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| Dr. Leopold Lucas-Preis 2008: Dieter Henrich Für 2008 wurde die Dotierung des Dr. Leopold-Lucas-Preises der Eberhard Karls Universität Tübingen von 40.000 auf 50.000 Euro erhöht. Der Preis geht in diesem Jahr an Dieter Henrich, Professor emeritus für Philosophie in München. Die Fakultät zeichnet Dieter Henrich aus, wie es in der Verleihungsurkunde heißt, "in Würdigung seines wissenschaftlichen Gesamtwerks und insbesondere seines wegweisenden Beitrags zur systematisch-historischen Erschließung der Philosophie des Deutschen Idealismus, seiner jahrzehntelangen Bemühung um die Wiedergewinnung eines tragfähigen Verständnisses von Selbstsein und Subjektivität als Grundlage von Sozialität, Sittlichkeit und Freiheit sowie seines mit der Demonstration der unhintergehbaren Bedeutung des menschlichen Selbstbewusstseins verbundenen Einsatzes für die Wahrung von Humanität, für jeden einzelnen Menschen ebenso wie für das Zusammenleben aller Menschen im globalen Horizont." Der Festakt aus Anlass der Preisverleihung findet am Dienstag, 27. Mai, um 17.15 Uhr im Festsaal der Neuen Aula, Wilhelmstr. 7 statt. Die Laudatio auf den Preisträger hält der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Friedrich Schweitzer. Dieter Henrich hält anschließend den Festvortrag zum Thema: "Endlichkeit und Sammlung des Lebens". Am Montag, 26. Mai, findet um 13.00 Uhr im Sitzungssaal der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Liebermeisterstr. 12, 2. Stock ein Pressegespräch mit Dieter Henrich statt. Der Dr. Leopold Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Raimund Popper und Michael Walzer, aber auch hervorragende politische Repräsentanten des Geistes und der Kultur wie Richard von Weizsäcker, Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident, und Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama. Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard Karls Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommenen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas, gestiftet. Dieter Henrich wurde 1927 in Marburg/Lahn geboren. 1946 Abitur am Humanistischen Philipps-Gymnasiums Marburg, Studium in Marburg, Frankfurt/M. und Heidelberg (1946-1950). Promotion (1950) und Habilitation (1956) in Heidelberg. Professuren an der Freien Universität Berlin (1960-1965), Heidelberg (1965-1981) und München (seit 1981). Gastprofessuren an der Columbia Universität, der Harvard Universität, der Universität Tokio und der Yale Universität. Präsident der Internationalen Hegel-Vereinigung (1970), seit 1971 Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, seit 1984 auch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Mitglied der Academia Europaea, der American Academy of Arts and Sciences und der Académie Internationale de Philosophie de l'Art. Ehrendoktor der Theologischen Fakultäten in Münster (1999) und Marburg (2002) sowie der Philosophischen Fakultät in Jena (2005). Hölderlin-Preis der Stadt und Universität Tübingen (1995), Hegel-Preis der Stadt Stuttgart (2003) und Deutscher Sprachpreis (2006). Das wissenschaftliche Werk von Henrich, in dessen Zentrum die Frage nach Selbstsein und Selbstbewusstsein steht, ist in seiner Fülle und Ausstrahlung kaum zu überschätzen. Henrichs Beiträge besonders zur Hegel-Forschung, aber auch zu anderen Vertretern des Deutschen Idealismus haben Epoche gemacht. Zu einer Zeit, in der schon der Bezug auf das Selbstbewusstsein veraltet und angesichts der Perspektiven von Strukturalismus, Dekonstruktionismus und Systemtheorie oder neuerdings der in der Hirnforschung vertretenen Auffassungen geradezu als obsolet erschien, hat Henrich beharrlich an der unhintergehbaren Bedeutung von Subjektivität festgehalten und diese wissenschaftlich demonstriert. "Menschen leben nicht nur, sie haben ihr Leben aus dem Wissen von sich selbst heraus zu führen. Darum ist ihr Selbstbewusstsein gegenüber allem, was sie als Menschen ausmacht, elementar und unmittelbar", so beginnt sein vor kurzem erschienenes Buch "Denken und Selbstsein", das seine Vorlesungen über Subjektivität dokumentiert. Hier tritt exemplarisch hervor, dass Henrichs Philosophie durchweg dem elementaren Anspruch der Humanität verpflichtet ist. Die zahlreichen Veröffentlichungen des Philosophen umfassen auch Themen der Ethik, der Ästhetik und Kulturtheorie sowie der Religionsphilosophie und der Theologie. Weltweit Beachtung gefunden haben auch seine Untersuchungen zur Vorgeschichte des Idealismus und zu Hölderlin. Zahlreiche Ehrungen und Preise aus dem In- und Ausland sowie die Gastprofessuren und Akademiemitgliedschaften in Europa, Amerika und Asien unterstreichen die enorme Resonanz, die Henrichs wissenschaftliche Arbeit gefunden hat. Dr. Leopold Lucas wurde am 18. September 1872 in Marburg geboren. Er entstammte einer seit Anfang des 17. Jahrhunderts in Marburg ansässigen jüdischen Familie. Lucas studierte in Berlin Geschichte und jüdische Wissenschaft sowie Philosophie und orientalische Sprachen. 1895 wurde er in Tübingen mit einer Dissertation über die "Geschichte der Stadt Tyrus zur Zeit der Kreuzzüge" zum Doktor der Philosophie promoviert. Im Jahre 1899 wurde er als Rabbiner nach Glogau berufen. Er diente dieser traditionsreichen jüdischen Gemeinde vier Jahrzehnte lang als Lehrer, Prediger und Seelsorger. Unermüdlich war Leopold Lucas während seines ganzen Lebens wissenschaftlich tätig. Sein besonderes Arbeitsgebiet war die Geschichte der Juden in den ersten christlichen Jahrhunderten. Lucas war 1902 Initiator der "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", deren Leitung er sich mit Martin Philippson teilte. Im Jahr 1940 folgte Lucas einem Ruf an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin - zu einer Zeit also, in der die Vernichtung der Juden in Deutschland beschlossene Sache war und begonnen hatte. Am 17. Dezember 1942 wurde Leopold Lucas zusammen mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert. Auch hier wirkte er noch als Seelsorger seiner Leidensgenossen. Er erlag am 13. September 1943 den Strapazen des Konzentrationslagers. Frau Dorothea Lucas wurde im Oktober 1944 nach Auschwitz verschleppt und umgebracht. Für Nachfragen: Prof. Dr. Friedrich Schweitzer Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät Liebermeisterstr. 12 72076 Tübingen Tel.: (0 70 71) 29-72538, Fax: 29- 5415 E-Mail: ev.theologie@uni-tuebingen.de Quelle: idw |
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