Ja ja, Verlust, Entzug, Aberkennung...ich vergaß ich bin im Juraforum.
Naja, was auch immer. Nur weil andere Länder eine ähnliche Regelung haben, heißt das nicht, dass es richtig ist. Aber darüber kann man sich streiten. Ich finde das Gesetz nicht richtig, weil es viele Menschen in eine prekäre Situation gebracht hat und man bedenke, dass die Einführung der völlig legalen doppelten Staatsbürgerschaft geplant war und ein mehr als fragliches Optionsmodell daraus entstanden ist, mit dem gleichzeitigen Verlust der Staatsbürgerschaft für viele Menschen. Irgendwie paradox.
Es geht darum, wie das Gesetz enstanden ist, den gesellschaftlchen Kontext, die Unterschriftenkampagne, die Hetze. Her Stoiber warnte, daß im Zuge der Gesetzesreform [wenn die doppelte Staatsbürgerschaft eingeführt würde] hunderttausend Familienangehörige nach Deutschland nachziehen würden und sieht ein "massives Gewaltpotential" voraus. Mit diesem Thema wurde Wahlkampf von der CDU gemacht, das sollte man nicht vergessen.
Ich bin hier zwar im Juraforum, dessen bin ich mir bewusst, aber ich sehe das ganze nicht nur aus rein juristischer Sicht (sicherlich ist es rechtlich einwandfrei...und Gesetze gelten für alle, ausnahmslos), sondern auch aus menschlicher Perspektive.
Ach ja und ich bezweifle auch, dass sich jeder so "freiwillig" für die Wiederaufnahme der türkischen Staatsbürgerschaft entschieden hat. Die türkischen Konsulate haben da viel Mist gebaut und teilweise Leute nicht aus dem Register gestrichen, womit sie nicht entlassen waren. Das geschah zum Teil eben ohne das Wissen der Leute. Und dafür soll man durch die Formulierung "automatischer Verlust" bestraft werden?
Das Bundesinnenministerium schrieb in einer Informationsbroschüre mit dem
Titel "Plötzlich nicht mehr deutsch" zur "Veranschaulichung": "Ahmet B. versteht die Welt nicht mehr. Vor einigen Tagen ist er mit seiner in der Türkei geheirateten Frau bei der deutschen Botschaft in Ankara gewesen, um für sie ein Einreisevisum für Deutschland zu beantragen. Als er die Heiratsurkunde, weitere Unterlagen und seinen deutschen Pass vorlegt, wird der Botschaftsmitarbeiter plötzlich stutzig. Seinen schönen roten EU-Pass hat Herr B. nicht wiederbekommen, aber dafür eine Bescheinigung, dass er nicht mehr im
Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit ist. Nun fragt er sich verzweifelt und empört zugleich, wie es denn sein kann, dass er, der in Berlin geboren und aufgewachsen ist und sich als 19-Jähriger gerade in einer Ausbildung zum Bankkaufmann befindet, kein Deutscher mehr ist."
Für mich klingt das nach Häme.
Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird. (Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940)