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Schlechtes Material - Was tun?

Dies ist eine Diskussion zu Schlechtes Material - Was tun? innerhalb des Forums Handelsrecht

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  #1 (permalink)  
Alt 28.03.2011, 23:22
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Schlechtes Material - Was tun?

Guten Abend,

folgender interessanter fiktiver Fall liegt vor:

Ein kleiner Gewerbetreibender kauft von einer Firma Arbeitsmaterial (Guss-Kunststoffe).

Zu Beginn ist die Beratung prima, und der Gewerbetreibende bestellt.
Bei der Verarbeitung des Materials ergeben sich Unregelmässigkeiten, Lufteinschlüsse und andere Probleme, die typisch für Überlagerung sind.

Telefonisch um Hilfe bittend, wurde sofort Ersatz geschickt, und neues Material kam.
Es klappt alles, bis zur nächsten Charge.
Wieder Lufteinschlüsse und verkorkste Aussenflächen.
Wieder Rückfrage, und es erfolgt eine ausgiebige Fehleranalyse.
Natürlich ist das tolle, einzigartige Material aus Übersee nicht schuld.

Da es sich um einen wichtigen Auftag handelt, wird zähneknirschend "weitergewurstelt", aber letztendlich hat das gesandte Material keinen Sinn.

Mit von einer anderen Firma geliefertem Kusntstoff klappt es dagegen alles wunderbar, nur der Schaden beim Auftraggeber ist angerichtet.

Der Verarbeitende hat übrigens viele Jahre Erfahrung und weiss, daß die gelieferte Ware schlichtweg schlecht ist.

Die Verarbeitungsprobleme sind alle mit Fotos dokumentiert, und die Fehlgüsse sind vorhanden.

Nun will der Gewerbetreibende für diesen Mist nicht bezahlen, er hat nur Ärger und Probleme bekommen und seinerseits seine Termine nicht einhalten können.

Die Lieferfirma dagegen will die Ware bezahlt haben und mahnt nun und droht mit Anwalt.

Nun ist guter Rate gefragt...


---

Was meint Ihr?
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  #2 (permalink)  
Alt 29.03.2011, 20:09
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AW: Schlechtes Material - Was tun?

Solche Rechtsauseinandersetzungen, wo es um die Qualität einer
Ware geht, sind nicht selten.

In der Regel wird der Kläger sofort ein Sachverständigengutachten
in Auftrag geben müssen.
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  #3 (permalink)  
Alt 29.03.2011, 21:10
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AW: Schlechtes Material - Was tun?

Zitat:
Was meint Ihr?
der zug ist abgefahren...

Zitat:
Zitat von haduwolff Beitrag anzeigen
Da es sich um einen wichtigen Auftag handelt, wird zähneknirschend "weitergewurstelt"...
hätte er nicht tun dürfen, sobald er das material "anrührt" hat er es abgenommen. ende. da gibt es kein zurück, kein verhandlungsspielraum. es sei denn, es hätte sich um einen verdeckten mangel gehandelt, das scheint hier nicht der fall.

im handel ist es unerlässlich, die eingehenden waren SOFORT zu prüfen und zu rügen. es sollte immer schriftlich sein, es sollte mängelrüge drauf stehen und die fehler näher beschrieben sein und man sollte grundsätzlich den eingang des schreibens sich bestätigen lassen. und dann darf die ware nicht verarbeitet werden, sobald verarbeitet wird, gilt sie als abgenommen.

rein rechtlich helfen da dann nachher auch keine fotos oder sonst wie tollen dokumentationen.

Zitat:
Der Verarbeitende hat übrigens viele Jahre Erfahrung und weiss, daß die gelieferte Ware schlichtweg schlecht ist.
das glaube ich gern, er hätte sich etwas näher mit dem hgb befassen sollen. unter kaufleuten muss eine ware unverzüglich geprüft und (wirklich sofort) reklamiert werden. sie darf in keinem fall verarbeitet werden. dann hat man rechtlich ausgespielt.

Zitat:
Nun will der Gewerbetreibende für diesen Mist nicht bezahlen, er hat nur Ärger und Probleme bekommen und seinerseits seine Termine nicht einhalten können.
die freude über einen guten preis, währt nie so lange wie der ärger über die billige waren. (alte kaufmannsweisheit )

Zitat:
Die Lieferfirma dagegen will die Ware bezahlt haben und mahnt nun und droht mit Anwalt.
versuchen sich gütlich zu einigen und abhaken. rechtlich ist da nichts mehr zu wollen.
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  #4 (permalink)  
Alt 31.03.2011, 13:58
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AW: Schlechtes Material - Was tun?

Danke schon mal für die Antworten.

zeiten..

Hier ist der Punkt. Die Qualität bzw. Verwendbarkeit des Materials ist nur in der längerfristigen Anwendung erkennbar.

Mit freundlichen Blicken auf geschlossene Behälter ist keine Prüfung der Verwendbarkeit möglich, hier ist einfach die Verarbeitung entscheidend, dem Material ist im Rohzustand nicht nazusehen, obs was taugt.

Daher ist die Vorgehensweise der Prüfung bei Lieferung unmöglich.
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  #5 (permalink)  
Alt 31.03.2011, 14:15
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AW: Schlechtes Material - Was tun?

Zitat:
Zitat von haduwolff Beitrag anzeigen
Die Qualität bzw. Verwendbarkeit des Materials ist nur in der längerfristigen Anwendung erkennbar.
naja, du hattest was von "zähneknirschend weitergewurschtelt" geschrieben. da hatte ich den eindruck, dass halt aufgrund der auftragslage dann doch das minderwertige zeugs verartbeitet wurde, obwohl schon klar war, dass es schrott is.

Zitat:
Mit freundlichen Blicken auf geschlossene Behälter ist keine Prüfung der Verwendbarkeit möglich, hier ist einfach die Verarbeitung entscheidend, dem Material ist im Rohzustand nicht nazusehen, obs was taugt.
okay, ich hab von der branche keine ahnung. es war von "verkorkste Aussenflächen" die rede. ich ging davon aus, dass das bei der abnahme der teile sichtbar ist...

Zitat:
Daher ist die Vorgehensweise der Prüfung bei Lieferung unmöglich.
wenn dem so ist, ist es ein sogenannter verdeckter mangel, der sofort nach bekannt werden gerügt werden muss. danach darf aber nicht weiter gearbeitet werden, sonst gilt er nämlich wieder als akzeptiert...

wenn nicht wirklich sofort mord und brand geschrien wird, hat der verarbeiter da regelmäßig relativ schlecht karten.

hier scheint eine rechtsanwältin und danach eine sachvedrständige sinnvoll. auch in der reihenfolge. zunächst sollte wirklich geklärt werden, in wie weit man unter umständen durchs "weiterwurschteln" sämtliche ansprüche verloren hat oder halt nicht. und dann muss sachverständige klären, ob material tatsächlich schrott (geh ich mal von aus, blos brauch tman ja nen beweis.)

wo is das material denn jetzt? steckt es nun in den verbauten teilen oder wurde es nur zunächst irgendwie verbaut und dann wieder ausgebaut...?
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  #6 (permalink)  
Alt 31.03.2011, 18:54
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AW: Schlechtes Material - Was tun?

In unserem "fiktiven" Fall geht es um Kleinserienherstellung von Kunststoffteilen.

D.h. es werden Urmodelle hergestellt, von diesen werden Gussforman aus Silikon hergestellt, die dann mit 2-Komponenten Kunststoffen ausgegossen werden.
Das Material und die 2-Komponenten-Kunststoffe entstammen der System-Produktlinie des Verkäufers.
Somit schliesst man an sich die chemischen Reaktionen einander fremder Produkte aus.

Im vorliegenden "fiktiven" Fall wurden verschiedene Kleingebinde der Materialien geliefert, um optimale Verarbeitung zu garantieren.

Um die Standfestigkeit der Formen zu ermitteln, muss mindestens 5-6 mal gegossen werden. Bei den Güssen wurden jedesmal unsaubere Oberflächen und Luftblasen festgestellt.

Die Lieferfirma hat auch einmal Ersatz geliefert, aber nach erneuten Versuchen hat das Material immer aufs Neue interessante Eigenschaften gezeigt, die die Weiterverarbeitung unmöglich machte.

Das untaugliche Material ist verbraucht und wurde zwecks Dokumentation aufgehoben. Kleinere Teile weggeworfen. Einige Musterteile wurden verschickt.

Übrigens sollte das nicht die billigere Lösung werden, sondern wurde ein qualitativ höheres Ergebnis angestrebt.

Mit der billigeren Industrieware sind die Ergebnisse übrigens Einwandfrei. Nur ist der Auftraggeber wegen der vertanenen Zeit sauer...

Ein kleiner Exkurs zur Technik...danke!
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  #7 (permalink)  
Alt 31.03.2011, 19:22
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AW: Schlechtes Material - Was tun?

Zitat:
Ein kleiner Exkurs zur Technik...danke!
danke dafür, da wirds etwas klarer. ich will ja nicht unken.... und ich kenne mich mit solchen prozessen nicht aus. nur wette ich, es gibt bei sowas verarbeitungsanweisungen. der lieferant wird sagen, die wären nicht korrekt eingehalten worden, sonst wäre alles bestens gelaufen...

Zitat:
Zitat von haduwolff Beitrag anzeigen
Nur ist der Auftraggeber wegen der vertanenen Zeit sauer...
wenn es nur das ist...

je nachdem um welchen wert es hier geht, sollte man sich gut überlegen, ob man deswegen zusätzliche zeit verplempern, sachverständige und anwältinnen füttern und gerichtskosten tragen möchte. zusätzlich noch ne menge zeit und nerven lassen will. und am ende doof dastehen....

wie so ne geschichte ausgeht, is nie vorher abzuschätzen. also vorsicht. und falls es in der realität einen ähnlichn fall gäbe, so würde ich sagen: viel glück!
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