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Arzt verweigert Behandlung

Dies ist eine Diskussion zu Arzt verweigert Behandlung innerhalb des Forums Medizinrecht

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Alt 25.10.2009, 12:33
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Arzt verweigert Behandlung

folgender fiktiver fall:

"eine alte Dame, wurde mit dem MRSA Keim aus dem Krankenhaus entlassen und befindet sich nun isoliert im Pflegeheim. Sie ist sehr einsam und unglücklich.

Die Betroffene ist unheilbar krank. Es wurde ein Lungenkarzinom mit Lymphknotenbefall diagnostiziert. Zusätzlich besteht eine schwere Herzkrankheit, inoperable Herzklappenstenose. Der Keim besteht bereits seit Monaten, wird aber vom Hausarzt nicht behandelt. Begründung: Die Patientin ist alt und krank, da mache er nichts mehr gegen den Keim. Die Behandlung wäre sehr teuer.

Die Betreute wünscht sich soziale Kontakte, darf der Arzt die Behandlung mit Antibiotika einfach ablehnen weil sie sehr teuer ist?

Vielen Dank im Voraus für Anregungen und Tipps."
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  #2 (permalink)  
Alt 25.10.2009, 22:21
V.I.P.
 
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AW: Arzt verweigert Behandlung

Zitat:
Zitat von zeiten
Der Keim besteht bereits seit Monaten, wird aber vom Hausarzt nicht behandelt. Begründung: Die Patientin ist alt und krank, da mache er nichts mehr gegen den Keim. Die Behandlung wäre sehr teuer.
Die Frage ist hier, ob eine Behandlung des Keims für die Patientin einen Nutzen gegenüber der Nichtbehandlung darstellt.

Zitat:
Zitat von zeiten
Die Betreute wünscht sich soziale Kontakte
Diese Kontakte sind möglich, wenn die hygienischen Bedingungen dafür ermöglicht und möglichst streng überwacht werden.
Zitat:
Zitat von zeiten
darf der Arzt die Behandlung mit Antibiotika einfach ablehnen weil sie sehr teuer ist?
Aus Kostengründen ist das nicht erlaubt. Der Arzt wird wegen der derzeitigen Rechtslage mit einem Regressverfahren rechnen müssen. Im Laufe dieses Verfahrens wird er nach stundenlanger Recherche und Arbeit nachweisen können, dass die Behandlung indiziert war und die Kosten wegen des Sonderfalls nicht in sein Medikamentenbudget fallen. Am besten macht er die KV schon vor Beginn der Behandlung auf den Zustand aufmerksam.

So kommt es, dass ein Arzt, der das Richtige tut, dafür büßen muss. Der vergangenen Regierung und unserer eventuell nach Spanien weichenden Noch-Gesundheitsministerin sei Dank!
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Albert Einstein

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  #3 (permalink)  
Alt 26.10.2009, 08:15
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AW: Arzt verweigert Behandlung

Zitat:
Zitat von gilda
Aufgrund der resistenten Keime wird derzeit sogar eine wiederholte Behandlung bei fehlender Aussicht auf Erfolg nicht mehr empfohlen.
(...)
Bleibt nur die Suche nach einem einsichtigen Arzt.
Wieso widerspricht sich Ihre Aussage so schrecklich?
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  #4 (permalink)  
Alt 26.10.2009, 17:52
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AW: Arzt verweigert Behandlung

Zitat:
Zitat von gilda
Damit ist der alten Dame auch nicht geholfen
Vielleicht sollte Ullalla sie ja bei der nächsten Fahrt nach Spaniern auf Steuerzahlerkosten mitnehmen. Schafft soziale Kontakte, und die alte Dame ist sicherlich eine robuste Zuhörerin.
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  #5 (permalink)  
Alt 26.10.2009, 23:34
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AW: Arzt verweigert Behandlung

ups, ich stör euer gezänk ungern, nich dass ich noch zwischen dir fronten gerate.....aber nochmal zurück zur fiktiven dame.

Zitat:
... und die alte Dame ist sicherlich eine robuste Zuhörerin.
ich glaub, eher nicht. sie hat schon klare vorstellungen und eine eigene meinung. und: sie möchte unter menschen!!! sie möchte in ihrem rolli in den park geschoben werden und die sonne und bäume sehen – noch lebt sie ja schließlich. sie wird aber in einer sterilen zelle gehalten, wie eine laborratte.
Zitat:
Die Frage ist hier, ob eine Behandlung des Keims für die Patientin einen Nutzen gegenüber der Nichtbehandlung darstellt.
na und wie!!! der nutzen liegt darin, dass ihr wieder kontakt zu artgenossen und auch zur natur möglich wäre. sie sitzt ganz allein dort, nur pflegepersonal. das ist wie einzelhaft.

Zitat:
Diese Kontakte sind möglich, wenn die hygienischen Bedingungen dafür ermöglicht und möglichst streng überwacht werden.
wie kann denn das denn aussehen? kann sie denn vielleicht doch in den park oder so? (gut das wetter is nu grad umgeschlagen....) wie müssten diese massnahmen aussehen? kann es sein, dass das heim die regeln viel zu eng zieht?
Zitat:
Der Arzt wird wegen der derzeitigen Rechtslage mit einem Regressverfahren rechnen müssen. Im Laufe dieses Verfahrens wird er nach stundenlanger Recherche und Arbeit nachweisen können, dass die Behandlung indiziert war und die Kosten wegen des Sonderfalls nicht in sein Medikamentenbudget fallen. Am besten macht er die KV schon vor Beginn der Behandlung auf den Zustand aufmerksam.
danke für die lange erklärung und kannst du mir das auch übersetzen? was heißt das denn für die patientin? welchen tipp soll sie dem arzt geben? er soll also zuerste die krankenkasse über die behandlung infoermieren oder wie? und das verfahren muss er befürchten wegen was? weil der die behandlung durchführt oder weil er sie ablehnt? oder weil die behandlung so teuer ist, dass sie sein budget sprengt? aber du hast doch gesagt, das wär ein sonderfall? oder wie? sry, bin nich so im thema, würd es aber gern verstehen, kann ja sein, dass es doch noch ne möglichkeit gibt, ihr einen kleinen rest an leben zu ermöglichen...

gruß, zeiten
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  #6 (permalink)  
Alt 27.10.2009, 09:22
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AW: Arzt verweigert Behandlung

Zitat:
Zitat von zeiten
ich glaub, eher nicht. sie hat schon klare vorstellungen und eine eigene meinung. und: sie möchte unter menschen!!! sie möchte in ihrem rolli in den park geschoben werden und die sonne und bäume sehen – noch lebt sie ja schließlich. sie wird aber in einer sterilen zelle gehalten, wie eine laborratte.
Siehe dazu den Link von gilda (der mir viel Arbeit erspart... ). Leider sind die Pflegeheime fast immer unterbesetzt, und die Pflegekräfte unterqualifiziert. Deshalb werden optimierte Pflegebedingungen und Rücksichtnahme auf Einzelfälle gerne ignoriert, was man auch an der PEG-Problematik (Sonden für Bewohner, die schlecht essen) sehen kann.

Ich könnte ja jetzt über die Pflegeproblematik und die irrsinnige Benotung...aber hier erspar ich mir das mal.
Zitat:
Zitat von zeiten
kannst du mir das auch übersetzen?
Leitet der Arzt eine kostspielige Therapie ein, ist es gut möglich, dass er am Ende des Jahres sein Medikamentenbudget überschritten hat. Und dann wird er vorgeladen und muss erklären, warum er nicht so "gut" haushalten kann wie die anderen Ärzte. Die Beweislastumkehr (die ja so gerne verlangt wird), ist hier bereits vorhanden. Und er kann dann nicht sagen "meine Patienten sind kranker als die meiner Kollegen", sondern er muss anhand von Einzelfällen nachweisen, dass genau diese Therapie notwendig war. Dann werden die Kosten dieser Therapie aus seinen Gesamtkosten wieder herausgerechnet.
Zitat:
Zitat von zeiten
was heißt das denn für die patientin? welchen tipp soll sie dem arzt geben?
Das braucht und kann sie nicht. Jeder Arzt sollte das wissen. Ich will ja nicht wieder austeilen, aber es wird sich hier um die Spezies Hausarzt und Primärarzt handeln, die politisch gefördert wird, sich das aber durch fachliche Kompetenz nicht gerade verdient.

Fachlich sinnvoll wäre die Erstellung eines Antibiogramms, denn man kann hoffen, dass der Keim doch noch gegen irgend etwas sensibel ist. Und dann muss abgewägt werden, ob die Nebenwirkungen der Antibiotika die Patientin mehr schädigen als der MRSA. Und dann muss man noch prüfen, ob die Patientin (wie Du andeutest) lieber mehr durch die neuen Antibiotika leidet als eingesperrt zu sein. Wobei (siehe oben) die Frage ist, ob das wirklich nötig ist. Das muss man im Einzelfall sehen. Bei einer Patientin mit einem Lungenleiden ist allerdings zu befürchten, dass sie ziemlich oft hustet, und somit den Keim in der Gegend verteilt.
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  #7 (permalink)  
Alt 27.10.2009, 10:14
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AW: Arzt verweigert Behandlung

vielen dank euch beiden!!
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  #8 (permalink)  
Alt 28.10.2009, 00:12
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AW: Arzt verweigert Behandlung

Zitat:
Zitat von zeiten
sie möchte in ihrem rolli in den park geschoben werden und die sonne und bäume sehen – noch lebt sie ja schließlich. sie wird aber in einer sterilen zelle gehalten, wie eine laborratte.
Es gibt klare und eindeutige Regelungen, ob, wann und wie Patienten mit ansteckenden Krankheiten zu isolieren sind. Sollte der Verdacht bestehen, daß die behandelnden Ärzte dagegen verstoßen, schaltet man einen Rechtsanwalt ein, der sich der Angelegenheit annimmt.
__________________
Es ist keinerlei Grund für die Annahme erkennbar, die Autoren der Verfassung hätten mit ihren Worten nicht das gemeint, was sie damit gesagt haben, sondern vielmehr das genaue Gegenteil davon.
(Der US-Supreme Court in seiner Entscheidung zu den "Pentagon Papers"; New York Times Co. vs. United States, 403 U.S. 713, 1971)
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  #9 (permalink)  
Alt 28.10.2009, 13:15
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AW: Arzt verweigert Behandlung

Zitat:
Zitat von Goldbart
Wer hat denn diesen "hochansteckenden" MRSA im KH gezüchtet? Inkompetente Ärzte durch falsche Anwendung chemischer AB. Eigentlich sollte man diese Ärzte zur Strafe so "isoliert wie eine Ratte halten", wie sie nun die arme Patientin halten.
Das alles ändert aber überhaupt nichts daran, daß man Patienten isolieren muß, wenn sie andere mit gefährlichen Krankheiten anstecken können.

Oder sollte man Ihres Erachtens z.B. Patienten mit offener TB frei rumlaufen und andere anstecken lassen, nur weil diese Patienten sich ihre Erkrankung durch einen ärztlichen Fehler geholt haben? Und was würden Sie sagen, wenn Sie oder Ihr Kind durch einen Patienten mit einer gefährlichen Krankheit angesteckt wird, weil der Patient nicht ausreichend isoliert wurde?

Das mag alles schlimm und tragisch sein, und in Punkto Hygiene-Maßnahmen gibt es in vielen deutschen Krankenhäusern zweifellos einen gewaltigen Nachholbedarf (wenn man das mal mit unseren Nachbarländern wie den Niederlanden vergleicht), es ändert aber leider überhaupt nichts an der Notwendigkeit gewisser Quarantäne- bzw. Isolierungsmaßnahmen.
__________________
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(Der US-Supreme Court in seiner Entscheidung zu den "Pentagon Papers"; New York Times Co. vs. United States, 403 U.S. 713, 1971)
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