzellen aufgenommenen Bakterien so verändert wurden, dass sie ihre Proteine aus der Wirtszelle aufnehmen können." (suwe) PD Dr. Johannes Herrmann kann Bilder und Grafiken zur Verfügung stellen. Publikationen: Cell, Mesecke, N. et al, Bd. 121, S. 1059-1069, 2005 Trends in Biochemical Sciences, Herrmann, J., Hell, K., Bd. 30, No.4, S. 205-211, 2005 Ansprechpartner: PD Dr. Johannes Herrmann Adolf-Butenandt-Institut für Physiologische Chemie der LMU Tel: 089/2180-77122 Fax: 089/2180-77093 E-Mail: hannes.herrmann@med.uni-muenchen.de Internet: http://www.med.uni-muenchen.de/physiolchem/herrmann.html Weitere Informationen: - http://www.med.uni-muenchen.de/physi.../herrmann.html |
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