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Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Dies ist eine Diskussion zu Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange? innerhalb des Forums Medizinrecht

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  #1 (permalink)  
Alt 13.12.2007, 13:28
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Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Kann ein Arzt einen Patienten nur bis zu einer bestimmten zeitlichen Grenze am Stück krankschreiben oder gibt es da eine (gesetzliche) Begrenzung, z.B. so und so viel Wochen - und dann muss der Patient wieder erscheinen? Wie lange geht es am Stück, ohne dass der Patient wieder kommen muss? Und gibt es da einen Unterschied zwischen Allgemeinarzt und Facharzt?
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  #2 (permalink)  
Alt 13.12.2007, 13:54
V.I.P.
 
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Prinzipiell ist die Länge einer AU nicht begrenzt und es gibt keinen Unterschied zwischen Haus- und Facharzt. Die AU wird allerdings spätestens durch die Feststellung der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit beendet. Der Arzt ist frei in seiner Entscheidung, wann er einen Patienten wieder sehen will.

Dabei ist allerdings zu sagen:
1. Nach einer AU von einigen Wochen fragt oft der MDK an, was los ist und will Auskunft vom Arzt.
2. Ein Arzt, der einen Patienten für eine lange Zeit AU schreibt, ohne ihn zu sehen, sollte schon gut begründen können, warum keine Besserung eintreten kann. Dies (und die Länge des AU-Intervalls) ist natürlich abhängig vom Einzelfall und der Diagnose.
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  #3 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 11:54
V.I.P.
 
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Sagen wir mal, wir hätten den hypothetischen Fall eines Mannes über 50 mit Burn-Out-Syndrom und allen möglichen psychosomatischen "Ausfallserscheinungen", der notgedrungen alle 3 Wochen bei einem Psychiater anrücken muss, um Krankschreibungen zu bekommen. Die braucht er, weil er ALGII bekommt. Und das bekommt er, weil er vorher selbstständig tätig war und nicht angestellt (ansonsten hätte er ja wohl erstmal Anspruch auf ALGI gehabt). Er hat gerade immer so viel verdient, dass es von der Hand in den Mund reichte. So hat er keine Rücklagen. Und musste daher zur ARGE. Er bekommt keine Medikamente. Er bräuchte Ruhe, um seine Erlebnisse zu verarbeiten, einen ruhigen Rahmen auch, um eine Therapie zu nachen. Aber unter dem Druck der ARGE plus des Psychiaters kriegt er keine Ruhe. Das ist ein Teufelskreis. Ohne Ruhe keine Regeneration. Ohne Regeneration keine Arbeitsfähigkeit. Ohne Arbeitsfähigkeit kein Geld, sondern ARGE plus Psychiater = dauernder Druck. Das geht nicht. Bei einer längeren Krankschreibung - mal ein Vierteljahr vielleicht - könnte er sich sammeln, um dann mal in Ruhe eine Therapie in Angriff nehmen zu können. Aber so... Er ist und bleibt fertig.
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  #4 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 12:05
V.I.P.
 
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Meinst Du es ist sinnvoll dass ein Patient keinen Arzt mehr sieht, um "Ruhe zu bekommen"?

Ich finde so etwas mit Verlaub gesagt happig!

Mein Vorschlag: der Mann sollte sich einen anderen Arzt suchen oder sich in eine stationäre Therapie begeben, wenn er Besuche im Abstand von drei Wochen nicht mehr ertragen kann. Abgesehen davon kann sich gerade bei einer psychischen Erkrankung die Situation ändern, ohne dass der Patient es richtig einschätzen kann.
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  #5 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 15:49
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Vielleicht braucht er einen passenden Arzt/Therapeuten? Es gibt solche und solche.
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  #6 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 15:54
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Das ist natürlich richtig. Wenn der Mann glaubt, dass die Besuche beim Arzt ihm nicht gut tun bzw. er das Gefühl hat, insgesamt keine Fortschritte zu machen, sollte er sich einen anderen suchen.
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  #7 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 15:54
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Ese gibt wahrscheinlich auch Ärzte, die einen NICHT zwingen bzw. drängen - und somit unter Druck setzen -, seine GANZEN traumatischen Erlebnisse auf EINMAL "herauszurotzen", um es mal so auszudrücken, oder? Ich weiß es nicht. Könnte mir aber vorstellen, dass es auch Ärzte/Therapeuten gibt, die behutsam vorgehen und den Patienten nicht in dieser Form überfordern. DAS ist nämlich der besagte Druck - nicht das Auftauchen alle 3 Wochen an sich. Sondern diese Art von unerträglichem Druck.
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  #8 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 16:00
V.I.P.
 
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Es hängt damit zusammen, wie lange der Patient schon bei diesem Arzt in Behandlung ist. Wenn der Patient oder der Arzt zu der Erkenntnis kommen, dass nicht genügend Vertrauen aufgebaut werden kann, ist eine Fortsetzung einer Therapie fruchtlos.

Warum der Arzt drängt kann viele Gründe haben. Nur einige Beispiele ohne Garantie auf Vollständigkeit:
- er hat keine Lust und will den Patienten loswerden
- er sieht keinen Sinn darin, eine Therapie "um den heißen Braten herum" zu machen, wenn dies schon länger so geht
- er hat das Gefühl, der Patient wolle sich eigentlich öffnen und brauche nur noch einen kleinen Impuls
- die Therapie macht Fortschritte, aber diese sind für den Zeitrahmen (oder die Anzahl der Sitzungen) zu gering
- die Kasse genehmigt nur eine begrenzte Zahl an Sitzungsstunden und der Arzt befürchtet, in dieser Zahl werde kein entscheidender Erfolg erzielt, so dass der Patient den Rest selber zahlen müsste
- der Patient hat einen Teil mitgeteilt und der Arzt hofft, dass sich die Schleusen öffnen ("Und was noch?"-Strategie)
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  #9 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 16:08
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Und was wäre mit der Begründung: "Ich (also der Arzt) will Sie kennen lernen."? Bem zweiten Besuch. Nachdem er beim ersten sagt: "Sie müssen nur so viel sagen, dass Sie sich selbst nicht überfordern. Wenn es Ihnen zu viel ist - lassen Sie es." Was soll das? Für mich klingt das wie ein Kurswechsel um 180 Grad, aus welchem Grund auch immer.
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  #10 (permalink)  
Alt 14.12.2007, 16:18
V.I.P.
 
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AW: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - wie lange?

Du hast es ja schon gesagt: Drängt der Arzt zu sehr und dem Patienten wird es unangenehm, sollte er entweder mit dem Arzt sprechen oder (wenn er dazu nicht bereit ist oder er mit dem Arzt "nicht kann", was bei Therapeuten häufiger passiert) sich einen anderen suchen.

Es kann natürlich sein, dass ein anderer Therapeut erst Termine in einer gewissen Zeit hat, das sollte man nicht vergessen. Also schon möglich, dass man entweder noch länger bei dem alten Arzt bleiben muss, um die AU zu kriegen. Man kann auch offen mit ihm reden, ihm sagen, wann der Termin beim nächsten Arzt ist und ihn bitten, die AU für diesen Zeitraum auszustellen. Dabei sollte man bei der Terminvergabe beim neuen Arzt allerdings die Lage schildern, damit ein möglichst früher Termin ermöglicht wird. Eine andere Alternative (gibt es bei Therapeuten auch) ist, den alten Arzt zu fragen, wen er empfehlen kann und ob von dort aus eine Überweisung zur raschen Weiterbehandlung erfolgt.
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