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Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Dies ist eine Diskussion zu Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt innerhalb des Forums Medienrecht und Presserecht

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  #1 (permalink)  
Alt 15.11.2009, 22:35
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Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Hallo!

Mal angenommen, Person A befindet sich in einem Zimmer einer Jugendherberge. Es klingelt und Person A öffnet. Vor der Tür steht ein Security und daneben ein Kameramann. Person A wird darauf hingewiesen, dass bereits Nachtruhe herrscht, und die Musik leiser gemacht werden soll. Es wird zugestimmt, und die Tür wieder geschlossen. Es kommt zu keiner Zustimmung für die Aufnahmen, aber auch wegen der überraschenden Situation zu keinem Wiederspruch.
Einige Wochen später wird von einem großen privaten TV-Sender eine Dokumentation ausgestrahlt, die sehr negativ über Jugendherbergen, Alkohol, Ruhestörungen etc berichtet und Person A wird dabei im Großformat und eindeutig erkennbar gezeigt.

Angenommen, Person A wusste nichts von der negativen Berichtserstattung und will in diesem Zusammenhang nicht in der Dokumentation erscheinen.

Hat Person A zum einen die Möglichkeit, dass sie unkenntlich gemacht wird und zum anderen für die bisherige Ausstrahlung Schadensersatz bekommt?

Gibt es Erfahrungen wie große TV-Sender mit solchen Situtionen umgehen? Blocken diese ab bis es vor Gericht kommt, oder kann mit einer schnellen außergerichtlichen Einigung gerechnet werden?

Vielen Dank,
marvellous
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  #2 (permalink)  
Alt 16.11.2009, 11:59
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AW: Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Da würde ich einen Anwalt konsultieren.
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Es ist keinerlei Grund für die Annahme erkennbar, die Autoren der Verfassung hätten mit ihren Worten nicht das gemeint, was sie damit gesagt haben, sondern vielmehr das genaue Gegenteil davon.
(Der US-Supreme Court in seiner Entscheidung zu den "Pentagon Papers"; New York Times Co. vs. United States, 403 U.S. 713, 1971)
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  #3 (permalink)  
Alt 17.11.2009, 13:10
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AW: Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Zitat:
Zitat von marvellous
Angenommen, Person A wusste nichts von der negativen Berichtserstattung
Stand da nicht ein Kamerateam vor der Tür?

Ein Anwalt könnte helfen. Am Ende wird ihn wahrscheinlich ohnehin der TV-Sender bezahlen müssen.
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  #4 (permalink)  
Alt 17.11.2009, 17:51
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AW: Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Kamerateam bedeutet ja nicht sofort negative Berichterstattung. Außerdem könnte man annehmen, wenn keine Logos wie RTL Pro7 etc zu sehen sind, und kein Team sondern nur ein einzelner Kameramann mit kleiner Kamera rumläuft, dass sowas evtl nur im Lokalsender gezeigt wird.

Die Frage ist halt auch, wie hoch sind die Chancen, dass der Sender die Anwaltkosten übernimmt. Ich kann es mir leider nicht leisten, auf den Kosten sitzen zu bleiben.
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Alt 17.11.2009, 18:02
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AW: Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Zitat:
Zitat von marvellous
Kamerateam bedeutet ja nicht sofort negative Berichterstattung. Außerdem könnte man annehmen, wenn keine Logos wie RTL Pro7 etc zu sehen sind, und kein Team sondern nur ein einzelner Kameramann mit kleiner Kamera rumläuft, dass sowas evtl nur im Lokalsender gezeigt wird.
auch Filmchen von kleinen Lokalsender können eine schnelle Verbreitung über youtube oder andere Seiten finden.

Zumindest erkannte der Betroffene einen Kameramann und hat den Aufnahmen offensichtlich nicht widersprochen - möglicherweise könnte man das auch als (stillschweigendes) Einverständnis werten.

Vllt. sollte man vorher erst mal Kontakt mit der betroffenen Jugendherberge aufnehmen und auch hier ansetzen.

Zitat:
Die Frage ist halt auch, wie hoch sind die Chancen, dass der Sender die Anwaltkosten übernimmt. Ich kann es mir leider nicht leisten, auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Nach dem bisherigen SV wird das hier keiner seriös beurteilen können
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  #6 (permalink)  
Alt 17.11.2009, 18:14
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AW: Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Zitat:
Zitat von marvellous
Kamerateam bedeutet ja nicht sofort negative Berichterstattung.
In dem Kontext schon. Aber klar, der Überraschungseffekt lag auf deren Seite.

Zitat:
Zitat von marvellous
Die Frage ist halt auch, wie hoch sind die Chancen, dass der Sender die Anwaltkosten übernimmt. Ich kann es mir leider nicht leisten, auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Wenn der Sender vom Gericht dazu verdonnert wird, dann wird ihm nichts anderes übrig bleiben. Allerdings kann der Sender auch in Berufung gehen. Oder auch gewinnen, was ich aber für unwahrscheinlich halte. Siehe auch die Links weiter unten. Es könnte sogar noch Schmerzensgeld drin sein.

Zitat:
Zitat von charles0308
Zumindest erkannte der Betroffene einen Kameramann und hat den Aufnahmen offensichtlich nicht widersprochen - möglicherweise könnte man das auch als (stillschweigendes) Einverständnis werten.
So einfach ist das nicht! Das TV macht es zwar gerne so und argumentiert dahingehend, dass ein Posieren vor der Kamera als Einverständnis für die Verbreitung zu sehen ist, aber das ist m.E. nicht nachvollziehbar. Insbesondere auch, weil die wenigsten sich im Klaren darüber sind, welch weitreichenden Folgen das haben kann und sie eventuell auch nicht so dargestellt werden, wie es ihnen vielleicht vorschwebt.

http://www.jurablogs.com/de/fernsehs...lichkeitsrecht

http://blog.juracity.de/2006-05-30/p...erurteilt.html

Also: kein stillschweigendes Einverständnis! Aber machen wir uns nichts vor: das rechnet sich am Ende oft trotzdem für den Sender. Doch man kann weitere Ausstrahlungen eben auch nur verhindern, wenn man rechtliche Schritte einleitet.

Man muss sich das mal vorstellen: man wird zuhause in völliger Arglosigkeit von einem Kamerateam überrascht. Der Sender tritt diesen Mist dann in gewohnter Manier breit, das Video wird nicht nur einmal gezeigt, sondern möglicherweise auf verschiedenen Sendern zu verschiedenen Uhrzeiten. Ich sag nur: Raab. Es ist eigentlich völlig egal, ob der Gefilmte widersprochen hat. Daraus kann man kein Einverständnis schließen.

Zitat:
Vllt. sollte man vorher erst mal Kontakt mit der betroffenen Jugendherberge aufnehmen und auch hier ansetzen.
Mich würde mal interessieren, inwieweit der Sender überhaupt dazu befugt war in der Jugendherberge zu filmen und die Gäste zu belästigen. Möglicherweise wäre auch die Jugendherberge gut beraten den Sender zu verklagen?

Journalismus ist eben auch nicht mehr das, was er mal war...
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  #7 (permalink)  
Alt 17.11.2009, 18:28
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AW: Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Zitat:
Zitat von 2much
Mich würde mal interessieren, inwieweit der Sender überhaupt dazu befugt war in der Jugendherberge zu filmen und die Gäste zu belästigen. Möglicherweise wäre auch die Jugendherberge gut beraten den Sender zu verklagen?
da sind wir uns einig

Die verlinkten Beiträge mit zitierten Urteilen waren mir nicht bekannt und erhöhen die Chancen unseres fiktiven A.
Gleichwohl, vor Gericht und auf hoher See .......
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  #8 (permalink)  
Alt 18.11.2009, 15:33
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Zitat von marvellous
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Wenn der TV-Sender den Prozess verliert, muß er die Kosten tragen.
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Es ist keinerlei Grund für die Annahme erkennbar, die Autoren der Verfassung hätten mit ihren Worten nicht das gemeint, was sie damit gesagt haben, sondern vielmehr das genaue Gegenteil davon.
(Der US-Supreme Court in seiner Entscheidung zu den "Pentagon Papers"; New York Times Co. vs. United States, 403 U.S. 713, 1971)
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  #9 (permalink)  
Alt 18.11.2009, 15:36
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AW: Ohne Zustimmung in TV-Doku gezeigt

Zitat:
Zitat von 2much
So einfach ist das nicht! Das TV macht es zwar gerne so und argumentiert dahingehend, dass ein Posieren vor der Kamera als Einverständnis für die Verbreitung zu sehen ist, aber das ist m.E. nicht nachvollziehbar.
Ein stillschweigendes Einverständnis für die Ausstrahlung von Aufnahmen im Fernsehen, bei denen der Abgebildete negativ dargestellt wird, steht rechtlich regelmäßig auf wackeligen Beinen, sofern nicht einer der "Ausnahmetatbestände" des KUrhG greift. Was ich hier nicht unbedingt sehe, aber dazu müsste man natürlich die Details des Einzelfalles kennen.

TV-Sender gehen ein solches Risiko aber meistens ein, dafür hat man dann einen Etat, falls mal einer meckert.
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