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"Geisteswissenschaften nicht unterschätzen". Ministerin Schavan würdigt Gerda Henkel Preis als "wegweisende Initiative"

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Alt 16.10.2006, 16:00
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"Geisteswissenschaften nicht unterschätzen". Ministerin Schavan würdigt Gerda Henkel Preis als "wegweisende Initiative"

Vor einer Unterschätzung der Geisteswissenschaften in Deutschland haben bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gewarnt. Anlässlich der bevorstehenden Verleihung des 1. Gerda Henkel Preises an den Hamburger Kunsthistoriker Prof. Dr. Martin Warnke erklärten sie übereinstimmend, die vorhandenen Chancen zur Profilierung müssten besser genutzt werden.Der mit 100.000 Euro dotierte internationale Forschungspreis soll die historischen Geisteswissenschaften weiter stärken und auf Themen aufmerksam machen, die sonst nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Der Gerda Henkel Preis wird unmittelbar vor dem offiziellen Auftakt des "Jahres der Geisteswissenschaften 2007" am 6. November um 19.00 Uhr in der Kunstsammlung NRW - K21 ("Ständehaus") in Düsseldorf verliehen.






Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, dazu: "Oft wird gesagt, die Erträge der Naturwissenschaften seien von größerer Bedeutung als die der Geisteswissenschaften. Ich denke, dass Geistes- und Naturwissenschaften gemeinsam das Fundament bilden, auf dem unsere Gesellschaft sich weiter entwickelt und Orientierungen für die Zukunft erhält. Gerade die Geisteswissenschaften tragen maßgeblich zum Geschichtsverständnis bei und helfen uns, unser kulturhistorisches Gedächtnis zu bewahren. Damit besonders exzellente Forschungsergebnisse aber noch mehr als bislang in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen, bedarf es wegweisender Initiativen. Ich bin deshalb sehr froh, dass die Gerda Henkel Stiftung mit dem in diesem Jahr erstmals verliehenen Gerda Henkel Preis einen unübersehbaren Akzent setzt."


Lord Ralf Dahrendorf: "Mit Exzellenz Strahlkraft erzeugen"
Der deutsch-britische Soziologe und Publizist Prof. Dr. Lord Ralf Dahrendorf sagt, es sei "ein Irrtum zu glauben, dass die Zukunft ausschließlich auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Ebenso wichtig ist es für eine freie Gesellschaft, die geistes- und sozialwissenschaftlichen Kompetenzen und Fähigkeiten zu nutzen und zu stärken." Diese seien wichtiger als politische Signale: "Mit Exzellenz Strahlkraft zu erzeugen und Vorbildverhalten zu zeigen ist das Beste."


Prof. Wolfgang Frühwald: "Forschungsergebnisse verständlich präsentieren"
Prof. Dr. Wolfgang Frühwald, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, mahnt die Geisteswissenschaftler, ihre Forschungsergebnisse so verständlich zu präsentieren, "dass sie die Menschen gewinnen und nicht abschrecken". Dass die Öffentlichkeit derzeit stärker an den dynamischen Natur- und Lebenswissenschaften interessiert sei als an den, wie Prof. Frühwald formuliert, "etwas bedächtiger voranschreitenden" Geisteswissenschaften, sei kein Schaden: "Wenn sie überhaupt an Wissenschaft, an deren Regeln und Ergebnissen, teilnimmt, so ist der Flut der ablenkenden und zerstreuenden Unterhaltung schon dadurch ein notwendiges Gegengewicht gesetzt. Der Weg vom Interesse an den Naturwissenschaften zum Interesse auch an den Geisteswissenschaften ist nicht weit und wird von vielen Menschen gegangen."


Prof. Meinhard Miegel: "Mehr auf die Geisteswissenschaften hören"
Der Vorstand des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, Prof. Dr. Meinhard Miegel, führt manche Probleme der Geisteswissenschaften auch darauf zurück, "dass eine Gesellschaft wie die unsere in historisch einzigartiger Weise auf Wirtschaftswachstum und Erwerbsarbeit ausgerichtet ist". Auf diese Weise gerieten die Geisteswissenschaften leicht aus dem Blickfeld: "Die Folgen hiervon sind allenthalben zu besichtigen. Weder weiß die Gesellschaft woher sie kommt noch wohin sie gehen soll, was die Rolle des Einzelnen und die des Kollektivs ist, welches Menschenbild letztendlich gilt und anderes mehr", sagt Prof. Miegel. Weil die Antworten der Geisteswissenschaften auf diese Fragen "jedoch oft nicht gehört werden, verliert die Gesellschaft an Zusammenhalt. Abnehmender gesellschaftlicher Zusammenhalt ist jedoch eine der Hauptursachen für Reibungsverluste, die einen Großteil des wirtschaftlichen Fortschritts zunichte machen. Die Gesellschaft beginnt sich sinnlos im Kreise zu drehen. Dieser Punkt ist hierzulande mittlerweile erreicht."


Dahrendorf, Frühwald und Miegel waren als Mitglieder der Jury oder des Kuratoriums der Gerda Henkel Stiftung am Auswahlverfahren des Gerda Henkel Preises beteiligt und betrachten den Preis als Chance, das öffentliche Bewusstsein auf die Geisteswissenschaften zu lenken.


Hintergrund:
Als einzige Stiftung in Deutschland fördert Gerda Henkel Stiftung ausschließlich die historischen Geisteswissenschaften. Seit ihrer Gründung im Jahre 1976 unterstützte sie rund 4.000 Forschungsvorhaben mit circa 60 Millionen Euro. 2005 hat die Stiftung für 275 wissenschaftliche Vorhaben mehr als 5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der Gerda Henkel Preis wird anlässlich des 30jährigen Stiftungsjubiläums 2006 erstmals vergeben und künftig alle zwei Jahre ausgeschrieben.


Presserückfragen:
Gerda Henkel-Stiftung, Dr. Anna-Monika Lauter, Telefon: +49 (0)211 35 98 53,
Telefax: +49 (0)211 35 71 37, E-Mail: lauter@gerda-henkel-stiftung.de, Internet:
www.gerda-henkel-stiftung.de
Pressebüro BKM Hamburg, Ludwig Rademacher, Telefon: +49 (0)40 8787 7950,
Telefax: +49 (0)40 8787 7933, E-Mail: rademacher@hamburg-bkm.de


Weitere Informationen:
- http://www.gerda-henkel-stiftung.de ...enkel Stiftung

Quelle: idw
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