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Durch "Killerspiele" "klare Erhöhung des Risikos, Gewalttäter zu werden"

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Alt 25.05.2007, 14:00
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Durch "Killerspiele" "klare Erhöhung des Risikos, Gewalttäter zu werden"

Benediktbeuern. "Wenn wir erreichen wollen, dass Kinder mehr in die Umwelt hineingeführt werden, müssen wir früh anfangen - vor allem in Kindergärten, erst recht in Grundschulen. Man kann mehr tun!" - Diesen Appell richtete Prof. Dr. Christian Pfeiffer, ehemaliger niedersächsischer Justizminister und Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, an rund 170 Fachleute aus der Umweltbildung. Sein Vortrag war Teil der 15. Pfingstsymposiums, zu dem das Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern (ZUK) gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gestern und heute in das bayerische Tagungszentrum geladen hatte. "Eltern, die DVD, Video, Spielekonsole, Computer und Fernseher ins Kinderzimmer stellen, klauen ihren Kindern Zeit", kritisierte Pfeiffer: "Sie tragen Schuld an der Misere."





Unter dem Titel "Aus der virtuellen Welt in die Natur - wie kann die Umweltbildung die Jugendlichen erreichen?" diskutieren die Experten, wie Kinder und Jugendliche heutzutage mit Umweltbildungsangeboten erreicht und für Engagement gewonnen werden können und welchen Stellenwert sie Naturerfahrungen beimessen. "Seit Aufnahme der Fördertätigkeit der DBU 1991 hat sich die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen erheblich verändert", begründete DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde in seinem Grußwort die Entscheidung für das Tagungsthema. Natur diene bei vielen jungen Menschen allenfalls als Kulisse.


In seinem Vortrag "Lust auf Naturerfahrung wecken - Lust auf Leben wecken" ging Pfeiffer vor allem auf den Medienkonsum von Kindern ein. "Jeder vierte Fünf- bis Sechs-Jährige in Deutschland hat einen eigenen Fernseher in seinem Zimmer." Die Folge: "Junge Menschen heute wachsen vollkommen anders auf als frühere Generationen: Sie werden überflutet mit Bildern, die sie niemals sonst real erleben könnten." Auf Basis repräsentativer Schülerbefragungen seines Instituts sei festzustellen, dass vor allem Jungen von dieser Entwicklung beeinflusst würden: Unter ihnen fänden sich - im Vergleich zu Mädchen - immer mehr Schulabbrecher, immer mehr Sitzenbleiber, immer weniger Abiturienten oder Spitzenabiturienten mit einem Notendurchschnitt unter 1,5. Dieses Phänomen finde sich gehäuft bei nichtdeutschen und norddeutschen Kindern. Auf der Suche nach Gründen sei vor allem der Medienkonsum entscheidend: Jungen verbrächten durchschnittlich mehr als vier Stunden pro Tag mit Medien, Mädchen etwa zwei. Die Dauer des Konsums hänge nicht zuletzt vom Bildungsniveau der Eltern ab: Je nach dem, ob es hoch, mittel oder gering sei, würden ihr Kinder wenig, mittel oder viel Medien konsumieren. Pfeiffer: "Deutschland ist das Land mit den größten Leistungsunterschieden zwischen gebildeten und geringer gebildeten Elternhäusern."


Neben Zeitverlust durch Computerspiele oder Fernsehschauen führte der Kriminologe vor allem Gewalt als leistungsmindernden Faktor für die Schulleistung von Kindern an. Dies gelte vor allem für die Nutzung von Medien mit entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten, wie sie viele Computerspiele aufwiesen. Jeder zweite Junge in Deutschland im Alter von zehn Jahren spiele zumindest gelegentlich Computerspiele, die erst ab 16 oder 18 Jahren empfohlen seien. Die Empathieforschung, die Gefühlsregungen etwa mittels Hirnströmen oder Schweißausbrüchen messe, zeige, dass dieses aktive Spielen auf Dauer zu viel höheren Empathieverlusten führe als passives Schauen: sie stumpften ab. Außerdem gelte: Je brutaler der Inhalt, desto schlechter die Schulnoten. Wenngleich eine Kombination verschiedener Einflussfaktoren zu berücksichtigen sei, zeige die empirische Forschung deutlich: "Es gibt eine klare Erhöhung des Risikos, Gewalttäter zu werden, wenn man regelmäßig Gewaltspiele spielt."


Bei Untersuchung für Gründe des Nord-Süd-Gefälles bei Leistungsunterschieden von Kindern zeige sich, dass in Süddeutschland zum Beispiel eine ausgeprägtere Vereinskultur und ein aktives Freizeitverhalten vorhanden sei. Es gebe zweieinhalb Mal mehr Musikschulen in Süddeutschland als in Norddeutschland. Die Musik sei auch der einzige Freizeitbereich, in dem es steigende Zahlen aktiver Jungen gebe. Die Wurzeln der musikalischen Erziehung würden wesentlich bereits im Kindergarten gelegt. Es müssten Modellversuche gestartet werden, um der Medienverwahrlosung - insbesondere der Jungen - vor allem mit aktiver Freizeitgestaltung in Natur, Sport, Musik entgegenzutreten. Pfeiffer betonte. "Das Wichtige ist, dass solche Projekte zu einem Dauerelement werden. Unsere Forschung zeigt: Punktuelle Maßnahmen haben keine Bestandswirkung."


Auch Dr. Bernhard Bueb, ehemaliger Rektor des Internats Schloss Salem und Autor des Bestsellers "Lob der Disziplin - Eine Streitschrift", wies in seinem Referat "Spiel und Abenteuer - ein Königsweg zur charakterbildenden Naturerfahrung" auf die Bedeutung einer aktiven Freizeitgestaltung - vornehmlich über das Mittel des Spiels - hin. In seiner beruflichen Laufbahn habe sich gezeigt: "Alles das ist erfolgreich, was Schüler zum Tätig-Sein veranlasst. Überall da ist es gescheitert, wo sie belehrt worden sind."


Weitere Informationen:
- http://www.dbu.de/123artikel26596_106.html

Quelle: idw
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