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| Datenbank als Basis für Diabetes- und Adipositas-Forschung Aus gutem Grund: "Die Zahlen sind alarmierend", sagt Professor Reinhard Holl, Leiter der Arbeitsgruppe Computergestütztes Qualitätsmanagement in der Medizin im Institut für Epidemiologie der Universität Ulm. Er leitet den Verbund "Zukunft pädiatrische Diabetologie" und ein Teilprojekt im Kompetenznetzwerk Diabetes, ferner ein Teilprojekt im Adipositasnetzwerk. Schwerpunkt dabei: Die Entwicklung einer Software zum Aufbau einer großen multizentrischen Datenbank, unter anderem zur Dokumentation von Patientencharakteristika sowie der Prozess- und Ergebnisqualität für externe Qualitätsvergleiche, natürlich auch für die Forschung. Allein am Aufbau des Diabetes-Registers beteiligen sich Holl zufolge 280 Behandlungszentren in Deutschland und Österreich mit rund 150 000 Patienten, darunter 40 000 Kinder und Jugendliche. Das Adipositas-Netzwerk, in dessen Rahmen auch das Ulmer Universitätsklinikum ein Teilprojekt betreut, basiert auf rund 43 000 kranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Das bedeutet weit mehr als eine Million Arztbesuche, deren Daten erfasst und verarbeitet werden müssen - Patientenmerkmale, Behandlungsformen, Krankheitsverlauf inklusive Komplikationen und zahlreiche weitere Informationen mehr", erklärt Professor Holl, selbst Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, macht aber deutlich: "Selbstverständlich werden alle Patientendaten anonymisiert übermittelt." Was den Nutzen für beide Seiten nicht beeinträchtige. "Die behandelnden Einrichtungen profitieren von den Qualitätsvergleichen, können daraus wertvolle Schlüsse ziehen und sich orientieren", so der Ulmer Wissenschaftler, der mit seiner Arbeitsgruppe auf diesem Gebiet schon seit Mitte der 90er-Jahre umfangreiche Vorarbeiten geleistet hat - in Verbindung mit zahlreichen auch international beachteten Publikationen ein entscheidender Faktor für den Zuschlag des Bundesministeriums. Nicht minder wichtig sei die Datensammlung für die Forschung, über kurz oder lang auch zum Vorteil für die betroffenen Patienten. Denn: "Nach wie vor verbinden sich sowohl mit Diabetes als auch Adipositas noch viele unbeantwortete Fragestellungen", erklärt Professor Holl. Wohl seien beim Typ-2-Diabetes die Ursachen klar, Maßnahmen zur Vorbeugung indes weitgehend gescheitert. "Der verhaltenstherapeutische Ansatz hat seine Grenzen", formuliert er vorsichtig. Unbestritten jedoch spiele der soziale Bezug eine große Rolle. Gleiches gelte für die Adipositas, bei rund zwei Millionen übergewichtiger Kinder und Jugendlicher in Deutschland mit steigender Tendenz ein nicht minder aktuelles Problem vielfältiger Natur. Unklar seien demgegenüber die Gründe für die in vielen Ländern registrierte Zunahme beim Typ-1-Diabetes. "Es gibt viele Hypothesen, jedoch keine gesicherten Erkenntnisse", erklärt Holl und bedauert: Über Prozess- und Ergebnisqualität pädiatrischer Diabetesbetreuung lägen bislang nur wenige Daten vor, insbesondere fehlten multizentrische und Langzeituntersuchungen an größeren Patientengruppen. Auch auf diesem Gebiet erhofften sich Politik und Wissenschaft insofern Fortschritte. Dies nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. "Schließlich entstehen durch die 6,5 Millionen Diabetes-Kranken, davon 2,5 Millionen regelmäßig mit Insulin behandelt, enorme Belastungen für die Volkswirtschaft." Schon deswegen beinhalteten die ohnehin breit angelegten Untersuchungen auch wirtschaftliche Analysen. Überdies ermögliche der Verbund zahlreicher Zentren aussagefähige Informationen zu seltenen Diabetes-Typen und Verlaufsformen. Nicht unwichtig, so Professor Reinhard Holl, ein weiterer Vorteil der Datenbank: "Da sie auch von zahlreichen Erwachsenen-Zentren genutzt wird, können Patienten beim Wechsel von pädiatrischer zu internistischer Betreuung lückenlos weiter beobachtet werden." Weitere Informationen: Prof. Dr. Reinhard Holl, Tel. 0731/50-25314 Quelle: idw |
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