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Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Dies ist eine Diskussion zu Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps innerhalb des Forums Medienrecht und Presserecht

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  #1 (permalink)  
Alt 22.04.2010, 15:52
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Cool Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Sehr geehrte Forenteilnehmer,

... es gibt und es wird immer wieder Serien und Soaps geben die mit einem realistischen Anstrich versehen sind, jedoch in Wirklichkeit nur eine fiktive Variante von wirklichen Fällen bilden. Ein Demobeispiel hierfür scheint mir die RTL-Serie "Brennpunkt Familie" zu sein. Erst am Ende von Folgen erfährt man hier dass es sich hier um reine Drehbuch-Schicksale handelt. Ich verstehe nicht weshalb die TV-Produktionsfirma dazu angehalten wird dies einmal von Anfang an klar zu machen. Gibt es hier keine
entsprechende medienrechtliche Vorgabe durch den Staat ?!

PS: der TV-Kenner wußte natürlich von Beginn an, dass RTL keine realistischen Fälle ausstrahlt. Aber es gibt halt auch unaufgeklärte Fernsehzuschauer ..
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  #2 (permalink)  
Alt 22.04.2010, 15:54
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Zitat:
Zitat von helmes63
Sehr geehrte Forenteilnehmer,

... es gibt und es wird immer wieder Serien und Soaps geben die mit einem realistischen Anstrich versehen sind, jedoch in Wirklichkeit nur eine fiktive Variante von wirklichen Fällen bilden. EIn Demobeispiel hierfür scheint mir die RTL-Serie "Brennpunkt Familie" zu sein. Erst am Ende von FOlgen erfährt man hier dass es sich hier um reine Drehbuch-Schicksale handelt. Ich verstehe nicht weshalb die TV-Produktionsfirma dazu angehalten wird dies einmal von Anfang an klar zu machen. .
Wieso sollte RTL das tun? Es verdient sich doch viel besser, wenn das Nachmittagspublikum davon ausgeht, dass es sich um reale Fälle handelt
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  #3 (permalink)  
Alt 23.04.2010, 09:24
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Cool AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Ich rede auch nicht von RTL: ich spreche von der Einflußnahme der
zuständigen Fachgremien. Dazu gehört der Landesrundfunkrat sowie
meines Wissens der private Rundfunkrat den es übrigens auch noch
gibt. Diese glänzen in diesen Fallbeispielen auffälliger Weise jedoch
mit schwer erklärbarer Passivität. Es sei jedoch an dieser Stelle
anzumerken, dass der fiktive CHarakter einer Reality-Soap meist
im Abspann ablesbar ist wenn man schnell genug lesen kann ...
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  #4 (permalink)  
Alt 23.04.2010, 09:33
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Zitat:
Zitat von helmes63
Es sei jedoch an dieser Stelle
anzumerken, dass der fiktive CHarakter einer Reality-Soap meist
im Abspann ablesbar ist wenn man schnell genug lesen kann ...
Janu,

WER kann schon so flugs lesen?

Und der Zuschauer fühlt sich durch diese Sendungen so schön "informiert" und denkt sich, dass sein Leben doch ganz gut läuft - offensichtlich nicht so wie bei "den anderen".

Ich bin über Ostern zufällig über diese Art der "Unterhaltung" gestolpert und habe diesen diskreten Hinweis im Abspann nicht gesehen... Daher war ich gelinde gesagt entsetzt, und fragte mich wer sich freiwillig für sowas zur Verfügung stellt... Naja, die Laiendarsteller haben hoffentlich keine Bewerbungsgespräche mehr vor sich - könnte ja sein, dass ein AG in die gleiche Falle tappt wie ich...

Dopamin
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Keine Rechtsberatung - eher der Bereich (Nach-) Denkhilfe

Ein denkbar schlechter Tag im Sozialstaat Deutschland

Dienen die Gesetze den Menschen, oder die Menschen den Gesetzen?
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Alt 23.04.2010, 09:43
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Genauso schlimm finde ich bei den echten soaps, dass dort jeder 18-Jährige Abiturient schon ein Loft und eine eigene Werbeagentur hat :-)
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  #6 (permalink)  
Alt 24.04.2010, 14:07
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Witzigerweise habe ich mich als Kind auch immer gewundert, wo die Filmemacher die vielen Leute hernehmen, die bei Winnetou totgeschossen werden. Waren das alle Selbstmordkandidaten?

Doch dann wuchs ich und lernte, dass Karl May kein Autobiograph, sondern in fiktiver Autor ist - der dies nicht nur nicht vorne in seine Bücher reinschrieb, sondern sogar auf Reisen verschleierte mittels Kostümen auf Fotos.

Übrigens fand ich dann auch bei Thomas Mann keinen Disclaimer, "Alle Personen und Handlungen sind frei erfungen", schon gar nich am Anfang seiner Romane. In einem tut er sogar das Gegenteil vorab: Bei "Felix Krull" schildert er im ersten Absatz, dass er sich beste Mühe gegeben hätte, alles wahrheitsgetreu zu schildern, hehe!

Fast wäre ich darauf reingefallen. Schließlich war er Literaurnobelpreisträger und kein Schmuddelprivatsender ...

Gruß aus Berlin, Gerd
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  #7 (permalink)  
Alt 10.05.2010, 22:52
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Für Printmedien gibt es nach den Landespressegesetzen die Verpflichtung, eine Anzeige (genauer gesagt: eine Veröffentlichung gegen Entgelt) als solche zu kennzeichnen, wenn sich nicht schon aus der Aufmachung, Plazierung usw. deutlich ergibt, daß es sich um eine Anzeige handelt.

Entsprechendes gilt auch für den Rundfunk, wobei die EU ja gerade der Schleichwerbung ("product placement") die Tür geöffnet hat...

Aber eine Pflicht, Fiktion von Dokumentation zu unterscheiden, ist mir nicht bekannt.

Fiktion und Erfindung dem Zuschauer in Nachrichten unterzujubeln, verstößt eindeutig gegen alle Grundsätze korrekten Journalismus, und dem sind sowohl die ÖR-Sender als auch die privaten Sender durch das einschlägige Rundfunkrecht durchaus schon verpflichtet.

Aber eine "Doku-Soap" ist eben keine Nachrichtensendung und erhebt auch nicht den Anspruch, eine solche zu sein.

Ich möchte mal sagen:

Es ist eine Sache, Erfundenes direkt als "Nachricht/Dokumentation" zu verkaufen. Und eine andere Sache, eine Fernsehserie, einen Spielfilm, ein Fernsehspiel so zu gestalten, daß es "echt wirkt", wie eine Dokumentation.

Das Thema ist ja nicht neu, das gab's schon in den 70ern, bei Wolfang Menges "Millionenspiel" wie auch bei "Smog".

Zu tun als wäre es echt ist ja auch eine legitime Kunstform in der Fiktion.

Muß man das dazuschreiben?

Ja, wenn um 20.00 Uhr in der ARD eine "gefakte Tagesschau" als Teil eines Katastrophen-Spielfilms erscheint.

Nein, wenn auf dem Sendeplatz des Dienstag-Spielfilms eine "Nachrichtenübertragung" vom Einsturz des Kanzeramtes gezeigt wird, und der Zuschauer mit einem Blick ins Programmheft oder den Teletext erkennen kann: das ist "Der Tod des Kanzlers" von Dominique Graf mit Uwe Ochsenknecht als Bundeskanzler und Harald Schmidt in der Rolle des Kanzleramtsministers...

Meine Meinung...

Ehrlich gesagt geht es mir aber eher anders rum: ich frage mich nicht bei irgendwelchen Nachmittagssendungen, ob die vielleicht getürkt sind.

Ich frage mich eher bei manchen Dokumentationen, ob das Gezeigte wirklich echt sein kann...
__________________
Es ist keinerlei Grund für die Annahme erkennbar, die Autoren der Verfassung hätten mit ihren Worten nicht das gemeint, was sie damit gesagt haben, sondern vielmehr das genaue Gegenteil davon.
(Der US-Supreme Court in seiner Entscheidung zu den "Pentagon Papers"; New York Times Co. vs. United States, 403 U.S. 713, 1971)
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  #8 (permalink)  
Alt 10.05.2010, 23:01
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Zitat:
Zitat von Gerd aus Berlin Beitrag anzeigen
Witzigerweise habe ich mich als Kind auch immer gewundert, wo die Filmemacher die vielen Leute hernehmen, die bei Winnetou totgeschossen werden. Waren das alle Selbstmordkandidaten?

Doch dann wuchs ich und lernte, dass Karl May kein Autobiograph, sondern in fiktiver Autor ist - der dies nicht nur nicht vorne in seine Bücher reinschrieb, sondern sogar auf Reisen verschleierte mittels Kostümen auf Fotos.

Übrigens fand ich dann auch bei Thomas Mann keinen Disclaimer, "Alle Personen und Handlungen sind frei erfungen", schon gar nich am Anfang seiner Romane. In einem tut er sogar das Gegenteil vorab: Bei "Felix Krull" schildert er im ersten Absatz, dass er sich beste Mühe gegeben hätte, alles wahrheitsgetreu zu schildern, hehe!

Fast wäre ich darauf reingefallen. Schließlich war er Literaurnobelpreisträger und kein Schmuddelprivatsender ...
Als ich Mitte der 60er in die Grundschule ging, hatten wir einen Collie.

Der wurde auf der Straße von allen Kindern mit "Lassie!" begrüßt...

Einige meiner damaligen Schulkameraden waren fest davon überzeugt, daß im "Wilden Westen" (von dem sie kaum hätten sagen können, wo er denn läge, außer grobe Richtung "Amerika") genau zu dieser Zeit Hoss und Little Joe hinter ein paar ausgebrochenen Rindern herjagten.

In den 80ern machte David Hasselhoff in der TV-Serie "Knight Rider" mit seinem "denkenden, fühlenden und sprechenden Auto" "Kid" Furore.

Der Spielzeughersteller Martell ließ ein lebensgroßes Duplikat von "Kid" in deutschen Kaufhäusern aufstellen, als Werbegag.

Es wird berichtet, daß erstaunlich viele 12- und auch noch 14jährige versucht haben sollen, mit diesem Auto zu reden...
__________________
Es ist keinerlei Grund für die Annahme erkennbar, die Autoren der Verfassung hätten mit ihren Worten nicht das gemeint, was sie damit gesagt haben, sondern vielmehr das genaue Gegenteil davon.
(Der US-Supreme Court in seiner Entscheidung zu den "Pentagon Papers"; New York Times Co. vs. United States, 403 U.S. 713, 1971)
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  #9 (permalink)  
Alt 11.05.2010, 07:12
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Und "Winnetou" gab mir am Bücherstand im Kaufhaus ein Autogramm. Da es nicht Atze Brauners Schauspieler Pierre Brice war, sondern der Darsteller des Winnetou der Bad Seegeberger Karl-May-Festspiele, war ich leicht irritiert. Aber er schrieb tatsächlich "Für Gerd. Herzlichst, Winnetou!"

Für ganz Besorgte sei gesagt: Die Dummen sterben nie aus. Vgl. auch "Der Krieg der Welten" als Hörspiel in den USA ("Regisseur Orson Welles löst eine Massenpanik mit Toten aus!") und in der BRD:
"Trotz der mehrfach eingestreuten Hinweise auf den fiktionalen Charakter und trotz des deutlich hörbaren Alters der Originalaufnahme gab es bei der Erstausstrahlung viele besorgte Anrufe."
Krieg der Welten – Wikipedia

Gruß aus Berlin, Gerd

PS. Auf dem Hitchhiker's Guide to The Galaxy steht vorne immerhin noch drauf (in large friendly letters!): "Don`t panic!"

PPS. Für ganz Ängstliche hat Frank'n'Further einen gesungenen Rat zur Hand:
"Oh, Baby, don't you panic,
I'll get you a satanic mechanic!"
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Alt 12.05.2010, 16:13
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AW: Deklarierungspflicht bei psydo-realistischen Doku-Soaps

Das Problem ist nicht, dass es solche Sendungen gibt, sondern was für ein Signal diese Sendungen vermitteln.

Guck mal Denise, die sind auch so doof wie wir, dann ist ja alles gut!
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